D a s   L i b e r a l e   T a g e b u c h

Sammlung Originaldokumente aus „Das Liberale Tagebuch“, http://www.dr-trier.de

 

 



19. Februar 2005

Rede von Reinhard Houben
anlässlich der Vorstellung vor seiner Wiederwahl (Ergebnis 95%) zum Kreisvorsitzenden der Kölner FDP

 

 

Meine lieben Freunde, unser Land braucht mehr liberale Politik!

 

Eine Politik, die den Realitäten ins Auge sieht, nichts beschönigt und die einige ganz einfache Fakten und Mechanismen wieder in das Bewusstsein der Bürger bringt. Man kann nicht mehr ausgeben als man einnimmt. Nur durch einen bestimmten Einsatz an Zeit kann man genug Wohlstand erarbeiten und damit die wirklich Schwachen unterstützen.

 

Die Gemeinschaft darf sich nicht durch Findige ausnutzen lassen, sonst gibt es bald keine Gemeinschaft mehr. Ohne Bildung und Elitenförderung werden wir in Deutschland nicht unseren gewonnenen Wohlstand erhalten können! Und ohne Kinder gibt es eben auch keine Zukunft für die Eltern und Erwachsenen.

 

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Antworten der Liberalen die meisten Zukunftschancen eröffnen! Wir geben dem Einzelnen den Vertrauensvorschuss, den man braucht, um erfolgreich zu sein. Wir trauen den trägen und selbstverliebten Organisationen und Verwaltungen nicht zu, die Zukunft zu gestalten. Es gibt keinen Übervater oder eine Ideologie, die alle Probleme lösen kann und alle glücklich macht. Damit sind die Liberalen natürlich oft der Überbringer der schlechten Botschaft. Dies macht uns nicht beliebt, erhöht aber langfristig immer die Glaubwürdigkeit und politische Handlungsfähigkeit!

 

Wir müssen an unseren Kernthemen weiter arbeiten, unsere Kompetenz in die Partei und die Lokalpolitik einbringen und geeignete, glaubwürdige Parteifreunde zur Mitarbeit animieren.

 

Dabei möchte ich mitwirken und mitgestalten, deshalb trete ich heute wieder an!

 

Welche Ziele möchte ich mit Ihnen erreichen? Wir brauchen den Regierungswechsel in Düsseldorf und in Berlin! Dies ist so dringend, weil unser Land so schlecht regiert wird. Nicht die Karriere unserer Abgeordneten ist unsere Motivation, sondern die große Sorge um die Zukunft unseres Landes!

 

Wie lange wollen wir noch eine Zahl von über 5 Millionen Arbeitslosen in Deutschland und über 1 Million Arbeitsloser in Nordrhein-Westfalen hinnehmen?

 

Wie lange glauben wir es uns noch leisten zu können, unsere Kinder in Schulen zu schicken, in denen zu viele Stunden ausfallen und deren Ausstattung zum Teil über 30 Jahre alt sind?

 

Wie lange soll die Verschuldung der öffentlichen Haushalte noch andauern, bis wir uns dazu durchringen, wirklich tiefe und schmerzhafte Einschnitte bei den Staatsausgaben vorzunehmen?

 

Wie lange glauben wir noch, unsere innere Freiheit und Sicherheit dadurch zu schützen, indem wir immer mehr Gesetze erlassen, aber die Ausstattung unserer Polizei ständig reduzieren?

 

Wie lange diskutieren wir noch darüber, wie Arbeitslose zu unterstützen sind, statt die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit mehr Arbeitsplätze geschaffen werden?

 

Wie lange ertragen wir es noch, dass riesige Summen zur Erhaltung von Steinkohleförderung und der Errichtung von Windenergieanlagen ausgegeben werden, während unsere Straßen auf dem Niveau des „Real existierenden Sozialismus“ angelangt sind?

 

Wie lange dürfen wir durch Verbote und Gesetze versuchen, uns vor politischer Auseinandersetzung mit Rechtsradikalen zu drücken?

 

Und wie lange wollen wir Politiker ertragen, die behaupten, Verantwortung zu übernehmen, aber nur ihren Dienstwagen retten oder ihre persönlichen Geschäfte fördern wollen?

 

Dies alles ist für mich und ich glaube auch für Sie die Motivation, sich einzubringen in die politische Arbeit der Kölner FDP!

 

Zuletzt zu unserer Vaterstadt oder auch Mutterstadt!

 

Ich bin tief deprimiert, wenn ich über Köln nachdenke. Viele haben nach der Kommunalwahl geglaubt, die große Koalition wäre eine große Chance für Köln. Doch die Warnung vor großen Koalitionen, die der FDP auf allen Ebenen nur als purer Opportunismus ausgelegt wird, ist mehr als berechtigt. Seit der KölnWahl sind sechs Monate ins Land gegangen! Was ist passiert? Nichts!

 

Oder, da war doch noch etwas!

 

Relativ nachrangig berichtet, durften die Kölner zur Kenntnis nehmen, dass die Stadt kurz vor der Verhängung eines Nothaushaltes steht! Die schmallippigen Äußerungen von Herbert Gey (CDU-Fraktionsvorsitzender) (müssen sie sich nicht merken) (Herbert ohne Land - KSTA) und Martin Börschel (SPD-Fraktionsvorsitzender) (der geht jetzt auch in den Landtag) reduzieren sich darauf, man solle jetzt den zweiten Veränderungsnachweis abwarten und die Verwaltung müsse jetzt Sparvorschläge machen!

 

Sie können sich also beruhigt wieder zurücklehnen.

 

Meine Damen und Herren,

 

ich kenne ihre Gemütslage nicht! Ich könnte in dieser Situation als Oberbürgermeister, Kämmerer und als Vorsitzender einer „Regierungs-Fraktion“ nicht mehr ruhig schlafen! Es ist schon schlimm genug, dass die Politik sechs Monate nichts getan hat und vielleicht auch von dieser Situation überrascht wurde. Dass der Oberbürgermeister und die ihn stützenden Fraktionen in einer solchen Situation lieber noch ihre Karnevalsblessuren auskurieren, und nicht die Probleme anfassen, ist beängstigend.

 

Statt auf jeder Karnevalssitzung herumzuspringen, sollte Fritz Schramma mehr im Rathaus arbeiten. Der Kämmerer müsste Flagge zeigen und der Politik die wirklich schlechte Lage nicht häppchenweise zur Kenntnis geben. Und von den „Regierungsfraktionen“ fordere ich, dass sie ihrer Pflicht nachkommen und nun ein Konzept entwickeln, wie wir einen Nothaushalt verhindern!

 

Es kann nicht sein, dass eine so reiche Stadt wie Köln, die über ein so großes Vermögen verfügt, nicht in der Lage ist, ihren Haushalt in den Griff zu bekommen.

 

Manchmal erinnert mich Köln an die verarmten Adeligen des ausgehenden viktorianischen Zeitalters, die lieber verhungerten, als einen Teil des seit Hunderten von Jahren in Familienbesitz befindlichen Landes zu verkaufen.

 

Doch was ist uns wichtiger: „der Erhalt von Kindergärten oder der Anteil an einem rumänischen Energieversorger und eine Beteiligung an einer Telefongesellschaft?“

 

Die FDP-Ratsfraktion hat nach der KölnWahl gesagt, sie wäre bereit, bei Sachfragen offen mit allen demokratischen Fraktionen über Lösungen zu sprechen. Dies Angebot gilt weiterhin!