D a
s L i b e r a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Rede von
Dirk Niebel, MdB, FDP-Generalsekretär auf dem 56. Ord. FDP-Bundesparteitag, am
7. Mai 2005 in Köln In der Tat liegt die Freiheit Den offiziellen Text, am 13.05.05
verteilt, hat die Redaktion des LT mit Hilfe einer Tonaufnahme noch einmal
überarbeitet und bis auf entstellende Versprecher (die übrigens erst geschrieben
auffallen) „korrigiert“. Niebel hat eine eigene Rhetorik, die es wert ist
festgehalten zu sein. Am besten ist es, die Tonaufnahme zu hören; das kostet allerdings
knapp über 40 Minuten. Bei Gelegenheit werden noch die Applause mit Dauer
notiert: Jeder Apllaus ist wie ein Abstimmungsergebnis. Die Hervorhebungen in
Fettschrift hat die LT-Redaktion ausgeführt Meine
sehr verehrten Damen und Herren, liebe Parteitagsdelegierte, ich
freue mich, daß Sie mir die Möglichkeit gegeben haben, hier heute als Ihr
neuer Generalsekretär zu sprechen, und ich freue mich ganz besonders, daß Sie
mir einen so großen Vertrauensvorschuß mit auf den Weg geben. Ich werde mein
Möglichstes tun, dieses Vertrauen zu rechtfertigen und daran mitzuarbeiten,
die FDP als die treibende programmatische Kraft in Deutschland öffentlich
sichtbar zu machen und dadurch, daß wir stärker werden, Deutschland wieder
voranzubringen. Ich
bin relativ jung schon zur Politik gekommen und habe mit 12 nachts Plakate
geklebt, weil ich das spannend fand. Sie von der Basis wissen, es ist nicht
so spannend, wenn man älter wird. Ich habe dann irgendwann gemerkt, daß ich
eine eigene politische Meinung entwickle und habe die Partei verlassen, in
der ich damals mit 18 Jahren war. Ich habe mich dann relativ schnell, weil
ich einer von diesen gefürchteten Programmlesern bin, dazu entschieden,
Wähler der FDP zu werden. Nach meiner Bundeswehrzeit bin ich in die FDP
eingetreten, um aktiv mitzuarbeiten. Und ich hoffe, daß es vielen anderen von
Ihnen genauso geht, daß Sie feststellen, in dieser Partei kann man
mitarbeiten. Man kann seine Ideen einbringen. Man wird gehört und kann
dadurch auch tatsächlich etwas verändern. Abgesehen davon, war der Austritt
aus der CDU damals zwingend notwendig, man muß sich im Leben ja auch
politisch weiterentwickeln. Der
eine oder andere von Ihnen hat vielleicht gelesen, daß wir eine
Familientradition haben bei den Niebels, nämlich den Rugby-Sport. Das ist
ganz logisch, in meiner Heimatstadt Heidelberg gibt es drei
Erst-Liga-Bundesmannschaften. Ja, deine Heimatstadt ist es natürlich auch,
Hans-Joachim Otto. Also in Heidelberg gibt es drei
Erst-Liga-Bundesmannschaften und obwohl es in Deutschland noch kein
Massensport ist, hat es viel, was man auf die Politik anwenden kann. Mein
Vater ist 1949 mit dem Sportclub „Neuenheim“ Deutscher Rugby-Meister
geworden. Das waren 10 Geschwister, sechs Jungs und vier Mädchen und fünf von
den Jungs haben Rugby gespielt. Meine Söhne spielen auch Rugby. Der Kleine ist
vier, der ist am Tag nach seinem Geburtstag angemeldet worden. Ich will Ihnen
auch erklären warum: Rugby ist ein Mannschaftsspiel. Sie haben überhaupt
keine Chance, alleine zu gewinnen, wenn Sie im Gedränge sind. Sie lernen Teamfähigkeit, Sie entwickeln Corpsgeist und Sie lernen
Raufen nach Regeln. Und ich glaube, das alles sind Dinge, die wir
hier in der FDP sehr gut gebrauchen können. Zu dem Raufen nach Regeln gehört
natürlich auch, daß wenn ein Parteitag bestimmte Dinge mit Enthusiasmus
feiert und für richtig hält, daß es schön wäre, wenn aus dem politischen Off
dann nicht immer die anderen Stimmen kämen. Zum Raufen nach Regeln gehört
auch, daß man den Bären erst erlegt, dessen Fell man verteilt. Und ich
glaube, auch daran sollten wir uns immer mal wieder erinnern. Sie
haben hören und lesen können, einige von Ihnen wissen es auch, ich bin
Arbeitsmarktexperte der Freien Demokratischen Partei. Und wissen Sie was? Das
unterscheidet mich wohltuend von den Generalsekretären anderer Parteien. Oder
weiß irgendeiner von Ihnen überhaupt, wofür Herr Benneter steht? Und wer ist
eigentlich Frau Lemke? Die Freie Demokratische Partei hat ihren
Arbeitsmarktexperten zum Generalsekretär gewählt, um zu zeigen, daß die
Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit für die Liberalen das wichtigste
innenpolitische Ziel ist. Keine Sorge, das heißt natürlich nicht, daß ich
mich darauf reduzieren lasse. Aber es heißt, daß ich diese Aufgabe weiterhin
durchführen werde und zwar mit großem Engagement. Liebe
Conny, Dein großer Verdienst ist es ja, daß wir im Gegensatz zu PDS und
Grünen eine gesamtdeutsche Partei sind. Ich werde deshalb auch im Rahmen
meiner Sommertour nach Uecker-Randow gehen, die Region in Deutschland mit der
höchsten Arbeitslosigkeit in Mecklenburg-Vorpommern. Und ich werde auch
weiterhin vor Ort mit den Menschen über die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit
diskutieren, auch da, wo das manchmal schwierig ist. Arbeitslosigkeit,
vor allem Massenarbeitslosigkeit, ist nach meinem Dafürhalten die größte
Freiheitsberaubung, die man einem Menschen in einer arbeitsteiligen
Gesellschaft zumuten kann. Sie nehmen durch Arbeitslosigkeit den Menschen
Teilhabechancen, Sie nehmen ihnen Würde, Sie nehmen ihnen Mündigkeit.
Deswegen ist die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ein Freiheitsthema, und
deswegen bin ich froh, daß wir das gemeinsam durchziehen werden, daß wir die
Arbeitslosigkeit mit Instrumenten bekämpfen, die wir hier schon besprochen
haben, auf die ich aber nochmals eingehen werde. Wir brauchen neben einer wachstumsorientierten Wirtschaftspolitik, um
Arbeitslosigkeit abzubauen,.das heißt also Investitionen und Konsum, damit
sich neue Arbeitsplätze bilden können, auch eine Mentalitätsveränderung in
Deutschland. Es
kann doch nicht sein, daß aus ideologischen Gründen, nur weil man es nicht
für schick hält, neue Technologien immer erst mal als Gefahr, als Risiko
betrachtet werden. Neue Technologien sind die Chance, im Wettbewerb mit
anderen Ländern zu bestehen, Arbeitsplätze hier zu halten und neue zu
entwickeln. Wir merken doch bei der Diskussion über die Mindestlöhne, daß wir
im Wettbewerb über niedrige Löhne mit anderen gar nicht konkurrenzfähig sein
können. Wir sollten das übrigens auch gar nicht wollen. Wir sind ein
Hochlohnland, und wir werden nur wettbewerbsfähig sein durch die besseren
Produkte, die besseren Ideen und die schnelleren Dienstleistungen. Ich
hatte das große Glück, mit dem Bundespräsidenten in Israel gewesen zu sein.
Und wir haben uns da besonders intensiv Forschungsinstitute, Universitäten,
wissenschaftliche Einrichtungen angeguckt. Bemerkenswert war, obwohl wir gut
sind - wo ich herkomme, in Heidelberg, gibt es einen hochinteressanten
Cluster in Life-Science und Biotechnologie - daß wir in diesem Bereich schon
manchmal nicht mehr die Lehrenden, sondern sehr oft die Lernenden geworden
sind. Ich halte es für schädlich, trotz aller gebotenen ethischen
Diskussionen, daß man aus ideologischen Gründen eine Technologie wie die
Stammzellenforschung aus Deutschland vertreibt, zukunftssichere Arbeitsplätze
dadurch überhaupt hier nicht entstehen läßt und hinterher die immer älter
werdenden Grünen, wenn sie das Zipperlein packt, übers Internet Medikamente
bestellen werden, die durch Stammzellenforschung entwickelt worden sind und
die dannn hier in Deutschland auch noch schlucken. Es
gibt ähnliche Beispiele. Der Ausstieg aus der Kerntechnologie. Wir sind noch
Weltmarktführer in der Kernkraftsicherheitstechnologie. Alle reden über
China. Ein enormer Wachstumsmarkt. Ein Drittel der Bevölkerung hat dort erst
elektrischen Strom in der Hütte. Können Sie sich vorstellen, was los ist,
wenn die alle mit fossilen Brennstoffen ihre Elektrizität herstellen würden?
Klimaschutzziele ade. Also ich glaube eher, daß sie Kernkraftwerke bauen werden.
Und wenn wir aussteigen aus der sicherheitstechnologischen Kernforschung,
dann werden wir die auch nicht verkaufen können. Dann werden die sich eigene
bauen oder russische Kraftwerke kaufen. Das kann nicht in unserem
umweltpolitischen Interesse sein. Das ist mit Sicherheit nicht in unserem
arbeitsmarktpolitischen Interesse. Nur die besten Technologien können wir
verkaufen, und da müssen wir hier weiter forschen. Und so kann man das
ellenlang weiterführen, vom Transrapid in Shanghai bis hin zur grünen
Gentechnik. Es ist einfach unglaublich, daß Rot und Grün aus ideologischer
Verbrämung die Chancen für zukunftsfähige Arbeitsplätze in unserem Land
schlichtweg vernichten. „Die
Welt“ vom 8. April diesen Jahres schreibt über den Vorstandsvorsitzenden der
Bundesagentur für Arbeit, zitiere: „Weise warnte davor, die Möglichkeiten der
Bundesagentur im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit zu überschätzen.“ Ich kann
Ihnen sagen, Herr Weise, das habe ich keine Sekunde lang gemacht. Die
Bundesagentur für Arbeit ist die größte deutsche Behörde mit über 90.000
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wenn Sie Michael Schumacher in einen Mini
setzen, wird er wahrscheinlich auch kein Formel-1-Rennen gewinnen. Das heißt
also, man kann ihnen nicht alles vorwerfen. Aber ein bißchen muß man schon
auch dahinter gucken, ob hier die Gelder anderer Leute sinnvoll verwendet
werden. Und wenn im letzten Jahr jeder Arbeitsvermittler dieser großen
Behörde durchschnittlich im Monat 1,4 Vermittlungen in ungeförderte
Beschäftigungsverhältnisse aufzuweisen hatte, dann ist das nahe an der
Nachweisgrenze. Wenn auf der anderen Seite bei einem Projekt, wie dem
virtuellen Arbeitsmarkt, einer internetbasierten Stellenbörse, zig Millionen
Euro von Beitragszahlern - und das sagt die Bundesagentur selbst in einer
Pressemitteilung – verbrannt werden, dann muß man sich fragen, ob diese
Veranstaltung effizient ist. Und, Sie kennen das ja alle: (hält zu seiner
Linken auf einer Tafel das alte BA-Logo) Ist klar, Arbeitslosigkeit hat eine
Farbe. Sie ist rot. Das ist das Eine, was man daraus erkennen kann. Aber das
hier: (hält zu seiner Rechten das neue BA-Logo), das hier kennen Sie noch
nicht. Das ist neu. Der Unterschied zwischen
diesen beiden Signets beträgt exakt 100.000 Euro Beitragszahlergeld. Das (bewegt
seinen rechen Arm) ist das neue Logo der
Bundesagentur. Bei 4.967.592 allein in Nürnberg registrierten Arbeitslosen (beide
Tafeln nun auf dem Boden aufgestellt) hat die Agentur keine
anderen Probleme, als sich ein neues Logo zu geben. Wir
Freie Demokraten sind mittlerweile zu dem Schluß gekommen, daß die
Bundesagentur in ihrer jetzigen Form schlichtweg nicht reformierbar ist. Wir
sollten sie auflösen. Die
Auflösung dieser Behörde hätte viele Vorteile. Erinnern Sie sich noch an
Florian Gerster? Ich weiß es noch wie gestern, als der Bundeskanzler vor die
Presse trat, in Berlin, und sagte: „Ich schicke meinen
besten Mann auf meine wichtigste Baustelle.“ Und da haben sie ihn
auch gleich einzementiert. Ja, der Mann hat Fehler gemacht, das ist keine
Frage. Aber der arme Kerl stand da zwischen einer drittelparitätischen
Selbstverwaltung mit Ursula Engelen-Kefer an der Spitze, einem
Hauptpersonalrat, der, wenn überhaupt, alle Möglichkeiten des Öffentlichen
Dienst- und Tarifvertragsrechts ausnutzt, ehe er sich bewegt, einem Wust von
Vorschriften und Erlassen - wenn Sie den wirklich
lesen würden, hätten Sie keine Arbeitszeit mehr übrig, um sie anzuwenden
- und auf der letzten Seite eine SPD-Bundestagsfraktion, die Sie zum Jagen
tragen müssen, wenn es um Reformfähigkeit geht. Der hatte keine Chance. „Er wurde
dann ja auch gescheitert“, als er der deutschen Arbeitslosenindustrie zu nahe
gekommen ist, indem er Effizienzkriterien eingeführt hat --- und Frank Jürgen
Weise hat ein noch größeres Problem. Er ist in der gleichen Struktur gefangen.
Er hat bloß noch erschwerend das Schicksal seines Vorgängers vor Augen. Der
Mann kann doch gar nicht erfolgreich sein. Diese Agentur ist eher ‚alt’ als ‚weise’.
- das war was für politische Feinschmecker - denn sie ist in ihren Strukturen
so verkarstet und mit der deutschen Arbeitslosenindustrie verwoben, die es
gewohnt war, über Jahrzehnte hinweg mit immer mehr Milliardenbeträgen - weil
die Arbeitslosigkeit stieg - versorgt zu werden, die sich innerhalb des
Systems verteilt haben, daß man da kaum heraus kann. Deswegen, die Auflösung
der Behörde. Mit der Auflösung der Behörde haben Sie einen entscheidenden
Vorteil. Die drittelparitätische Selbstverwaltung mit Frau Engelen-Kefer ist
nicht mehr da. Ich finde, allein das wäre es schon wert! Der zweite
entscheidende Vorteil ist: Die engen Grenzen des Dienst- und
Tarifvertragsrechts finden keine Anwendung mehr. Sie können effiziente Strukturen
eingehen mit Versetzungen und Änderungskündigungen. Das heißt, Sie können
eine Aufgabenkritik durchführen und dann hinterher gucken, was ist eigentlich
sinnvoll und effizient. Und der dritte Vorteil ist: Die Vorschriften der
Behörde gelten auch nicht mehr. Es gilt das Gesetz. Denn nur, daß die Dinger
heute nicht mehr Runderlaß, sondern Handlungsempfehlungen heißen, hat das
Problem ja nicht wirklich verändert. Wir
wollen ein Drei-Säulen-System schaffen und mit ihm Ausgleich den Arbeitsmarkt
besser organisieren. Eine Säule ist eine Versicherungsagentur,
die nichts anderes macht, als die Lohnersatzleistungen auszuzahlen.
Arbeitgeberbeiträge auszahlen an die Versicherten, damit sie ein Interesse an
Wahltarifen haben. Die zweite Säule, eine kleine Arbeitsmarktagentur,
nicht größer als das Bundeskartellamt. Die haben so zwei-, dreihundert
Mitarbeiter. Hocheffizient. Da wird das überregional Notwendige gemacht.
Transparenz offener Stellen, Werkvertragsabkommen. Und dann die dritte Säule,
da wo die Menschen sind, da wo die Arbeitsplätze sind, vor Ort, in kommunaler
Trägerschaft, steuerfinanziert, weil es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe
ist und grundgesetzlich abgesichert: die aktive
Arbeitsmarktpolitik. Das ist unser Vorschlag, wie wir das Problem lösen
und wie wir die vorhandenen Arbeitsplätze schneller, effizienter und
qualitativ hochwertig besetzen können. Das
schafft aber keine neuen Arbeitsplätze. Es hilft nur, die vorhandenen besser zu
verwalten. Neben dem, was ich vorher gesagt habe, neben dem, was Rainer
Brüderle ausgeführt hat, über die Schaffung betrieblicher Bündnisse für
Arbeit - darauf komme ich nachher noch mal zurück - neben der
Flexibilisierung des Arbeitsrechtes als solches und neben dem Abbau von
Bürokratie, sollten wir auch darauf hinwirken und wir haben hier beim
Bundesparteitag schon beschlossen, daß nicht noch zusätzliche Hemmnisse
dazukommen. Ich nenne nur mal das Antidiskriminierungsgesetz. Wir sind gegen
Diskriminierung. Die Liberalen waren immer Vorkämpfer gegen Diskriminierung.
Aber wir wollen auch nicht, daß Vertragsfreiheit und ähnliche gewachsene
Rechte in Deutschland ausgehebelt werden und daß die einzigen, die profitieren,
vielleicht noch die Arbeitsgerichte sind, wenn es um die Frage von
Einstellungen geht, oder die Zivilgerichte, wenn es um die Frage von
Vermietung von Wohnungen geht. Die
Bundesregierung hat nach langem Zögern es ermöglicht, daß 52-jährige und
ältere auch länger befristet beschäftigt werden können als das früher der
Fall war. Das wird bloß fast nie genutzt, weil die Betriebe noch gar nicht
wissen, welches Antidiskriminierungsgesetz denn irgendwann mal kommt. Und
vielleicht, wenn man dann einen 52- oder 53-jährigen einstellt, befristet, fühlt
der sich gar nicht privilegiert, daß er wieder arbeiten kann, sondern fühlt
sich diskriminiert, weil er länger befristet beschäftigt werden kann als
jemand, der jünger ist. Und dann klagt er dagegen und dann ist er plötzlich
fest eingestellt. Also verpufft das Ganze. Erinnern
Sie sich noch an Oswald Metzger? Den grünen Finanzpolitiker, der politisch
mal geschlachtet worden ist. Wenn ich Oswald Metzger wäre, ich würde in
Baden-Württemberg für den Deutschen Bundestag auf Platz 1 der Landesliste
meine Kandidatur anmelden und mich dann hinterher in den Deutschen Bundestag
einklagen. Da dürfen nämlich nur Frauen kandidieren. Dieses
Antidiskriminierungsgesetz führt zu einem hohen Maß an Verunsicherung, wenn
es so kommt, wie die Bundesregierung es vorhat. Es schafft keine
Arbeitsplätze, sondern es vernichtet sie. Und es führt zu Zwietracht und
Streit. Insbesondere auch dadurch, daß eine ganz neue Branche, so eine Art
Ablaßvereine, sich entwickeln wird, wo Sie dann ihren diskriminierungsrechtlichen
Anspruch auf Entschädigung verkaufen können und die treiben das dann bei demjenigen
ein, der sie vermeintlich diskriminiert hat. Wir
haben uns, meine Damen und Herren, in dieser Gesellschaft an ein Leben im Zoo
gewöhnt. Täglich kommt der Wärter und füttert uns. Hier und da führen wir mal
eine Zaunerhöhungsdebatte, damit wir hinterher weiter in Ruhe und Frieden
leben können, und ansonsten meinen wir, daß wir alleine auf der Welt sind.
Die Mindestlohndebatte zeigt das. Aber Mindestlöhne, wie sie hier diskutiert
werden, haben nichts zu tun mit Mindestlöhnen in anderen
Länder, in denen es diese gibt. Dort dienen sie dazu, ein
Mindesteinkommen zu sichern, um Armut zu verhindern. Hier dienen Mindestlöhne
dazu, einen Festpreis festzulegen, und wenn die Leistung diesen Preis nicht
wert ist, wird die Leistung nicht mehr nachgefragt. Also Menschen werden aus
dem Arbeitsmarkt rausgedrängt. Wir sagen: Lohnzuschüsse
statt Mindestlohn und haben mit unserem Bürgergeldkonzept einen guten Weg
gewiesen, wie wir das bewerkstelligen können. Wir sind auch der Ansicht, daß wir Arbeitsplätze sichern und neue
schaffen können, wenn wir den Konsum stärken und Investitionen fördern.
Deswegen haben wir ein hervorragendes Steuerkonzept vorgelegt, das beides
ermöglicht. Es stärkt den Konsum, und es fördert die Investitionen. Vorausgesetzt, daß man die Investoren
nicht beschimpft. Vorausgesetzt, daß man ihnen sagt, ihr seid willkommen in
unserem Land. Und ich glaube, die aktuelle Diskussion, die in unsäglicher
Weise vom SPD-Vorsitzenden vom Zaun gebrochen wurde, sollte uns nachdenken
lassen über die Frage, ob Investitionen in Deutschland gewünscht sind oder
nicht. Ich denke, ja. Ich denke aber auch, es ist standortschädigend und im
Übrigen auch heuchlerisch, wenn man Investoren beschimpft, mit denen man
unmittelbar vorher selbst noch Geschäfte gemacht hat. Herr
Müntefering holt die alte Linke aus der Kiste des Klassenkampfes heraus, weil
ihm die neue Mitte schon weggelaufen ist. Herr Müntefering weiß natürlich,
daß in Nordrhein-Westfalen Wahl ist. Herr Müntefering weiß auch, daß es hier
keinen Südschleswigschen Wählerverband gibt. Und Herr Müntefering weiß, daß
es hier diese Wahlalternative gibt, die ihm scheinbar mächtig Angst macht.
Also ist es aus seiner Sicht natürlich erklärbar. Außerdem
muß Herr Müntefering seine Partei auf die Zeit in der Opposition nach 2006
vorbereiten. Und da ist es ja immer gut, wenn man die Reihen
schließt. Denn ich bin fest davon überzeugt, was bei dem bißchen Agenda 2010,
die ja in die richtige Richtung geht, an Reformen vorgelegt worden ist,
hätten wir das gemacht, dann hätten sich wahrscheinlich massenweise
DGB-Funktionäre vor dem Thomas-Dehler-Haus angekettet. Von daher ist es nur
logisch von Seiten der SPD. Aber Herr Müntefering will noch mehr. Er setzt die geregelte Staatswirtschaft gegen die Soziale
Marktwirtschaft. Und da hört der Spaß auf. Die geregelte
Staatswirtschaft haben wir 40 Jahre in der DDR gehabt. Das wollen wir hier
nicht noch einmal haben. Ich
bin der festen Überzeugung, daß wir Gewerkschaften brauchen. Ich bin aber
auch der festen Überzeugung, daß wir Gewerkschaftsfunktionäre, die sich
anmaßen, dieses Land sich zu eigen zu machen, nicht brauchen, dass
Arbeitnehmerrechte stärken, indem wir funktionärische Mitbestimmung brechen,
indem wir die Funktionäre einschränken, indem wir dafür sorgen, daß die
Menschen in den Betrieben ihr eigenes Leben, ihren Beruf, ihre
Zukunftschancen wieder selbst in die Hand nehmen können. Deswegen
brauchen wir betriebliche Bündnisse für Arbeit. Die
Verbändemacht ist hier auf zwei Seiten des Tisches. Es sind immer zwei, die
Tarifverträge unterschreiben. Deswegen kommt das Aufheulen auch von beiden
Seiten des Tisches. Denn betriebliche Bündnisse für Arbeit schränken die
Verbändemacht ein. Sie geben den Betroffenen mehr Rechte, und deswegen kommen die Hundts und Sommers dieser Welt und wollen das
nicht. So einfach ist das. Und plötzlich kommt Herr Kauder auch in
den Chor ein, nachdem die Union sich so lange nicht geäußert hat. Das ist
schon bemerkenswert. Und ich glaube, es wäre auch gut, wenn wir diesen
Umstand positiv sehen, daß wir hier ein echtes
Alleinstellungsmerkmal haben für die Rechte derjenigen, für die wir kämpfen
wollen, für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den
Betrieben und denen die draußen stehen und die keine Chance haben, weil diese
Verbände verhindern, daß sie jemals reinkommen können. Woher
kommt denn die hohe Sockelarbeitslosigkeit in Deutschland? Sie kommt doch
daher, daß in den letzten Jahrzehnten immer überproportional hohe
Sockellohnerhöhungen beschlossen wurden, weil immer die unteren
Tariflohngruppen besonders angehoben wurden. Gut gemeint, aber natürlich
bedeutete das dann irgendwann, daß Menschen mit ihren Leistungen diesen Preis
nicht erzielen konnten, der für ihre Arbeit gezahlt wurde. Also wurden sie
ausgegrenzt, der Arbeitsmarkt wurde für sie geschlossen. Deswegen müssen wir
hier mehr Möglichkeiten geben für Menschen, die ihr eigenes Leben in die Hand
nehmen wollen, weil sie im eigenen Betrieb einfach besser wissen. Und wenn 75 % der Belegschaft in freier und geheimer Wahl darüber
abstimmen, etwas anderes machen zu wollen, als der Flächentarifvertrag
vorschreibt, müssen sie das auch dürfen, ohne daß ein Vertreter
der Verbände ihnen das verbieten kann. Um nicht mehr geht es, aber auch nicht
um weniger. Herr
Bsirske, Sie erinnern sich, das ist der grüne Gewerkschaftsführer, der sich
als Lufthansa-Aufsichtsrat selbst bestreikt hat, schreibt heute, dpa-Meldung:
„Eine schwarz-gelbe Regierungskoalition birgt die Gefahr einer Rezession.“
Ich glaube das nicht, Herr Bsirske. Ich glaube erstens, wir haben schon eine.
Und zweitens glaube ich, so lange 29 von 30 Dax-Unternehmen
Gewerkschaftsfunktionäre in ihrem Aufsichtsrat sitzen haben, sind die
zumindest mitverantwortlich für die Situation der deutschen Wirtschaft. Herr
Peters, der IG-Metall-Chef, der Nachfolger von Herrn Zwickel - das war der,
der nicht gegen Herrn Essers Abfindung gestimmt hat - fragt heute in der
gleichen dpa-Meldung, ob denn Herr Westerwelle noch auf dem Boden des
Grundgesetzes stehe? Sie erinnern sich vielleicht noch an dieses Heft, das
der FDP-Vorsitzende in seiner Rede gezeigt hat? Herr Peters ist derjenige,
der verantwortlich ist für dieses Heft, in dem geschrieben wird, daß
Investoren wie Mücken das Geld aus den Betrieben saugen, wie Mücken auf die
Menschen zustürmen, auf die Betriebe. Also ich habe ja gelernt, daß man
bestimmte politische Vergleiche nicht machen darf, weil sie unkorrekt sind.
Aber ich habe auch einen Gemeinschaftskunde-Leistungskurs gehabt. Ich habe
solche Bilder auch schon mal gesehen in meinem Leben. Und ich kann mir vorstellen,
daß das schwierig zusammenzubringen ist mit der Aussage, daß der Vorsitzende
einer Rechtsstaatspartei, der einzigen wirklichen Rechtsstaatspartei in
diesem Land, nicht auf dem Boden dieses Grundgesetzes steht. Ich denke, Herr
Peters sollte sich schämen. Ich
würde Ihnen gern etwas vorlesen. Das kennen Sie wahrscheinlich. „Wir sind die Partei der Menschen aller Klassen. Die Partei, die nach
Lösungen auf allen Gebieten sucht. Eine Partei, die nicht einer Schicht,
nicht einer Klasse, sondern dem ganzen Volk zu dienen gewillt ist.“
Das ist nicht Westerwelle 2002. Das ist Thomas Dehler 1956. Und wenn dann
jemand redet über die alte FDP oder die neue FDP, bitte sagen Sie ihm doch: Wir sind die FDP. Die liberale Partei in Deutschland. Die einzige
Partei mit einem ganzheitlich, freiheitlichen Ansatz. Und wir
wissen, daß nur in einer freiheitlichen Gesellschaft auch eine freiheitliche
Wirtschaft sein kann. Daß nur mit einer
freiheitlichen Wirtschaft ein soziales Sicherungssystem finanziert werden
kann. Wir sollten uns nicht immer kleiner machen, als wir sind. Wir haben die Bürgerrechte nicht erst neu wiedererfunden, sondern mit
unseren Kollegen Max Stadler und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger immer
wieder den Stand der Diskussion sauber abgebildet. Wir waren in
der letzten Zeit immer diejenigen, die alleine standen gegen eine
schwarz-rot-grüne Koalition, wenn es um die Einschränkung von Bürgerrechten
ging. Ich finde es toll, daß wir dieses Thema jetzt in den Mittelpunkt dieses
Parteitages stellen. Es gab
während dieses Parteitags schon viele Beispiele, dazu etwa, daß man ein
vollbesetztes Passagierflugzeug auf Verdacht hin abschießen können soll, nach
Ansicht von Schwarz, Rot und Grün. Oder die Verfünfhundertfachung der
Telefonabhörungen in den letzten 10 Jahren. Oder daß Herr Fischer entgegen
dem Votum des Europäischen Parlaments zugebilligt hat, im Europarat, daß
amerikanische Sicherheitsbehörden Ihre Flugpassagierdaten abrufen dürfen. Daß
die wissen dürfen, was Sie essen, wie Ihre Kreditkartennummer lautet, ohne
daß wir überhaupt wissen, was abgerufen wurde. Es
gibt aber noch weitere Beispiele. Viele andere sind auch schon genannt
worden, aber erinnern Sie sich noch an den Besuch von Präsident Bush in
Deutschland? Mainz im Jahre 2005. Hier ist die Versammlungsfreiheit
schlichtweg abgeschafft worden von irgendeiner Behörde. Schlichtweg
abgeschafft worden! Mainz und Wiesbaden waren faktisch nicht mehr erreichbar.
Selbst wenn jemand für Herrn Bush hätte demonstrieren wollen, hätte er keine
Chance gehabt. Und das kann ja nicht auf amerikanischem Mist gewachsen sein.
Wenn Sie sich die Bilder von Bratislava am Tag danach ansehen: Bush beim Bad
in der Menge. Hier haben deutsche Behörden entgegen der geltenden
verfassungsmäßigen Ordnung schlichtweg zwei deutsche Städte dicht gemacht und
ein Grundrecht ausgehebelt. Die FDP muß das
thematisieren, sonst macht es ja offenkundig keiner! Scheinbar sind wir die
einzige Partei, der die Bürgerrechte noch wichtig sind. Ich
bin ganz froh. Ich meine, man müßte der Regierung fast dankbar sein, daß sie
zum 1. April das Bankgeheimnis faktisch aufgehoben hat. Denn da kam erst die
Sensibilisierung einer breiten Öffentlichkeit. Da kam die
Freiheitseinschränkung einem persönlich vielleicht doch ein bißchen zu nahe.
Es ging ja auch ums Bankkonto. Aber diese Sensibilisierung einer breiten
Öffentlichkeit, das ist genau die Stunde, die wir brauchen, um das Thema der
Bürgerrechte wieder neu in den Fokus zu rücken. Und ich glaube, daß wir auf
einem guten Weg sind und unsere Vorschläge auf fruchtbaren Boden fallen. Wir
haben da (Redaktion: auf
dem Parteitag) gute
Anträge beschlossen. Meine
sehr verehrten Damen und Herren: der Deutsche Michel, ein schönes Bild, wird
mit seiner Schlafmütze auf dem Kopf vom Vater Staat durchs Leben geführt. Der
nimmt ihm aus der linken Tasche das selbst verdiente Geld raus, katalysiert
es durch einen teuren Verwaltungsapparat, zieht die Verwaltungskosten ab und
gibt es ihm dann vorzugsweise zweckgebunden in die rechte Tasche wieder
zurück. Das entspricht nicht unserem Bild vom mündigen Bürger. Deswegen bin
ich der festen Überzeugung, daß es gut ist, was wir hier beschlossen haben,
was die Reform des Steuersystems anbetrifft. Und ich kann gar nicht, ich
werde gar nicht versuchen, irgend etwas weiter dazu
zu sagen, als das, was Prof. Kirchhoff gestern gesagt hat. Das ist einfach
perfekt, und wir sind auf dem richtigen Wege. Und wir werden es machen, wenn
wir wieder regieren. Ich freue mich auch, daß wir gerade eben über die
Familienpolitik diskutiert haben. Denn jetzt sind wir
tatsächlich in allen Politikfeldern regierungsfähig, weil wir
überall die Programmatik so weit haben, daß wir, wann immer Rot-Grün fertig
ist, die Aufgaben übernehmen können. Ich
bin übrigens der einzige männliche Abgeordnete dieses Deutschen Bundestages,
der mal Erziehungsurlaub gemacht hat. Ja, der Begriff war falsch. Mit Urlaub
hat es nämlich überhaupt nichts zu tun gehabt. Aber als ich dann die
Routineaufgaben so weit im Griff hatte, habe ich mich auch gerne mit den
anderen Müttern unterhalten, das ist klar. Ich bin der festen Überzeugung, es
tut uns gut, wenn wir das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch als
zentrales Thema ansehen. Denn die Generationenentwicklung, die demografische
Entwicklung, die ist so, wie sie ist. Rudi Rentschler hat vorhin angemerkt,
daß natürlich die Frage, ob denn Kinder irgendwann mal wohlmöglich
Studiengebühren zahlen müßten, eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für
die Frage ist, ob man Kinder haben wird. Ich kann Ihnen versichern Herrn
Rentschler, lieber Rudi, ich habe da kein einziges Mal daran gedacht! Also ich glaube tatsächlich nicht, daß die Frage, ob man Kinder haben
will, von der staatlichen Sozialtransferleistung abhängt. Aber die
Rahmenbedingungen sind natürlich nicht völlig unwichtig. Und ich glaube auch, daß es immer mehr
Menschen gibt, die sich Sorgen machen um die Zukunft ihrer Kinder und ihrer
Enkelkinder. Also durchaus ein Thema, das auch ältere betrifft, wenn Sie die
Staatsverschuldung angucken. Wir haben halt die höchste Arbeitslosigkeit. Wir
haben die höchste Staatsverschuldung. Wir haben die höchste Pleitewelle. Und
wir haben kein Wirtschaftswachstum. Und das ist das Ergebnis einer falschen,
unsozialen, ruinösen rot-grünen Ausgabenpolitik. Wir haben
die Verpflichtung, die staatlichen Finanzen in den Griff zu bekommen, auch,
damit wir kommende Kindergenerationen nicht überbelasten. 2004
werden wir vermutlich Staatseinnahmen über alle Ebenen von 930 Mrd. Euro
gehabt haben und da redet Hans Eichel von einem Einnahmeausfall. Es geht hier
nicht um einen Einnahmeausfall, sondern es geht um eine ruinöse
Ausgabenpolitik. 25.523
Tonnen beträgt die nationale Erbsenreserve der Bundesrepublik Deutschland.
Das ist wahr. Das hat mir die Bundesregierung auf meine Frage geantwortet.
25.523 Tonnen nationale Erbsenreserve. Die lagern wir ein für Notfälle. Zu
Lagerkosten von jährlich 500.000 Euro. Nicht mitgerechnet die Ein- und
Auslagerungskosten, weil man die Erbsen ja immer mal austauschen muß. Das
macht bei 80 Millionen Bürgern so über den Daumen ungefähr 300 Gramm Trockenerbsen
für jeden. Einer hat Glück, ich habe eine Hülsenfruchtallergie. Einer kann
600 Gramm kriegen. Aber mal ehrlich. Wenn wir da rangehen, wäre das dann, was
wir gemeinhin als Tafelsilber bezeichnen könnten? Ich glaube nicht. Und so
können Sie Stück für Stück Kleinigkeiten finden, die es ermöglichen würden,
die Haushalte wieder solider zu kriegen. Sie können aber auch große Brocken
finden. In den
nächsten Jahren sollen 16 Milliarden Euro wieder in die Steinkohle subventioniert
werden. Um den Stabilitätspakt einzuhalten, bräuchten wir drei Milliarden
Euro. Ich denke, daß hier die Ansätze falsch sind und daß man eigentlich
davon ausgehen muß, daß das ganze, was die Bundesregierung unter
Haushaltskonsolidierung, unter Sparen versteht, mit dem, was der normale
Bürger unter Sparen versteht, nichts mehr zu tun hat. Sparen heißt hier doch
weniger neue Schulden machen und nicht was zurücklegen für Notfälle. Ich
möchte Ihnen Haushaltskonsolidierung nach Rot-Grün erklären. Im Rahmen der
Terrorismusbekämpfung wird Otto Schily 100 Millionen Dosen Pockenimpfstoff
bestellen. Jürgen Trittin bekommt 100 Millionen mal
Dosenpfand und das ist Haushaltskonsolidierung à la Rot-Grün. Die können’s
nicht (Applaus) die können’s nicht. Und deswegen muß man feststellen, weil
maritime Begriffe in der Politik ja Konjunktur haben - wenigstens etwas, was
Konjunktur hat: Der Regierungsdampfer
ist das einzige Schiff, das ich kenne, das schon auf der Kommandobrücke
leckt. Das
hat mit ideologischen Kämpfen zu tun. Es hat damit zu tun, daß man sich
gegenseitig blockiert. Grüne Gentechnik: Herr Clement gegen Frau Künast.
Energiewirtschaftsgesetz - Gudrun Kopp habe ich gerade unten gesehen - seit
über einem Jahr blockiert, weil Rot und Grün sich nicht einig werden können.
Und das, wo es gar nicht um Staatsgeld geht, wo es um die Sanierung unserer
Kraftwerksparks geht, wo privates Geld da ist. Ein Investitionsvolumen von 20
bis 40 Milliarden Euro in den nächsten 10 Jahren wird einfach blockiert, weil
man den rechtlichen Rahmen nicht nennen kann. Wo Herr Fischer mit
Visa-Affären sich rumschlägt. Ich kann es nicht besser sagen, als Wolfgang
Gerhardt gestern. Wo aber Herr Fischer auch, als unser Ehrenvorsitzender noch
im Krankenhaus liegt, eine offizielle Sprecherin des Auswärtigen Amtes
darüber fabulieren läßt, wie denn der Nachruf eines ehemaligen Außenministers
Hans-Dietrich Genscher aussehen wird. Ich finde, auch das ist schäbig. Die
schlechten Umfragewerte der SPD liegen nicht daran, daß die Menschen nicht
bereit sind, Reformen mitzumachen. Sie liegen daran, daß sie nicht bereit
sind, schlechte Reformen mitzumachen. Deswegen brauchen wir eine andere
Politik in Deutschland, aber auch in Nordrhein-Westfalen. Wir sind in 11
Landtagen und vier Landesregierungen, und wir wollen in zwei Wochen auch in
die fünfte Landesregierung kommen. Das ist die letzte rot-grüne
Landesregierung. Ich glaube, es lohnt sich dafür zu kämpfen, um dieses
Aufbruchsignal, diese Startrampe für 2006 auch tatsächlich zu fundamentieren. Und
vor 60 Jahren, kurz bevor die Nazis ihn umgebracht haben, schrieb Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis: „Nicht in der Flucht der Gedanken,
sondern in der Tat ist die Freiheit.“ Das heißt also, wir dürfen
uns nicht in Gedanken verlieren, sondern wir müssen handeln. Und zum Handeln
fordere ich alle auf, auch die an den Bildschirmen sind. Es gibt in
Nordrhein-Westfalen nur ein Einstimmenwahlrecht. Mir sind die Leute zuwider,
die mir auf die Schulter klopfen und sagen, was für tolle Ideen wir haben.
Die sich umdrehen, an eine andere Partei spenden, die andere Partei wählen
und dann hinterher zu mir zurückkommen, wenn wir schwach in einer Regierung
sind und sagen, jetzt mußt du aber bitte das umsetzen, was ich schon vorher
für richtig gefunden habe. Nein, hier muß man sich entscheiden. In der Tat liegt die Freiheit, auch
in Nordrhein-Westfalen. (lang anhaltender Applaus) Ich habe eigentlich nur noch einen Satz. Den wollte ich
noch sagen. Es hat ja auch einen Grund. Jeder weiß: Wo wir regieren, geht es den Menschen besser. Das Parteitagspräsidium nach dem der lange
Applaus abgeklungen war: „Wir danken für
die spritzig-frische, konturiert-kantige Rede … |
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