D a s   L i b e r a l e   T a g e b u c h

Sammlung Originaldokumente aus „Das Liberale Tagebuch“, http://www.dr-trier.de  

 

Berlin, den 13. April 2005 167/05

 

Mitteilung an die Presse

 

Rede des SPD-Parteivorsitzenden Franz Müntefering auf dem 3. Programmforum der SPD

 

Demokratie. Teilhabe, Zukunftschancen, Gerechtigkeit

 

am Mittwoch, dem 13. April 2005, Willy-Brandt-Haus, Berlin

 

Sperrfrist: Redebeginn!

- Es gilt das gesprochene Wort –

 

 

Kommentare des Liberalen Tagebuches wie hier in rot und eingerückt.

 

Gehen wir davon aus, dass Franz Müntefering ernst genommen werden will, d.h., die Aussagen in dieser Rede Realpolitik sein sollen.

 

„Den Standort Deutschland nicht schlecht reden“, ist einer der häufigsten Appelle der SPD in diesen Jahren. Dennoch hatten wir im März 2005 5,2 Mio. registrierte Arbeitslose; dennoch lahmt die Wirtschaft und brechen folglich die Steuereinnahmen weg.

 

Es gibt in Deutschland neben positiven auch negative Standortfaktoren. Die Tatsache, dass der SPD-Vorsitzende diese Rede gehalten hat, ist die Summe der negativen Standortfaktoren, der alle anderen umfasst.

 

Besonders negativ hervorzuheben ist die weitere Tatsache, dass die SPD mit einem Vorsitzenden der so denkt rund 30% Zustimmung in den Umfragen erzielt. Addieren wir die Zustimmung zu allen sozialistischen Parteien mit teilweise noch radikaleren Positionen, ergeben sich rund 45% Zustimmung „für das Programm“, das mit dieser Rede bezogen auf diesen Wähleranteil noch relativ gemäßigt konfiguriert ist.

 

In dieser Rede gibt es zahllose Positionen, die ohne den jeweiligen Kontext von Liberalen vorbehaltlos geteilt werden.

 

Besonderes Augenmerk sollten Liberale allerdings auf die (1) härtesten Aussagen und (2) auf die mehrdeutige Sprache, insbesondere die nicht operationalisierbaren Aussagen mit abstrakten Satz-Subjekten werfen; diese sind dadurch gekennzeichnet, dass offen bleibt, welche Individuen die konkreten Akteure sind. Es zählen dazu insbesondere Sätze, in denen abstrakte Begriffe wie Staat, Gesellschaft oder Markt das Satz-Subjekt und ein „Aktionsverb“ (gewähren, schützen, ausbeuten, o.ä.) das Prädikat sind. Solche Aussagen sind diffus und mehrdeutig; sie beruhen teilweise auf schlechten Sprachgewohnheiten, sind aber (unbewusst?) häufig auch so formuliert, um Klarheit zu vermeiden. Diese Passagen sind rot fett gekennzeichnet

 

Will Müntefering doch nicht ernst genommen werden? Unvorstellbar.

 

 

 

Anrede

 

Heute wollen wir in unserer öffentlichen Programmdebatte über Demokratie sprechen. Was sie uns bedeutet. Was sie ermöglicht. Wie sie funktioniert. Was sie gefährdet. Was sie stärkt. Über das Recht und die Pflicht zur Teilhabe und zur Teilnahme an der Demokratie. Über Zukunftschancen, die sich für den Einzelnen und für das Land mit der Demokratie und ihrer Entwicklung verbinden. Über Gerechtigkeit, die sich aus der demokratischen Verfassung, aus dem Rechtsstaat und dem Sozialstaat ergibt.

 

In den vorangegangenen Foren haben wir bereits über Wohlstand für alle und Arbeit sowie über Deutschlands Rolle in Europa und in der Welt debattiert. Auf dem 4. Forum am 19. Mai 2005 geht es um den Menschen im Mittelpunkt der Politik.

 

Heute richten wir den Blick auf unser Zusammenleben. Auf die Fragen der Organisation unserer Gesellschaft, auf den Staat. Auf seine Aufgaben und seine Grenzen. Auf die zivile Gesellschaft in diesem Staat.

 

Weder Demokratie noch Staat handeln.

 

Demokratie ist ein Prinzip. Als Organisationsform unseres Staates ist sie aber auch ein Prozess. Sein Gelingen ist wesentlich für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Dies umso mehr, als wir als Deutschland Mitverantwortung tragen für das Gelingen Europas, genauer: für das Gelingen eines demokratischen und - das sagen wir Sozialdemokraten - eines sozialen Europa.

 

In Ordnung

 

Die deutsche Demokratie nach 1949 ist eine Erfolgsgeschichte. Nicht perfekt, aber alles in allem und besonders vor dem Hintergrund der Zeit davor eine gelungene Sache, auf die alle Demokratinnen und Demokraten unseres Landes stolz sein dürfen. Viele haben daran mitgewirkt. Wir Parteien. Aber längst nicht nur die Parteien.

 

Als die Geschichte der SPD vor 142 Jahren begann, war das freie, gleiche und geheime Wahlrecht noch weit entfernt.

 

Nach dem preußischen Drei-Klassen-Wahlrecht bestimmte damals noch die Höhe der gezahlten Steuern das Gewicht der Stimmen. Das führte zum Beispiel in Essen dazu, dass Herr Krupp bei einer Wahl genauso viel zu sagen hatte, wie alle seine Arbeiter zusammen. Dagegen hat die SPD angekämpft.

 

Das gleiche Wahlrecht kam erst mit dem Deutschen Reich 1871 und dann auch nur für Männer.

 

Erst 1918, als zum ersten Mal Sozialdemokraten das Land regierten, erhielten in Deutschland Frauen das Wahlrecht.

 

Erstmals wurden in Weimar auch Grundrechte in eine deutsche Verfassung hineingeschrieben. Sie war die freieste Verfassung der Welt. Aber sie alleine reichte nicht aus: Die erste deutsche Demokratie hatte engagierte Förderer, aber auch viele Gegner und zu viele Gleichgültige. Sie dauerte deswegen nur kurze 15 Jahre.

 

Womit klar ist, dass es nicht auf Texte, sondern auf die Geisteshaltung und das Verhalten der Menschen ankommt. Selbstverständlich wird Müntefering sagen. Aber so formuliert er nicht.

 

Die Zeiten waren andere. Aber lernen kann man doch: Demokratie gelingt nicht von allein, sie ist nicht sicher vor Feinden. Sie braucht vernünftige Organisation, sie braucht vor allem Demokratinnen und Demokraten, die Demokratie wollen und die sie leben, im Staat und in der zivilen Gesellschaft. Die sie schützen und die sie durchsetzen, die ihr zu ihrem Recht verhelfen.

 

Rückfall: „Demokratie braucht“ die durchgängige Floskel der Saison. Einzig richtig wie Müntefering selber ausführt: Wenn die Menschen demokratische Gesinnung, Geisteshaltung haben, dann gibt es Demokratie. Andernfalls nicht. Die handelnden abstrakten Begriffe ist Unsitte (Klarheit wird umgangen) bis Programm (Illusionen wecken, Schlüssigkeit in der Metaebene)

 

Heute ist uns unsere Demokratie selbstverständlich. Wir haben uns an sie gewöhnt. Sie ist stabil, kein Zweifel, Demokratiefeinde haben heute in Deutschland keine Chance. Aber Demokratie braucht nicht nur Gewöhnung, sie braucht vor allem Lebendigkeit. "Mehr Demokratie wagen", das gilt. Lebendige Demokratie wagen erst recht.

 

Noch immer Gewöhnung? Was soll das? „Demokratie wagen“, der legendäre Spruch von Willy Brandt. Wir sollten die Idee vom Wagnis jedoch überwinden - 60 Jahre „nach Kriegsende“ – auch wenn Elite sich noch ausreichende neu gebildet hat. Franz-Laberbacke: Demokratie braucht Lebendigkeit. Erwiderung: Braucht gar nicht. Demokratie der Penner zerstört zwar irgendwann die demokratische Geisteshaltung der Menschen; aber sofort nicht. Es genügte beizeiten aufzuwachen

 

Wir sehen es voller Sympathie, wenn Freiheitsbewegungen sich gegen autoritäre Regime auflehnen. Wie in der Ukraine. Die Bilder der Orangen Revolution haben viele bei uns an die Ereignisse 1989 in der DDR erinnert, als erstmalig eine Revolution der Freiheit auf deutschem Boden erfolgreich war.

 

Dieser Absatz zeigt: Müntefering ist sehr wohl in der Lage, inhaltlich nachvollziehbar zu formulieren. Will aber wohl eher selten.

 

Aber auch in der Demokratie überwiegen neben solchen Augenblicken der Emphase und des Triumphes die Ebenen des Alltags. Und die brauchen praktisches Engagement dauerhaft und sie brauchen Impulse. Demokratie verträgt keinen Stillstand.

 

Daher also sozialistische Reformfreudigkeit seit 1998?

 

Gefragt ist dabei die Verantwortung jedes Einzelnen vor sich selbst und in der Gesellschaft. Eigenverantwortung und Gemeinwohl sind Grundlagen der Demokratie.

 

Eigenverantwortung und Versorgungsstaat. Eigenverantwortung mehr als nur zum Ausfüllen staatlicher Antragsformulare?

 

Gefragt ist die Verantwortung der demokratischen Organisationen, ganz besonders der politischen, der demokratischen Parteien. Sie leben mit der Demokratie und für die Demokratie.

 

Aber keinen Verfassungsbruch und nicht so viele verfassungswidrige Gesetze. OK?

 

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands sieht es als ihre herausragende Aufgabe an, das Gemeinwesen, unseren Staat, nach den Regeln der Demokratie zu gestalten und zu regieren und ihren aktiven Beitrag zu leisten für eine demokratisch bestimmte Gesellschaft. Auch das Karlsruher Programm, das wir im November dieses Jahres beschließen, wird dies verdeutlichen.

 

„aktive“ Beiträge sind besonders positiv, Franz-Laberbacke.

 

Anrede,

 

als unser Grundgesetz entstand - beschlossen vom Parlamentarischen Rat am 8. Mai 1949, in Kraft getreten am 23. Mai 1949 (manche Tage haben es in sich) - , herrschte seit Jahren Not und Elend in Deutschland.

 

Das tägliche Brot war knapp und seitdem haben Quaker-Speise und Care-Pakete aus den USA für meine Generation ein legendäres Image. Festes Schuhwerk zu haben, Holz zum Heizen, im Winter einen dicken Mantel, zu essen und zu trinken, - darauf stand das Sinnen und Streben.

 

Mitten in diese Zeit der materiellen Not hinein war das Grundgesetz die Vision von etwas Neuem, Erstrebenswertem. Etwas, das Freiheit ermöglicht, das Recht garantiert, das Frieden sichert. Es dokumentierte Zuversicht, dass nach diesen Regeln der Demokratie ein menschenwürdiges Leben möglich ist.

 

Mit 53 zu 12 Stimmen haben die Mitglieder des Rates damals wegweisende Postulate beschlossen wie:

 

  • Die Würde des Menschen ist unantastbar.
  • Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
  • Männer und Frauen sind gleichberechtigt.
  • Die Bundesrepublik ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.
  • Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.
  • Auch: Die Todesstrafe ist abgeschafft.
  • Auch: Eigentum verpflichtet.

 

Das alles gilt seitdem, seit 1989 im vereinten Land in ganz Deutschland. Nicht selten umkämpft in der Praxis der Ausgestaltung, aber nie prinzipiell in Frage gestellt.

 

Trotzdem steckt unsere Demokratie in einer Phase der Bewährung und der Entwicklung. Wir sind nicht kleinmütig. Vieles in unserer Demokratie ist intakt. Aber wir idealisieren auch nicht: Es gibt Besserungsbedarf.

 

Welchen? Das was folgt? Dazu genügt vorbildliches Verhalten – auch der SPD-Mitglieder

 

Das Desinteresse an Wahlen, die Missachtung demokratischer Institutionen, die Politikverdrossenheit, die Diffamierung von Parteien, die Demokratieferne dies alles hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen.

 

Jede Zeit hat ihre spezifischen Herausforderungen. Die Umstände verändern sich und wer gestalten will, muss diesen Veränderungen genügen. Wir wollen Deutschland erneuern und zusammenhalten. Dazu gehört auch, die Demokratie in unserem Land zu stärken und sie ideell und praktisch auf die Erfordernisse dieser Zeit und der Zukunft einzustellen.

 

Demokratische Gesinnung bei allen und Bereitschaft zum Engagement für die Demokratie bei vielen sind dafür dringend erforderlich.

 

 

1. Demokratie braucht Staat

 

So positiv die Idee und noch mehr der Begriff der Demokratie belegt sind, so schwer tut sich das Land mit dem Staat.

 

Land gleich Menschen. Warum formuliert Müntefering nicht genau das?

 

Mancher putzt sich gerne die Füße an ihm ab und macht ihn zum Synonym für eine Krake und für Bonzen, für Bürokratie und für Unfähigkeit. Manche reden aus Gedankenlosigkeit abfällig über ihn, andere auch sehr gezielt. Sie fordern den schlanken Staat und wären doch nicht böse, wenn er denn verhungerte. Ja, sie legen es darauf an.

 

Was passierte am 22. März 2002? War das keine Füße abputzen?

 

Damit ist eine Scheidelinie markiert für den politischen Weg unseres Landes.

 

Die Staatsskepsis ist ein Irrweg. Die Staatsverachtung eine Gefahr. Mit dem modernen Staat ist die Idee der Demokratie überhaupt erst möglich geworden. Er stellt die Institutionen bereit, mit denen Gesellschaften ihr Zusammenleben organisieren können. Sie gewährleisten Frieden und Sicherheit. Und sie garantieren auf Basis der Grundrechte Freiheit.

 

Unser Staat ist ein Rechtsstaat. Er setzt Recht und er trägt das Recht mit seiner demokratisch legitimierten Macht.

 

Unser Staat hat das Monopol der Gewalt, niemand sonst hat ein Recht auf Gewalt. Innerer Frieden und Rechtssicherheit sind zentrale öffentliche Güter.

 

Frieden und Rechtssicherheit sind wünschenswert, aber selbstverständlich keine Güter

 

Unser Staat setzt auch die anderen öffentlichen Güter: Bildungswesen, Gesundheitswesen, Finanzwesen, Infrastruktur.

 

Unser Staat ist ein Sozialstaat. Staatsziel ist die gerechte Ordnung der Beziehungen zwischen den Menschen. Der Sozialstaat ist nicht entbehrlich.

 

Unser Staat ist ein Bundesstaat. In dieser föderalen Ordnung müssen Bund und Länder und in den Ländern die Kommunen ihre klar zugeordnete Verantwortung tragen. Staat heißt in Deutschland nicht Zentralstaat, aber die Chancengleichheit und die soziale Gerechtigkeit bleiben auf der Strecke, wenn sie nicht im Rahmen gesamtstaatlichen Handelns gesichert werden. Viele Herausforderungen lassen sich nur vernünftig lösen, wenn Bund, Länder und Gemeinden miteinander und zeitnah und mit gemeinsamer Zielsetzung daran arbeiten.

 

Welche Herausforderungen sind gemeint?

 

Und dabei sind andere Akteure gleicherweise unentbehrlich; die Zivilgesellschaft in all ihren Formen. Das Ja zum staatlichen Handeln und zu seiner Verantwortung macht uns nicht blind für seine Grenzen und für seine Schwächen.

 

Handeln Politiker nicht?

 

Staat kann nicht alles alleine regeln. Manches kann er ausdrücklich nicht oder nicht gut. Das ist eine Binsenweisheit. Staat braucht Kooperationspartner. Nach außen in Form anderer Staaten. Und nach innen als Zivilgesellschaft, einschließlich Wirtschaft. Vereinbarungen und Selbstverpflichtungen wirken da oft effizienter als staatliche Verordnungen. Der Ausbildungspakt ist dafür aktuell ein gutes Beispiel.

 

Am vorstehenden Absatz zeigt sich das Elend vom Staat, der handelt: „Er“ regelt, kooperiert, vereinbart, gewährt, überwacht oder straft. Aber es sind jeweils andere Institutionen, die von Menschen in unterschiedlichsten Rollen und Funktionen getragen werden. Münteferings Aussagen sind diffus.

 

Gleichwohl, Staat ist mehr als nur ein Reparaturbetrieb. Er darf sich nicht zufrieden geben mit der Aufgabe, Fehlentwicklungen auszugleichen, den Schwächsten zu helfen. Er hat Aufgaben, die er für die Gesellschaft erledigt.

 

Ein kleiner Gipfel: „Der zufriedene Staat … “

 

Staat muss gestalten, das ist das europäische Verständnis von Sozialer Ordnung. Das ist auch das sozialdemokratische Verständnis von Staat.

 

Nein und noch mal nein: Die Einzigen, die gestalten sind Personen; hier also Politiker

 

Anrede

 

Wir wissen, dass es ein Spannungsverhältnis zwischen staatlicher und gesellschaftlicher Politik einerseits und den ungehemmten Regeln des Marktes andererseits gibt. Diese Spannung gilt es auszuhalten und produktiv zu nutzen.

 

Was außer diffusem Wortspiel will Müntefering hier aussagen? Er unterscheidet zwischen staatliche und gesellschaftlicher „Politik“ und spricht von „ungehemmten Regeln“

 

Deshalb wollen wir soziale Marktwirtschaft und nicht Marktwirtschaft pur.

 

Im Denken und Handeln der Ökonomie ist der Primat der Ökonomie selbstverständlich, scheint staatliches Handeln oft unnötig bis kontraproduktiv.

 

Warum sagt Müntefering hier nicht „politisches Handeln“? Will er verbergen, dass das Handeln der grünroten Mehrheit im Bundestag uns die Probleme eingebrockt hat?

 

Ökonomie zielt bestenfalls indirekt auf das Sozialwesen Mensch, sie kalkuliert die Menschen zwar ein, aber nur in Funktionen: als Größe in der Produktion, als Verbraucher oder als Ware am Arbeitsmarkt.

 

Diese Aussagen sind in der Presse vom 14. April 2005 mit am heftigsten kritisiert worden, obwohl sie völlig abstrakt und falls „alle“ gemeint sein sollten mit Sicherheit schlicht falsch sind. Aber diese Sprechweise ist eben typisch. Einen Entrüstungssturm hätte Müntefering entfacht, wenn er Ross und Reiter genannt hätte. Die Abstraktheit ist unverfänglich. Die SPD-Wähler aber sind befriedigt, verallgemeinern ganz überwiegend – und die SPD „hat“ sie, ihre Wähler.

 

Diese abstrakte Logik schlägt sich konkret im Handeln von bestimmten Finanz-Unternehmen nieder: Die international forcierten Profit-Maximierungs-Strategien gefährden auf Dauer unsere Demokratie.

 

Abstrakte Logik, selber zugegeben, wird ein wenig bildhafter konkretisiert und es folgt danach die Anstiftung zur Verallgemeinerung. Optimales Vorgehen, im Dienst der Evolution zum Sozialismus.

 

Es liegt im eigenen Interesse von Unternehmern - und davon gibt es noch sehr viele -, die sich für ihr Unternehmen, für ihre Arbeitnehmer und für den Standort mitverantwortlich fühlen und entsprechend handeln, diesen Entwicklungen gemeinsam mit uns entgegenzutreten.

 

Hier disfunktionalisiert Müntefering die Unternehmer. Sie können und sollen das nicht leisten. Also wird das nicht geschehen. Also setzt Müntefering die Grundlage für einen künftigen Angriff „gegen die Unternehmer“. Richtig ist: Verantwortlich für den Standort sind Menschen (Wähler, Politiker). Nur Wähler und Politiker bestimmen unter welchen Bedingungen Lohnempfänger  und Unternehmer wirtschaften („Brot verdienen“) und Profit machen. Es ist in der arbeitsteiligen Gesellschaft falsch, wenn „alle für alles“ verantwortlich sind.

 

Unsere Kritik gilt der international wachsenden Macht des Kapitals und der totalen Ökonomisierung eines kurzatmigen Profit-Handelns. Denn dadurch geraten einzelne Menschen und die Zukunftsfähigkeit ganzer Unternehmen und Regionen aus dem Blick. Und die Handlungsfähigkeit der Staaten wird rücksichtslos reduziert. Im Ergebnis wird damit die Reputation des Staates bei seinen Bürgerinnen und Bürgern dramatisch belastet, weil er nicht mehr in die Lage ist, die von ihm erwartete Interessenwahrung hinreichend zu leisten.

 

„Stamofranz“ titelte das HB am 14. April auf Seite 1. Hat die „Macht des Kapitals“ (der Kapitalisten bzw. Kapitaleigner) denn zugenommen? Jedenfalls soll Kapital bei Müntefering keine „Macht haben“. Profit soll es auch nicht geben [nicht der langfristige Profit ist Profit; Profit wird jährlich, d.h., kurzfristig („kurzatmig“) abgerechnet]. Völlig unklar die Aussage in Zusammenhang mit dem Wort „Ökonomisierung“. Vermutlich will Müntefering sagen, dass der Einzelne aus dem Blick gerät (was auch immer das bedeuten soll). Meint Müntefering allen Ernstes, dass ein Unternehmer Profit erwirtschaften kann, wenn „er“ seinen Ruf „am Arbeitsmarkt“ ruiniert? Die Reputation des Staates ist völlig unwichtig. Wichtig ist die Reputation der Politiker. Gesagt hat Müntefering das nicht … Interessenvertretung: Will Müntefering Klassenkampf (der Interessen) oder will Müntefering, das die von Politikern legitimerweise geführten Institutionen die Menschen umfassend versorgen? Gut für viele in staatlichen Institutionen Beschäftigte … Müntefering ist halt Sozialist. Nirgends besser zu erkennen als im letzten Satz des Absatzes. In der Verfassung ist bestimmt, dass staatliche Institutionen keine Interessenvertretung sein soll (etwa Art 38, „dem Ganzen verantwortlich“). Er sollte zugeben, dass er Sozialist ist.

 

Auf diese Entwicklung müssen wir politisch reagieren: Wo der Nationalstaat an die Grenzen seiner Handlungsmöglichkeiten stößt, könnte die Europäische Union und könnten Institutionen der internationalen Völkergemeinschaft wirkungsvoll handeln.

 

Die EU muss sich entscheiden: Will sie dem Markt unter der Überschrift Wettbewerb Schneisen schlagen, die auch die sozialstaatlichen Aufgaben der einzelnen Staaten massiv tangieren? Oder will sie, im Sinne der EU-Verfassung, gemeinsam mit den Nationalstaaten eine demokratische und soziale Union?

 

Wir machen uns für die zweite Option stark. Das Grundsatzprogramm der SPD muss deswegen mehr als je zuvor offen sein für europäisches und internationales sozialdemokratisches Handeln.

 

Wenn Müntefering dazu Mehrheiten bekommt: Kein Problem – vom Demokratieverlust und ökonomischen Niedergang einmal abgesehen. Nun, wenn die Wähler es so wollen …

 

Anrede

 

Wenn der Staat leisten soll, was wir von ihm erwarten, damit Demokratie, Rechtsstaat und Sozialstaat bestehen können, stellt sich mit Nachdruck auch die Frage nach seiner finanziellen Basis.

 

Diese Frage ist nicht populär, aber wichtig. Sie muss ehrlich beantwortet werden, denn sie tangiert die Steuer- und Abgabenpolitik erheblich.

 

Das Prinzip der Subsidiarität und das der Eigenverantwortung haben Priorität; was vor Ort und privat geregelt werden kann, soll dort und so getan werden. Staat muss sich da entbehrlich machen, wo dies verantwortlich möglich ist. Und er muss gestärkt werden, wo es notwendig ist, zum Beispiel:

 

Unsere Kommunen brauchen mehr Investitionskraft, sonst wird es bergab gehen mit der Lebensqualität vor Ort. Sie müssen Freiraum haben, bei Mehreinnahmen nicht nur zu entschulden, sondern teilweise auch zu investieren im Sinne von Substanzpflege. Auch zum Nutzen der Arbeitsangebote vor Ort.

 

Was Müntefering will: Die Stadtverwaltungen sollen mehr Aufgaben übernehmen und dafür muss das finanzielle Volumen über das Politiker verfügen und entscheiden sehr groß sein … Es stimmt, Müntefering hat es anders – unverfänglich, daher unredlich  - ausgedrückt.

 

Die großen sozialen Sicherungssysteme sind nicht entbehrlich, wenn für die existentiellen Situationen des Lebens der umfassende Risikoausgleich funktionieren soll. "Einigkeit macht stark", das gilt auch hier und ist auch ökonomisch vernünftig.

 

„Umfassend“ aus liberaler Sicht zu streichen. Es geht darum, dass die Gesamtheit der Menschen die Großrisiken, jene, die im Schadensfall bis zum Durchschnittseinzelnen den sozioökonomischen Untergang hervorrufen würden, gemeinsam getragen werden. Der Sozialist will „umfassend Schützen lassen“ – damit den Einzelnen antiemanzipatorisch entmündigt sehen und etwa die Staatsverwaltung personell aufblähen. Gesagt hat auch das Müntefering nicht.

 

Die Investitionen in die langfristige Zukunftsfähigkeit voran in die Bildung werden nicht breit genug erfolgen, wenn nicht der Staat je nach Zuständigkeit in den Kommunen, den Ländern und dem Bund diese Entscheidungen trifft. Die Bildungschancen der Sozial- und Lernschwächeren würden weiter geschmälert. Dieser staatliche Bildungsauftrag lässt ausreichend Platz für private Initiativen und Bildungseinrichtungen unterschiedlichster Art.

 

Das kann, muss aber nicht so verabredet sein … Müntefering, Sozialist, will viel Eingriff in das Leben der Einzelnen durch die Politiker in den Parlamente aller Staatsebenen.

 

Grundlagenforschung bleibt nötig, wenn innovative Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden sollen. Die Beispiele Energie, Mobilität und Medizin seien genannt. Der Staat muss Impulse setzen und kann nicht abwarten, ob im privatwirtschaftlichen Spiel der Kräfte diese Forschungen rechtzeitig angestoßen werden.

 

Wieso nicht? Weiß der Staat es besser? Klingt gut. Aber ob die Politiker und die von ihnen geführten Beamten/Staatsangestellten es besser wissen hat Müntefering nicht dargelegt.

 

Und die Umwelt muss gesichert werden. Die Kultur gefördert, die Mobilität garantiert. Und die Staatsdiener ordentlich bezahlt. Der Staat muss handlungsfähig sein.

 

Nein so nicht. Wir wollen, unsere Nachkommen sollen überleben; wir wollen Kultur, wir wollen mobil sein. Der Staat muss gar nichts und die Politiker sollen, die ihnen nach der Rechtsordnung zugewiesenen Aufgaben gefälligst erfüllen. Dazu „benötigen“ unsere Politiker selbstverständlich Mitarbeiter in Parlament, Justiz (indirekt) und Staatsverwaltung. Warum Müntefering „ordentliche Bezahlung“ überhaupt erwähnt, ist wohl sein Geheimnis.

 

 

2. Demokratie braucht Gesetz

 

Eine Wurzel von Demokratie ist das Recht. Zusammenleben braucht verlässliche Rahmenbedingungen, die in Gesetzen festgehalten und deren Einhaltung durch Gerichte garantiert werden.

 

Das Ziel ist Rechtssicherheit. Gleiches Recht für alle. Diese Forderung gilt.

 

Wie viel Sicherheit?

 

Die Gerichte in Deutschland haben sich als stark und unabhängig profiliert. Auch künftig muss die Justiz unabhängig bleiben und zugleich transparenter und effizienter werden.

 

Wir werden die Gewaltenteilung bewahren. Dazu gehört auch, dass wir politische Entscheidungen in den Parlamenten belassen und nicht an höchstrichterliche Gremien delegieren.

 

Wie schön.

 

Das Parlament ist in der Demokratie der zentrale politische Ort der Gesetzgebung. Hier werden die Spielregeln der Gesellschaft definiert. Hier werden für Bürgerinnen und Bürger verbindliche Gesetze formuliert, beraten und verabschiedet. Bundestag und Bundesrat machen Gesetze und nehmen selten Gesetze. Der Verzicht auf Gesetze, wo sie entbehrlich sind, darf uns nicht fremd sein, sogar ein Ehrgeiz.

 

Bedeutendes ist unserem Müntefering dazu offenkundig nicht eingefallen … Aber die Formulierung des Titels „Demokratie braucht Gesetz“ wirkt halt irgendwie ästhetisch …

 

 

3. Demokratie braucht Mehrheit

 

Demokratie heißt: Mehrheit entscheidet. Mehrheit bedeutet Macht. Sie muss durch Abstimmungen oder Wahlen demokratisch legitimiert sein und wird immer nur auf Zeit gegeben. Das gibt der Mehrheit Verantwortung und Gestaltungskraft, hoffentlich auch Bescheidenheit im Wissen, dass Mehrheit auch irren kann.

 

Die Herrschaft der Mehrheit ist nicht unbegrenzt: Minderheitenrechte müssen geschützt sein. Die Minderheit muss stets die Möglichkeit haben, selbst zur Mehrheit zu werden. Sie darf nicht diskriminiert sein.

 

Falsch: Minderheiten müssen geschützt sein. Unabhängig davon ob sie „Rechte“ haben.

 

Minderheit kann Fairness erwarten, Mehrheit aber auch. Die Art und Weise, wie der Kampf um die Mehrheit in der Demokratie ausgetragen wird, unterliegt Prinzipien der Demokratie. Auch hier heiligt nicht der Zweck die Mittel. Und auch in unseren Tagen liegt in dieser Wahrheit ein Risiko der Demokratie.

 

Risiko „Politiker“?

 

Gesellschaftliche Macht gibt es auch außerhalb der durch Wahlen legitimierten Mehrheiten, ein Beispiel sind die Medien. Sie können der Demokratie dienlich sein oder auch nicht. Das Gelingen der Demokratie ist in hohem Maße abhängig vom Wissen, der Orientierung, der Urteilsfähigkeit und der demokratischen Integrität der Bevölkerung. Das müssen die Medien bedenken.

 

WOW: Demokratische Integrität. Ansonsten siehe Abschnitt „3“

 

 

4. Demokratie braucht Aufklärung

 

Anrede,

 

dass Demokratie ist, kann man nicht einfach entscheiden. Zu Demokratie muss man fähig sein. Die Grundlagen dafür müssen gesellschaftlich und politisch gelegt werden durch Bildung und Erziehung. Emanzipation ist das Stichwort, das am Beginn unserer politischen Bewegung stand und das auch heute für die ganze Gesellschaft gilt.

 

Unser Bildungssystem muss das Wissen und die Kompetenzen vermitteln, die Staatsbürger brauchen: Bescheid wissen, informiert sein, abwägen können.

 

Damit meine ich nicht nur den Staatsaufbau oder Details wie den Unterschied zwischen Erststimme und Zweitstimme bei der Bundestagswahl. Damit meine ich eine umfassende Allgemeinbildung, die Kompetenz sich zu informieren und die Fähigkeit zum konstruktiven Diskutieren und Streiten, - Dialogfähigkeit und Kompromissfähigkeit.

 

Emanzipation ist die Grundlage von Demokratie. Und sie ist Kern sozialdemokratischer Politik. Eigenverantwortung lernen das ist ein wichtiges, das erste Ziel. Das ist das Urmotiv in der sozialdemokratischen Idee: Die Menschen begegnen sich in gleicher Augenhöhe. Sie sind aufgeklärt.

 

„Emanzipation Grundlage von Demokratie“ Abstraktes Grundlage von Abstraktem. Konkret allerdings in Zusammenhang mit Menschen, Bürgern. Das konnte Müntefering jedoch nicht bringen und vor allem die nächsten drei Sätze (Kern sozialdemokratischer Politik, Eigenverantwortung und Urmotiv) so nicht formulieren können; denn (etwa): Ist der Zwangsversicherte Mensch im Regime mit 50% Staatsquote emanzipiert?

 

Franz-Laberbacke bringt noch einen Schlenker zur gleichen Augenhöhe (diffus). Und schlimmer: Was hat das mit Emanzipation zu tun?

 

Und so geht das – abstrakt, entmenschlicht - bis zur nächsten „Anrede“ weiter. In NRW hätte die SPD zu alledem Mustergültiges produzieren können. Seit per PISA NRW sogar innerhalb Deutschland schlecht bewertet ist, steigerte die SPD … ihre Leistungen in der Bildungspolitik? Nein, ihre Propaganda und Rhetorik.

 

Wir wollen eine Bildung und eine Erziehung, die zu Freiheit und Verantwortung heranbilden. Vorne an steht die Verantwortung der Eltern. Aber es geht auch nicht ohne ein Bildungssystem, das nicht nur fit macht für den Arbeitsmarkt, sondern das die Würde jedes einzelnen Menschen im Blick hat. Das demokratisch ist und zur Demokratie erzieht.

 

Deshalb muss Bildung allen offen stehen. Das ist unser Verständnis von sozialer Gerechtigkeit und von Zukunftschancen. Wir wollen allen in der Gesellschaft die Chance geben, ihre Potenziale zu nutzen. Unabhängig vom Portemonnaie der Eltern. Die Startvoraussetzungen müssen für alle gleich sein. Wir helfen denen, die bei der Geburt nicht in der ersten Reihe stehen, damit sie beim Start in die Schule vorne mit dabei sind.

 

Das gilt für Krippenplätze, Kitas, Ganztagsschulen, längeres gemeinsames Lernen, Sprachkompetenz.

 

Soziale Barrieren müssen in der Schule abgebaut werden und dürfen nicht höher werden.

 

Bildung ist ein sozialdemokratisches Thema. Die Diskussion über unser Grundsatzprogramm gibt uns die Chance, das wieder zu verdeutlichen.

 

Anrede,

 

Wer Aufklärung will, muss eine Kultur der Aufklärung schaffen und erhalten; Kultur in der Vielfalt ihrer Formen. In der Kunst, aber beispielsweise auch in der Gestaltung der Städte, als Wohnkultur, in der Mode, in den Umgangsformen.

 

Tradition und Moderne berühren sich in der Kultur. Kultur - Kunst vorne an ist Experimentierfeld, ist kreativer Ort, ist Avantgarde, ist aber auch Ausdruck zeitloser Wahrheiten.

 

Gute Kultur ist mehr als Konsum, Kultur bewegt, klärt auf. Literatur und Musik, Malerei und bildende Künste, Theater und Film sind nicht von vornherein zu oft nicht aufklärerisch, aber sie können es sein. Dazu müssen sie die Chance haben. Gefördert, aber nicht bevormundet vom Staat und der ganzen Gesellschaft. Frei.

 

Drei Mal: WOW. Aber Abstraktion verpflichtet zu nichts.

 

Anrede,

 

Aufklärung setzt in dieser Gesellschaft auch Medienkompetenz voraus, die Fähigkeit, die Flut von Informationen und Meinungen zu gewichten und zu ordnen und daraus eine eigene Position zu entwickeln.

 

Dabei hilft Medienvielfalt (nicht -beliebigkeit), also freie, qualifizierte Medien, die Demokratie stärken und nicht mit dem Frust an Demokratie spielen, um mehr Auflage oder Quote zu machen.

 

Öffentlichkeit ist in Zeiten der Aufklärung entstanden. Es ist gemeinsame Aufgabe aller, Öffentlichkeit auch weiterhin als einen Ort der Aufklärung zu gestalten.

 

Noch drei WOWs

 

 

5. Demokratie braucht Teilhabe und Teilnahme

 

Bildung gibt jeder Bürgerin und jedem Bürger den Schlüssel zur Teilhabe in die Hand. Das ist der wichtige erste Schritt.

 

Ja, hätte die SPD doch – etwa in NRW

 

Der zweite Schritt ist, alle stark genug zu machen, den Schlüssel auch zu benutzen.

 

Es scheint Staatsaufgabe zu sein alle stark zu machen …

 

Wissen und Handeln, Chancengleichheit und Verteilungsgerechtigkeit jeweils beides ist wichtig für eine soziale Demokratie, wie wir sie wollen.

 

Mit oder ohne Massenarbeitslosigkeit?

 

Und wer soziale Demokratie will, der muss bereit sein, in ihre Fundamente zu investieren. Neben Bildung bedeutet das auch Soziale Sicherheit, neben Aufklärung auch Engagement für die Sache.

 

Ist Soziale Sicherheit gleich Sozialpolitik nach Kassenlage?

 

Bei der sozialen Sicherheit geht es uns dabei nicht um Almosen. Uns geht es um klar definierte und einklagbare Pflichten und Rechte. Um Leistungsansprüche auf der Grundlage von eigenen Leistungen. Um eine Grundversorgung, die garantiert, dass jeder in unserem Land unter menschenwürdigen Umständen leben kann. Um Solidar-Systeme, die jeden existentiell und hinreichend absichern.

 

Ziemlich abstrakt. Und konkret?

 

Wir wollen, dass Menschen für Menschen da sind. Gesunde für Kranke, Starke für Schwache, Generationen für Generationen. Das ist das Grundprinzip unserer sozialen Sicherungssysteme. Der eine steht für den anderen ein. Diesen Zusammenhalt wollen wir bewahren. Die deutschen Sozialsysteme sind gelebte Solidarität. Im Kern unverzichtbar, aber von den Zeitläufen abhängig.

 

Trotz 2 Mal „Menschen“ noch immer abstrakt. Schön, das mit dem „da sein“. Konkrete Bedeutung?

 

Nur wenn sie zeitgemäß reformiert werden, haben sie in Zukunft Bestand.

 

Und wenn man sie will. Wir wollen sie. Finanziert aus einem tragfähigen Mix aus Beiträgen, Steuern und individueller Vorsorge.

 

Teilhabe erfordert auch einen gerechten Anteil am wirtschaftlichen Erfolg. Das heißt auch: Verantwortung der Unternehmen für ihre Mitarbeiter und für ihre Standorte.

 

Abstraktes Europäisches Sozialstaatsmodell mit Massenarbeitslosigkeit

 

Anrede,

 

Teilhabe erfordert Teilnahme, Engagement in der Gesellschaft und für die Demokratie. Unmittelbar in der Zivilgesellschaft, in Verbänden, Vereinen, Organisationen, Initiativen. Oder in Kirchen, in Gewerkschaften, in Parteien.

 

Das Ehrenamt ist wichtig: Wir unterstützen ehrenamtliche Arbeit, nutzen sie aber nicht als Ausrede für eine Politik, die sich selbst aus der Verantwortung stiehlt. Wir ermutigen alle, im Großen wie im Kleinen, gesellschaftliche Aufgaben zu übernehmen. Die beispielhaft in den Sportvereinen dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche Sport treiben können, leisten wichtige Arbeit. Wir sind ihnen verbunden.

 

Wir wollen einen starken Parlamentarismus und ein klares und selbstbewusstes Bekenntnis zu starken politischen Parteien. Parteien sind fehlbar, das wissen wir nur zu gut. Aber sie sind auch überlebenswichtig für unsere Demokratie und mit Recht stolz auf ihren Beitrag zu deren Gelingen.

 

Wir wollen als Ergänzung der repräsentativen, parlamentarischen Demokratie mehr direkte Mitbestimmungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger.

 

Auf staatlicher Ebene wollen wir Teilhabe und Teilnahme durch die Einführung von Volksinitiativen, -begehren und -entscheiden und Referenden auf Bundesebene fördern.

 

Zu Fragen wie Abtreibung, Todesstrafe oder EU-Verfassung?

 

Die aktive Teilnahme vieler an unserer sozialen Demokratie in vielerlei Form ist ein großes Gut. Dieses menschliche Engagement quer durch alle Generationen ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält und soziale Demokratie erst möglich macht. Teilhabe und Teilnahme sind ihr Fundament.

 

Anlässlich dieses Absatzes: Wie fließend ist doch der Übergang von der nachvollziehbaren Aussage zum letztlich inhaltslosen Blabla. Was kann sich der nicht-politische Mitmensch für die Floskeln kaufen?

 

Mitbestimmung der Arbeitnehmer ist ein Stück Demokratie. Keiner Herr, keiner Knecht. Unser Stück Wirtschaftsdemokratie soll nicht in der Globalisierung untergehen. Sie hilft schwierige Umstrukturierungen zu bewältigen und trägt zum inneren und sozialen Frieden bei. Unternehmerverbände und Gewerkschaften sollen Interessen vertreten und faire und vernünftige Ergebnisse erzielen und umsetzen können. Demokratie ist an den Werkstoren nicht zu Ende.

 

Seit letzter „Anrede“: Alles abstrakt und viel Franz-Laberbacke

 

 

6. Demokratie braucht Integration

 

Alle gehören zu der gleichen Gesellschaft. Mit gleichen Rechten und mit gleichen Pflichten. Deutsche und Migranten mit ausländischem Pass, die dauerhaft in Deutschland leben.

 

Der Vorsatz ist unverbrüchlich, aber leicht ist Integration nicht. Nicht für die Deutschen, nicht für die Migranten. Das ist ein Prüfstein für unsere Demokratie. Guter Wille bei allen ist erforderlich, klare Regeln sind es auch.

 

Über das wohlwollende menschliche Miteinander hinaus sind es das Grundgesetz und die aus ihm abgeleiteten Gesetze, die das Gelingen von Integration ermöglichen. Unterschiedliche Kulturen und Religionen und Traditionen haben in unserem Lande ihren Platz, solange sie unsere gemeinsamen Regeln, unsere Gesetze akzeptieren und einhalten. Anders: Wer gegen Gesetze verstößt, kann sich nicht darauf berufen, dass seine Religion ihm dies erlaubt.

 

Alles sehr schön. Und?

 

Wo Asyl nötig ist, muss es möglich sein. Die Möglichkeiten der Zuwanderung allgemein sind eng begrenzt.

 

Die Arbeit, die es in Deutschland gibt, muss zuerst von denen getan werden, die legal in Deutschland sind.

 

Vorwärts / Rückwärts? Klar, hier könnte es schnell konkret werden. Ja zum Asyl. Auch ohne Integration der Verfolgten.

 

Integration muss einen Schwerpunkt haben bei den Kleinen. Sie müssen die deutsche Sprache können, wenn sie mit 6 Jahren in die deutsche Schule kommen. Vorprüfung und Sprachkurse zu diesem Zweck sind wirkungsvoll.

 

Kontrolle? Besser Schulen für Kinder aus Familien, die kein Deutsch sprechen. Oder noch besser: Zweisprachige Alphabetisierung.

 

Von denjenigen Migranten, die dauerhaft in unserem Land leben wollen, erwarten wir die Bereitschaft zur Einbürgerung. Mit der Einbürgerung erhalten sie alle staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten und sie ermöglicht ihnen bessere Lebenschancen in unserem Land. Sie ermöglicht auch volle Teilhabe und Teilnahme.

 

Oh das ist neu: „Erwarten Einbürgerung“.

 

Hat Müntefering, den Abschnitt Integration als Pflichtübung nur angeklatscht?

 

 

7. Demokratie braucht Wehrhaftigkeit

 

Anrede,

 

Demokratie basiert auf Toleranz. Gerade auch Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Aber Intoleranz dürfen Demokraten nicht tolerieren. Demokraten müssen gegen die Feinde der Demokratie zusammenstehen. Demokratie muss sich verteidigen können und muss dies auch tun. Auch vorbeugend.

 

Nein, Demokratie basiert auf demokratischen Menschen und die sollten tolerant sein.

 

Im Grundgesetz wird eine wehrhafte Demokratie beschrieben. Damit zieht die Bundesrepublik die Lehren aus Weimar.

 

Die jüngsten Entscheidungen zum Versammlungsrecht und zum Strafrecht, die Demonstrationen von Neo-Nazis oder anderen Extremisten verhindern oder erschweren, zeigen die Bereitschaft, unsere Demokratie zu verteidigen. Die braune Ideologie soll nie wieder eine Chance haben in Deutschland.

 

Wehrhaftigkeit im Gewand von Demonstrationsverboten. Nun ja, wenn Müntefering meint. Wie wäre es mit einer politischen Balance dergestalt, dass auch sogenannte linksextremistische Versammlungen „verboten“ werden. Wenn Müntefering das dann doch nicht will – was soll’s; es bleibt dann beim Verbot der Rechtsextremen. Klar aber ist auch: Schlüssig ist das nicht. Na ja, bei einem der über Sozialismus nicht herauskommt …

 

Wer die Demokratie ablehnt, der muss mit unserem Widerstand rechnen gesellschaftlich, politisch und juristisch.

 

Jaaaaaaaa, die Freiheitskämpfer.

 

 

Schluss

 

Anrede,

 

das Soziale und das Demokratische, das ist unsere Sache, - soziale Demokratie.

 

Bitteschön. Nicht ratsam jedoch Demokratie ohne Sozialpolitik. Über den Umfang der Sozialsysteme gibt es – wohl wahr - Unterschiede zwischen Liberalen und Sozialisten.

 

Demokratie ist ein Wagnis. Ein Wagnis, das gelingen muss, wenn Menschen menschlich miteinander leben wollen.  Das Faszinierende ist, dass Demokratie ihre eigenen Grundlagen zu schaffen und auszubauen vermag, wenn sie aktiv gelebt wird.

 

Ebenfalls ein letztes: Demokratie sei ein Wagnis. So, so: Demokratie im Verständnis von Müntefering also mit Risiken behaftet. Nicht einmal eine Aufzählung liefert Müntefering, der Obrigkeitsstaatler.

 

Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sind in der sozialen Demokratie Voraussetzung und Ziel zugleich.

 

 

Demokratie lohnt sich.

 

Besser: Demokratie gefällt uns, deswegen wollen wir Mitmenschen mit demokratischer Gesinnung.

 

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