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s L i b e r a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Scheitern des Europäischen Rates in Brüssel am 17.06.05 Von
Werner Hoyer Dass die
Staats- und Regierungschef nicht zu einer Lösung über die Frage der
Finanzausstattung der EU für die Jahre 2007-2013 kamen, ist zwar ein
schlechtes Signal, stürzt die EU aber nicht automatisch weiter in die Krise.
Denn für die Verabschiedung des Finanzrahmens für die Jahre 2007-2013 ist
noch viel Zeit, wenn man berücksichtigt, dass rein technisch ungefähr 12
Monate zwischen der Verabschiedung und der Implementierung liegen müssen. In der
Frage der EU-Finanzierung ist kein Kompromiss immer noch besser als ein
fauler Kompromiss. Was Schröder, Chirac und Co. in den letzten Tagen
vorgeschlagen haben, führt Europa nicht in die Zukunft, sondern hält Europa
mittelfristig in einem strukturellen Korsett. Der Kuchen aus Geldern der EU
muss nicht automatisch größer, mit Sicherheit aber neu zugeschnitten werden. Die
gescheiterten Verhandlungen zeigen, dass Deutschland, Frankreich und
Großbritannien, von denen gerade in schwierigen Situationen zurecht eine Führungsrolle erwartet wird, mehr Teil des
Problems als Teil der Lösung sind. Bundeskanzler Gerhard Schröder bietet Geld
an, das sein Finanzminister nicht hat, während Frankreich und Großbritannien
sich bei der notwendigen Finanzreform gegenseitig blockieren. Der
neue Finanzrahmen der EU muss sich an der Frage der Zukunfts- und
Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union orientieren. Konkret heißt dies
eine Reduzierung der rückwärtsgewandten Agrarbeihilfen und eine Investition
in Forschung und Technologie. Der Vorschlag, den mit 4 Prozent ohnehin
geringen Anteil der Forschungsausgaben um weitere bis zu 42 Prozent zu
kürzen, um auf der anderen Seite den Agrarkompromiss und den Britenrabatt
nicht zu gefährden, führt genau in die falsche Richtung. Mit
einem solchen faulen Kompromiss verabschiedet sich Europa endgültig von dem
in Lissabon formulierten Ziel, Europa in Sachen Wettbewerb, Forschung und
Technologie weltweit an die Spitze zu führen. Zu
Hause steht Schröder mit dem Rücken an der Wand und in Europa wird er zum
Mitverursacher von Flurschäden, die uns noch Jahre begleiten werden. Kein
Kompromiss ist vor diesem Hintergrund besser als ein fauler Kompromiss. |