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s L i b e r a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Guido Westerwelle bei der Friedrich-Naumann-Stiftung in
Hannover Einheit in Freiheit 15 Jahre gesamtdeutsche liberale Partei daß die FDP die erste Partei war, die sich
wiedervereinigte, steht in Linie einer Tradition der FDP. Wir haben immer
Persönlichkeiten in unseren Reihen gehabt mit einem gesamtdeutschen
Lebenslauf. Das gilt natürlich für Hans-Dietrich Genscher aber auch für Otto
Graf Lambsdorff. Und auch für die unvergessenen Wolfgang Mischnick und Günter
Rexrodt. Darum ist auch die Deutsche Einheit in der FDP immer ein Ziel der
Politik der FDP geblieben, auch als andere die Einheit schon längst einer
falsch verstandenen Entspannungspolitik geopfert haben. Die FDP hat in der
Geschichte der Bundesrepublik an der Option der Einheit festgehalten bis zu
dem Zeitpunkt als sich die Chance 1989 ergab. Der Parteivorsitzende der Deutschen Einheit der FDP war
Otto Graf Lambsdorff. Er hat sich mit Engagement und ungeheurer Kraft in
diese Aufgabe gestürzt. Und das erst hat es möglich gemacht, daß sich die FDP
heute vor 15 Jahren in Hannover zur ersten gesamtdeutschen Partei
wiedervereinigen konnte. Und noch etwas hat der Parteivorsitzende Graf Lambsdorff
erreicht: Anfang der neunziger Jahre war die FDP wieder in allen
Länderparlamenten vertreten. Die FDP war eine starke Partei in Ost und West.
Und sie ist auch heute eine von drei gesamtdeutschen Parteien. Die Grundlage
dafür haben der Parteivorsitzende Otto Graf Lambsdorff gelegt und für die
neuen Bundesländern auch Bruno Menzel und Rainer Ortleb. Das ist für mich auch ein Vorbild: Die FDP ist jetzt
wieder in elf Länderparlamenten vertreten. Sie ist in den neuen Bundesländern
in drei Parlamenten einschließlich Berlin vertreten und in einer
Landesregierung in Sachsen-Anhalt. Aber damit geben wir uns nicht zufrieden.
Die FDP will zurück in alle Länderparlamente in Ost und West. Voraussetzung
dafür ist unsere starke kommunale Basis. Wir haben 350 Bürgermeister und mehr
als 8000 kommunale Mandate, darunter viele Bürgermeister auch in großen
Städten wie Dresden und Jena. Oft genug ist die FDP bei den Kommunalwahlen
eine Mehrheitspartei. Das zeigt die großen Chancen, die liberale Politik in
den neuen Bundesländern hat, wenn wir das richtige Angebot aus Personen und
Programm haben. Die Menschen in den neuen Bundesländern wollten die DDR
nicht mehr. Und sie haben die DDR aus eigener Kraft vertrieben. Die
friedliche Revolution mit den Füßen von 1989 ist für mich der stolzeste
Freiheitskampf in der deutschen Geschichte seit 1848. Deswegen bin ich auch ein entschiedener Gegner der
Auffassung, daß in Ostdeutschland Freiheit nach der DDR erst wieder gelernt
werden muß. Freiheit, die wir meinen, heißt für Liberale: Es gibt nur eine
Freiheit für alle, Freiheit ist unteilbar. Die Widersprüche der Freiheit gibt
es in Ost und West. Eine Sehnsucht nach Freiheit auf der einen Seite, oft
gleichzeitig ein Verlangen nach Betreuung auf der anderen Seite. Das Symbol der Unfreiheit in der deutschen
Nachkriegsgeschichte ist die Mauer. Am 13. August vor 44 Jahren begann der
Bau der Mauer. Die Mauer war mehr als eine Beschränkung der Reisefreiheit.
Die Mauer war das Symbol von Herrschaft gegen den Willen der Menschen. Viele Menschen haben beim Versuch, die Mauer zu
überwinden, um in Freiheit zu Leben, ihr Leben riskiert. Eine unbekannte Zahl
hat dabei das Leben verloren. Wenn wir heute Freiheit verteidigen als ein
unveräußerliches Recht aller Menschen, dann auch für diejenigen, die unter
der Unfreiheit der Mauer gelitten oder sogar ihr Leben verloren haben. Freiheit die wir meinen, heißt Freiheit zur Verantwortung.
Es gibt keine Freiheit ohne Verantwortung. Ich möchte hier ein Bild von Graf
Lambsdorff aufgreifen, das er früher gerne benutzt hat: Es ist das Bild vom
Tiger im Zoo und seinem Wunsch nach Freiheit: ?Weg
mit den Gitterstäben, aber regelmäßige Fütterung um 18:00 Uhr? Weil für Liberale Freiheit unteilbar ist, war für uns auch
unser Vaterland unteilbar. Liberale kämpfen darum, daß Menschen in den Genuß
der Freiheit kommen. Das gilt für die Menschen in der DDR und das gilt
international auch für alle Menschen, die unter Unterdrückung und Unfreiheit
in diktatorischen Regimen leiden. Wir machen keine Tauschgeschäfte mit der
Freiheit. Auch nicht mit wirtschaftlich aufstrebenden Nationen wie der
Volksrepublik China. Ein Regime, das Tibet besetzt, massenhaft Menschenrechte
unterdrückt, dem reichen wir nicht die Hand für die Aufhebung des EU-Waffenembargos . Freiheit, die wir meinen, heißt: Freiheit ist unteilbar
nach innen. Es gibt keinen Bindestrichliberalismus. Marktwirtschaftliche
Freiheit und Freiheit der Bürger gehören zusammen. Viele halten die Aufhebung
des Bankgeheimnisses durch Rot-Grün für ein wirtschaftliches Thema. Ich halte
das zuerst für ein Bürgerrechtsthema. Wenn jeder Beamte in einer Verwaltung
ohne richterliche Anordnung einfach so die Stammdaten von Bankkunden einsehen
kann, dann ist das kein Gewinn von Sicherheit, sondern ein Verlust von
Freiheit. Wir alle wissen, zu hohe Steuern und Abgaben sind nicht
zuerst ein fiskalisches Thema, sondern ein Freiheitsthema. Soziale
Sicherungssysteme, die Arbeitsplätze kosten und immer weniger für die
Versicherten bringen, sind ein Freiheitsthema. Aber wenn wir die Menschen
gewinnen wollen, den Weg der Liberalen zu gehen: Dann müssen wir die Menschen
dafür auch gewinnen, mehr Verantwortung zu wollen. Die Liberalen sind gegen die Staatsquote von derzeit ca.
50 %, weil wir das für den Weg in die ungeplante Planwirtschaft halten. Wenn
jeder zweite Euro durch die Hände des Staates geht, dann ist das auch eine
Entmündigung der Bürgerinnen und Bürger. Dahinter steht der Glauben, daß der
Staat besser für die Bürger sorgen könnte, als sie für sich selber sorgen
können. Das ist nicht Auffassung der Liberalen. Die sozialdemokratischen
Parteien trauen dem Staat und mißtrauen dem Bürger, Liberale mißtrauen dem
Staat und vertrauen der Kraft der Bürger. Wir wollen den starken Staat, aber unser starker Staat ist
ein schlanker Staat. Den schlanken Staat wollen wir deshalb, weil wir an den
starken Bürger glauben. Das ist unser Credo der Freiheit: Freiheit braucht
den starken Bürger. Die Menschen in Deutschland haben immer wieder bewiesen,
daß sie mit ihrer Freiheit besser umgehen können als der Staat. in diesen Tagen fühlen sich viele berufen, etwas zum Wesen
der Menschen in den neuen Bundesländern zu sagen. Wer nach 15 Jahren
Deutscher Einheit immer noch glaubt, Politik an vermeintlichen
Charakterunterschieden der Menschen in Ost und West fest machen zu können,
der hat entweder die Deutsche Einheit nicht verstanden oder er will bewußt
zwischen Ost und West spalten. 15 Jahre nach der Deutschen Einheit halten wir
Liberale fest: Die Menschen in Ost und West, sie haben ähnliche Probleme, sie
brauchen eine ähnliche Antwort, wir wollen eine gemeinsame Politik für einen
Aufschwung Ost und einen Aufschwung West. Wir wollen die gesamtdeutsche Solidarität
und auch den Aufbau Ost. Ich halte es für unerträglich, wenn ein paar
Westpolitiker in öffentlichen Stellungnahmen den Ostdeutschen erklären,
welche Probleme die DDR bei Ihnen angerichtet hat. Das ist nur Werbung für
die PDS. Denn von der PDS wissen wir, sie will spalten. Die PDS will die
Probleme nicht lösen. Die PDS ist ein Te! il des Problems. Wir werden die PDS und ihre Sympathisanten in diesem
Wahlkampf nicht links liegen lassen. Wir werden uns mit ihr auch nicht
juristisch auseinandersetzen, wie es offensichtlich dem Bundeskanzler durch
den Kopf geht. Wir wollen die politische Auseinandersetzung. Die Politik der
PDS sie würde nicht zu einer Halbierung, sondern zu einer Verdoppelung der
Arbeitslosigkeit führen. Wer in Westdeutschland PDS wählt, leistet einen
Beitrag zu mehr Arbeitslosigkeit. Wer in Ostdeutschland PDS wählt, schadet
seinen eigenen Chancen für Wohlstand und Aufschwung. Dieser Wahlkampf wird gesamtdeutsch geführt. Ost gegen
West, West gegen Ost, das wird nicht die Haltung einer Bundesregierung, an
der die Freien Demokraten beteiligt sind. Deutschland besteht aus 16
Bundesländern und nicht nur aus Einem. Jede Stimme in Thüringen zählt genauso
viel wie jede Stimme in Hessen und jede Stimme in Sachsen genauso viel wie
jede Stimme in Bayern. Wir lassen uns die Freude an der Deutschen Einheit
nicht nehmen. Von niemanden im Westen und von niemanden im Osten und von
niemanden im Norden auch nicht von jemanden im Süden. Wer nur danach fragt,
was kostet die Einheit, der vergißt, was sie uns wert ist. Ich stelle sachlich fest, heute hier in Hannover: Die
Region Hannover hat eine Arbeitslosenquote von 14,3 %. Dresden hat eine
Arbeitslosenquote von 14,8 %. Potsdam hat eine Arbeitslosenquote von 12,6 %.
Bremerhaven hat eine Arbeitslosenquote von 24 % also das Doppelte von
Potsdam. Die Politik von sieben Jahren Rot-Grün hat zumindest eines
geschaffen: Die Einheit der Probleme. Ich sage: Es wird dem Westen nicht gut
gehen, wenn es dem Osten schlecht geht. Und es wird dem Osten nicht gut
gehen, wenn es dem Westen schlecht geht. Deswegen brauchen wir eine nationale
Wachstumsstrategie für ganz Deutschland. schon in der alten Bundesrepublik hat sich eine Tendenz
zur Gegnerschaft der liberalen Freiheitswerte entwickelt. Das Wort ?sozial?
heißt im Wortsinn ursprünglich: gesellschaftlich. Viele Parteien, die heute
in Deutschland von ?sozial? sprechen, meinen meist
staatliche Verteilung. Es gibt eine Auffassung, die will glauben machen,
Freiheit brauche das Korrektiv der Gleichheit. Es ist richtig, Freiheit fördert
Vielfalt. Freiheit fördert Kreativität. Freiheit braucht den Wettbewerb der
Ideen um die besten Lösungen genauso in der Wirtschaft wie in der Kultur.
Diese Freiheit bringt unterschiedliche Ergebnisse. Ja sie soll
unterschiedliche Ergebnisse bringen. Für Liberale bedeutet Gleichheit:
Gleichheit der Rechte, Chancengleichheit, Gleichheit am Start aber nicht
gleiche Ergebnisse am Ziel. Nicht die Gleichheit ist der Gegner der Freiheit,
Gleichmacherei ist der Gegner der Freiheit. Deswegen ist es Aufgabe einer liberalen Partei heute in
Deutschland, den Menschen die Chance zu geben, ihre Freiheit zu leben. Wer
keinen Arbeitsplatz finden kann, der hat keine Chance, seine Freiheit zu
leben. Wer der jungen Generation heute durch immer mehr Staatsverschuldung eine
unzumutbare Erblast aufbürdet, der nimmt der jungen Generation
Freiheitschancen für morgen. Wer heute die natürlichen Ressourcen verbraucht,
der vergeht sich an der Freiheit von morgen. Wer den Bürgerinnen und Bürgern
zu hohe Steuern und zu hohe Abgaben aufbürdet, der enteignet Leistung und
Freiheit. Wer im Namen der Terrorismusbekämpfung immer mehr Rechte der Bürger
abbaut, ohne gleichzeitig dafür Sicherheit zu geben, der handelt gegen den
Freiheitsgedanken unserer Verfassung. Wenn heute drei Parteien links von der Mitte im Wahlkampf
einen Überbietungswettbewerb der Verteilungspolitik betreiben, dann ist unser
Kampf dagegen ein Freiheitskampf. Wenn ein drohendes Ergebnis der Neuwahlen
sein könnte, dass SPD/Grüne und PDS eine Mehrheitsregierung bilden, dann ist
unser Wahlkampf für eine starke FDP 2005 ein Freiheitskampf. Freiheit, die wir meinen, hat der Ehrenvorsitzende
Hans-Dietrich Genscher vor 15 Jahren auf den Parteitag hier in Hannover
beschrieben. Ich zitiere: "Freiheit verlangt Bekenntnis. Freiheit verlangt Verantwortung. Freiheit ist mehr als wirtschaftliche
Freiheit. Freiheit ist unteilbar. Die Freiheit die wir meinen, wollen wir
überall, wir wollen sie jetzt, und wir wollen sie
für alle. Freiheit ist nicht nur eine Sache der
Vernunft, sie ist eine Sache des Herzens. Wir, die
Liberalen, sind der Bannerträger der Freiheit. Der Sozialismus hat ausgespielt, er hatte seine Chance, er hat versagt. Das ist aber noch kein Grund, die Zukunft den Konservativen zu
überlassen. Die Zukunft gehört der Freiheit. Wer unserer Politik der inneren Liberalität
will, wer soziale und ökologische Marktwirtschaft
will, wer
unsere Friedenspolitik will, der muß uns auch unterstützen in Bund, Ländern und Gemeinden. Freiheit kann man wählen" |