D a
s L i b e r
a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Ansprache von Bundespräsident Horst Köhler,
24.12.2004 Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, meine Frau und ich wünschen Ihnen frohe und gesegnete
Weihnachten. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Wir haben uns sehr auf
Weihnachten gefreut. Die Familie kommt zusammen, wir gehen in die Kirche,
dann singen und essen wir gemeinsam, und die Kinder, längst erwachsen, sind
immer noch gespannt auf die Bescherung. Zu bereden gibt es genug nach allem,
was dieses Jahr gebracht hat. Hoffentlich können auch Sie ein paar Tage der Ruhe und
Besinnung erleben! Weihnachten erinnert uns daran, dass wir uns umeinander
kümmern sollen - nicht nur in der Familie oder im Freundes- und
Bekanntenkreis. Es gibt viele Möglichkeiten, für einen anderen da zu sein.
Das kann damit beginnen, dass wir einfach mal zuhören und einem Fremden ein
Lächeln schenken. Mitmenschlichkeit fängt im Kleinen an. Bei vielen Begegnungen überall im Land habe ich immer
wieder erlebt, wie Menschen füreinander da sind und sich gegenseitig
unterstützen: Ich habe eine Nachbarschaftsinitiative kennen gelernt, die
Jugendliche mit einer Mischung aus Sport, Gemeinschaft und Disziplin von der
schiefen Bahn holt. In einem Haus, wo alte und junge Menschen sich treffen,
habe ich erlebt, wie die Älteren für die Nachbarschaft Theater spielen und
Kinder betreuen. Junge Familien werden entlastet, und ältere Menschen
erkennen, dass sie gebraucht werden. Ich habe Wissenschaftler kennen gelernt,
die Spitzenforschung betreiben und damit Arbeitsplätze von morgen
vorbereiten. Zugleich haben sie aus eigener Initiative für eine Kinderkrippe
gesorgt, damit Familie und Beruf unter einen Hut passen. Und ich habe
Firmenchefs getroffen, die sich den Kopf darüber zerbrechen, wie sie
Arbeitsplätze in Deutschland erhalten können. Solche Beispiele gibt es überall - bestimmt auch in Ihrer
Nähe. Sie machen Mut und zeigen, dass es in unserem Land viele Menschen mit
guten Ideen gibt. Manchmal habe ich den Eindruck, die Menschen in unserem
Land sind schon weiter als die Politik. Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, wir können die großen Aufgaben in unserem Land bewältigen.
Jeder einzelne kann seinen Beitrag dazu leisten. Von der Politik erwarte ich,
dass sie klar und wahrhaftig handelt und den Menschen nichts vormacht. Dabei
ist es ganz normal, dass sich die Parteien um den richtigen Weg streiten.
Patentlösungen gibt es nicht. Aber wir müssen erkennen, dass unsere Kinder
und Enkel nur dann eine gute Zukunft haben können, wenn wir Veränderungen
wagen. Ich bin zuversichtlich: Es wird gut ausgehen, wenn wir den Mut finden,
uns auf die Kraft der Freiheit und Mitmenschlichkeit zu besinnen. Vor einigen Tagen bin ich aus Afrika zurückgekehrt. Den
meisten Menschen dort geht es wirklich schlecht. Viele hungern Tag für Tag.
Besonders die Not der Kinder ist groß. Doch wissen Sie was? Mitten im Elend
habe ich auch viel Kraft, Mut und Lebensfreude gespürt. Ich soll sie übrigens von Fatuma
grüßen, einer Frau aus dem äthiopischen Hochland. Sie hat mich gebeten: "Sagen Sie den Deutschen, wie dankbar wir sind!" Mit Spenden aus Deutschland wurde es möglich, Fatuma von der Lepra zu heilen. Jetzt baut sie, wieder
mit deutscher Hilfe, gemeinsam mit anderen Frauen eine kleine Landwirtschaft
auf. Fatuma hat mir gezeigt, wie klug sie mit den
Spenden aus Deutschland umgeht. Das hat mich beeindruckt. Am Horn von Afrika habe ich unsere Soldatinnen und Soldaten
besucht. Sie haben mir erzählt, wie sie Weihnachten auf der Fregatte feiern.
Ich habe sie von Ihnen allen gegrüßt und mich für ihren Einsatz bedankt. Denn
während wir diese Tage zu Hause verbringen, tun sie und ihre Kameraden in
anderen Teilen der Welt Dienst für Frieden und Freiheit - fern von ihren
Familien und oft unter Einsatz ihres Lebens. Unsere Soldatinnen und Soldaten
haben unseren Dank und unsere Anerkennung verdient. Dank schulden wir auch denen, die hier zu Hause an den
Feiertagen arbeiten. Die einen kümmern sich um die Kranken oder retten
Unfallopfer. Andere sorgen dafür, dass auch über Weihnachten der Alltag
klappt. Für uns ist das alles oft selbstverständlich. Der Polizist, die
Krankenschwester, der Busfahrer -
gerade heute sollten wir an die denken, die für uns Dienst tun. Dankbarkeit
haben auch alle verdient, die sich freiwillig und ehrenamtlich, zu Hause und
in aller Welt für ihre Mitmenschen einsetzen. Manche von uns spüren gerade an Weihnachten auch
Einsamkeit, Not und Sorgen. Und uns alle bedrückt, wie viele Menschen in
Deutschland ohne Arbeit sind. Ich möchte alle, denen es nicht so gut geht,
ganz besonders herzlich grüßen und wünsche Ihnen, dass es für Sie bald wieder
aufwärts geht. Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wie auch immer Sie heute Weihnachten feiern: Meine Frau
und ich wünschen Ihnen frohe Festtage, und alles Gute und Gottes Segen für
das kommende Jahr! |