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s L i b e r a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Dirk Niebel: 22. August 2005. Interview mit den "Lübecker
Nachrichten". Die Fragen stellte Michael Wittler. Wittler: Der Kanzler verbreitet Zuversicht. Kann er den
Regierungswechsel noch verhindern? Niebel: Als Kanzler ist Gerhard Schröder
eigentlich schon Geschichte. Realistisch ist keine Konstellation, in der er
noch Kanzler sein kann. Insofern führt die SPD einen virtuellen, also
irrealen Wahlkampf zum Ende einer Ära. Wittler: Und wenn er am Abend des 18. September anruft und sagt:
Ich brauche die FDP zur Fortsetzung der Agenda 2010? Niebel: Dann stünden wir nicht zur Verfügung, denn wir wollen das
rot-grüne Elend ja beenden. Es wird nur Schwarz-Gelb geben oder eine
Linksregierung. Wer jetzt in der SPD noch etwas zu sagen hat, hätte das nach
dem Verlust der rot-grünen Mehrheit nicht mehr. Und die Nachfolger würden
jede Möglichkeit zum Machterhalt nutzen. Wittler: Fühlen Sie Neid, daß Paul Kirchhof im Kompetenzteam der
Union aufgestellt ist statt bei der FDP? Niebel: Wir sehen mit Freude bei der Union eine Stärkung für das
Steuerkonzept der FDP. Paul Kirchhof ist mit seinen Vorstellungen einer „flat
tax“, also eines einheitlichen Steuersatzes für alle Einkommensarten, nahe
bei den Vorstellungen der FDP, auch wenn wir davon ausgehen, daß es zunächst
einen Stufentarif geben wird. Aber die Richtung muß klar sein: Wir brauchen
ein Steuerrecht mit einfacheren, gerechteren und niedrigeren Steuersätzen.
Als Paul Kirchhof auf unserem Parteitag genau darüber gesprochen hat, gab es
stehende Ovationen. Wittler: In der CDU gibt es dagegen Kritik - ihr Generalsekretär
Kuader sagt, Kirchhofs Ideen seien mit dem CDU-Wahlprogramm nicht zu machen. Niebel: Da hat er Recht. Er sagt aber auch, was umsetzbar ist,
entscheidet der Koalitionsvertrag. Und da halte ich es für ein erfreuliches
Signal der CDU-Vorsitzenden und Kanzlerkandidatin, wenn sie mit Paul Kirchhof
einen Mann in ihr Kompetenzteam holt, der eine große Nähe zu den vernünftigen
wirtschaftspolitischen Vorstellungen der FDP hat - auch im Hinblick auf die
unnötige Mehrwertsteuererhöhung. Womit möglicherweise auch, wie es Friedrich
Merz sagt, bei der Unionsschwester aus den bayerischen Bergen eine größere
Bereitschaft ausgelöst wird, sich in diese Richtung zu bewegen. |