D a s L i b e r a l e T a g e b u c h |
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Sammlung
Originaldokumente aus Das Liberale Tagebuch, (http://www.dr-trier.de) |
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Die
einsame Treue des Wolfgang Clement KStA, 24. Januar 2004, von Stefan Sauer Immer neue Meldungen über Vertragsabschlüsse ohne vorherige Ausschreibung haben die ohnehin überschaubare Front der Verbündeten Florian Gersters täglich brüchiger werden lassen. Die Hinweise verdichteten sich, dass der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) nicht zu halten sein würde. Nur Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hat an Gerster festgehalten. Ganz einsamer Rufer in der Wüste, pries der Bochumer die Verdienste des Mainzers und dessen Fähigkeiten täglich aufs Neue. Solche Umarmung am Abgrund stellt ein für Politiker ungewöhnliches Verhalten dar. Schließlich ist Erfolg sexy - und Misserfolg das Gegenteil davon. Clement hat aber gute Gründe für den Schulterschluss mit dem Mann auf verlorenem Posten. Zunächst zeigt sich der Wirtschaftsminister als loyaler, standhafter Vorgesetzter, der seinen wichtigsten Untergebenen nicht einfach fallen lässt, wenn's einmal heikel wird. Die Rolle der Fieslinge und Meuchler müssen damit andere spielen. Bedeutsamer als dieses dramaturgische Moment ist die politische Botschaft, die Clement mit der demonstrativen Rückendeckung für Gerster aussendet: Vom Kurs des bisherigen Vorstandsvorsitzenden wird - unabhängig von der Person eines Nachfolgers - nicht um ein Grad abgewichen. Dieses Signal richtet sich zuvörderst an die Gewerkschaften, denen Gersters ganze Denk- und Marschrichtung von Beginn an nicht passte. Weit handfester noch: Die lukrative Weiterbildungsindustrie in Gewerkschaftsbesitz ist massiv unter wirtschaftlichen Druck geraten, weil Gerster nicht länger Milliardenbeträge für weitgehend sinnfreie „Fortbildungsmaßnahmen“ zu verschleudern gewillt war. Folgerichtig kursieren nur lahm dementierte Gerüchte, die ersten Informationen über die freihändige Auftragsvergabe an die Beraterfirma WMP seien im November von der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden und BA-Verwaltungschefin Ursula Engelen-Kefer an interessierte Medien lanciert worden. Auch die in Sachen „Affäre Gerster“ ungewöhnliche Auskunftsfreude des Parlamentarischen Staatssekretärs Gerd Andres (SPD) könnte der „Weiterbildungs-Connection“ zu danken sein: Andres war einst bei der IG BCE als Gewerkschaftssekretär für den Fortbildungsbereich zuständig. Nicht zuletzt hegt auch die Arbeitgeberseite ein gewisses Interesse am Weiterbildungsgeschäft: Das bundesweit drittgrößte Branchenunternehmen gehört der Industrie. Clements Festhalten an Gerster, als dieser sich längst im freien Fall befand, beinhaltet also eine handfeste Botschaft: Bildet euch, ihr Lobbyisten aller Couleur, bloß nicht ein, mit einem neuen Chef hielte der alte Trott Einzug. Zunächst gilt es für den Bundeswirtschaftsminister, einen geeigneten Nachfolger auszugucken. So recht aufgedrängt hat sich bisher niemand. Spekulationen beziehen sich auf Personen, die bereits abgewinkt haben (Andres), weitgehend unbekannt sind (Staatssekretär Alfred Tacke), andernorts benötigt werden (NRW-Arbeitsminister Harald Schartau) oder allgemein Belustigung hervorrufen wie Sigmar Gabriel, weil dieser die Defizite Gersters - zu lautstarke Außenpräsentation, zu wenig Wirkung intern - geradezu potenziert. Hierin liegt der dritte Grund für Clements Treue: Die Personaldecke der SPD ist dünn, und wäre ein Kandidat von Format verfügbar - Gerster wäre wohl schon im Dezember abgelöst worden. stefan.sauer@mds.de (KStA) |