D a s L i b e r a l e T a g e b u c h |
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Der Jongleur in der
Wagenburg
KStA, 8. Juli 2004, Seite 4, von Martin Oehlen Ein Paukenschlag kracht auf den nächsten ins Auditorium -
und all das in einer Phase, da sich Köln und der Rest der Welt auf eine
sommerliche Urlaubszeit einstimmen. Hier der designierte Kulturdezernent,
dort die Unesco-Verwerfungen! Das „weltoffene Köln“, das sein
Oberbürgermeister Fritz Schramma in der offiziellen Bewerbung zur
Kulturhauptstadt Europas besungen hat, zieht sich offenbar in die Wagenburg
zurück. Aber der Reihe nach! Die Nonchalance, mit der die
Politik, aber zumal die Verwaltungsspitze die Bedenken der Unesco gegen die
Hochhausplanung auf der rechten Rheinseite ignoriert hat, ist atemberaubend.
Nachdem die Stadt zunächst überglücklich war, endlich das
Weltkulturerbe-Siegel erhalten zu haben, tat sie plötzlich so, als sei es ihr
vollends gleichgültig, dass selbiges wieder in Frage gestellt wurde. Dass die Kölner Selbstherrlichkeit kein Betriebsunfall
war, sondern System hat, wird nun offenbar, da das Kind in den Brunnen
gefallen ist und der Dom auf der roten Liste der gefährdeten Kulturdenkmäler
steht. Der Oberbürgermeister, von dem gerade jetzt ein Höchstmaß an
Diplomatie gefordert ist, versteigt sich zu der Feststellung, dass es ihm
„peinlich“ sei, „wenn ein Delegierter aus dem Libanon sich Gedanken macht,
was in Köln passiert“. Peinlich ist an alledem nur, dass sich der erste Bürger
der Stadt offenbar keine allzu heftigen Gedanken macht, wenn die Unesco Köln
ins Visier nimmt. Es ist ja nicht zwingend geboten, die Deutzer Pläne zu
modifizieren. Aber zumindest sollte das Bemühen erkennbar sein, dass die
Kritik ernst genommen wird. Stattdessen verfährt die Stadtspitze nach dem
Motto: Uns kann keiner! Mit solchem Verhalten landet über kurz oder lang die
ganze Stadt auf der roten Liste. Ist es immer noch nicht allen bekannt, dass
das Wohl der Kommune gefährdet ist, wenn der Standort unablässig für negative
Schlagzeilen sorgt? Leider ist derzeit noch völlig ungewiss, ob die
Entscheidung des Oberbürgermeisters und der Fraktionsspitzen von CDU und
Grünen für Christoph Nix als neuen Kulturdezernenten endlich eine gute
Nachricht ist. Eine Entscheidung, die leider ohne den Sachverstand einer
Findungskommission gefällt wurde. Eines ist gewiss: Den großen Namen, von dem
viele sich neues Heil für die gebeutelte Stadt erhofft haben, trägt er nicht.
Dabei war es das erklärte Ziel aller, denen die Stadt am Herzen liegt, dass
für die bevorstehenden Aufgaben nur der Beste gut genug sein könnte. Ist das
Christoph Nix, der Jura-Professor, Theaterintendant und ausgebildete Clown,
der an manchem Streit in Kassel beteiligt war? Die Zweifel dominieren. Was Köln braucht, ist eine Spitzenkraft, um diesen
Himmelfahrts-Job zu stemmen. Denn es gilt, bei knapper Kasse allerlei
Kulturbaustellen zu betreuen. Da trifft es sich vielleicht ganz gut, dass Nix
auch Erfahrungen als Jongleur haben soll. Vielleicht hilft ihm diese ja bei
der Realisierung des Kulturzentrums am Neumarkt und beim Umgang mit dem
denkmalgeschützten Opernhaus. Nicht zuletzt müsste er jede Menge Standfestigkeit
besitzen, um auf dem schwankenden Grund der Kölner Kommunalpolitik nicht den
Boden unter den Füßen zu verlieren. Und wirklich schön wäre es, wäre
Christoph Nix auch noch so „weltoffen“, wie Köln sich gerne gibt. martin.oehlen@mds.de |