D a sL i b e r a l eT a g e b u c h

Sammlung Originaldokumente aus Das Liberale Tagebuch, (http://www.dr-trier.de)

 

 

Die Herrenrunde beim innovativen Elite-Kantzla am 15. Januar 2004

 

Auch Ulrike Flach MdB (FDP) aus Mülheim muss sich über die Fête aufgeregt haben. Das Meeting erinnere eher an eine Versammlung von Stammesältesten. Nun, Das Liberale Tagebuch erlaubt sich nach stundenlangem Recherchieren, orientiert am Ergebnis, eine etwas genauere Beschreibung:

 
Kumparsen 2006 zu römisch-germanischem Saufgelage zusammengekommen ...

 

Entbürokratisierung der Antragsabteilung im BMFT versprochen.

Das Liberale Tagebuch erstellt eine statische und eine dynamische Betrachtung des Event.

 

 

Statische Betrachtung:

 

Naivität, Trotteligkeit, Frechheit? Und wenn, dann gar grenzenlos? Oder Spitzenleistung deutscher Politik? Es beschleicht der Gedanke: Das Wichtigste an Kanzlers Jahr für Bildung und Innovation sei die Propaganda. Verkündete unser Kanzler i.D. während die Herrenrunde unverdrossen tafelte, beim ganz zufällig samt Ü-Wagen präsenten Fernsehen froheste Botschaft, von eleganter Dame interviewt: Seht her, die Runde ist sich einig, dass Deutschland an die Weltspitze muss. Auf welchen Gebieten fragte die gebildete Dame nach? „In der Automobilindustrie, im Werkzeugmaschinenbau, in der Chemie, in der Biotechnologie und in der modernen, in Mode gekommenen Nanotechnologie müssen wir die Weltspitze unbedingt hinkriegen. Schließlich, versicherte der Kanzler wenige Sätze später mit Augenaufschlag und sehr treuherzig, erfülle Deutschland alle Voraussetzungen zur Qualifikation, da „wir“ hier In Automobilen, Werkzeugmaschinen, Chemie und Bio doch bereits jetzt Weltspitze seien. Fragt sich: Für eines der großen Felder, nämlich dem der kleinen Teile, der ganze Aufstand?. Der Kanzler der noch im Sprechen seinen (Denk-?) Fehler bemerkt – man sieht das seinen Augen an – fährt unverdrossen weiter ... irgendwie kommt dem Zeitzeugen das Gefühl von „nach mir nur der Hummer, der der abgekocht rot (nicht grün) wirkt  ...“

 

Die Steuerzahler wären in der exquisiten Runde gerne dabei gewesen? Undankbares Volk, mir, dem Obersten Mattscheiben Matcho, das nicht zu gönnen ... schließlich hat, Florian Gerster, dieser freche Hund, von meinen sauer akquirierten Steuer- und Abgaben-Millionen in rund zwei Jahren sage und schreibe zwischen 85 und 95 Millionen € für Beratung (Medien + Organisation), PKW, Chefetage u.ä.m. wie besoffen verbraten. Also prösterchen Jungs .... und ich, Kanzler, mag schließlich, wie Gerster auch, das Große, insbesondere solcherlei Zahlen ... Soll einer sagen, unsere 4,3 Millionen Lieben seien nicht der helle Wahnsinn.

 

Dynamische Betrachtung des römisch-germanischen Gelages bei Kanzler:

 

Ob das was schriftlich per Internet am 16.01.04 ex „Kanslamt“ verlautete auch wirklich besprochen wurde, sei dahin gestellt. Vielleicht hat der Kanzler spickzettelbewaffnet zwischen dem 5. und 6. Gang ganz Gastherr und launisch noch schnell erwähnt – wer wollte widersprechen – dass „Made in Germany“ gewiss nicht für Grünrotes Spitzenquatschen, ha-ha-ha-hah, stehe, sondern eben für ... und nun schuldigung ich muss mal ... um nach 10 Minuten verrichteter Dinge (das Fernsehen bekam sehr gewichtig mitgeteilt, dass D’land die kreativen Potenziale mobilisieren müsse) wieder in der weiter erheiterten Runde zu erscheinen. Zwischenzeitlich hatte, stellvertretend, unsere allerhöchste Kapazität in Technologie- und Forschungsangelegenheiten, der Dr. Joschkale Fischer, der normalerweise auf Diplomatenempfängen Witze zum Besten gibt, sozialinnovativ dem erlauchten Kreis insinuiert, 2005 als das Jahr des Einstein zu zelebrieren (Allgemeinbüldung fehlt nur noch beim gemeinen Volk). Damit könne nämlich sichergestellt werden, dass im Jahre vor der Wahl, den lieben Mitbürgern eingeträufelt werde, wie relativ im Rahmen der Politik grünroter Sorte die Sache mit Eliten, Sozialem, Chancen, angesichts ab und zu durchaus obwaltender Verfassung gesehen werden müsse - und eben auch echt sein müsse. „Prost Hanau“ wird von Pierer dem Mächtigen zugerufen haben ... Schröder war auf jeden Fall sehr zufrieden. Denn die am heutigen Tage schon einmal übenden Kumparsen, häufig Absender unerledigter Forschungsanträge beim BMFT, hätten, so Schröder, bereits den Probelauf glänzend garniert.

 

Wer nun an der Stammesversammlung (wir bleiben also bei der Version von Ulrike Flach) teilgenommen hat, ist erstaunlicherweise nicht ganz klar geworden. Die Medien berichteten vorab, es kämen die Chefs von Lufthansa, Telekom, Siemens, Schering, Bertelsmann; auch BMW wurde einmal genannt; ferner die DFG, die Humboldt Universität, der BDI und die Gewerkschaften. Angeblich sollten es 12 Spitzenvertreter (immerhin schon etwas „Spitze“ vorab) sein. Möglicherweise wollen die anderen Spitzen die Propaganda-Masche des Kanzlers nicht goutieren, sich daher in dem Kreise nicht gerne ablichten lassen, d.h., lieber inkognito bleiben. Aus der Politik allerdings, waren alle jene dabei, die sich schon bisher für das „auf den Weg bringen“ von Bildung, Forschung, Entwicklung besonders hervorgetan haben: Fischer, Bulmahn, Clement - allesamt die erste Sahne deutscher Technologie-Kapazität.

 

Bevor Sie sich nun an das Studium des liebevoll nummerierten („18/04“, nix „08/15“) Presse-Statements machen, noch einen Hinweis: Beachten Sie die im Originaltext genauso fettgedruckten Wortpassagen; Sie lernen Zusätzliches über sozialistische Befindlichkeit: Das für Sozialisten Wichtigste hat die SPD-Spitzentruppe hervorheben lassen. Alle Achtung ... obwohl wir es eigentlich schon immer wussten (Ganz ähnlich das Aha-Erlebnis als bei der CDU/CSU evident wurde, dass 20% der Leute dort „Hohmann-Fans“ sind ... )

 

So, genießen Sie nun den fulminanten Text:

 

 

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung Pressemitteilung Nr.18/04

 

Gespräch von Bundeskanzler Schröder mit Vertretern von Wirtschaft, Gewerkschaft und Wissenschaft

 

Freitag, 16.01.2004

 

Ergebnisse des gestrigen Gesprächs von Bundeskanzler Gerhard Schröder mit Vertretern von Wirtschaft, Gewerkschaft und Wissenschaft.

 

1.       Innovation ist die Grundlage von künftigem Wohlstand und Arbeit. Die Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen sowie die Erschließung von Zukunftsmärkten erfordern ein enges Zusammenwirken von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Deshalb verständigen sich die Teilnehmer darauf, gemeinsam eine Initiative "Partner für Innovation" ins Leben zu rufen.

2.       Ziel von "Partner für Innovation" ist es, das Innovationssystem Deutschland auf allen Ebenen zu stärken, Hemmnisse abzubauen und neues Vertrauen in die Leistungsfähigkeit unseres Landes zu wecken. Sie orientiert sich dabei an einem ganzheitlichen Verständnis von Innovationspolitik, zu der nicht nur dieForschungspolitik und die Wirtschaftsförderung, sondern auch viele andere Politikbereiche einen Beitrag leisten.

3.       Die Partner kommen überein, sich in regelmäßigen Abständen zu treffen. Zur Unterstützung ihrer Arbeit richten sie ein gemeinsames Innovationsbüro Deutschland ein.

4.       Die Innovationspartner machen es sich zur Aufgabe, die für Deutschland zentralen Zukunftsmärkte zu identifizieren und sich auf ein gemeinsames Vorgehen zu ihrer Erschließung zu verständigen. Die Bundesregierung unterstützt die Wirtschaft in ihrem Bemühen, die technologische Marktführerschaft in diesen Bereichen zu erringen, u.a. durch intelligente Normsetzung und eine innovationsorientierte Nachfragepolitik.

5.       Die Marke "Made in Germany" steht für Spitzenqualität aus Deutschland. Sie ist Ausdruck unserer Tradition als innovationsstarkes Land. Die Partner wenden sich entschieden gegen Überlegungen in der EU-Kommission, "Made in Germany" durch eine EU-weite Kennzeichnung zu ersetzen. Sie wollen die Marke "Made in Germany" vielmehr mit neuer Dynamik erfüllen und so weiterentwickeln, dass sie auch unter den Bedingungen der Wissensgesellschaft ein weltweit anerkanntes Gütesiegel bleibt.

6.       Deutschland braucht eine neue Innovationskultur. Die Innovationspartner wollen das von der Bundesregierung geplante Einsteinjahr 2005 dazu nut­zen, Verständnis und Begeisterung für Wissenschaft und Forschung zu wecken und die wechselseitige Verantwortung von Wissenschaft und Gesellschaft stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Geplant ist u.a. eine große Einstein-Ausstellung in Berlin mit umfangreichem Begleitprogramm. Weitere Aktivitäten wie z.B. die Auslobung eines Einsteinpreises werden gemeinsam erarbeitet.
Mit Projekten für Schüler und Jugendliche wollen die Innovationspartner frühzeitig Interesse an Naturwissenschaft und Technik wecken und einem drohenden Nachwuchsmangel in den Natur- und Ingenieurwissen­schaften entgegenwirken.

7.       Die Qualität unseres Bildungssystems entscheidet über die künftige Stel­lung in der Welt. Deshalb braucht Deutschland eine Reform der gesamten Bildungskette. An dieser Reformdebatte wird sich "Partner für Innovation" aktiv beteiligen. Eine besondere Aufgabe ist der Ausbau der Betreuung und frühen Förderung der Kinder. Dazu wird die Bundesregierung noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf vorlegen.

8.       Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung können wir es uns immer weniger leisten, kreative Potenziale brach liegen zu lassen. Deshalb wollen die Innovationspartner gemeinsam die Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Eltern verbessern. Gleichzeitig geht es darum, das Wissen und die Erfahrung der älteren Beschäftigten produktiv zu nutzen.

9.       Die Bundesregierung wird zum Europäischen Rat im Frühjahr mit ihren wichtigsten europäischen Partnern eine Initiative ergreifen, um die europäische Industriepolitik zu einer beschäftigungsfördernden Industrie- und Innovationspolitik weiter zu entwickeln. Sie wird die gemeinsamen innovationspolitischen Anliegen in der EU mit Nachdruck vertreten.