D a s L i b e r a l e T a g e b u c h |
|
Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
|
Afrikaner-Auffanglager
im Norden des Kontinents? BERLIN. Der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Wolfgang Gerhardt, erklärt: Jährlich verlieren hunderte von
Menschen ihr Leben auf der Flucht vor Bürgerkrieg, Terror und Willkür im
Mittelmeer. Sie versuchen auf seeuntauglichen Booten von Afrika nach Europa
zu kommen, um hier Asyl zu beantragen. Wir in Europa können diesem
Sterben nicht weiter tatenlos zusehen. Und wir können auch unsere
europäischen Nachbarstaaten Italien und Spanien nicht mit diesem Problem
alleine lassen. Diese beiden Länder tragen nämlich die Hauptlast der
Flüchtlinge. Allerdings sind Auffanglager in
Afrika selbst, wie von Otto Schily vorgeschlagen, nicht wirklich durchdacht. Dazu
müssten nämlich in Staaten, die selbst Flüchtlingsströme verursachen,
exterritoriale Gebiete eingerichtet werden. Wie aber sollen in
Bürgerkriegsstaaten oder Diktaturen solche EU-Außenposten installiert werden?
Sie werden von den dortigen Regierungen nicht geduldet werden, zudem sind sie
ein Eingriff in die Souveränität dieser Staaten. Sofort stellt sich auch die
Frage nach der Sicherheit. Wie sollen diese EU-Enklaven in Afrika denn
gesichert werden? Wie will man denn verhindern, dass diese EU-Enklaven das
hervorrufen, was sie eigentlich verhindern wollen – nämlich neue, große
Flüchtlingsströme. Menschen werden zu Tausenden zu diesen
„Asyl-Sammelpunkten“ ziehen – wer aber stellt Unterkunft, Nahrung und
Trinkwasser zur Verfügung und wer ist verantwortlich, wenn es dort zu
humanitären Katastrophen kommt? Und wie werden eigentlich die Menschen, die
dann Asyl erhalten würden nach Deutschland gebracht – mit eigens dafür
gecharterten Flugzeugen? Und wer glaubt wirklich, dass die Regierungen dieser
Länder zuschauen werden, wie sich an diesen Enklaven Menschenströme sammeln,
mit all den genanten Problemen? Die Gedanken von Otto Schily sind nicht zu
Ende gedacht. Sie sind weltfremd und bringen keine Lösung, sondern weitere
und noch schwerwiegendere Probleme. Auch sein neuster Vorschlag, den BND in
Afrika einzusetzen, um dort Schleuserbanden ausfindig zu machen, kann nur
abgelehnt werden. Es ist nicht Aufgabe des BND im Ausland Polizeiarbeit zu
leisten, zumal wäre ein solcher Einsatz rechtlich bedenklich ist und
ebenfalls eine Verletzung der Souveränität der afrikanischen Länder. Isabella Pfaff Telefon: (030) 227-52388 pressestelle@fdp-bundestag.de |