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s L i b e r a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Guido Westerwelle anlässlich der 60-Jahr Feier
der FDP-Niedersachsen wir würdigen hier das 60jährige
Bestehen der Freien Demokratischen Partei Niedersachsen. Das muss auch Anlass
sein, die Entwicklungen anzusprechen, die uns Sorgen machen. Ist eigentlich
das Immunsystem der demokratischen Mitte noch intakt? Erst vor wenigen Wochen
hangelten sich Demonstranten von der Besuchertribüne ins Plenum des Deutschen
Bundestages herab. Ins Plenum des Deutschen Bundestages darf nicht einmal ein
Minister ohne Abgeordnetenmandat. Das war doch die Lehre aus der Weimarer
Republik, dass das Parlament unantastbar bleiben muss bei allen politischen
Auseinandersetzungen. Und weil nette junge Leute im Namen einer angeblich
gerechteren Welt die Debatte im Deutschen Bundestag unterbrachen, fand das freundliches Augenzwinkern auch in seriösen Kommentaren.
Dieser Beifall ist mindestens so beunruhigend wie die Aktion selbst. Die brutale Gewalt gegen Polizisten auf dem
G8-Gipfel hat zu Recht deutliche Verurteilung gefunden. Aber wenn Greenpeace
mit einem Schlauchboot in die Sicherheitszone des Staatsgipfels eindringt,
dann finden das viele akzeptabel. Ich finde, das war verantwortungslos,
gerade in Zeiten von Terrorgefahr. Sollen wir etwa solche Rechtsverletzungen
von Greenpeace zulassen, weil uns Greenpeace sympathisch ist? Was wäre
eigentlich passiert, wenn das eine Aktion einer religiösen Gruppierung
gewesen wäre? Die blauen Flecken der Schlauchbootfahrer ernteten
viel Aufmerksamkeit, die Schäden, die der Rechtsstaat hinnehmen musste, fand
kaum eine öffentliche Beachtung. Der Vorsitzende der Linken, Oskar Lafontaine,
erklärt, eine Presse in Händen der Wirtschaft könne nicht wirklich frei sein.
Darüber hinaus sagt er, die Sozialismusversuche in Südamerika seien auch
Hoffnung für Europa. Im Klartext: Der Präsident von Venezuela, Hugo Chávez,
sei ein Vorbild für Deutschland. Das ist der Mann, der erst die Ölindustrie
verstaatlicht hat und nun oppositionelle Fernsehsender verbietet. Die Kritik bleibt fast vollständig aus. Auch bei
denen, die Pressefreiheit zu Recht sonst als kostbares Gut der Demokratie
verteidigen. Das sind doch keine Beispiele, die gegen irgendeine
politische Kleiderordnung verstoßen. Das sind Beispiele, die den Kern unserer
demokratischen Ordnung in Frage stellen. Natürlich stehen wir nicht vor der sozialistischen
Revolution in Deutschland. Aber tun wir bitte auch nicht so, als fände diese
politische Agitation nur in der Teestube statt. Auf dem Parteitag der Linken
wurde die offizielle Delegation der Vertretung der kommunistischen Partei
Kubas unter Jubel begrüßt. Zu Kuba sagt amnesty international: „Aktivitäten
von Opposition und Dissidenten beantwortet das Castro-Regime mit
Inhaftierungen und drastischen Strafen.“ Ich hätte mir vor wenigen Jahren nicht vorstellen können,
dass in Deutschland eine parlamentarische Kraft der kubanischen
kommunistischen Partei öffentlich Beifall zollt. Hier darf das Immunsystem der demokratischen Mitte nicht versagen. Wenn die Linke die Systemfrage stellt, dann sind alle anderen politischen Kräfte aufgerufen, diese Frage zu beantworten. Genauso entschieden und eindeutig, wie wenn es von rechts außen geschieht. Ich sehe aber mit Sorge, dass ein schleichendes Laisser-faire gegenüber Verletzungen unserer Werteordnung in Deutschland stattfindet. Karl Hermann Flach hat gesagt: „Die Freiheit stirbt zentimeterweise." Ich füge hinzu: Die Freiheit verlieren wir zuerst im Kopf, durch Geringschätzung unserer Werte, durch Gleichgültigkeit gegenüber den Verletzungen unserer freiheitlichen Ordnung. Wir müssen unser demokratisches Immunsystem wieder stärken. |