D a s   L i b e r a l e   T a g e b u c h

Sammlung Originaldokumente aus „Das Liberale Tagebuch“, http://www.dr-trier.de

 

 

Das Liberale Tagebuch: Nicht einverstanden, lieber Herr Goergen. Lesen Sie dazu den Kommentar vom 6. Oktober 2004 unter dem Link:

 

http://www.dr-trier.de/Eindrucke/Heiteres/Liberal/2004_4__Quartal/2004_4__quartal.html - 2004-10

 

 

Intime Kenntnisse und ein Blick zurück im Zorn

 

KStA, 6. Oktober 2004, Seite 5. Von Markus Decker

 

Wieder einmal läutet jemand das Totenglöckchen für die FDP: „Existieren mag die FDP noch länger. Gebraucht wird sie nicht.“ Mit so provokanten Sätzen beginnt der jahrelange FDP-Vordenker Fritz Goergen sein Enthüllungsbuch über die Liberalen. Es trägt den Titel „Skandal FDP - Selbstdarsteller und Geschäftemacher zerstören eine politische Idee“. Seit gestern wird die hoch-polemische Streitschrift an den Buchhandel ausgeliefert.

 

Goergen schreibt gleichsam aus der Schlüsselloch-Perspektive. Von 1969 bis 2002 war er ganz nah dran an den FDP-Granden. Goergen war Assistent von Walter Scheel, FDP-Bundesgeschäftsführer, führender Kopf der Friedrich-Naumann-Stiftung, damals noch unter dem Namen Fritz Fliszar, Berater von Jürgen Möllemann und Guido Westerwelle. Das „Projekt 18 Prozent“ aus dem Bundestagswahlkampf 2002 nennt er seine Erfindung. Knall auf Fall ist er im Oktober 2002 aus der FDP ausgetreten und blickt nun zurück im Zorn.

 

Goergen beschreibt FDP-Chef Westerwelle als prinzipienlosen Luftikus: „Einen eigenen Standort innerhalb des politischen Liberalismus hat er nicht.“ In der FDP sei Westerwelle damit in bester Gesellschaft. Der Autor ätzt und höhnt: „So sehr ich auch suche, ich erinnere mich an keinen einzigen FDP-Politiker der ersten Reihe, gleich welchen Geschlechts, der den Liberalismus oder die FDP wichtiger genommen hätte als die eigene Person.“

 

Als das Getuschel über Westerwelles Homosexualität immer stärker wurde, schreibt Goergen, habe Möllemann dem FDP-Chef vergeblich geraten, sich zu „outen“. Und nachdem sich Berlins SPD-Spitzenmann Klaus Wowereit im Juni 2001 offen zu seiner Homosexualität bekannt habe, soll Möllemann zu Westerwelle gesagt haben: „Jetzt haben Sie die Chance verschenkt, der erste politische Bekenner zu sein.“

 

Ausführlich schildert der Autor den Wirbel um Möllemanns Flugblatt vom Sommer 2002, in dem der damalige FDP-Vizechef Israels Premier Scharon sowie den Publizisten Michel Friedman attackierte und sich anschließend noch scharfe Wortgefechte mit dem Zentralrat der Juden lieferte. Da sei plötzlich Westerwelles Vater, Rechtsanwalt in Bonn, auf den Plan getreten und habe Möllemann immer und immer wieder am Telefon beschworen, „hart zu bleiben und seinem weichen Sohn Guido bloß nicht nachzugeben“.

 

Die bittere Abrechnung mündet in die Erkenntnis: „Die FDP hat keine Seele. Sie sei „personell ausgezehrt, programmatisch entleert, ohne ideelle Heimat und bar jeder Vision“.

 

Da dürften sich viele Leser fragen, warum es Goergen dennoch so lange in der FDP ausgehalten hat.