D a s   L i b e r a l e   T a g e b u c h

Sammlung Originaldokumente aus „Das Liberale Tagebuch“, http://www.dr-trier.de

 

 

Innovation ist nicht nur Geldfrage

 

WOW, das ist eine Erkenntnis! Lesen Sie eines der geschicktesten Stücke politischer Propaganda seit langem. In den sachlichen Argumente-Fluss sind die entscheidenden Aussagen (wie dieser Kommentar „rot“ gekennzeichnet), fast beiläufig geschickt eingebaut. Argumentationsweise (Schafspelz-Wolf will Salonfähigkeit vortäuschen) perfekt angepasst an den schlechten Ruf der SPD-Regierung. Methode im übrigen: „Steter Tropfen höhlt den Stein“.

 

KStA, 22. April 2004, Seite 5, von Sibylle Quenett

 

Viele bahnbrechende Erfindungen aus Deutschland werden im Ausland profitabel vermarktet.

 

Berlin - Kanzleramtschef Frank Walter Steinmeier ist des Pessimismus sichtlich überdrüssig: „Was den deutschen Standort für Forschung und Bildung angeht, müssen wir uns schließlich nicht mit Schwarzafrika (Das Liberale Tagebuch: !!??!!) vergleichen,“ sagt er in einer Runde zum Thema „Partner für Innovation“ in Berlin. Seit Anfang des Jahres ist Innovation Chefsache. Dazu leitet der Kanzler persönlich einen Gesprächskreis, in dem sich ranghohe Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft schon zweimal getroffen haben, um sich den Kopf über die Eroberung zukunftsfähiger Geschäftsfelder zu zerbrechen.

 

Steinmeier, Gerhard Schröders rechte Hand, sieht den Staat diesmal (Das LT: !) nur als einen Akteur unter vielen. Ohne Zweifel lässt sich so die Verantwortung für eines der wichtigsten Zukunftsthemen auch leichter tragen. Und er sieht die Opposition nicht minder gefordert: „Wir sollten die Debatte über den Wegfall der Eigenheimzulage noch einmal aufnehmen, um die nötigen Mittel für Forschung und Bildung bereitzustellen.“ Für diese Forderung hätten sich zwar keine Beifallsstürme erhoben, aber einige CDU-Ministerpräsidenten zeigten Verständnis dafür. Ohne die Zustimmung der Union im Bundesrat, das weiß auch Steinmeier, ist das Projekt, die Ausgaben für Forschung und Bildung bis 2010 auf drei Prozent zu erhöhen, fast schon wieder gescheitert.

 

Eine vorrangige Frage des Geldes ist Innovation aber nicht für alle. Professor Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer Gesellschaft: „Wenn wir über Innovation sprechen, reden wir immer auch über Risikobereitschaft.“ Und die sei den Deutschen doch stark abhanden gekommen. Das Fax, der Computer, Video und die äußerst populären MP3-Player seien beispielsweise deutsche Erfindungen, die schließlich von ausländischen Unternehmen profitabel vermarktet wurden.

 

Die Deutschen seien zuletzt sehr erfolgreich darin gewesen, Kosten zu senken. „Wenn man aber neue Arbeitsplätze schaffen will, dann muss man neue Produkte entwickeln,“ sagt Bullinger. Er verweist darauf, dass der Dienstleistungs- und Erlebnissektor längst die klassischen Industriezweige als Job-Motor abgelöst hat. Er warnt vor kurzfristiger Gewinnmaximierung, die langfristige Perspektiven vernachlässige.

 

Der Vorstandsvorsitzende des baden-württembergischen Energieversorgungsunternehmens EnBW, Professor Utz Claassen, ist überzeugt, dass Innovation gerade auch in der Umstrukturierung der deutschen Energieversorgung gefordert ist. Bis 2020 muss die Hälfte des Kraftwerkparks ersetzt werden. Ökologie und Ökonomie hält er dabei für vereinbar, solange die Diskussion über die künftige Versorgung mit Primärenergie „ideologiefrei“ geführt werde.

 

Der Chefdenker aus dem Wirtschaftsministerium, Henry Cordes, hat das große Ganze im Auge. Wie kann der Transfer von Wissen besser gestaltet werden, wie können wir Unternehmensgründungen effizienter machen, und: „Wie organisieren wir auch erfolgreiches Scheitern“? Denn nur wer nicht bestraft wird, sondern aus Fehlern auch lernen darf, wird letztlich den geforderten Mut zum Risiko auch zeigen.