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s L i b e r a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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PM 143 / 03.04.05 Zum Tode von Papst Johannes Paul II.
erklärt der SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering: Dem Kollegium der Kardinäle, den Katholikinnen und
Katholiken in aller Welt, vor allem aber auch den deutschen Katholiken,
spreche ich anlässlich des Todes von Papst Johannes Paul II. meine herzliche
Anteilnahme und die der deutschen Sozialdemokratie aus. Papst Johannes Paul II. war ein großer Papst, der über ein
Vierteljahrhundert lang, in einer Zeit tiefer Umbrüche und Veränderungen, die
Katholische Kirche in seiner Art geführt hat. Er war ein Gestaltender, der
auf wichtige Entwicklungen, die diese Zeit prägten und für die Zukunft
bedeutsam sind, mit Weitsicht und Klugheit Einfluss genommen hat. Als Papst Johannes Paul II. ins Amt kam, war die Welt in
Ost und West gespalten, standen sich die Großmächte in ihrer Einflusssphäre
in einem zutiefst bedrohlichen Konflikt gegenüber, der angesichts der
drohenden Potentiale atomarer Waffen nicht nur den Frieden, sondern das
Überleben der Menschheit gefährdete. Unser eigenes Land, Deutschland, war
seit langem in zwei Teile gespalten. Durch das Land und mitten durch die
Stadt Berlin zog sich eine kaum überwindliche, trennende Grenze. Schon die Tatsache, dass mit Karol Wojtyla zum ersten Mal
ein Mensch slawischer Herkunft das Petrusamt ausübte, hatte Auswirkungen auf
den Ost-West-Konflikt, vor allem auf die Entwicklung in seinem polnischen
Heimatland. Die Solidarnosc-Bewegung als freiheitliche Arbeiterbewegung, ein
erster mächtiger Erfolg bürgerlicher Initiativen in Osteuropa, wäre nicht
denkbar gewesen ohne die Anteilnahme, die der Papst und die Weltkirche an
diesen Entwicklungen nahmen. Mit diplomatischen Gesprächen und persönlicher Festigkeit
förderte Johannes Paul II. den Friedensdialog und trat mit Nachdruck für die
Überwindung der unmenschlichen, der Freiheit und der Würde des Menschen
widerstrebenden kommunistischen Diktaturen ein. Das war zu einer Zeit, als
niemand voraussehen konnte, dass 1989 die kommunistische Herrschaft
zusammenbrechen und durch freiheitliche Entwicklungen abgelöst werden würde,
dass die deutsche Teilung überwunden und die Einheit Deutschlands möglich
würde. Der Beitrag, den der Papst dazu leistete, wird unvergessen bleiben. Von Anfang an hat sich Johannes Paul II. in besonderer
Weise für die Katholische Weltkirche verantwortlich gefühlt. Wichtigsten
Anteil daran hatten die Pastoralreisen, die er bis in die letzten Jahre
seines Lebens hinein fortsetzte und die in vielen Ländern der Welt wichtige
Impulse gegeben haben. Nicht hoch genug kann die Ermutigung eingeschätzt
werden, die von der großen Anteilnahme des Papstes am Schicksal der Menschen
in den Entwicklungsländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens ausging.
Maßstäbe hat er auch in der Erneuerung des Verhältnisses zwischen Juden und
Christen gesetzt. Antisemitismus jedweder Form verurteilte er als Sünde gegen
Gott und die Menschen. Die Verantwortung Europas und der Staaten der Ersten Welt
für das Geschick der ganzen Welt bewusst zu machen, war das Ziel der
Soziallehre Johannes Pauls II.. Nicht weniger hart und eindeutig als früher
die freiheitswidrigen Ausformungen der kommunistischen Diktaturen, geißelte
er die Auswüchse eines unbeschränkten Kapitalismus als dauernde Verletzung
der Menschenwürde. „Strukturen der Sünde" nannte er die so genannten
Gesetzmäßigkeiten des Wirtschaftslebens, die zu immer neuer und immer mehr
Unterdrückung menschlicher Gestaltungsmöglichkeiten führen. Nachdrücklich
reklamierte er das Recht aller Menschen auf gemeinsamen Anteil an den
Erdengütern, auch das Recht der Menschen künftiger Generationen. Als „Kultur des Todes" bezeichnete er die immer
wieder zu beobachtende Tendenz, das Lebensrecht der Schwachen aufs Spiel zu
setzen, sei es durch das Vorenthalten der wichtigsten Lebensgrundlagen, der
Mittel zur Selbsthilfe, der Möglichkeiten der Bildung, sei es durch
Zerstörung menschlichen Lebens noch vor der Geburt. Vielen war die
Unerbittlichkeit, mit der der Papst die Fragen des unbedingten Lebensschutzes
gerade in den Phasen vor der Geburt unterstrich und festhielt, schwer
verständlich. Die Unteilbarkeit der Menschenwürde und die Heiligkeit des
Lebens eines jeden Menschen, hatten in ihm einen nachhaltigen Verteidiger. Die große und hohe Bedeutung dieses Pontifikats war im
Verständnis vieler Menschen nicht frei von Widersprüchen. Die ökumenische
Gemeinsamkeit der in viele Konfessionen getrennten Christenheit war das
Hauptziel des Papstes und dennoch haben viele darunter gelitten, dass die
römische Kirche sich in wichtigen Fragen der Verständigung und praktischer
Gemeinsamkeit nicht weiter öffnete. Aber tief ergreifend war die Bitte des
Papstes um Vergebung, gerade gegenüber den getrennten Christen - ebenso wie
die nachdenklichen Aussagen über sein eigenes Amt, das eines der
entscheidenden Hindernisse auf dem Weg zur Einheit darstelle, wie er es in
der Enzyklika „ut unum sint" äußerte. Nicht weniger wirksam als sein Wirken und Lehren war das
Beispiel, das der Papst bis in seine letzten Tage hinein als kranker und
leidender Mensch gegeben hat. Er hat damit viele Menschen ermutigt und
bewiesen, dass Krankheit und Schwäche einem Menschen nicht die Würde nehmen
können. Nicht nur Katholiken und nicht nur Christen in aller Welt
bringen diesem tapferen, von seinem tiefen Glauben getragenen Mann Respekt
und Sympathie entgegen. Er war nicht nur ein bedeutender Kirchenführer, er
war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die vielen Menschen Orientierung
gab. Wir verneigen uns vor Johannes Paul II. und seinem
Lebenswerk. |