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s L i b e r a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Europa: Wider die Geissel virtueller Politik Immer wissen: Am Wesen
des Liberalen Tagebuches wird die Welt nicht genesen. Dennoch: Die PM von
Werner Hoyer zeigt, wie Zwänge der Diplomatie so überwunden werden, dass „die
Gemeinten“ ihr Gesicht wahren können. So funktioniert liberale
Geisteshaltung: Kritik ist Dienst am Mitmenschen. Die Fähigkeit zur Kritik
fängt im Ortsverband an und bedeutet nie, dem Anderen sein Sein
nehmen/zerstören zu wollen. Und zugegeben: Außenpolitische Fachkenntnis hilft
ganz bestimmt, beim Formulieren einer PM, wie der folgenden. Zum Treffen zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und
dem französischen Präsidenten Jacques Chirac am 10. Juni 2005, Werner Hoyer
(FDP): „Europa in der Krise - und Deutschland und Frankreich
suchen gemeinsam nach Auswegen. Das klingt gut, denn ohne den
deutsch-französischen Integrationsmotor ist in Europa noch nie etwas
gelaufen. Aber in der momentanen Situation läuten verständlicherweise überall
in Europa die Alarmglocken, wenn Bundeskanzler Schröder und Präsident Chirac
sich zusammensetzen. Deutsch-französische Initiativen werden in vielen
europäischen Hauptstädten derzeit eher als Teil des Problems denn als Teil
einer Lösung wahrgenommen. Verständlicherweise ist es in anderen europäischen
Ländern nicht mehr nachvollziehbar, wenn ausgerechnet Präsident Chirac und
Bundeskanzler Schröder, von denen einer gerade erst ein Referendum verloren
hat, der andere gar nicht erst den Mut hatte, sein Volk zu befragen, nun Ratschläge
für das weitere Vorgehen abgeben. Denn Deutschland und Frankreich haben es in den letzten
Jahren und Monaten nicht vermocht, die anderen EU-Mitglieder einzubinden und
gemeinsame Impulse für gesamteuropäische Ideen zu geben. Im dominieren zu
wollen und alles, was die anderen denken, einfach hinwegzufegen. Man denke
nur an die Aufweichung des Stabilitätspaktes, die
Anti-Diskriminierungsrichtlinie oder die schnelle Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Wenn jetzt der neue französische Regierungschef
Dominique de Villepin sogar eine deutsch-französische Union vorschlägt,
müssen sich die anderen Europäer endgültig an den Rand gedrängt fühlen. Jetzt
ein deutsch-französisches Schrumpfeuropa anzustreben, ohne Rücksicht auf die
anderen, das kann nicht die Zukunft sein. Bundeskanzler Schröder und Präsident Chirac müssen jetzt
gemeinsam überlegen, wie sie den verheerenden Eindruck eines
deutsch-französischen Europa-Direktoriums vom Tisch kriegen und alle
EU-Staaten wieder so einbinden, dass gemeinsam nach Wegen aus der Krise
gesucht wird. Es wäre in dieser Situation sicher hilfreicher, wenn der
Bundeskanzler nach Den Haag, Kopenhagen
oder Warschau gefahren wäre.“ |