D a
s L i b e r
a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Ein denkwürdiges Machwerk in „DIE ZEIT“, neues
Kampfblatt von Grünrot, am 4. Januar 2006. Unser Titel: Die Träume des
politischen Kleinfritzchen fdp. Schrill, unbeliebt, unsichtbar Dreikönigstreffen der FDP: Ausgerechnet
Guido Westerwelle, der lauteste und präsenteste Politiker von allen, hat es
geschafft, dass die Medien seine Partei ignorieren. … wollen. Von Tina Hildebrandt Fast vier Jahre ist es her, da saß Guido Westerwelle in
einem Lokal in Berlin-Mitte und dachte darüber nach, wie sich sein Leben als
Parteivorsitzender verändern würde. Er hatte Sorge, dass er in der neuen
Rolle all das würde einebnen müssen, was ihn als Generalsekretär erkennbar
gemacht hatte. Im Grunde hatte Westerwelle Angst, dass er selbst verschwinden, dass seine Partei ihn absorbieren könnte. Woher weiß Tina Hildebrandt
das alles so genau? Passiert ist das Gegenteil. Westerwelle ist immer noch
Vorsitzender, nur seine Partei ist verschwunden. Merkwürdig, ausgerechnet
Westerwelle, der Medienprofi, der lauteste und präsenteste Politiker von
allen, hat es geschafft, seine Partei praktisch unsichtbar zu machen. Die Wahlergebnisse von 2004
beweisen das (andere) Gegenteil Jetzt, zu Dreikönig gibt es wieder Bilder von ihm, wie er
über Rot-Grün schimpft. Ansonsten kommen die Liberalen im Fernsehen praktisch
nicht vor. Wenn der Parteichef bei Christiansen, bei Berlin Mitte oder einer
der anderen Talkrunden absagt, akzeptieren die Redaktionen meist keinen
Ersatzmann. Auch in der Presse finden die Freidemokraten kaum statt. Das ist
die Bilanz nach vier Jahren FDP-Vorsitz Westerwelle: Die Partei kommt nicht
vor, und ihr Chef kommt nicht an. Erneut: … wollen nicht.
Warum versteckt sich Hildebrandt hinter „den Redaktionen“. Sie wird ihre persönlichen
Gründe haben; teilt sie aber nicht offen mit. Intellektuelle Heckenschützen. Der
letzte Satz, semantisch geschickt eingehängt ist mit Sicherheit nicht der
Grund warum „die“ Redaktionen den Ersatzmann nicht akzeptieren. Als kleine Oppositionspartei habe man es eben schwer,
tröstet man sich bei den Liberalen. Das jedoch stimmt nur ein bisschen. Als
die Grünen Mitte der neunziger Jahre in exakt derselben Lage waren wie die
FDP heute, gelang es ihnen zeitweise, die SPD förmlich zuzudecken und den
Eindruck zu erwecken, die Ökopartei sei die eigentliche Opposition. Das
Verblassen der FDP in den Medien liegt nicht so sehr an irgendwelchen
objektiven Existenzbedingungen, sondern in erster Linie ganz subjektiv an ihr
selbst, an ihrem Mangel an überzeugendem Personal. Womit haben die Grünen die
SPD eingedeckt? Die nicht belegte Aussage ist dünn und nicht nachvollziehbar. Gegen die FDP herrscht ein unausgesprochener Boykott. Vielleicht doch nicht so unausgesprochen.
Immerhin hat – nachvollziehbar - jeder Parteigänger der anderen Parteien ein
vitales Interesse daran, den Wettbewerber „unsichtbar“ zu machen. Und an der bürgerlichen Klientel. Weite Teile der
gebildeten, liberalen, gut betuchten Kreise, als deren Vertreterin sich die
FDP sieht, bringen der Partei ein Gefühl entgegen, das mehr ist als nur ein
gewisser Überdruss. Es grenzt an Verachtung. In den Medien herrscht geradezu
ein unausgesprochener Boykott gegen die FDP. Es gehört zum guten Ton,
schlecht oder besser noch: gar nicht über sie zu reden und zu schreiben. Der erste Satz ist,
spätestens seit 2001 falsch. Wiederholung mit Adjektiven wie „gewisser“ „geradezu“
oder das Substantiv „guter Ton“ wirken als sprachliche Kapriole wie neue
Argumente – sind es aber nicht. Westerwelle spürt diese Missgunst und reagiert darauf mit
aggressiver Unsicherheit. Kerzengerade sitzt er da im Nadelstreifen und
streicht sich erwartungsvoll die Krawatte glatt. Wie geht’s, Herr
Westerwelle? Die Frage ist kaum gestellt, da verzieht sich schon das Gesicht
zur Lachmaske. Sogleich schleudert er dem Gesprächspartner putzmunter ein
»Gut«! entgegen. »Gut«, wiederholt Guido Westerwelle, »her-vor-ra-gend!« Aha, Westerwelle soll
ohne Krawatte in Jeans auftreten. Erwartet der Fragende Westerwelle solle mit
„schlecht“ antworten? Tatsächlich? Wenn Westerwelle im Bundestag redet, fangen
Bundeskanzler Gerhard Schröder und sein Vize Joschka Fischer meistens
demonstrativ an zu plaudern. Sie blättern in Akten, gähnen oder setzen sich
auf die Hinterbänke. Anstatt die gezielten Provokationen zu übergehen, regt
Westerwelle sich fürchterlich auf und fängt an, den Kanzler und sein Kabinett
vom Rednerpult aus über ihre schlechten Manieren zu belehren. Neulich hat
sich Schröder einen Spaß daraus gemacht, während Westerwelles Tirade
ausgerechnet zu dessen Vorgänger Wolfgang Gerhardt zu schlendern und ein
bisschen zu schwatzen. Ganz was Neues: Der
Kanzler soll gute Manieren haben. Es stimmt, Belehrung hilft bei Flegeln nicht.
Wer die Debatte vom 24. November 2004 gesehen hat, weiß, dass Westerwelle
sich mitnichten „fürchterlich“ aufgeregt hat; statt dessen den Kanzler
genüsslich (armes Deutschland) vorführte, vorzuführen hatte. Dann stellte Hans Eichel eine Zwischenfrage und wollte
sich anschließend wieder setzen, er hat es an der Bandscheibe. Westerwelle
aber bestand auf seinem Recht, dass Zwischenfrager stehen bleiben müssen im
Parlament und zwang »den Herrn Abgeordneten Eichel« wieder aufzustehen. Was
Westerwelle auf die Frage des Finanzministers geantwortet hat, wusste
hinterher niemand mehr. Nur, dass sich der Vorsitzende der Liberalen mal
wieder im Ton und im Stil vergriffen hatte. Wenn Hans Eichel im
Parlament wandeln kann, dann ist er auch in der Lage den Komment im Parlament
der Deutschen einzuhalten. Westerwelle habe sich vergriffen? Als ob sich die
SPD (einschließlich Hans Eichel) nicht an 83.000.000 Deutschen vergriffen
hätte. Provozieren, zuspitzen, auffallen, gegen die Altvorderen
stänkern, das war die Methode Westerwelle. Es war immer die sicherste
Methode, in der Politik Karriere zu machen. Gerhard Schröder, Joschka
Fischer, Helmut Kohl, sie alle haben es so gemacht. Aber wer dann oben ist,
der muss umschalten. Westerwelle hat keinen neuen Ton gefunden. Je schriller
er auftritt, desto mehr wird er ignoriert, desto lauter tritt er auf. In gewisser
Weise ist er ein Opfer seiner eigenen Methode geworden. Ein Ausstieg aus
diesem Teufelskreis wäre möglich, aber Westerwelle sucht ihn offenbar noch
nicht. Logo, alles was dem
sozialistischen Wahn, der unmoralischen Lehr par excellence,
widerspricht, wird als „stänkern“ diffamiert. Tolle Demokraten: 22. März
2002. Zu „umschalten“: Warum nicht gleich „Stillgestanden“? „schrill“, „ignoriert“,
„Methoden“, „Teufelskreis“ (Ups … und was ist mit
der Sozialhetze der SPD?), „noch“ … und dazu die „Sorgen der Tina Hildebrandt“ Dabei hat er als Parteivorsitzender durchaus Erfolge
vorzuweisen: Unter den 18- bis 24-Jährigen hat die FDP bei den letzten
Europa- und Landtagswahlen gut abgeschnitten, unter den 24- bis 35-jährigen
Männern sogar überdurchschnittlich gut. Bei den Erstwählern war sie stärker
als die Grünen. »In hohem Maße bemerkenswert« findet der Göttinger Parteienforscher
Franz Walter dieses vergleichsweise solide Wählerfundament. Ebenso
bemerkenswert ist, dass die FDP so wenig daraus macht. Ihr Erfolg spielt sich
im toten Winkel ab. „ … daraus nichts macht“:
Würde die SPD und Grünrot nicht so eine katastrophale Politik machen, bliebe
sicher Zeit für andere wichtige Aktivitäten … Die Union hat seit März in den Umfragen bundesweit rund 13
Prozentpunkte verloren. Die Liberalen hätten davon profitieren können, doch
sie haben nur rund ein Prozent zugelegt. Beide große Volksparteien haben es
momentan schwer, weil sie sich von vielen Gewissheiten verabschieden müssen,
weil ihre Milieus schwinden. Eigentlich ist das die Zeit der kleinen
Parteien. Die Grünen sind denn auch so stark wie nie. Abwarten und Tee trinken …
Übrigens FDP „nur“ +1%, damit ist bewiesen, dass die FDP die eigenständige politische
(zu kleine, das stimmt) Kraft ist. Warum hat die FDP es dann so schwer, Herr Westerwelle? Hat
sie nicht, sagt er. „Die deutsche Gesellschaft ist immer bereiter für den
Liberalismus.“ Mag sein, aber vielleicht nicht für die FDP. Vielleicht doch. Warum kommt die Partei so wenig in den Medien vor? Weil
sie so wichtig ist, behauptet Westerwelle allen Ernstes, sie sei nämlich der
Schlüssel zum Machtwechsel, und den wollten eben einige nicht. In seinem
jüngsten Strategiepapier Neuanfang 2006 beklagt er prophetisch, im Wahlkampf
werde „nur ein Teil“ der Medien fair über die Liberalen berichten. Und wenn
schon, sagt der FDP-Vorsitzende unwillig, das sei dann aber wohl eher das
Problem der Medien. Westerwelle beschönigt
noch. Oder kann Tina Hildebrandt, etwa am Beispiel des hier kommentierten
Beitrages, den „Verdacht“ widerlegen, wie eine intellektuelle Drecksau zu
schreiben? Könnte es sein, dass Westerwelle auch ein bisschen Recht hat?
Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender bilden den schwarz-roten Proporz der
Volksparteien ab. Die Presse will mehrheitlich lieber Rot-Grün oder
Schwarz-Grün als alle Kombinationen mit Gelb. Zudem dominiert bei einigen Printmedien noch die Generation der 68er die
Chefredaktionen. Dort pflegt man eine nostalgische Verklärung sozialliberaler
Zeiten und hegt offenbar einen tief sitzenden Groll gegenüber der FDP, weil
sie 1982 die Koalition gewechselt hat. Aber warum ist die Partei auch bei den
jüngeren Medienleuten so unbeliebt, bei denen, die für liberale,
sozialstaatskritische Botschaften durchaus empfänglich sind? Ist das nur
Ressentiment? Saggggense mal Frau Hildebrandt: Mit dem
intellektuellen Purzelbaum des vorstehenden Absatzes werden Sie wohl kaum in die
Ahnengalerie sozialistisch-obrigkeitsstaatlicher Patrioten eingehen. Stand
weiter oben nicht geschrieben, bei den ganz Jungen sei die FDP erfolgreicher
als die Gruüehnen? Die FDP ist in ihrer Geschichte die meiste Zeit
Regierungspartei gewesen, ihre Rolle war Mehrheitsbeschafferin und Korrektiv
für die großen Volksparteien. Die Rolle als Mehrheitsbeschafferin hat sie
eingebüßt, seit die SPD auf die Grünen zurückgreifen kann. Die Regierung war
aber auch ein Korrektiv für die FDP. „Die Mitverantwortung“, sagt der
Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt, „sensibilisiert auch für das
Machbare. Sie zwingt zu einem menschlichen Maß.“ Gerhardt wirkt entspannt,
seit er nicht mehr Vorsitzender der FDP ist. Früher haben sie ihn in seiner
eigenen Partei als „schnarchenden Löwen von Wiesbaden“ verspottet, heute sind
sie froh, dass sie ihn haben. Er hat sich nicht geändert, aber er gilt jetzt
nicht mehr als langweilig, sondern als seriös. Über Gerhardt war die FDP
schon immer froh. Oder haben wir in Deutschland ein zweites Mal erlebt, dass
jemand wie Gerhardt die hohe Position aufgab und darauf verzichtete die
beleidigte Leberwurst zu spielen? Vielleicht ist dies das Hauptproblem der FDP, dass sie ihr inneres Maß seit Jahren schon so komplett an
ihre jeweiligen Vorsitzenden delegiert hat und dass der amtierende
Vorsitzende für sich selbst und seine Partei kein Maß gefunden hat, nur immer
neue Etiketten. Mal war die FDP die Avantgarde, dann die Partei für das ganze
Volk, dann die Partei der Leistungsbereiten.
Westerwelle selbst trat erst als Turbo-Reformer auf, dann als Spaß-
Politiker. Den ernsthaften Parteivorsitzenden nimmt man Westerwelle
nicht ab Er hat den Anforderungen der Medien entsprochen bis zur
Karikatur. Seine politischen Freunde fangen schon an, den Menschen
Westerwelle vor seinem Image in Schutz zu nehmen: „Privat ist er ganz anders.“
Aber die Medien sind seiner überdrüssig. Sie mögen den nicht, der sich nach
ihrem Idealbild geschaffen hat. Und er wiederum ist beleidigt. Wenn die
Medien ihn nicht mögen, dann mag er sie eben auch nicht. Er verschanzt sich
hinter markigen Sätzen. Auf Fragen reagiert er wie auf Attacken. Ständig
dementiert er Vorwürfe, noch bevor sie ihm gemacht werden. Westerwelle hat mit
Sicherheit keinen Bedarf, sich mit der Redaktion des Liberalen Tagebuches
auszutauschen. Daher ist seine Einstellung zu den Medien hier nicht bekannt. Deswegen
kann nur gefragt werden: Könnte es sein, dass Westerwelle Schmierfinken sogar
verachtet? Er hat sich im Jahr 2002 mit Jürgen Möllemann auf einen wirklich
tragischen Wettlauf in Sachen Populismus eingelassen, der mit dem Tod seines
Konkurrenten endete. Man nimmt es Westerwelle ab, wenn er sagt, er habe „in
einen Abgrund geblickt“. Den ernsthaften Parteivorsitzenden, der er seither
sein will, den nimmt man ihm nicht ab. Und das nicht nur wegen der vielen
Rollenwechsel. Hat Westerwelle außer „in
einen Abgrund geblickt“ sonst nichts gesagt? Es liegt auch daran, dass Westerwelle den Moment der
ganzen Wahrheit nie gewagt hat. Weil er selbst so sehr Teil des „Projekts 18“
war, hat er so getan, als gäbe es eine gute Hälfte der desaströsen
Kampagne und eine schlechte: die gute, das soll seine Hälfte gewesen sein,
die Strategie der Eigenständigkeit. Die schlechte, das war Möllemanns Hälfte,
der Klamauk, das Spielen mit antisemitischen Vorurteilen. Westerwelles innere
Wendung zu einem ernsten und ehrlichen Politiker begann damit, dass er beim
Sündenfall der FDP nicht ganz ernst und nicht ganz ehrlich war. Das Projekt 18, überzogen
wie heute einzusehen ist, war beliebter als es Tina Hildebrandt in den Argumente-Fluss ihres Machwerkes passt. Und mit jedem Stück Ernsthaftigkeit, das Westerwelle
zurückerobert glaubt, verschärfen sich die Anforderungen noch einmal: Terror,
Wirtschaftskrise und jetzt die Flutkatastrophe. Er ist heute ernster als
früher – aber längst nicht so ernst wie die Zeiten. Tina Hildebrandt wird
doch nicht etwa meinen, die Politik von Gerhard Schröder und seinem grünroten
Team sei ernsthaft. Aus liberaler Sicht, zugegeben, ist „ernsthaft sozialistisch“
allenfalls eine Katastrophe für 83.000.000 Deutsche – sie selbst also
eingeschlossen. Westerwelle hat selbst vielleicht am meisten unter seinem
Image gelitten, er galt immer als kalt, künstlich, unnahbar. Seine Homosexualität,
das war eine verbreitete Einschätzung, zwinge ihn, sich zu verbergen, mehr
als üblich, eine Fassade zu pflegen. Parteifreunde und Berater drängten ihn
deshalb seit Jahren zum Outing. Beim 50. Geburtstag
von Angela Merkel zeigte er sich vergangenen Sommer zum ersten Mal mit seinem
Lebensgefährten in der Öffentlichkeit. Worauf will Tina
Hildebrandt hinaus? Nur en passant: Westerwelle sagte am 6.1.05 in Stuttgart,
er sei stolz auf seine Partei. Jedermann kann stets noch
besser werden, auch deswegen gilt das Gleiche umgekehrt. Westerwelle sagt, er sei jetzt freier als je zuvor. Nur,
er wirkt nicht so. Eigentlich, so stellen seine Parteifreunde ratlos fest,
sei es mit der Künstlichkeit des Vorsitzenden eher noch schlimmer geworden.
Nach dem Machtverlust von 1998 war die FDP bemüht, den Abstand zur Union zu
vergrößern, um ihre Eigenständigkeit zu wahren. Das machte Sinn, bis Kanzler
Schröder und Joschka Fischer sich Treue über 2006 hinaus gelobten. Seither
rückte Westerwelle wieder näher an die Seite der Union und Angela Merkels, so
nah, dass inzwischen die CDU um Distanz bemüht ist. Merkel hat Sorge,
Westerwelles Negativimage könnte ihr schaden. Es soll jetzt nicht mehr so
viele Bilder von ihr zusammen mit dem FDP-Vorsitzenden geben. Na, na: Möglicherweise muss
die Sache mit den Bildern genau andersrum gesehen werden. Fast am Ende der
Kommentierung ist festzustellen: Tina Hildebrandt versteht etwas von
Massenpsychologie – was in der deutschen Geschichte schon mal vorgekommen
sein soll – aber von ihrer Fähigkeit zur Analyse – unentbehrlich zum zielgerichtet-zweckmäßigem Erkennen der „Wettbewerberlage“,
müssen wohl Abstriche gemacht werden. Es gibt keine Hinweise für die
Notwendigkeit, Tina Hildebrandt mit den Nazis zu vergleichen. Aber wir
sollten aus der Geschichte schon lernen, dass „1933-1945“ auch auf die
Blindheit von Intellektuellen und Pseudointellektuellen zurückzuführen ist.
Vielleicht ist dem tüchtigen früheren Kanzler, Helmut Schmidt, der bei „DIE
ZEIT“ wohl etwas zu kamellen hat, zu empfehlen, er
solle Hildebrandt mal dazu verdonnern, ordentlich auszuschlafen; er (Schmidt)
könnte dann seine Phobien viel wirkungsvoller austoben. Im Regierungslager hat man den FDP-Vorsitzenden inzwischen
als Merkels größtes Handikap auf dem Weg ins Kanzleramt identifiziert. Franz
Müntefering kokettiert damit, wie er sich darauf freut, im Wahlkampf das Duo
Merkel und Westerwelle zu plakatieren. Was meint Tina
Hildebrandt, wie sich die Liberalen darauf freuen, dass Westerwelle
Schröder/Fischer gemeinsam vor die geballte Ladung Liberaler Programme bekommen
wird. Wie findet Westerwelle das? Gut. Sogar Klasse. “Eine feine
Gelegenheit, den inhaltsentleerten Personality-Wahlkampf
der Regierung zu entlarven“, sagt er. Sein Fuß rotiert. Er bereitet einen „Quantensprung“
vor. Die Deutschen wissen nämlich inzwischen, „dass sie die schlechteste
Regierung haben, die es je gab“, sagt Westerwelle. Jetzt müsse nur noch
klarer werden, „dass wir es besser können“. Union und SPD hätten sich
entschlossen, für den Rest der Legislatur abzutauchen. Die FDP jedoch, die
werde „jetzt so richtig aus der Deckung kommen“. Die Zitate stimmen. Die
Semantik des Machwerkes von Tina Hildebrandt bewirkt – sicher mit Absicht –
ihre Entwertung. Wieder und wieder: Auch Tina Hildebrandt, hat wie jede
Deutsche jedes Recht der freien Meinungsäußerung. Liberale wollen die offene,
demokratische Gesellschaft. Verteufelte Dialektik: Also müssen wir auch „Tina
Hildebrandt“ wollen. Was tun? Wahrheiten aussprechen: Entweder ist Tina
Hildebrandt ignorant oder bar demokratischer Moral und demokratischen Stiles. Und dann guckt wieder kein Schwein. Oh-oh-oh. Ist das aber ordinär. Sagte die Mutter
des Chefredakteurs des Liberalen Tagebuches vor vielen Jahren: „Eine Ehe wird
gemütlich, wenn der erste Pup gefallen ist“. Dem ist hinzuzufügen, dass die
Verstorbene penetranten Gestank nicht ausstehen konnte. Jahrgang 1915, hatte
sie als junge Frau die braunen Emporkömmlinge in Frankfurt a/M erlebt. Sie
berichtete u.a., dass die Juden am Main schon früh – noch bevor „Mein Kampf“
richtig bekannt wurde - Sorgen über den Stil der Nazis äußerten. Offener (öffentlicher)
Hinweis an Alt-Kanzler Schmidt, noch heute Vorbild für viele in Deutschland: Muss „das“ sein? |
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