D a s L i b e r a l e T a g e b u c h |
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Sammlung
Originaldokumente aus Das Liberale Tagebuch, (http://www.dr-trier.de) |
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Schlappen
für Clement und die Führung SZ, 20. November 2003, S. 5, Von Hans-Jörg Heims Wichtige Beschlüsse der
Delegierten, denen fast 500 Anträge und Eingaben vorlagen Drei Tage quälten sich die Delegierten des
SPD-Parteitages durch das 534 Seiten dicke Antragsbuch, bevor sie am Mittwoch
den Leitantrag „Unser Weg in die Zukunft“ fast einstimmig verabschiedeten.
Mehr als 450 Anträge und weitere 40 Initiativ-Eingaben lagen vor. Folgende
Beschlüsse wurden gefasst. Ausbildungsplatz-Abgabe:
Mit vielen beeindruckenden Zahlen versuchte Bundeswirtschaftsminister
Wolfgang Clement, die Delegierten von diesem Vorhaben abzubringen. Doch eine
klare Mehrheit folgte der Linie von Fraktionschef Franz Müntefering. Bereits
im Februar 2004 soll ein Gesetz in Kraft treten, das nicht ausbildende
Unternehmen zwingt, eine Abgabe zu zahlen. Clement prophezeite, das Vorhaben
werde scheitern. Steuerpolitik:
Eine Wiedereinführung der Vermögensteuer, wie sie manche Linke verlangten,
soll es nicht geben. Auch eine Senkung des Spitzensteuersatzes auf 36
Prozent, wie von CDU-Fraktionsvize Merz gefordert, beziehungsweise auf 25
Prozent, wie vom Steuerrechtler Paul Kirchhof vorgeschlagen, lehnt die SPD ab.
Sie ist aber für ein einfaches Steuerrecht. Dazu sollen Subventionen abgebaut
werden. Zusätzliche Ausgaben für Bildung und andere Zukunftsaufgaben sollen
durch eine höhere Erbschaftsteuer finanziert werden. Da die Steuer in die
Kassen der Länder fließt, bedarf eine Gesetzesänderung der Zustimmung des
Bundesrats. Die Union ist gegen eine höhere Erbschaftsteuer. Bürgerversicherung:
Der Skepsis der Parteiführung gegen einen Umbau der Krankenversicherung
folgte die Basis nicht. Schröder warnte zwar davor, nicht zu erfüllende
Forderungen zu formulieren. Es gebe noch keine Modelle, die man mal so
einfach implementieren könne, sagte er. Die Delegierten setzten aber
Änderungen durch, die zur Folge haben, dass die SPD nicht mehr das Ob,
sondern das Wie einer Bürgerversicherung prüfen wird. Klar ist, dass Beamte
und Selbstständige in die gesetzliche Krankenkasse einzahlen sollen. Eine
Abschaffung der privaten Versicherungen soll dies aber nicht bedeuten.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sagte, die Diskussion über die
Bürgerversicherung stehe erst am Anfang. Familienpolitik:
Für ihre leidenschaftliche Rede erhielt Familienministerin Renate Schmidt den
stärksten Beifall auf dem Parteitag. Um mehr Frauen eine Erwerbstätigkeit zu
ermöglichen, soll die Ganztagsbetreuung bereits für die unter Dreijährigen
deutlich ausgeweitet werden. Ebenso soll es mehr Ganztagsschulen mit
Unterrichtsqualität geben. Schmidt warnte vor einem weiteren Rückgang der
Geburtenrate: „Wenn wir so weitermachen, dann verringert sich die Zahl der Arbeitnehmer
von derzeit 38 Millionen auf 24 Millionen im Jahr 2040. Und das hätte Folgen
für den Wohlstand in Deutschland.“ Bildung: Wenn auf
dem Parteitag mehr soziale Gerechtigkeit beschworen wurde, dann ging dies
meist einher mit der Forderung nach gleichen Bildungschancen für alle.
Deutschland soll in den nächsten zehn Jahren zu einer der fünf führenden
Bildungsnationen aufsteigen. Angestrebt wird, die Studentenquote in den
nächsten vier Jahren auf 40 Prozent zu erhöhen. Die Zahl der Jugendlichen ohne
abgeschlossene Ausbildung soll bis 2007 um die Hälfte reduziert werden. Rente: Gegen den
Willen der Parteiführung beschlossen die Delegierten eine allmähliche
Ausweitung der Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung, in die
auch Beamte, Selbstständige und Freiberufler einzahlen sollen. Die
Mehreinnahmen sollen nicht zu Beitragssenkungen verwendet werden, sondern in
einen Generationenfonds fließen. Arbeitszeit: Eine Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit lehnt die SPD ab. Sie ist jedoch offen für Modelle, die sozialverträglich und nicht zu Lasten der Arbeitnehmer-Einkommen gehen. |