D a s L i b e r a l e T a g e b u c h |
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Werner Hoyer: Vorwurf der „Rosinenpickerei“ beim EU- Verfassungsreferendum ist
absurd BERLIN, 2. September 2004. Zu den Vorwürfen, die FDP
betreibe mit ihrem Vorschlag, den EU-Verfassungsentwurf auch in Deutschland
einem Volksentscheid zu unterwerfen und dafür die grundgesetzlichen
Voraussetzungen zu schaffen, „Rosinenpickerei“, erklärt der stellvertretende
Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Werner Hoyer: Der Vorwurf der „Rosinenpickerei“ gegenüber der FDP ist
absurd. Wir Liberalen halten die repräsentative Demokratie in Deutschland für
eine Erfolgsgeschichte und auch für die Zukunft für ein Erfolgsmodell.
Natürlich kann diese weiterentwickelt und um Elemente verstärkter
Bürgerbeteiligung und um erweiterte Initiativrechte der Bürger ergänzt
werden; am Grundprinzip halten wir indessen fest. Aber auch die repräsentative Demokratie bedarf der Legitimation. Diese kann nur vom Volke ausgehen. Leider hat die deutsche Politik – die FDP eingeschlossen – nach der Wiederherstellung der Einheit Deutschlands im Jahre 1990 den Fehler gemacht, das Grundgesetz für das vereinte Deutschland dem Souverän – also der deutschen Bevölkerung - nicht zur Ratifizierung vorzulegen – sie wäre damals leicht zu haben gewesen. Jetzt machen wir einen weiteren großen konstitutionellen Sprung mit der Annahme eines europäischen Verfassungsvertrages und damit der Übertragung weitgehender Souveränitätsrechte auf „Repräsentanten“ der europäischen Demokratie. Wieder soll dies ohne ausdrückliche Zustimmung des Volkes geschehen. Das ist ein Fehler und wird die Bürgerinnen und Bürger
noch weiter von Europa und der europäischen Politik entfernen. Das
Interessante an einem Volksentscheid über die EU-Verfassung ist nicht nur das
Ergebnis an sich. Viel wichtiger ist, dass ein bevorstehender Volksentscheid
zu einer gewaltigen Mobilisierung der politischen, gesellschaftlichen,
ökonomischen und kulturellen Eliten führen würde. Denn die könnten es sich
dann nicht mehr leisten, bei einem zugegebenermaßen nur mit großen Anstrengungen
zu kommunizierenden und keineswegs nur populären Thema mit angelegten Löffeln
in der Ackerfurche liegen zu bleiben. Vielmehr müssten sie den Bürgern den
Verfassungsvertrag erklären und für ihn werben. Oder trauen sich z.B.
die sicher mehr als 95 Prozent der Mitglieder des Deutschen Bundestages, die
der Ratifizierung des Verfassungsvertrages zustimmen werden, nicht zu,
wenigstens 50,1 Prozent der Wählerinnen und Wähler von der Richtigkeit des
eingeschlagenen europäischen Weges zu überzeugen? Dann hätte die deutsche
Politik wirklich ein Problem. Mit großem Interesse warten wir Liberalen nun auf die
angekündigte Initiative der SPD zum EU-Verfassungsreferendum. Dann wird sich
zeigen, ob wirklich der Weg zum EU-Volksentscheid freigemacht werden soll
oder ob es sich um ein taktisches Mätzchen und einen Versuch eines
Befreiungsschlages in schwieriger innenpolitischer Lage handelt. Angesichts
der ablehnenden Haltung der Union zum Ausbau plebiszitärer Elemente im
Grundgesetz drängt sich dieser Eindruck auf. Umso mehr ist es zu begrüßen,
dass der CSU-Landesgruppenvorsitzende Michael Glos eine Grundgesetzänderung,
mit der ein EU-Verfassungsreferendum ermöglicht würde, offenbar für sinnvoll
hält. Rot und Grün wären gut beraten, diesen Ball aufzugreifen und die
Initiative der FDP zu unterstützen. Die Gelegenheit wird sich noch im Herbst
in namentlicher Abstimmung im Deutschen Bundestag ergeben. Bettina Lauer Telefon: (030) 227-52388 pressestelle@fdp-bundestag.de |