D a s   L i b e r a l e   T a g e b u c h

Sammlung Originaldokumente aus Das Liberale Tagebuch, (http://www.dr-trier.de)

 

 

Artikel des Kölner Stadt-Anzeiger vom 23. Juli 2003, Seite 5:

 

Wahlkampfstratege Westerwelles als Möllemanns Millionenkurier?

Der frühere Bundesgeschäftsführer und spätere Berater der FDP soll das Bargeld aus Luxemburg geholt haben.

 

VON MARIANNE QUOIRIN

 

Düsseldorf - Fritz Goergen, 61, Ex-Berater von FDP-Chef Guido Westerwelle und Vertrauter des bei einem Fallschirmabsprung ums Leben gekommenen Jürgen Möllemann, soll eine zentrale Rolle in der Affäre um die Finanzierung des umstrittenen Flugblatts im Bundestagswahlkampf 2002 gespielt haben. Der Mann, der nun als freier Autor und Kommunikationsberater firmiert, soll die Million Euro von Möllemanns Privatkonto in Luxemburg abgeholt haben.

 

Goergen hatte, als er noch seinen Geburtsnamen Fliszar trug, in der FDP jahrelang Schlüsselpositionen inne: als Bundesgeschäftsführer von 1979 bis 1983; gleichzeitig gehörte er (bis 1991) zur Geschäftsführung der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung. Er brachte die Stiftung wegen dubioser Geschäfte in die Schlagzeilen, Ermittlungen gegen ihn wurden aber eingestellt.

 

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf, die in nun Sachen Möllemann gegen fünf ehemalige FDP-Funktionäre wegen Verstoßes gegen das Parteiengesetz und Untreue zulasten der FDP ermittelt, wartet auf die Dokumente, die bei einer Durchsuchung bei der Banque Nationale de Paris in Luxemburg am 4. Juli sichergestellt worden sind. Aus ihnen soll hervorgehen, dass am 13. September 2002 ein Mann eine Million Euro von Möllemanns Konto abgehoben hat. Der Abholer soll eine von Möllemann unterschriebene Vollmacht auf den Namen Fritz Goergen vorgelegt und um die Stückelung des Betrags in 500-Euro-Scheinen gebeten haben. Gegen den FDP-Chefstrategen Goergen, von dem die Parole vom "Projekt 18"' stammt, läuft noch kein Ermittlungsverfahren.

 

Die Details aus der Aktion in Luxemburg stimmen mit einer Aussage von Möllemann überein, der einen Tag später eine Million in 500-Euro-Scheinen an den damaligen FDP-Landesgeschäftsführer Hans Joachim Kuhl übergeben haben will. Kuhl habe auf sein Drängen Teilbeträge zwischen 1500 und 8500 Euro bei mehreren Banken eingezahlt und sich dabei "beliebig ausgewählter Aliasnamen und -adressen bedient". Kuhl hat dies inzwischen bestätigt.

 

Der aus Osterreich stammende Goergen gehört zu den schillernsten Figuren der FDP und der Naumann-Stiftung, die er 1996 nach einem Zerwürfnis mit Otto Graf Lambsdorff verließ. Er machte sich als Kommunikationsberater selbstständig und wurde von Möllemann 1999 für den NRW -Wahlkampf angeheuert. Seine "Werkstatt 8"" mobilisierte mit populistischen Slogans die Wähler für die FDP - 9,8 Prozent. Danach gehörte er als Strategieberater zum innersten Zirkel von Guido Westerwelle. Laut "Spiegel" soll er dafür ein Honorar von 71 000 Euro erhalten haben.