D a
s L i b e r
a l e T a g e b u c h
|
|
Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
|
Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder auf
der Münchener Sicherheitskonferenz, Sa, 12. Februar 2005 Eine Rede, die mehr Ärger
als Zustimmung auslöste. Warum? Ist doch der Text in sich eher harmlos. Warum
sollte der Kanzler der Bundesrepublik öffentlich, statt in Kungelzirkeln,
eine Diskussion nicht anstoßen? Auch der fettgedruckte Kernsatz enthält
genügend Raum zu positiver Interpretation. Warum also? Weil: Den Kanzler seine
Vergangenheit einholt. Diese Vergangenheit ist gekennzeichnet durch die
Organisation der weltweiten antiamerikanischen Koalition, die einerseits den
Widerstand von Saddam verfestigte und zweitens späteren Massenkriminellen im
Irak die Legitimation für deren Morden lieferte..
Bedenken wir, dass mancher amerikanische Soldat würde bei einer anderen
Politik der Bundesregierung 1998ff noch leben könnte ... Hierbei ist die Idee von
Gerhard Schröder (SPD), ein „Panel“ für die Formulierung einer Reform der
NATO einzurichten, allerdings eine grandiose Schnapsidee (Stichwort „Kommissionitis)“. Welche bessere Ideen
könnte ein solches Panel produzieren, als die der Staatschefs selber? Auch
Schröder sollte sich nicht zu schade sein, zu Feder oder Computertastatur zu
greifen und seine sehr persönlichen Gedanken zu Papier oder Festplatte zu
bringen – unterstellt er hat welche. Die persönlichen Assistenten der
Regierungschefs wären die Richtigen, den Entwurf in ihrem persönlichen
Auftrag auszuformulieren und ggf. auch auszuhandeln – und das hätte den
Vorteil, dass im Falle von Meinungsverschiedenheiten oder Missverständnissen
nicht sofort der Neandertaler des jeweils Hohen Herren aus dem gegönnten
Schlaf geweckt werden würde. Und: Würde ein Kanzler der Bundesrepublik
Deutschland sich einen Stein aus seiner Krone brechen, wenn er, intern in
Deutschland, periodisch die Parteichefs zu Follow-Up-Besprechungen
und Beratungen zusammenrufen würde? Der DLF am 16. Februar um19:10 zitiert
Nato-Generalsekretär, Jaap de Hoop
Scheffer: „Man muss über den NATO-Dialog nicht
reden, man muss ihn führen“. Wir lernen, obwohl wir es
eigentlich wissen müssten: Vergangenheit ist zwar passee, aber aus der
Geschichte nicht zu löschen. Die Rede von Gerhard
Schröder auf der Sicherheitskonferenz war ein Missgriff, weil er – mit seiner
persönlichen Vergangenheit – diese Rede in seinem Namen ablesen ließ. Richtig
bleibt immer: In dubio pro reo. Aber Handelnde lösen unvermeidbar Zweifel
aus. Mal weniger, mal mehr, wie etwa im Falle von Gerhard Schröder,
Bundeskanzler 1998ff. Bundesverteidigungsminister Peter Struck verlas die Rede
für den erkrankten Kanzler. - Es gilt das gesprochene Wort - Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die schreckliche Flutkatastrophe in Asien hat weltweit
eine einmalige Anteilnahme, Solidarität und Hilfsbereitschaft ausgelöst. Die
Bundesregierung hat - wie viele andere Staaten auch - rasch und solidarisch
gehandelt. Mit dieser Katastrophe ist uns vor Augen geführt worden, dass wir
in einer Welt leben. In dieser einen Welt haben wir uns in der Charta der
Vereinten Nationen verpflichtet, "unsere Kräfte zu vereinen, um den
Weltfrieden und die Sicherheit zu wahren". Unsere Sicherheit wird heute
durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, regionale Instabilitäten
und zerfallende staatliche Strukturen bedroht. Aber ebenso durch Armut und
Unterentwicklung. Dies ist ein entscheidender Nährboden für den
internationalen Terrorismus. Die neuen Gefährdungen verursachen Spannungen
und können an jedem Ort der Welt Auswirkungen haben. Die terroristischen Anschläge am 11.
September 2001 in den USA, am 11. März 2004 in Madrid und in Beslan im September letzten Jahres haben uns dies auf
grausame Weise deutlich gemacht. Fest steht: Wir können den neuen Herausforderungen nur
dann erfolgreich begegnen, wenn wir uns mit ihren Ursachen auseinandersetzen
- gemeinsam, vorbeugend und umfassend. Der Kampf gegen den internationalen
Terrorismus darf sich nicht auf militärische und polizeiliche Maßnahmen
beschränken. Unser Engagement muss dazu beitragen, die Modernisierungskrise
in weiten Teilen der Welt, nicht zuletzt der islamisch-arabischen, zu
überwinden. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern durch Ermutigung und
Unterstützung der eigenen Anstrengungen. Förderung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, guter
Regierungsführung, wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung,
Bildungschancen, Frauenrechten und des Erhalts der natürlichen
Lebensgrundlagen bestimmen heute die Sicherheitspolitik maßgeblich mit. Diese
Ziele verfolgen wir mit unseren Partnern in der Region des Mittleren Ostens
und mit dem von Präsident Bush initiierten G8-Programm "Broader Middle East and
Northern Africa". Außenminister Fischer hat
vor einem Jahr hier in München die deutschen Vorschläge für diese Initiative
vorgestellt. Sie wurden von vielen Partnern auf beiden Seiten des Atlantiks
und in der Region ausdrücklich begrüßt. Meine Damen und Herren, eines ist gewiss: Wir werden die Herausforderungen des 21.
Jahrhunderts nur meistern, wenn auch das transatlantische Verhältnis, die
enge Beziehung zwischen Europa, Kanada und den Vereinigten Staaten von
Amerika, intakt ist - und bleibt. Nur dann werden wir die großen
internationalen Ziele, die sich unsere Regierungen gestellt haben, auch
erreichen. Das war in den langen Jahren des Kalten Krieges so, es ist auch in
unserer heutigen, völlig veränderten Welt so. Der Grundsatz bleibt: Eine enge transatlantische Bindung
ist im deutschen, im europäischen und im amerikanischen Interesse. Aber bei
der Umsetzung dieses Grundsatzes in praktische Politik kann nicht die
Vergangenheit der Bezugspunkt sein, wie das so oft in transatlantischen
Treueschwüren der Fall ist. Nein, wir müssen uns den neuen Umständen
anpassen. Es gab hier und da in den vergangenen Jahren
Missverständnisse, Belastungen, Misstrauen, gar Spannungen über den Atlantik
hinweg. Ich vermute, dass dies nicht zuletzt daran lag, dass diese Anpassung
an eine veränderte Realität noch nicht hinreichend vollzogen ist. Die
Veränderungen sind erheblich, manche gar dramatisch. Nicht nur die Vereinigten Staaten, auch Europa braucht
heute einen militärischen Angriff auf seine Grenzen nicht mehr zu fürchten.
Die militärische Präsenz amerikanischer Truppen, damals zugleich Schutz und
Unterpfand enger Solidarität, hat nicht mehr die sicherheitspolitische
Priorität früherer Zeiten. Sie bleibt aber politisch bedeutend. Die strategischen Herausforderungen liegen heute sämtlich
jenseits der alten Beistandszone des Nordatlantik-Paktes. Und sie erfordern
primär keine militärischen Antworten. In Asien wachsen mit China und Indien
zwei neue Weltmächte heran, deren Gewicht nicht nur die Region, sondern die
Weltpolitik insgesamt prägen wird. Und die Feinde, gegen die wir
zusammenstehen, sind nicht mehr funktionierende Staaten mit definiertem
Territorium, sondern es sind die neuen globalen Risiken. Aber nicht nur die Umstände für atlantisches
Zusammenwirken haben sich verändert. Auch die daraus folgende Verantwortung der zwei Staaten,
die Jahrzehnte lang gleichsam die Brückenlager dieses Zusammenwirkens waren,
die Vereinigten Staaten und Deutschland, hat sich verändert. Sie, verehrte Damen und Herren des amerikanischen
Kongresses, wissen am besten, wie sich in Ihrem Land der Blick auf die Welt
und die Einschätzung der amerikanischen Rolle in den vergangenen Jahren
gewandelt haben. Auch mein Land hat das Verständnis seiner internationalen
Rolle verändert. Deutschland sieht sich heute im europäischen Verbund als
mitverantwortlich für internationale Stabilität und Ordnung. Und wir
Deutschen bezeugen diese Verantwortung durch aktives Engagement in
zahlreichen Krisenregionen der Welt. Gegenwärtig sind rund 7.000 deutsche Soldaten im Ausland
eingesetzt. Aber aus der Mitverantwortung folgt auch Mitsprache. Unser
Wunsch, Deutschland als Ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Uno zu
sehen, entspringt diesem auf Legitimation abzielenden Zusammenhang. Ich meine, dass die transatlantische Partnerschaft solchen
Veränderungen Rechnung tragen muss. Und wenn wir es ehrlich betrachten:
Bisher tut sie das nur unvollkommen. Das wird beim Blick auf die Institutionen deutlich, die
dieser Partnerschaft dienen sollen. Die Nato hat zwar durch die Aufnahme
neuer Mitglieder ihre fortdauernde Anziehungskraft bewiesen. Und sie
unterstreicht durch ihre Präsenz in Afghanistan, wie hilfreich ihre
militärische Organisation auch in entfernten Krisen sein kann. Sie ist jedoch nicht mehr der primäre Ort, an dem die
transatlantischen Partner ihre strategischen Vorstellungen konsultieren und
koordinieren. Dasselbe gilt für den Dialog zwischen der Europäischen Union
und den Vereinigten Staaten, der in seiner heutigen Form weder dem wachsenden
Gewicht der Union noch den neuen Anforderungen transatlantischer
Zusammenarbeit entspricht. Ich hoffe, dass in beiden Fällen am 22. Februar
beim Besuch des amerikanischen Präsidenten in Brüssel neue Impulse gegeben
werden können. Niemand kann heute eine Lösung aus dem Ärmel schütteln,
aber wir sollten uns noch zielstrebiger und konsequenter der Aufgabe stellen,
die Strukturen unserer Zusammenarbeit den veränderten Bedingungen und
Herausforderungen anzupassen. Deswegen sollten die
Regierungen der Europäischen Union und der USA ein hochrangiges Panel
unabhängiger Persönlichkeiten von beiden Seiten des Atlantiks einberufen, das
uns bei dieser Lösung hilft. So wie Kofi Annan, der VN
Generalsekretär, es uns für die notwendige Reform seiner Organisation
vorgemacht hat. Dieses Panel sollte den Staats- und Regierungschefs von NATO
und Europäischer Union bis Anfang 2006 einen Bericht vorlegen. Auf der
Grundlage dieser Analyse und Anregungen könnten dann die erforderlichen
Schlussfolgerungen gezogen werden. Meine Damen und Herren, in vielen Regionen der Welt liegen große
sicherheitspolitische Herausforderungen vor uns - aber auch Chancen. Im Irak
markieren die Wahlen vom 30. Januar einen wichtigen Schritt auf dem Weg hin zum
Aufbau demokratisch-politischer Strukturen.
Der politische Prozess muss jetzt konsequent fortgesetzt und
verbreitert werden. Nur die Teilhabe aller politischen, ethnischen und
religiösen Gruppen eröffnet die Chance zu dauerhafter Stabilität. Im Irak steht die internationale Gemeinschaft vor einer
beträchtlichen Stabilisierungsaufgabe mit Auswirkungen auf die gesamte
Region. Deutschland leistet dazu einen erheblichen Beitrag. Der deutsche
Anteil am Schuldenerlass für den Irak im Rahmen des Pariser Clubs beträgt
rund 4,7 Milliarden Euro. Wir engagieren uns beim politischen und wirtschaftlichen
Wiederaufbau und haben sehr frühzeitig - es sei angemerkt: als erste -
erfolgreiche Programme zur Ausbildung und Ausstattung irakischer Soldaten und
Polizisten begonnen. Aufgrund der großen Vorteile einer Ausbildung in der
Region machen wir dieses Projekt in und mit den Vereinigten Arabischen
Emiraten. In Afghanistan haben die Präsidentschaftswahlen im Oktober
letzten Jahres den Weg zum nationalen Konsens gefestigt. Die vor uns
liegenden Parlamentswahlen eröffnen die Perspektive für die weitere
Stabilisierung und Demokratisierung des Landes. Die nachhaltige Unterstützung
der internationalen Gemeinschaft bleibt dabei unverzichtbar. Zugleich aber
muss und kann Afghanistan selbst schrittweise mehr Verantwortung übernehmen,
auch bei der Sicherheit und Drogenbekämpfung. Deutschland wird im Rahmen
seiner im Bündnis eingegangenen Verpflichtungen politisch, finanziell und
militärisch langfristig engagiert bleiben und dazu beitragen, dass das
Bündnis seinen Aufgaben gerecht wird. In Afghanistan sind wir bereit, die erzielten Fortschritte
der Stabilisierung mit weiterer Übernahme von Verantwortung, insbesondere im
Norden des Landes, zu unterstützen. 2005 wird ein Schlüsseljahr auch auf dem westlichen
Balkan, wo die Europäische Union zunehmend engagiert ist. Eine dauerhafte
Stabilisierung dieser Region wird nur durch enges Zusammenwirken von
Europäischer Union, NATO, Vereinten Nationen und OSZE gelingen. Das gilt für
Bosnien-Herzegowina, vor allem aber für den Kosovo. Mitte dieses Jahres wird
entschieden, ob und wann mit Verhandlungen zur Statusfrage begonnen werden
kann. Es liegt in der Hand der Verantwortlichen dort - Albanern wie Serben -
die Voraussetzungen für eine akzeptable Lösung zu schaffen. Wir werden uns
für eine zukunftsgerichtete und zugleich realistische Lösung einsetzen. Dazu gehört vor allem eine langfristig konstruktive
europäische Perspektive. Diese muss auf europäischen Werten und Standards wie
Schutz der Minderheiten, Rückkehr von Flüchtlingen und Dezentralisierung
gründen. Die europäische Perspektive gilt für den Kosovo wie für den gesamten
westlichen Balkan. Im Nahen Osten hat sich mit der Wahl des palästinensischen
Präsidenten Abbas und der Bereitschaft Israels zum Abzug aus Gaza ein Fenster
zur Wiederbelebung des Friedensprozesses geöffnet. Der in Sharm
el Sheik vereinbarte Waffenstillstand muss
dauerhaft werden. Die Road Map bleibt der
entscheidende Rahmen für den Friedensprozess. Unser Ziel muss das friedliche
Zusammenleben von Israelis und Palästinensern in zwei eigenständigen,
anerkannten Staaten sein. Wir begrüßen die erklärte Bereitschaft der USA
hierzu einen aktiven Beitrag zu leisten, ohne den sich eine Lösung nicht
realisieren lässt. Aber auch Europa und insbesondere Deutschland sind sich
ihrer Verantwortung bewusst und zur Mitarbeit bereit. Meine Damen und Herren, wir müssen die völkerrechtswidrige Entwicklung und
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen verhindern. Dazu müssen wir die
allseitige Einhaltung des Atomwaffen Sperrvertrages erreichen und das
Nichtverbreitungsregime lückenlos machen. Es ist und bleibt unser Ziel, einen
nuklearen Rüstungswettlauf im Mittleren Osten zu verhindern. Diesem Ziel
dienen die Verhandlungen mit dem Iran, die wir zusammen mit unseren
britischen und französischen Freunden und der Europäischen Union führen. Wir
tun dies mit der festen Entschlossenheit, den Prozess zu einem Erfolg zu
führen. Erfolg heißt: Teheran muss objektive und überprüfbare
Garantien gewähren, dass sein Nuklearprogramm ausschließlich friedlichen
Zwecken dient. In diesem Ziel sind wir uns auch mit unseren amerikanischen
Freunden einig. Ich ermuntere die amerikanische Regierung ausdrücklich, in
diesem Einverständnis die diplomatischen Bemühungen der Europäer aktiv zu
unterstützen. Es gilt, die massive Isolierung des Iran zu überwinden. Denn
der Iran wird auf die nukleare Option nur dann dauerhaft verzichten, wenn
neben seinen wirtschaftlichen Interessen auch seine legitimen
Sicherheitsinteressen gewahrt sind. Dazu wird es erforderlich sein, gemeinsam
mit unserem amerikanischen Partner und im Dialog mit der Region langfristig
tragfähige Sicherheitsstrukturen für die Golf-Region zu entwickeln. Meine Damen und Herren, unsere deutsche Außen- und Sicherheitspolitik ergibt sich
aus unserer geographischen und politischen Lage mitten in Europa. Wir
gestalten sie in Europa, für Europa und von Europa aus. Es ist im deutschen,
aber auch im internationalen Interesse, dass die Europäische Union eine
stärkere weltpolitische Verantwortung übernimmt. Der Schritt zur Schaffung
eines eigenen politisch-militärischen Instrumentariums mit der Europäischen
Sicherheits- und Verteidigungspolitik ist daher notwendig. Die Europäische Union übernimmt in enger Abstimmung und
Zusammenarbeit mit der NATO zunehmend sicherheitspolitische Aufgaben. Sie hat
dies bereits in mehreren Operationen unter Beweis gestellt. Ein starker
europäischer Pfeiler garantiert Europas loyale arbeitsteilige Partnerschaft
im transatlantischen Bündnis. Diese
liegt auch im wohlverstandenen strategischen Interesse der USA. Meine Damen und Herren, es gehört zu den Grundtatsachen der europäischen Politik,
dass Sicherheit auf unserem Kontinent nicht ohne und schon gar nicht gegen
Russland zu erreichen ist. Seit der großen Wende 1989/90 ist es uns gelungen, im
Verhältnis zu Russland von der Konfrontation des Kalten Krieges zu einer
immer umfassenderen Zusammenarbeit zu gelangen - politisch,
sicherheitspolitisch und wirtschaftlich. Das ist angesichts der Geschichte
alles andere als selbstverständlich. Russland selbst hat in den vergangenen Jahren große
Fortschritte gemacht, trotz der enormen Probleme und Schwierigkeiten, die mit
einer historisch beispiellosen Transformation zwangsläufig verbunden sind.
Der Westen hat ein elementares Interesse daran, dass ein demokratisches
Russland an der Lösung der globalen Fragen konstruktiv mitwirkt. Deshalb
setzen wir uns im Einvernehmen mit Polen für eine wirklich strategische
Partnerschaft mit Russland ein. Eine Partnerschaft, die langfristig angelegt
ist, die alle wichtigen Bereiche umfasst und aus der beide Seiten Nutzen
ziehen. Der NATO-Russland-Rat zeigt, welche Chancen
in einer engen sicherheitspolitischen Zusammenarbeit liegen. Es wäre ein
weitreichendes Signal, wenn die Europäische Union und Russland sich beim EU
Russland-Gipfel am 10. Mai - einen Tag nach der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag
der Beendigung des Zweiten Weltkrieges - auf den Inhalt einer strategischen
Partnerschaft in allen wichtigen Bereichen verständigten. Wir werden uns
nachdrücklich dafür einsetzen. Neue Chancen bietet auch der demokratische Neubeginn in
der Ukraine. Die Entwicklung in diesem europäischen Land ist von großer
Bedeutung für die Stabilität in Europa insgesamt. Deshalb haben wir ein
vitales Interesse an einer unabhängigen, demokratischen,
marktwirtschaftlichen Ukraine, die enge, vertrauensvolle Beziehungen zur
Europäischen Union und zu Russland entwickelt. Wir werden Präsident Juschtschenko
dabei unterstützen und ihm bei seiner Politik der Reformen und der nationalen
Aussöhnung zur Seite stehen. Meine Damen und Herren, kein Land der Welt ist allein in der Lage, den neuen
internationalen Herausforderungen zu begegnen. Wir brauchen dafür ein starkes
und effektives multilaterales System. Ein System, das einen verlässlichen
Rahmen für Zusammenarbeit und Solidarität zwischen den Staaten bietet und
globale Regierbarkeit gewährleistet. Ich bin davon überzeugt: Die internationale Gemeinschaft
wird es schaffen, diese Herausforderungen zu meistern. Deutschland ist
bereit, seinen Beitrag zu leisten und die internationale Verantwortung, die
von uns erwartet wird, zu erfüllen. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. |