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s L i b e r a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Rede von Bundespräsident Horst Köhler beim
Arbeitgeberforum "Wirtschaft und Gesellschaft" I. In Deutschland sind offiziell 5,216 Millionen Menschen
arbeitslos. Sie werden daher von mir keine Festrede erwarten. Zur Sache also: Deutschland ist sich selber untreu geworden. Wir
vernachlässigen schon lange das Erfolgsrezept, das der Bundesrepublik Deutschland
nach dem Krieg Zuversicht und Wohlstand, Stabilität und Ansehen gebracht hat.
Es gab Zeiten, da sprach noch niemand von Globalisierung, aber der VW Käfer
lief in aller Welt - und lief und lief und lief. Damals galt in der
Bundesrepublik eine Ordnung, die Leistung ermutigte und sozialen Fortschritt
brachte. Diese Ordnung ist im Niedergang, weil immer neue Eingriffe
sie schleichend zersetzt haben, selbst wenn sie gut gemeint waren. Seit
Jahrzehnten fallen Bundes- und Landesregierungen und nicht zuletzt Brüssel
immer neue Auflagen und Regulierungen für die Wirtschaft ein, Wirtschafts-
und Sozialverbände haben das ihre dazu getan, die Tarifpartner schlossen
Verträge zu Lasten von Dritten, und die Bürger ließen sich gern immer neue
Wohltaten versprechen und Geschenke machen. Deshalb ist die Arbeitslosigkeit
über Jahrzehnte immer weiter gestiegen. Deshalb machen hohe Abgaben Arbeit
teuer und können doch nicht verhindern, dass unseren Sozialsystemen der
Kollaps droht. Deshalb ist die Massenarbeitslosigkeit auch kein
konjunkturelles, sondern vorwiegend ein strukturelles Problem. Das alles
spiegelt sich auch im Stand der Schulden und künftigen Lasten wider. Der
aktuelle Schuldenstand (1,4 Billionen Euro) und die Anwartschaften in den
Sozialversicherungen (5,7 Billionen) belaufen sich auf insgesamt 7,1
Billionen Euro. Das entspricht 330 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Machen
wir uns wirklich klar, welche Erblast das für unsere Kinder und Enkel
bedeutet? Vor 50 Jahren hat Ludwig Erhard gesagt: "Erst auf dem
Boden einer gesunden Wirtschaft kann die Gesellschaft ihre eigentlichen Ziele
erfüllen." Das gilt heute mehr denn je. Und die Welt bleibt nicht
stehen. Demokratie und Marktwirtschaft setzen sich immer weiter durch. Wir
freuen uns darüber. Es bedeutet freilich einen neuen globalen Wettbewerb um
Arbeit und Wohlstand. Zugleich werden wir unerbittlich mit den Folgen des
Geburtenrückgangs konfrontiert. Beides zusammen stellt unsere ganze
Wirtschafts- und Sozialordnung auf den Prüfstand - ob wir wollen oder nicht.
Wir haben eine gewaltige Aufgabe für gestaltende Politik vor uns. II. Es sind dicke Reformbretter, die wir bohren müssen. Ein
mutiger Anfang ist mit der Agenda 2010 gemacht. Er wird eine positive Wirkung
entfalten. Doch wir müssen unseren Menschen ehrlich sagen, dass wir es damit
noch nicht geschafft haben. Wir brauchen einen modernen Sozialstaat, der mit
einer nachhaltigen öffentlichen Finanzwirtschaft vereinbar ist. Wir brauchen
ein effizientes Steuersystem, das Leistung belohnt, aber auch dem Staat gibt,
was des Staates ist. Wir brauchen einen nationalen Aufbruch für Bildung,
Forschung und Familie, der unserer Gesellschaft Zukunftsglauben und
Zusammenhalt gibt. Und wir brauchen die Modernisierung der bundesstaatlichen
Ordnung, um die Reformfähigkeit unseres Landes zu stärken. Das alles erfordert Zeit - über Legislaturperioden hinweg.
Taktische Reformpausen wegen Wahlterminen oder einen Zickzack-Kurs können wir
uns nicht leisten. Der Schlüssel zum Vertrauen der Bürger sind Wahrhaftigkeit
und Stetigkeit, Stimmigkeit und Berechenbarkeit der Politik. Ich begrüße,
dass sich Regierung und Opposition in dieser Woche zusammensetzen.
Aktionismus hilft nicht. Gefragt sind weitere nachhaltige Maßnahmen gegen die
Arbeitslosigkeit. Ich wünsche mir, dass auch die Grundlinien einer
umfassenden Erneuerung von Wirtschaft und Gesellschaft besprochen werden.
Regierung und Opposition stehen in patriotischer Verantwortung. III. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die nötige Energie,
Kreativität und Solidarität in uns stecken. Ich glaube daran, dass die
meisten Menschen ihr Glück nach ihren eigenen Vorstellungen machen wollen.
Dieser Wille ist gut. Er braucht Freiheit, damit er sich entfalten kann. Und
indem er sich entfaltet, bindet er sich auch. Er braucht eine Ordnung, die
diese Verantwortung für sich und andere fördert und belohnt. Diese Ordnung
der Freiheit sollte uns leiten. Das verlangt eine Rückbesinnung auf
Ordnungspolitik. Die Ordnung der Freiheit bedeutet: Die Bürger beauftragen
den Staat, die Spielregeln zu setzen. Aber das Spiel machen die Bürger. Die
Regeln lauten: Privateigentum und Vertragsfreiheit, Wettbewerb und offene
Märkte, freie Preisbildung und ein stabiles Geldwesen, eine Sicherung vor den
großen Lebensrisiken für jeden und Haftung aller für ihr Tun und Lassen. Der
moderne Sozialstaat schützt vor Not; aber er gaukelt nicht vor, dem Einzelnen
den einmal erreichten Lebensstandard garantieren zu können. Auf diese Regeln muss Verlass sein. Die Bürger müssen
wissen, was auf sie zukommt. Ohne Verlässlichkeit kein Vertrauen. Ohne
Vertrauen kein Aufschwung. IV. Ich habe in den vergangenen Monaten viele Briefe von
Bürgerinnen und Bürgern bekommen, die mir verzweifelt von ihrer Suche nach
einem Arbeitsplatz berichten. Diese Menschen wollen arbeiten. Angesichts der
Lage auf dem Arbeitsmarkt brauchen wir in Deutschland jetzt eine politische
Vorfahrtsregel für Arbeit. Was der Schaffung und Sicherung wettbewerbsfähiger
Arbeitsplätze dient, muss getan werden. Was dem entgegensteht, muss
unterlassen werden. Was anderen Zielen dient, und seien sie noch so
wünschenswert, ist nachrangig. Eine solche Grundeinstellung wünsche ich mir
von allen, die politische Verantwortung tragen. Dabei müssen wir wissen, dass
wir die Massenarbeitslosigkeit nicht schnell überwinden können. Aber wenn die
Vorfahrtsregel wirklich beherzigt wird, dann können die Arbeitslosenzahlen
bald wieder sinken. Und zwar dauerhaft. Die Gewerkschaften haben in den letzten Jahren
Lohnzurückhaltung geübt. Damit haben sie einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung
der Wettbewerbsfähigkeit geleistet. Das verdient Anerkennung. Dieser Pfad
muss fortgesetzt werden. Aber wir sind bei dem Kernproblem, den zu hohen
Lohnnebenkosten, noch nicht wirklich weitergekommen. Sie haben Arbeit in
Deutschland so teuer gemacht, dass viele Menschen kaum noch eine Chance auf
einen Arbeitsplatz haben. Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine
Senkung der Sozialbeiträge nachhaltig zu neuen Arbeitsplätzen führt. Am
wirkungsvollsten wäre es, die Kosten der sozialen Sicherung völlig vom
Arbeitsverhältnis abzukoppeln. Die Lohnkosten sind nicht nur wegen der hohen
Sozialabgaben so hoch. Mehr als die Hälfte der Lohnnebenkosten beruht auf
Tarifverträgen. Zu lange wurden solche Verträge zu Lasten Dritter
abgeschlossen - zu Lasten der Arbeitslosen und der Steuerzahler. Und die
Arbeitgeberverbände saßen dabei immer mit am Tisch. Die hohen Lohnnebenkosten sind gerade für die
Geringqualifizierten eine unüberwindbare Barriere, einen neuen Arbeitsplatz
zu finden. Ich glaube, dass wir das Instrument der Lohnkostenzuschüsse noch
nicht ausreichend genutzt haben. Ich weiß, die bisherigen zaghaften Versuche
haben nicht die gewünschten Erfolge gebracht. Davon sollten wir uns aber
nicht entmutigen lassen, sondern in diesem schwierigen Bereich des
Arbeitsmarktes weiter nach Lösungen suchen. Vorschläge hierzu - von der
"aktivierenden Sozialhilfe" bis zur "Magdeburger
Alternative" - liegen vor. Ich ermutige die Arbeitsmarktpolitiker, diese
Modelle zu erproben. Mittlerweile ist anerkannt, dass es zur Sicherung von
Beschäftigung vor allem auf Flexibilität ankommt. In dieser Hinsicht hat sich
viel getan. Die "atmenden Fabriken" in der Automobilindustrie zum
Beispiel zeigen, wie mit intelligenten Arbeitszeitmodellen die Stundenzahl
der Nachfrage angepasst werden kann. Solche und andere betriebliche
Beschäftigungsbündnisse sorgen für Flexibilität. Darum ist es wichtig, ihren
Abschluss zu erleichtern - sei es nun tarifvertraglich oder gesetzlich. Das
sichert und schafft Arbeitsplätze und zieht Investoren an. Und noch etwas: Von den Menschen über 55 haben in
Deutschland nur noch 40 Prozent einen Arbeitsplatz, in der Schweiz dagegen
sind es fast 70 Prozent. Das kann nicht an den Menschen liegen, denn so
verschieden sind Deutsche und Schweizer nun wirklich nicht. Wir können es uns
nicht leisten, auf das Wissen und die Erfahrung der Älteren zu verzichten. Es
gibt darum insgesamt nur einen vernünftigen Weg: Alle Regelungen für den
Arbeitsmarkt, ob gesetzlich oder tariflich, müssen darauf überprüft werden,
ob sie Beschäftigung fördern. V. Um Wachstum und Beschäftigung nachhaltig zu stärken,
brauchen wir auch eine umfassende Steuerreform. Das deutsche Steuersystem ist
kompliziert und unübersichtlich. Im aktuellen Länderranking des World
Economic Forum belegt es in Sachen Effizienz bei 104 untersuchten Ländern
Platz 104. Wir sind in diesem Bereich nicht wettbewerbsfähig. Unser
Steuersystem schreckt ab - vor allem Investoren. Es muss von Grund auf
überholt werden mit dem Ziel, die Steuersätze zu senken und die
Bemessungsgrundlage zu verbreitern. Es gibt genug Erfahrungen, dass sich
dadurch die Einnahmesituation des Staates sogar verbessert. Und
selbstverständlich braucht der Staat solide Einnahmen. Unser Staat hat europaweit vor allem die höchsten
Unternehmensteuersätze. Zugleich erzielt Deutschland mit diesen
Unternehmensteuersätzen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt europaweit mit
die niedrigsten Einnahmen. Das liegt daran, dass die
Großen und die Findigen mit Billigung des Gesetzgebers wenig Steuern zahlen,
während die kleinen und mittleren Unternehmer die volle Last zu tragen haben.
Diese Betriebe leiden obendrein besonders unter dem bürokratischen Aufwand
der Steuerermittlung, zumal sich unser Steuerrecht ständig ändert. Ich halte
es deshalb für richtig, im Vorgriff auf eine umfassende Steuerreform mit
einer Verbesserung der Unternehmensbesteuerung zu beginnen. Politischen Mut und Hartnäckigkeit brauchen wir aber auch
beim Abbau von Subventionen. Viele Studien zeigen, dass hier große Spielräume
bestehen. Jüngst hat der Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung das
Einsparpotential auf rund 4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes beziffert.
Eine große Reform unseres Steuer- und Sozialsystems muss an
Finanzierungsfragen nicht scheitern. VI. Wo immer ich hinkomme, berichten mir Unternehmer, dass die
Bürokratie ungezählte Arbeitsplätze kostet. Jemand hat ausgerechnet, dass ein
Mittelständler rund 230 Stunden im Jahr nur für Behörden und Statistiken
arbeitet. Das heißt: Jedes Jahr geht ihm dadurch betriebswirtschaftlich
betrachtet ein ganzer Monat verloren! Der Bund, die Länder und die Europäische Union sollten endlich
den Satz von Montesquieu beherzigen: "Wenn es nicht notwendig ist, ein
Gesetz zu erlassen, dann ist es notwendig, kein Gesetz zu erlassen." Vielleicht kann es helfen, wenn unabhängige Experten
außerhalb der Politik jeden Gesetzentwurf vor der parlamentarischen Beratung
daraufhin bewerten, ob er Beschäftigung fördert oder sie hemmt. In jedem Fall
sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um den Bürokratieabbau endlich
wirksam voranzutreiben. Der Kampf gegen die Bürokratie richtet sich nicht allein
gegen Behörden. Oft steht der Gegner in den Reihen derer, die eigentlich vom
Bürokratieabbau profitieren sollten. Kenner der Verfahren sagen, dass der
Einfluss der Wirtschaftsverbände auf die Gesetzgebung eine der Hauptursachen
für komplizierte und unverständliche Gesetze ist. Es kehre also jeder vor
seiner eigenen Tür. VII. Niedrigere Arbeitskosten, ein flexibler Arbeitsmarkt, ein
vernünftiges Steuersystem und deutlich weniger Bürokratie: All das wird uns
helfen, unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter zu verbessern. Aber gerade weil
wir das Lohnniveau in Deutschland nicht auf das von Polen oder China absenken
wollen und können, braucht eine Strategie für mehr Arbeit in Deutschland noch
ein zweites Standbein, und das sind Innovationen. Dafür sind Bildung, Wissenschaft
und Forschung der Schlüssel. Ein Land der Ideen habe ich es genannt - andere nennen es
Wissensgesellschaft: Nur mit ständig erneuertem Wissen, das wir schnell in
Entwicklung und Produktion umsetzen, werden wir uns in der Welt der
Globalisierung behaupten. Wir müssen um so viel besser sein, wie wir teurer
sind. Wir brauchen Lehrer, die darauf brennen, ihren Schülern etwas
beizubringen - und Schüler, die sich begeistern lassen. Wir brauchen Eltern,
die ihre Kinder zur Wissbegierde erziehen und auch einmal verstehen, wenn
nach dem Experimentieren der Teppich ein Loch hat. Wir brauchen Ausbilder,
die Freude daran wecken, ein Handwerk wirklich zu beherrschen. So kommen
solides Wissen und kritisches Denken, Neugier und Experimentierfreude in die
Welt. Dafür liefert unser Bildungssystem heute nicht mehr die
Grundlage. Fast 9 Prozent aller Schülerinnen und Schüler - das sind jährlich
rund 85.000 - bleiben ohne Abschluss. Unternehmer klagen darüber, dass immer
mehr Bewerber nicht richtig rechnen und schreiben können. Unsere Schulen und
Universitäten sind im internationalen Vergleich bloß noch Mittelmaß. Wie
lange wollen wir noch zusehen? Dabei gibt es doch über die nötigen Änderungen im
Bildungsbereich wachsende Einigkeit: früheres Lernen, mehr individuelle
Förderung, vergleichbare und international anerkannte Bildungsstandards, mehr
Wettbewerb und Autonomie der einzelnen Schulen und Universitäten, Förderung
in der Breite und an der Spitze, lebenslanges Lernen. Umso unverständlicher
ist der fortwährende Kompetenzstreit in Fragen von Bildung, Wissenschaft und
Forschung zwischen Bund und Ländern.
Und erst recht kann mir niemand begreiflich machen, dass an diesem Streit die
Föderalismusreform scheitern soll. Unser Land braucht bei Bildung,
Wissenschaft und Forschung keine Querelen, sondern rasches Handeln. VIII. Deutschland hat sich vorgenommen, dass Staat und
Wirtschaft spätestens ab dem Jahr 2010 insgesamt drei Prozent des
Bruttosozialproduktes für Forschung und Entwicklung ausgeben. Wie ich höre,
ist sehr zweifelhaft, ob dieses Ziel erreicht wird. Das ist ein Alarmsignal,
denn im Grunde brauchen wir deutlich mehr als diese drei Prozent, und das
möglichst rasch. Stattdessen fallen wir ausgerechnet im Bereich Forschung und
Entwicklung zurück. Die Ausgaben der öffentlichen Hand sinken, und die der deutschen
Wirtschaft stagnieren. 1991 standen wir im internationalen Vergleich auf
Platz drei. Heute sind wir auf Platz acht. Das muss doch für die Politik
dringender Anlass sein, ihre Prioritäten zu überprüfen. Sie muss auch die
Rahmenbedingungen für die Innovationstätigkeit insbesondere im Mittelstand -
vom Risikokapital bis zu den Genehmigungsbedingungen - neu bewerten, damit
wirklich alles für die Schaffung von Arbeitsplätzen geschieht. Aber auch die Unternehmer müssen sich hier viel mehr
anstrengen. Wir alle kennen Unternehmen, die dank unermüdlicher Innovation in
ihren Branchen Technologie- und Marktführer sind. Aber es gibt zu wenige
davon. An die Spitze kommt man nicht im Schlafwagen. Erfolgreiche Unternehmer
suchen den Wettbewerb und wollen auch international die Besten sein. Sie
wissen: Innovationen sind ihr Lebens-, ja Überlebenselixier. Aber immer noch bringen es hierzulande zu wenige gute
Ideen bis zur Marktreife. Nur jedes zehnte Patent wird tatsächlich genutzt.
Das ist nicht allein eine Folge schlechter Rahmenbedingungen. Offenbar
versandet so manches auch in den Unternehmen. Wenn sich das ändern soll, muss
Innovation uns begeistern, und diese Begeisterung muss das ganze Unternehmen
erfassen, von der Chefetage bis in die Werkshalle. So hat es Thomas Alva
Edison schon vor hundert Jahren gefordert: "Erfindet alle zehn Tage eine
kleine Sache - und alle sechs Monate ein großes Ding." IX. Ich sage das nicht, um Unternehmerschelte zu betreiben.
Ich sage es, weil es mir um die Hauptaufgabe von Unternehmen und Betrieben
geht, und die ist: am Markt erfolgreich zu sein und Gewinne zu machen. Das
verdient immer wieder klar gesagt zu werden. In Deutschland gilt es zuweilen
als moralisch verdächtig, Gewinn zu machen. Das ist falsch. Wer als
ordentlicher Unternehmer Gewinne erzielt, der hat andere von seiner Leistung
überzeugt und ihnen geholfen. Und nur wer Gewinne erwirtschaftet, kann den
Fortbestand seines Unternehmens durch Investitionen sichern, seine
Mitarbeiter weiterbeschäftigen und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Gerade erfolgreiche Unternehmer wissen, wie wichtig ein
offenes Betriebsklima und ein partnerschaftlicher Umgang mit den Mitarbeitern
sind. Wer auf das private Umfeld seiner Mitarbeiter achtet und ein
familienfreundliches Klima schafft, der fördert Engagement und Loyalität, und
auch das zahlt sich aus. Manche Unternehmen machen stattliche Gewinne, investieren
aber nicht, weil sie zu wenig Vertrauen in den Standort Deutschland haben.
Denen sage ich: Ihr solltet die Stärken dieses Standorts nicht gering
schätzen. Und was seine Schwächen angeht: An denen arbeitet Deutschland. X. Vertrauen wir also auf unser Land und arbeiten wir alle an
dem großen Reformwerk mit. Wir haben das Zeug dazu, die Ordnung der Freiheit
gemeinsam wieder aufzubauen. Wir schaffen es, wenn jeder mitmacht. Ich spüre
überall: Die Menschen sind bereit, mitzuziehen. John F. Kennedy
hat oft Cape Canaveral besucht. Es wird erzählt, er habe dabei einmal
einen Arbeiter angesprochen, der gerade eine Halle fegte. "Was ist Ihr Job?",
fragte er ihn. Der Arbeiter antwortete: "Einen Menschen auf den Mond
bringen, Mr. President". Mancher mag darüber lächeln. Mich beeindruckt
die Kraft, die hinter dieser Antwort steckt. |