D a s L i b e r a l e T a g e b u c h |
|
Sammlung
Originaldokumente aus Das Liberale Tagebuch, (http://www.dr-trier.de) |
|
Bemerkung des Liberalen Tagebuches: Dies ist ein Beispiel für
einen Kommentar, der ausblendet, dass zu viele Initiativen der FDP
totgeschwiegen werden, mit „der Schwanz wackelt mit dem Hund“ traktiert
werden, die FDP als „Zünglein an der Waage“ bezeichnet und nun
Krokodilstränen vergießt. Dies zu schreiben ist keine Klage „alle sind gegen
die Liberalen“, sondern die trockene Feststellung, dass solcher Kommentar SPD
oder CDU/CSU schützt und damit deutsche Strukturkonserve produziert. Fies,
dass der Kommentator seine Parteilichkeit, die ihm selbstverständlich zusteht,
nicht zugibt, sondern „aus dem Hinterhalt operiert“. Ärgerlich allerdings,
die Angewohnheit, das zweifellos bestehende Problem der ungenügenden
Wahrnehmung obendrein auf eine personelle Dimension zu reduzieren.
Theoretisch der Todesstoß für die Liberalen; aber eben nur theoretisch ...
Lesen Sie selber: Liberale ohne Profil und Ziel Statt die
deutsche Reformdebatte voranzutreiben, beschäftigt sich die FDP wieder einmal
mit sich selbst. Und das in einer Zeit, in der liberale Ideen in der
deutschen Öffentlichkeit eine wachsende Zustimmung wie selten zuvor finden. Im Streit um
Wählerstimmen interessiert es kaum jemanden, ob die Liberalen vor sechs
Jahren das aufgezeigt haben, was nun in die Rhetorik aller anderen Parteien
mit Ausnahme der PDS Eingang gefunden hat. Das Autorenrecht auf die Forderung
nach mehr Eigenverantwortung und Leistungsgerechtigkeit ist der FDP nicht
abzusprechen. Aber das scheint die Liberalen eher zu lähmen. Sie verzichten
darauf, die anderen Parteien nun politisch und geistig vor sich herzutreiben.
Während es den Grünen durchaus gelingt, neben dieser seltsamen Art einer großen Koalition der
Volksparteien zu bestehen, zieht sich die FDP verunsichert auf sich selbst
zurück. Sie agiert dabei voll
Ungeschick. Erst beteiligte sie sich an den Verhandlungen um die
Gesundheitspolitik. Dann schied sie aus und verweigerte sich einem
Kompromiss. Dafür gab es Gründe, wenn man die Forderung nach mehr
Marktwirtschaft ernst nimmt. Aber wahrgenommen wird die FDP vor allem als
Schutzengel der Apotheker, die die Konkurrenz durch den sich durchsetzenden
Internet-Versandhandel fürchten. Schwer zu vermitteln ist auch ein
Parteitagsbeschluss, der sich für die Beibehaltung des Meisterzwangs im
Handwerksrecht ausspricht. Der Vorwurf der
Profillosigkeit richtet sich nicht zuletzt an den Parteivorsitzenden. Guido
Westerwelle hat sich nach der erbitterten Auseinandersetzung mit Jürgen W.
Möllemann und dessen tragischem Tod fast so etwas wie eine programmatische
Auszeit genommen. Trotzdem scheint er unangefochten, weil kaum einer seiner
Parteifreunde den mit ihm verbundenen Generationswechsel zurückdrehen möchte.
Und seine
Generalsekretärin Cornelia Pieper ist nicht einmal annähernd in der Lage, die
Westerwellschen Lücken zu schließen. Nun zahlt der Parteichef seinen
persönlichen Preis dafür, dass er Pieper vor gut zwei Jahren vor allem als
Quotenlösung für den Osten und bei den Frauen auswählte. Und weil er eine
Generalsekretärin suchte, die er, der ehemalige
Generalsekretär, nicht als Konkurrenz fürchten musste. Trotzdem wird sich die
sachsen-anhaltinische Parteichefin fürs Erste halten. Im nächsten Jahr stehen
allein drei Landtagswahlen im Osten an. Sollte der Erfolg dort ausbleiben,
wäre sie das ideale Bauernopfer. Die aufmüpfigen
Landesverbände im Westen tragen aber kaum weniger Verantwortung für das
blasse Erscheinungsbild der Partei. In immerhin fünf Landesregierungen ist
die FDP mittlerweile wieder vertreten. Trotzdem machen kaum neue Namen von
sich reden. Auch Partei-Vize Walter Döring in Baden-Württemberg profiliert
sich bundespolitisch regelmäßig fast ausschließlich durch unseriöse Kritik an
der Führung in Berlin. Wirtschaftspolitische Initiativen, die über das
Musterländle hinausreichen, verbinden sich nicht mit ihm. So lebt die Partei in
der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor von Persönlichkeiten, die ihre
Verdienste vor Jahren und Jahrzehnten erworben haben. Doch die Zeit der
Genschers, Lambsdorffs und Scheels kommt nicht wieder. Das müssen alle
Beteiligten wissen. |