D a s L i b e r a l e T a g e b u c h |
|
Sammlung
Originaldokumente aus Das Liberale Tagebuch, (http://www.dr-trier.de) |
|
BERLIN.
Zur Aufforderung des Bundestages an den Konvent, eine zukunftweisende Verfassung für Europas Bürgerinnen und Bürger
vorzulegen, erklärt die europapolitische Sprecherin der
FDP-Bundestagsfraktion, Sabine LEUTHEUSSER-SCHNARRENBERGER: Der
Europäische Konvent geht jetzt in seine alles entscheidende
Verhandlungsphase. Er hat den Auftrag, bis zum 20.06.03 eine Verfassung für
die bald 450 Millionen Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union
vorzulegen. Der Konvent darf diese einmalige Chance nicht verpassen und muss
eine Verfassung der Freiheit schaffen, die klare, demokratischere und
allgemeinverständliche Grundlagen für das Handeln der Europäischen Union in
den kommenden Jahrzehnten schafft. Der
Europaausschuss des Deutschen Bundestages hat mit den Stimmen der FDP und den
Stimmen der beiden Regierungsfraktionen für den ganzen Bundestag noch einmal
seine Forderungen an die deutschen Verhandlungsführer im Konvent klar und
deutlich aufgestellt. Die FDP bedauert, daß sich die CDU/CSU-Fraktion diesen
Forderungen nicht anschließen kann. Leider ist es der Unions-Fraktion nicht
gelungen, einheitliche Positionen und konstruktive Anträge in die Beratungen
einzubringen. Die FDP appelliert an die CDU/CSU, sich nicht auf
grundsätzliche Blockadehaltungen einzulassen: Die
Europäische Union muss parlamentarischer und demokratischer werden. Dazu muß
die EU-Charta der Grundrechte in den Verfassungsvertrag aufgenommen werden
und das Europäische Parlament mehr Rechte für die europäische Gesetzgebung
und für die Kontrolle der Exekutive auf EU-Ebene bekommen. Das Europäische
Parlament soll insbesondere das Recht bekommen, über den Haushalt der
Europäischen Union zu entscheiden und den Kommissionspräsidenten zu wählen. Die
Europäische Union muss Fortschritte bei der Bekämpfung der internationalen
Kriminalität machen und international endlich geschlossen auftreten. Dazu
fordert der Bundestag zu Recht, den Europäischen Außenminister zu schaffen
und Entscheidungen auf EU-Ebene grundsätzlich mit Mehrheit zu fällen, damit
nicht mehr einzelne Mitgliedstaaten notwendige gemeinsame Entscheidungen in
der Außenpolitik oder in der Justiz- und Innenpolitik verhindern können. Die
Kommission muss gestärkt werden, um für mehr Effizienz in Brüssel zu sorgen.
Ihre Größe muss im Verfassungsvertrag noch nicht abschließend festgelegt
werden. Entscheidend ist, dass die Kommission handlungsfähig ist und nicht zu
viele Kommissare hat. Dafür muss der Kommissionspräsident sorgen. Die
FDP lehnt die Schaffung eines starken Präsidenten des Europäischen Rates ab. Die Europäische Union garantiert durch ihre freiheitlichen Regelungen seit Jahrzehnten auch die Grundlage für den Wohlstand in Europa. Die FDP fordert daher, dass diese bewährten Regelungen für soziale Marktwirtschaft, für den freien Binnenmarkt und für Wettbewerb und Deregulierung in Europa unangetastet in den Verfassungsvertrag übernommen werden. Hierzu gehört auch, dass die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank voll und ganz gewahrt bleibt. |