D a s   L i b e r a l e   T a g e b u c h

Sammlung Originaldokumente aus Das Liberale Tagebuch, (http://www.dr-trier.de)

 

 

ERKLÄRUNG der Spitzen von CDU, CSU und FDP

 

vom 12. November 2003

 

 

  1. CDU, CSU und FDP stellen fest: Die wirtschaftliche Lage des Landes und der Zustand seiner öffentlichen Kassen sind katastrophal. Die nun schon drei Jahre lang anhaltende wirtschaftliche Stagnation, der Einbruch der Beschäftigung, die Verfestigung der Arbeitslosigkeit auf einem unakzeptablen Niveau und die Rekordverschuldung zeigen, dass Deutschland in einer strukturellen Krise steckt, die weit über das Ausmaß von Rezessionen hinausgeht, wie sie die Bundesrepublik bisher in ihrer Geschichte zu verzeichnen hatte.

    Die Verantwortung für diese schwierige Situation trägt die Bundesregierung. Bundeskanzler Schröder hat Deutschland in die schwierigste wirtschaftliche Lage seit Jahrzehnten gebracht. Teils hat die Bundesregierung die offen zu Tage liegenden Ursachen nicht bekämpft, sondern nur zu verdecken versucht, teils hat sie durch vorsätzliche grobe Fehlentscheidungen die Ursachen für die heutige Krise selber gesetzt. CDU, CSU und FDP stellen fest, dass weder weltwirtschaftliche Einflüsse noch andere unabänderliche technologische oder kulturelle Entwicklungen taugliche Entschuldigungen für die schwierige Lage sind, in die das Land geraten ist. Die Krise ist in erster Linie hausgemacht und durch Rot-Grün zu verantworten.

 

  1. Der schnelle Rücktritt der Bundesregierung und Neuwahlen wären das Beste für das Land. Bis dahin nehmen die Fraktionen von CDU/CSU und FDP ihre Aufgabe als kritische und konstruktive Opposition im Bundestag und die von ihnen gestellten Landesregierungen ihre Aufgabe im Bundesrat als Teil eines Bundesorgans im Bewusstsein staatspolitischer Verantwortung wahr. Dazu gehört es, Kompromisse zu suchen, die geeignet sind, das Land in die von CDU, CSU und FDP für notwendig gehaltene Richtung voranzubringen. Dazu gehört ebenso, dass Formelkompromisse, Scheinlösungen und Verschiebeaktionen dem Land und seinen Bürgern nicht dienen, sondern in der augenblicklichen Krise erheblich schaden.

 

  1. Ohne eine grundlegende Erneuerung des gesamten Gemeinwesens wird Deutschland nicht aus der Krise heraus kommen können. Die Agenda 2010 des Bundeskanzlers reicht nicht aus, um neue Arbeitsplätze entstehen zu lassen. Uneinigkeit in der Koalition und der Druck des Gewerkschaftsflügels der SPD führen dazu, dass selbst diejenigen Vorhaben, die in die richtige Richtung weisen, verwässert werden. Die Regierung zeigt sich damit im Augenblick großer Herausforderungen in keiner Weise ausreichend handlungsfähig.

 

  1. CDU, CSU und FDP sind bereit, die dritte Stufe der Steuerreform auf 01.01.2004 vorzuziehen, unter der Voraussetzung einer tragfähigen Finanzierung. Die Einsparungsmaßnahmen müssen so gestaltet sein, dass eine steuerliche Nettoentlastung für Bürger und Wirtschaft entsteht. Eine Politik nach dem Prinzip „linke Tasche, rechte Tasche“ tragen CDU, CSU und FDP nicht mit. Sie sind sich darüber hinaus einig, dass die bisher von der Bundesregierung vorgeschlagene Finanzierung der vorgezogenen Steuerstufe 2005 zu rund 80 Prozent über Schulden gerade angesichts der Rekordverschuldung des Bundes und der wiederholten Verletzung der Maastricht-Grenze nicht den Erfordernissen einer seriösen Finanzpolitik entspricht. In der Gesamtbilanz der rot-grünen Gesetzesmaßnahmen kommt es nicht zu einer Entlastung, sondern zu milliardenschweren zusätzlichen Belastungen von Bürgern und Unternehmen.

    Die Bundesregierung muss sofort einen soliden Finanzierungsplan für das Vorziehen der bisher für 2005 beabsichtigten Steuerreformstufe auf 2004 vorlegen, auf dessen Basis im Rahmen der ordentlichen parlamentarischen Gremien und Verfahrenswege beraten werden kann.

 

  1. Das Vorziehen der dritten Steuerreformstufe muss mit einer durchgreifenden Modernisierung des Arbeitsmarktes verknüpft werden, um Wachstum und mehr Beschäftigung zu schaffen. CDU, CSU und FDP sind sich einig, dass Deutschland einen sofortigen Kurswechsel braucht. Die staatlichen Regeln für den Arbeitsmarkt müssen um ein Vielfaches flexibler werden. Die herkömmliche staatliche Bewirtschaftung des zweiten Arbeitsmarktes muss beendet und durch Regeln abgelöst werden, die konsequent auf die Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt ausgerichtet sind. Leistungen aus öffentlichen Kassen sollten davon abhängig gemacht werden, inwieweit der Empfänger bereit ist, eine Arbeit anzunehmen, wenn er dazu in der Lage ist. Grundsätzlich muss jede legale Arbeit zumutbar sein. Der von der  rot-grünen Koalition beschlossene faktische Mindestlohn für Arbeitslosengeld-II-Empfänger ist aufzuheben. Er versperrt den Weg zu bezahlter Arbeit, den wir dringend brauchen. Es kann nicht sein, dass ein Arbeitslosengeld-II-Empfänger eine Arbeit als unzumutbar ablehnt, während ein Empfänger von Arbeitslosengeld verpflichtet ist, eine untertarifliche bezahlte Arbeit anzunehmen. Es ist besser, niedrige Löhne durch staatliche Ausgleichszahlung aufzustocken, als durch hohe Einstellungshemmnisse verursachte Arbeitslosigkeit zu finanzieren.

    Die gesetzlichen Lohnnebenkosten müssen auf unter 40 Prozent reduziert, die sozialen Sicherungssysteme so umgebaut werden, dass Eigenverantwortung und Demographiefestigkeit einen viel höheren Stellenwert erhalten. Die Steuer- und Abgabenlast muss sinken und in einer großen Steuerreform mit einer grundlegenden Vereinfachung verbunden werden. Die Chance, zu einer Reform des Föderalismus zu kommen, die mit der Entzerrung von Kompetenzen und Mischfinanzierungen ernst macht, gilt es zu nutzen.

 

  1. CDU, CSU und FDP stimmen darin überein, dass nur durch umfassende Reformen, die für die politische Führung der größten Volkswirtschaft Europas eigentlich selbstverständlich sein müssten, das notwendige Maß an Vertrauen und Verlässlichkeit zurück gewonnen werden kann. Nur so kann auch wieder mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft geschaffen und der soziale Ausgleich auf ein finanziell verlässliches Fundament gestellt werden: Denn sozial ist, was Arbeit schafft. Eine Fortsetzung des rot-grünen Kurses wird zu weiteren allgemeinen Wohlstandsverlusten führen, die insbesondere die wirklich Schwachen in der Gesellschaft  treffen.

 

  1. CDU, CSU und FDP sind sich einig, dass wesentliche Elemente bei den Reformen zum Arbeitsmarkt u.a. eine Modernisierung der Tarifverfassung durch gesetzliche Öffnungsklauseln für betriebliche Bündnisse für Arbeit und Ausbildung, die Flexibilisierung des Kündigungsschutzes, die Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und die Ablehnung einer Konzentration der Zuständigkeiten für die zusammengelegte Arbeitslosen- und Sozialhilfe bei der Bundesanstalt für Arbeit sind.

 

  1. CDU, CSU und FDP stimmen darin überein, dass zum 01.01.2004 eine deutliche Verbesserung der kommunalen Finanzsituation herbeigeführt werden muss. Sie fordern die Absenkung der Gewerbesteuerumlage auf 20 Prozent, eine höhere Beteiligung der Kommunen an der Mehrwertsteuer und eine Entlastung der kommunalen Ebene bei den Ausgaben, vor allem bei der Sozialhilfe, der Grundsicherung und dem Kinder- und Jugendhilferecht. CDU, CSU und FDP lehnen die Einbeziehung der Freiberufler in die Gewerbesteuer und ihre Ausweitung auf substanzbesteuernde Elemente ab.

 

  1. CDU, CSU und FDP lehnen die kurzfristigen und kontraproduktiven Maßnahmen der Bundesregierung als Antwort auf die von Rot-Grün verschuldete Notlage der gesetzlichen Rentenversicherung ab. Maßnahmen wie willkürlich ausgesetzte Rentenanpassungen oder die Senkung der Schwankungsreserve sind nicht geeignet, das Vertrauen der Versicherten in die gesetzliche Alterssicherung wieder herzustellen. Zudem drohen dadurch weitere Beitragssteigerungen und höhere Verschuldung. Statt kurzfristiger Notmaßnahmen und einer Politik nach Kassenlage ist eine grundlegende Reform der gesetzlichen Rentenversicherung notwendig, die die Herausforderung der demographischen Entwicklung annimmt, die Familien stärkt und den Bürgern wieder eine langfristige, verlässliche Planung ihrer Alterssicherung gewährleistet.

 

10.  CDU, CSU und FDP lehnen eine Ausbildungsplatzabgabe ab, diese würde Arbeitsplätze und weitere Ausbildungsplätze in Deutschland vernichten. Sie wäre eine faktische Steuererhöhung, schafft neue Bürokratie und gefährdet das duale Ausbildungssystem.