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s L i b e r a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Bärenfell / Finanzpolitik Dirk Niebel im Interview für die "Saarbrücker
Zeitung", am 19.08.2005. Die
Fragen stellte Stefan Vetter Frage: Herr Niebel, die Union hat mit Paul Kirchhof einen hoch
geschätzten Steuerexperten in ihr Kompetenzteam geholt. Stiehlt der
potentielle Koalitionspartner den Liberalen die Schau? Niebel: Ganz im Gegenteil. Das ist eine Bestärkung unseres
Steuerkonzepts. Paul Kirchhof war bekanntlich Gastredner auf unserem jüngsten
Bundesparteitag in Köln und hat dort eine mit Begeisterung aufgenommene Rede
gehalten. Wir fühlen uns jedenfalls bestätigt. Frage: Das heißt, die Durchsetzung der FDP-Forderung nach
radikalen Steuersenkungen wird durch Kirchhof erleichtert? Niebel: Die Chancen für eine Verwirklichung unseres
Steuerkonzepts sind sicher gestiegen. Denn PAUL KIRCHHOF geht im Grunde mit
unseren steuerpolitischen Vorstellungen konform. Frage: Aber entgegen früheren Aussagen trägt Kirchhof eine
Anhebung der Mehrwertsteuer jetzt mit. Steht die FDP doch auf verlorenem
Posten? Niebel: Wir sind optimistisch, daß wir im Rahmen von
Koalitionsverhandlungen eine Mehrwertsteuererhöhung verhindern können. Paul
Kirchhof hat gesagt, er trägt die Anhebung mit, weil es schon entschieden
sei. Wir sagen, es ist noch gar nichts entschieden, so lange
Koalitionsverhandlungen nicht stattgefunden haben. Ich denke, daß KIRCHHOFS
steuerpolitischer Sachverstand innerhalb der Union weiter wirken wird. Frage: Fast alle Mitglieder des Kompetenzteams stehen
ausdrücklich für einen Kabinettsposten zur Verfügung. Das gilt auch für Wolfgang
Schäuble, den profiliertesten Außenpolitiker der Union. Muß die FDP um ihre
angestammte Domäne fürchten? Niebel: Wir halten uns da an das Sprichwort mit dem Bärenfell.
Erst einmal muß die Wahl stattfinden und gewonnen werden. Danach kommen
Koalitionsverhandlungen, in denen die Festlegung von Inhalten einen Zuschnitt
der Ressorts ermöglicht. Erst dann stellt sich die Frage, wer was macht. Frage: Aber die Bürger hätten schon gern gewußt, welches
Personal Rot-Grün beerben soll. Niebel: Einspruch. Die FDP will die Probleme Deutschlands lösen.
Da interessiert die Menschen weniger, wer etwas wird und wer nicht. Frage: Sind für Sie die Ausfälle Edmund Stoibers gegen den
Osten abgehakt? Niebel: Natürlich waren wir darüber nicht glücklich, weil wir
anders denken. Wir sind der festen Überzeugung, daß man einen gesamtdeutschen
Wahlkampf führen muß. Denn die Wahl wird in Nord und Ost, in West und Süd
entschieden. Frage: Ein spezieller Wahlkampf in den neuen Ländern kommt für
die FDP also nicht in Frage? Niebel: Wir schlagen Lösungen für Gesamtdeutschland vor, die im
Osten besonders dringlich sind - z.B. Modellregionen mit weniger Bürokratie.
Wir werden im Osten keinen Sonderwahlkampf machen. Auch im Westen gibt es
Regionen mit einer furchtbar hohen Arbeitslosigkeit. Die Probleme in
Deutschland sind graduell zwar unterschiedlich, aber im Grundsatz gleich. Um
diese Verkrustungen zu lösen, braucht es nicht nur einen Regierungswechsel,
sondern auch einen Politikwechsel. Dafür stehen wir. |