D a s   L i b e r a l e   T a g e b u c h

Sammlung Originaldokumente aus Das Liberale Tagebuch, (http://www.dr-trier.de)

 

 

Kölner Stadtanzeiger , 25. Oktober 2003, Seite 4

 

Zwar bekommen die Liberalen dem Anteil in den Meinungsumfragen – unberechtigt, den für die „Sünde“ gab/gibt es gute Gründe – auch ihr Fett ab. Ansonsten aber eine wertvoller Beitrag, weil hinter dem Kalauer die Offenlegung politischer Taktik stattfindet. Genau das muss im D’land dieser Tage, möglichst umfassend, geschehen, wenn in den Parlamenten die Beschlüsse gefasst werden sollen, die zur Überwindung der bereits langjährig chronischen also endemischen, sozialistischen Infektion „dieser Gesellschaft“ beitragen werden.

 

Also Lob für den Kölner Stadtanzeiger.

 

 

Sieben Tage Berlin: Wilhelm Busch und die Polit-Finten


Ach, was muss man oft von bösen / Finten hören oder lesen! Wie zum Beispiel hier von diesen, / welche unser Land verdrießen. Ja, zur Übeltätigkeit, / ja, dazu ist man bereit. Aber wehe, wehe, wehe, / wenn ich auf das Ende sehe. Ach, das war ein schlimmes Ding, / wie es Schwarz-Rot-Gold erging.

Erster Streich: Staatsverschuldung. Die roten Konsolidierungsweltmeister von anno dunnemals rechnen bis zum Wahltag im vorigen Herbst so lange, bis alles schön rosa ist, um wenig später völlig überrascht riesige Haushaltslöcher auszumachen. Die beste Lobby der Politiker ist nun mal die Wählerschaft, und wenn man die nicht recht bedienen kann, dann vergackeiert man sie halt ein bisschen.

Zweiter Streich: Aufschwung kommt. Irgendwann bestimmt. Irgendwann bricht auch der Vesuv wieder aus. Wenn Wähler schwinden, muss Imaginäres wachsen.

Dritter Streich: Minijobs. Mit großem Getöse von Rot-Grün in der ersten Legislaturperiode abgeschafft, weil unsozial und arbeitnehmerfeindlich. Schließlich ist man die Lobby des kleinen Mannes. Anfang des Jahres auf Druck der Union wieder eingeführt. Und der kleine Mann freut sich.

Vierter Streich: Gesundheitsreform. Ausgerechnet die schwarz-gelben Monstranzträger der freien Marktwirtschaft verhindern freien Wettbewerb unter Apothekern und Ärzten, weil die zur eigenen Dauerkundschaft an Wahltagen zählen. Umgekehrt kämpfen die Sozialdemokraten erfolgreich für Schonung der Gesetzlichen Krankenkassen, weil Krankenkassen für Solidarität stehen und Solidarität sozialdemokratisch ist. Wofür man besonders schwärmt, wenn die Wählerschaft verhärmt.

Fünfter Streich: Arbeitsmarktreform. Rot-Grün regiert und muss Grausamkeiten begehen. Die Union ist eine Volkspartei, die zugleich der Wirtschaft nahe steht. Also stänkert man auf dem einen Flügel gegen unzumutbaren Sozialabbau, um auf dem anderen weit härtere Zumutbarkeitsregeln für Arbeitslose zu fordern. Spagat-Lobbyismus.

Sechster Streich: Rentenreform. „Kurzfristmaßnahmen“ zur Stabilisierung des Versicherungsbeitrags bedeuten nichts anderes als Rentenminderung. Großes Aufheulen, Offenbarungseid der Regierung und so weiter. Die einzige „Kurzfristmaßnahme“, die die Union tatsächlich mit ihrer Mehrheit im Bundesrat verhindern könnte - das Verschieben der Rentenauszahlung vom Monatsanfang auf das Monatsende - will sich Unionschefin Angela Merkel erst einmal „genau anschauen“.

Letzter Streich: Schulische und universitäre Ausbildungszeiten werden nicht mehr rentensteigernd wirksam. Wer schreit aua? Die Grünen. Gegen die Nullrunde für Rentner hat man nichts, weil die wählen eh nicht grün. Aber für die vielen Akademiker, die ihr Kreuz bei Joschka & Co. setzen, soll Artenschutz gelten. Und die vielen Journalisten greifen das Thema begierig auf, weil die auch meistens Abitur haben.

Hoffen wir, dass auch der Schluss von Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ irgendwann eintritt: Gott sei Dank, nun ist's vorbei / mit der Übeltäterei.


(KStA)