D a s L i b e r a l e T a g e b u c h |
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Kommentar der
LT-Redaktion: Das
Drama zeigt sich an den von der Redaktion hervorgehobenen Passagen. 2003
hätte für eine gute Diskussion über die Strukturen (Flächentarif,
Paritätische Finanzierung der Sozialversicherung (bei Zurechnung der
Arbeitgeber“beiträge“ zum Brutto-Lohn) und moderat-gefühlvoller Anpassung des
sog. Kündigungsschutzes (in Wahrheit Kündigungskosten)) genutzt werden
können. Die entsprechenden Gesetze wären ohne 4000 Seiten durch BT/BR zu
wälzen locker per 1. Januar 2004 genehmigt und in Kraft gesetzt werden
können. Das wollten die SPD und die Grünen, die
sonst alles so gut wissen nicht. Sie ließen sich statt dessen auf das
Abenteuer für Hunderte Millionen Euro eine aufwändige, dennoch fragwürdige
„Reorganisation“ der BA durchzuziehen ein und wir erleben nun im Sommer 2004
eine wirklich unsägliche Diskussion zu Detailfragen und weiteren
hahnebüchenen inhaltlichen Fehlern. Zu allem Überfluss operiert der Apparat
von Regierung und Regierungsparteien mit der Propaganda von der Reform am Arbeitsmarkt. Treffender ist die Formulierung: Reform am Arbeitsmarkt ... vorbei. © WELT.de, 4. August 2004 Arbeitslosenzahl auf 4,36
Millionen gestiegen
Nürnberg (dpa) - Trotz aller Anzeichen für eine Belebung
der Wirtschaft hat die Zahl der Arbeitslosen
in Deutschland mit 4 359 900 einen neuen Juli-Höchststand erreicht.
Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich eine Zunahme von 6700, berichtete die
Bundesagentur für Arbeit. Der Anstieg im Vergleich
zum Juni fiel mit 126 500 deutlich höher aus als in den vergangenen Jahren. Die
Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,3 Punkte auf 10,5 Prozent. Der
Vorstandschef der Bundesagentur, Frank-Jürgen Weise, sagte, die Belebung der
Wirtschaft wirke sich noch nicht auf dem Arbeitsmarkt aus. Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl nahm im Juli um 11
000 auf 4,386 Millionen zu. Der Anstieg sei jedoch nicht mehr so stark wie in
den ersten vier Monaten mit durchschnittlich 34 000, sagte
BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. Parallel dazu lag die Zahl der Erwerbstätigen im Mai mit 38,18 Millionen
um 100 000 unter der des Vorjahres. Ein stärkerer Rückgang habe
durch mehr geringfügige Beschäftigung und die Förderung selbstständiger
Existenzen verhindert werden können. Alt geht davon aus, dass die Wirtschaft bei einer
Wachstumsrate von 1,8 Prozent ab Herbst
zumindest keine weiteren Stellen mehr abbaut. Eine Verbesserung der
Beschäftigungssituation sei frühestens im nächsten Jahr zu erwarten. Voraussetzung dafür sei allerdings eine
Wachstumsrate von mehr als zwei Prozent. Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber hielt der Bundesregierung vor, sie sei bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auf der ganzen Linie gescheitert. «Statt die Millionen Arbeitslosen in Deutschland weiter zu verunsichern, muss die Regierung endlich eine glaubwürdige Politik für mehr Wachstum machen», sagte CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer. Sein CSU-Kollege Markus Söder forderte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sogar auf, seinen Urlaub abzubrechen. «Es ist verheerend, dass Millionen von Menschen arbeitslos sind und der Kanzler am Strand liegt», sagte Söder. Aus der Sicht der Bundesregierung kam der Anstieg der
Arbeitslosenzahl zum Sommerbeginn dagegen nicht überraschend. Das
Bundeswirtschaftsministerium verwies darauf, das sich die
Jugendarbeitslosigkeit sogar deutlich günstiger entwickelt habe. So sei die
Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren im Vergleich zum Vorjahr um 2,4
Prozent, die der Arbeitslosen unter 20 Jahren sogar um 7,5 Prozent gesunken.
Insgesamt sei «die in den letzten Monaten festgestellte Stabilisierung des
Arbeitsmarktes nicht in Gefahr». Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
(BDA) sprach von einem «traurigen Rekord». Er mache deutlich, «dass die
Reformen am Arbeitsmarkt dringend fortgesetzt und intensiviert werden
müssen». Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nannte die Zahlen
«dramatisch wie selten zuvor». DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer hob vor allem
eine starke Zunahme der Langzeit- Arbeitslosigkeit hervor. «Dies ist der
Preis für die massiven Einsparungen der aktiven Arbeitsmarktpolitik.» Als Gründe für den hohen Anstieg in diesem Juli nannte
BA-Vize Alt die große Zahl von Jugendlichen, die nach dem Ende ihrer
Ausbildung noch keine Stelle gefunden hätten. Zudem meldeten viele Kommunen
im Vorgriff auf das Arbeitslosengeld II bereits jetzt Sozialhilfeempfänger
bei den Arbeitsagenturen. Zudem würden erfahrungsgemäß Neueinstellungen
zumeist erst nach der Sommerpause vorgenommen. Die Zahl der
geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse stieg binnen Jahresfrist um 360 000
auf 4,54 Millionen. Ende Juli erhielten 227 500 Selbstständige Überbrückungsgeld oder einen
Existenzgründerzuschuss - 110 500 mehr als vor einem Jahr. Im Gegenzug lag die Zahl der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Mai mit 26,45 Millionen um 518
000 unter dem Vorjahreswert. Ende Juli gab es lediglich 296 000
offene Stellen. Das waren 70 500 oder 19,2
Prozent weniger als vor einem Jahr. In Westdeutschland gab es Ende Juli 2 759 700 Arbeitslose,
90 800 mehr als im Juni und 24 400 mehr als vor einem Jahr. In Ostdeutschland
waren 1 600 300 Männer und Frauen offiziell als arbeitslos registriert. Das waren
35 700 mehr als im Juni, aber 17 600 weniger als im Juni 2003. Beim
Jahresvergleich ist nach Angaben der BA zu berücksichtigen, dass die 84 400 Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen
seit Jahresbeginn in der Arbeitslosenstatistik nicht mehr mitgezählt werden. erschienen am 04.08.2004 um 15:24 Uhr © WELT.de |