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s L i b e r a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Westerwelle mi Sommerinterview mit dem ZDF ZDF: Herr Westerwelle was Politiker im Moment, Politiker
aller Parteien schockt, ist ja der Erfolg des Linksbündnisses im Osten: 30
Prozent, sagen die aktuellen Umfragen. Mehr als die Union. Gibt es ein Rezept
dagegen, dass unser Land 15 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch so
gespalten ist? Guido Westerwelle: Erst mal müssen wir abwarten, ob das,
was da im Augenblick in Umfragen gemessen wird, dann tatsächlich das
Wahlergebnis sein wird. Damit rechne ich nicht ... ZDF: ... Aber es ist eine reale Gefahr ... Guido Westerwelle: ... Aber man muss damit rechnen, dass
die PDS mit Lafontaine tatsächlich auch wieder parlamentarisch wird. Und
deswegen halte ich auch die Gefahr für durchaus real, dass es eine linke
Mehrheit im Deutschen Bundestag geben könnte aus SPD, Grünen und PDS. Ich
zweifle auch nicht daran, dass dann, wenn eine linke Mehrheit im Bundestag zu
Stande käme durch das Wählervotum, diese linke Mehrheil auch als Linksfront
Deutschland regieren wollte. Sie würden es versuchen. Herr Schröder würde
verabschiedet, Herr Gabriel würde diese Position wahrnehmen. Und deswegen
möchte ich auch, dass Schwarz-Gelb nicht nur Rot-Grün ablöst, sondern auch
diese Linksfront im Bundestag verhindert. ZDF: Die SPD sagt, das machen wir nicht, die Grünen sagen
das auch. Ist es nicht sehr viel wahrscheinlicher, dass dann eine große
Koalition kommt und dass es gegen die FDP läuft? Westerwelle: Nein, denn die SPD sagt im Augenblick vor der
Wahl, sie will mit der PDS niemals, nimmer zusammenarbeiten, verschweigt aber,
dass sie es schon tatsächlich tut. Es regiert die SPD in Schwerin und in der
Hauptstadt Berlin schon jetzt gemeinsam mit der PDS. Und ich zweifle nicht
daran, wenn die Linken eine Mehrheit im Bundestag bekommen, ist die Gefahr
real, dass das auch zu einer Regierung führt. Vielleicht wird man das dann
Tolerierungsbündnis nennen, oder wie auch immer das Konstrukt dann heißt,
aber das ist eine reale Gefahr und deswegen ist auch ein schwarz-gelber
Wahlsieg noch lange nicht im Sack. ZDF: Das heißt, Sie sehen die Gefahr, dass es eine
Mehrheit links von Union und FDP gibt? Das Selbstbewusstsein der letzten
Wochen scheint ein bisschen weniger zu werden. Westerwelle: Die Chancen für Schwarz-Gelb sind außerordentlich
gut. Wir gehen ja sehr stark auch jetzt in diesen Bundestagswahlkampf hinein.
Aber die Illusion, es wäre schon alles entschieden, die habe ich überhaupt
nicht. Ich glaube, es wird am Schluss entschieden, im Schlussspurt
entschieden. Und die Tatsache, dass SPD und Grüne und PDS im Augenblick
heilige Eide schwören, sie würden nicht zusammen arbeiten, denen schenke ich
kein Vertrauen. Ich rechne damit, wenn die Wähler eine solche linke Mehrheit
im Bundestag zulassen, dann ist Gefahr auch real, dass sie zu einer Regierung
kommt. ZDF: Ist es nicht ein Problem für die FDP, dass es für Sie
nur eine Option gibt für eine Regierungsbeteiligung und die heißt mit der
Union? Wenn das nicht klappt, wenn es diese Mehrheit nicht gibt, bleiben sie
weiter in der Opposition? Westerwelle: So ist es, und deswegen ist das kein Problem,
sondern das ist unser Wunsch, unser Wille, weil es auch nur zu unserem
Programm so passt. Wir wollen gemeinsam mit der Union eine Politik der
Erneuerung unseres Landes durchsetzen, eine wirtschaftsfreundliche Politik
durchsetzen, damit auch Arbeitsplätze entstehen können. Wenn wir mit der
Union keine gemeinsame Mehrheit bekommen, keinen Regierungsauftrag bekommen,
wofür wir arbeiten und womit wir auch rechnen dürfen, dann wird die FDP in
der Opposition sein. ZDF: Herr Westerwelle, darüber sprechen wir gleich auch
über das Programm, das die Union vorgelegt hat. Zunächst möchte in noch mal
zurückgehen ins Jahr 2002, den letzten Wahlkampf. Da haben wir beide auch ein
Sommerinterview geführt, und die Stimmungslage von seiten der FDP war etwas
anders. Sie waren der Kanzlerkandidat, die FDP war die Partei für das ganze
Volk, das Projekt 18. Ist Ihnen soviel Selbstbewusstsein von damals heute ein
bisschen peinlich? Westerwelle: Im Gegenteil. Wir haben ja in den letzten
vier Jahren, die besten Wahlergebnisse erzielt für die FDP, seit der
deutschen Einheit ... ZDF: ... Aber weit weg von 18. Westerwelle: ... Das ist wahr. Aber auch viel weiter
vorangekommen als wir damals waren. Wir sind jetzt nicht mehr in vier
Parlamenten vertreten, sondern in elfen. Wir haben das Europaparlament zurück
erobert. Da waren wir zehn Jahre nicht dabei. Und was man nicht vergessen
darf: Die FDP regiert jetzt in fünf Landesregierungen wieder mit, die Grünen
in keiner einzigen. Also insoweit ist die FDP gut aufgestellt. Aber Sie haben
Recht: Die Lage 2002 sie war eine andere und eine Lage, die jetzt neu ist,
wird auch neu bewertet. Damals gab es eine Ausgangssituation auch mit einer
Union, die gerade aus ihrer schweren Spendenaffäre kam. Heute ist die Union
erneuert, die FDP hat sich erneuert. Wir sind beide gut aufgestellt, haben
genügend programmatische Übereinstimmungen, um auch mit einer klaren
gegenseitigen Koalitionsaussage uns dem Wählervotum zu stellen. ZDF: Nicht nur die Lage war anders damals, Herr
Westerwelle, sondern auch der ganze Stil. Mancher in der Union sagt und auch
in Ihrer eigenen Partei: Diese Spaßnummer, die wird Westerwelle nicht mehr
los. Westerwelle: Ach, Fischer wird seine Turnschuhe nicht los
und ich werde auch bestimmte Klischees nicht los. Entscheidend ist, dass die
Wähler es anders sehen. Und die Wähler wissen ganz genau, dass man sehr
ernste Ziele haben darf, in der Politik haben muss, aber dass auch eine
Portion Fröhlichkeit und Optimismus dazugehört. Und ich mache da auch gar
keinen Hehl daraus, da Sie mit mir persönlich dieses Interview ja nicht zum
ersten Mal führen. Sie kennen mich, viele Menschen kennen mich, und die
wissen auch: Den fröhlichen lebensbejahenden Rheinländer, den werden Sie
nicht los. Im Gegenteil, das will ich auch bleiben. ZDF: Aber, Herr Westerwelle, es war ja nicht nur eine
Frage der Stilistik, Guidomobil und so, sondern es war doch eine Frage
der Konzeption: Kanzlerkandidatur,
keine Koalitionsaussage damals - das ist alles jetzt ganz anders. Kann der
gleiche Mann, kann der gleich Spitzenkandidat so zwei völlig unterschiedliche
Richtungen vertreten? Westerwelle: Wir vertreten die selbe Richtung, nämlich die
Richtung der marktwirtschaftlichen Erneuerung unseres Landes. Wir sagen eine
wirtschaftsfreundliche Politik, die auf Wachstum setzt, schafft
Arbeitsplätze. Und das Steuerkonzept, was wir damals vorgelegt haben und was
jetzt verbessert zur Abstimmung steht bei dieser Bundestagswahl der FDP, das
ist ja nicht damals spaßig gewesen, und heute ist es ernst. Das waren immer
ernste Ziele, aber wir verschweigen das auch gar nicht. Wenn man zum Beispiel
junge Menschen für Politik wieder interessieren will, dann darf man nicht
immer wie so ein moralinsaurer Trauerkloß durch die Welt ziehen. Und ich
finde auch, dass man etwas mehr Optimismus in der deutschen Politik, etwas
mehr Lebensbejahung, durchaus vertragen kann. ZDF: Gut, Herr Westerwelle, dann reden wir mal über den
Koalitionspartner, den möglichen. Die
Union hat diese Woche das Programm vorgelegt. Zum Beispiel auch das Programm,
wie die Steuerpolitik in Zukunft aussehen wird. Da gibt es einen
Kerngedanken, der heißt Mehrwertsteuer soll steigen um zwei Prozent, dafür
sinken die Lohnnebenkosten. Ist es das, was Sie erwartet haben? Sie haben
immer gesagt: Ein einfacheres, ein gerechteres, ein niedrigeres Steuersystem,
das ist die Voraussetzung für eine Koalition. Ist diese diese Voraussetzung
erfüllt? Westerwelle: Es bleibt bei dieser Voraussetzung aus Sicht
der Freien Demokraten. Wir gehen in den Wahlkampf und stellen uns den
Wählerinnen und Wählern zur Wahl mit einem ausgearbeiteten Gesetzentwurf, der
übrigens nach allen Regeln der Mathematik gegengerechnet worden ist. Wir
haben ja gesagt, wir brauchen ein niedrigeres, einfacheres und gerechteres
Steuersystem ... ZDF: Aber die Frage war: Erfüllt der mögliche
Koalitionspartner die Kriterien? Westerwelle: ... und ich komm drauf ... und das ist für
uns im Kern auch nicht verhandelbar, das ist mir wichtig. Die FDP steht für
ein niedrigeres, einfacheres und gerechteres Steuersystem. Ich kann nicht
meine Hand dafür ins Feuer legen, dass
jeder Prozentpunkt heraus kommt, nach einer Koalitionsverhandlung, den
wir anstreben. Aber dass es im Kern bei dieser Richtung bleibt, dafür steht
die FDP, dabei bleibt es auch. Und deswegen ist auch die Idee der
Unionsparteien, jetzt eine Steuererhöhungsdiskussion zu führen, aus unserer
Sicht falsch. Das vergrößert die Schwarzarbeit, das lähmt die Konjunktur, das
geht zu Lasten der Kaufkraft, und das kostet dementsprechend Arbeitsplätze. ZDF: Ist, das was Ihr Partner, Ihr möglicher Partner da
vorlegt, denn aus Ihrer Meinung nach solide? Ist es wirklich solide
gegengerechnet? Man weiß ja noch nicht, woher die Milliarden kommen sollen
zum Beispiel beim Gesundheitssystem. Und es steht ja wohl auch noch nicht
fest, ob ein Teil dieser geplanten Mehrwertsteuererhöhung wieder in die
Länderhaushalte fließt. Ist das mit Ihnen zu machen? Westerwelle: Das Programm der Union, das jetzt vorgestellt
worden ist, hat überzeugende Teile mit Schnittmengen auch zur FDP. Aber es
hat eben auch Teile, die uns überhaupt nicht überzeugen und die wir
verhindern wollen, zum Beispiel Steuererhöhungen. Wir sind der Überzeugung,
Steuersenkungen, das schafft Arbeitsplätze, weil nur so auch die Wirtschaft
wieder in Schwung kommt. Und dem entsprechend wollen wir diesen Kurs auch
durchsetzen. Und wenn die Wähler uns stark genug machen, dann werden wir eben
auch mehr durchsetzen können von unserer liberalen Programmatik. ZDF: Das heißt die Frage, ob die Mehrwertsteuer steigt,
ist davon abhängig, wie viele Prozente Sie bekommen? Westerwelle: Nein, das hängt natürlich davon ab, dass man
Alternativen vorlegt. Das haben wir getan als FDP. Wir haben vorgerechnet,
wie eine Steuerentlastung der Bürger stattfinden kann in einem Umfang von
etwa 16 bis 18 Milliarden Euro und wie das gegenfinanziert wird durch
Subventionsabbau, dem Streichen von steuerlichen Ausnahmetatbeständen, dem
Abbau von Bürokratie mit einem Volumen von etwa 36 bis 38 Milliarden Euro.
Und jeder, der uns jetzt zuschaut, kann unter www.fdp.de diese Rechnung der FDP nachprüfen. ZDF: Werden Sie in Koalitionsverhandlungen einen Vertrag
unterschreiben wo eine Mehrwertsteuererhöhung ab 2006 drinsteht? Guido Westerwelle: Wenn ich jetzt apodiktisch, quasi
gesetzmäßig, sagen würde niemals nimmer, auf gar keinen Fall und nur über
meine Leiche, würde das dazu führen, dass der Partner, mit dem wir ja
zusammen arbeiten wollen, nicht mehr ohne Gesichtsverlust auf unseren Kurs
einschwenken kann. Und deswegen werde ich das nicht tun. Wenn man etwas
durchsetzen will und wir wollen Steuersenkungen durchsetzen, da muss man
entschieden sein, man muss klar sein in der eigenen Meinung. Aber man muss auch
im Umgang mit dem Partner klug sein und auch
etwas diplomatisch. Und seien Sie mal sicher, vor der
Nordrhein-Westfälischen Landtagswahl haben alle gesagt: Die Streichung der
Steinkohlensubventionen zugunsten von mehr Bildung, das kriegt Ihr nie durch,
da blast ihr nur die Backen auf. Tatsache ist: Wir haben es durchgekriegt,
weil wir eben ruhig, aber auch entschieden verhandelt haben. ZDF: (Diese Frage und die folgende Antwort nicht im
Video-Stream des Internet enthalten)
Ihr Finanzexperte Solms sagt jetzt: "Mit der FDP gibt es
garantiert keine schnelle Steuererhöhung." Ist das die Hintertür, die
offen bleibt? Westerwelle: Nein. Herr Solms hat sehr viel mehr gesagt
und ich finde auch er hat Recht, dass er Steuersätze von 15, 25 und 35
Prozent vorschlägt. Aus Koalitionsverhandlungen kommt man immer anders (?)
heraus, als man hinein geht. Die Union weiß das, und wir wissen das auch.
Aber das Entscheidende ist, dass die Wählerinnen und Wähler die Position der
Steuersenkung, der wirtschaftlichen Vernunft, stark und stärker machen
können. ZDF: Herr Westerwelle, diese Mehrwertsteuerfrage, die
ganze Steuerpolitik ist nicht das einzige Feld, wo im Moment es Dissens gibt.
zwischen beiden möglichen Koalitionspartnern für den Herbst. Ein anderes ist
das Problem der inneren Sicherheit. Wir sind alle schockiert durch das was in
London passiert ist und Unionspolitiker schlagen jetzt alle möglichen
Gegenmaßnahmen vor. Da gibt es jetzt einen ganzen Katalog von Forderungen:
Überwachung zum Beispiel von muslimischen Gemeinden, stärkere
Bildüberwachung, Kameraüberwachung in unseren Städten, mehr
Telefonüberwachung. Das hat ja in London auch zu erstaunlichen Erfolgen
geführt. Machen Sie das mit? Oder sagt die Bürgerrechtspartei, FDP, wir haben
genug? Westerwelle: Wir stehen ja für ein vernünftiges Verhältnis
von Bürgersicherheit und Bürgerfreiheit. Das, was die Bürgersicherheit
wirklich erhöht, das werden wir auch unterstützen. Das, was sie aber nur
scheinbar erhöht, das werden wir ablehnen. ZDF: Bundeswehr im Inneren? Westerwelle: Das ist zum Beispiel etwas, was wir für
unvernünftig halten. Schon jetzt kann bei jeder Katastrophe die Bundeswehr
eingesetzt werden. Das wussten wir doch und haben wir alle erlebt, wie tapfer
unsere Soldatinnen und Soldaten geholfen haben, als beispielsweise die
Hochwasserkatastrophe war. Aber es macht doch keinen Sinn, die Bundeswehr zu
einer regelmäßigen Hilfspolizei zu erklären. Dafür sind die nicht ausgebildet
und wir sollten besser unsere Polizei stärken. Ein zweites Beispiel nennen (ZDF: Bitte kurz) was ich für
sehr wichtig halte beim Thema Bürgerrechte: Es hat eben nichts mit mehr
Sicherheit unserer Bürger zu tun, dass das Bankgeheimnis faktisch für alle
Deutschen aufgehoben worden ist. Und das werden wir wieder einführen, weil es
unerträglich ist, dass ein normaler Beamter, von einer ganz einfachen
Behörde, ohne dass ein Richter gefragt werden muss, ohne das ein Staatsanwalt
gefragt werden muss, mittlerweile auf jedes deutsche Konto blicken kann. ZDF: Wenn die Sicherheitsfragen für Sie so wichtig sind,
die Bürgerrechtsfragen, Herr Westerwelle, macht es da nicht Sinn, wenn Sie
Innenminister werden? Es gibt ja den innenpolitischen Experten Ihrer Partei,
Stadler, sagt: wäre ein hervorragender Innenminister Westerwelle. Ist das ein
Amt, das Sie interessiert? Westerwelle: Ich hab mich über die Blumen gefreut. Und das
ist auch immer schön, wenn man ein solches Lob erfährt vor allen Dingen von
einem solchen Experten. Aber, ich sagen Ihnen, es geht zum jetzigen Zeitpunkt
nicht um irgendwelche Bewerbungen für irgendwelche Ämter. Jetzt geht es um
den Politikwechsel. Jetzt geht es erst einmal darum, dass Deutschland über
Inhalte redet und dass nicht der Eindruck entsteht, es ginge da nur um
Posten, Positionen. Es geht nämlich in Wahrheit nicht darum, wer wird
Minister. Es geht nicht um das Schicksal von Frau Merkel, von Herrn Stoiber
und von meiner Person, auch nicht um das Schicksal von Herrn Fischer und das
Schicksal von Herrn Schröder. Es geht ausschließlich darum: Welchen Weg nimmt unser Land? Und deswegen geht es jetzt
erst um die Inhalte. ZDF: Herr Westerwelle, Hans-Dietrich Genscher war 42, als
er Innenminister wurde im Kabinett Brandt. Sie werden jetzt 43, sind jetzt
43. Ist es nicht Zeit, dass Sie die Karten auf den Tisch legen und sagen: Das
ist der Job, den ich haben will? Westerwelle: Sie können ganz sicher sein, dass wir unsere
Mannschaft, auch unsere Kernmannschaft, so wie wir sie ja der Öffentlichkeit
schon vorgestellt haben, auch noch präzisieren werden, aber das machen wir
dann kurz vor der Wahl, wenn die Wahlprogramme bei den Bürgerinnen und
Bürgern diskutiert worden sind, wenn jeder auswählen kann nach Inhalten. Zum
jetzigen Zeitpunkt müsste man doch verrückt sein, würde man über Posten reden
an statt dass man über Inhalte spricht. ZDF: Wenn Sie nicht über Personen sprechen wollen, aber
dann vielleicht doch über ein Amt. Wie ist das mit dem Außenministerium? Die
FDP hat berühmte Außenminister gestellt, Scheel, Genscher, Kinkel. Ist das
nicht eine Frage der Ehre für Ihre Partei, dieses Amt zu beanspruchen? Westerwelle: Ich glaube, dass die FDP in den letzten
Jahrzehnten bewiesen hat, dass wir sehr viel von Außen- und Europapolitik
verstehen und ich glaube auch, dass die allermeisten Bürgerinnen und Bürger
die Kompetenz bei den Freien Demokraten anerkennen. Aber ich weiß auch eines:
Jetzt geht es nicht darum, mit einem möglichen Koalitionspartner darüber zu
streiten, wer was wird. Jetzt geht es darum, erst einmal mit dem Programm
Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. Ganz am Anfang unseres Interviews habe
ich Ihnen gesagt, der Wahlsieg ist möglich, aber noch lange nicht im Sack.
Und dementsprechend werbe ich dafür, über Inhalte zu reden, darüber zu reden,
was das Leben der Menschen besser macht, was weniger Arbeitslosigkeit bringt
, was ein besseres Bildungssystem bringt, was mehr Forschungsmöglichkeiten
schafft, mehr innere Liberalität. Darüber rede ich jetzt und nicht über
Posten. ZDF: Wenn der Wahlsieg noch nicht sicher ist, das ist die
Grundthese mit der Sie sozusagen in dieses Innterview hineingegangen sind.
Gesetzt den Fall, Sie verlieren, Sie verlieren wieder nach 2002, Herr
Westerwelle, können Sie dann Parteivorsitzender bleiben? Westerwelle: Wir werden gewinnen. ZDF: Und wenn Sie nicht gewinnen? Das war meine Frage. Was
bedeutet das für Ihre persönliche Zukunft? Westerwelle: Wir werden gewinnen, und ich lasse mir von
Ihnen auch jetzt nicht den Schneid abkaufen und Pessimismus einreden. Wir
wollen gewinnen, wir werden gewinnen, dafür kämpfe ich und irgendwelche
B-Pläne, wenn irgendwas schief geht, das ist was für Leute, die von
vornherein die Niederlage im Kopf haben. Ich sage Es wird knapp, aber wir
haben alle Chancen. Aber Deutschland muss auch wissen: Gegessen ist noch
nichts. |