D a s L i b e r a l e T a g e b u c h |
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Sammlung
Originaldokumente aus Das Liberale Tagebuch, (http://www.dr-trier.de) |
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_________________________________________________________________ Das Präsidium der Freien
Demokratischen Partei hat auf seiner Sitzung am 6. Oktober 2003
beschlossen: Deutschland braucht ein neues Steuerrecht: Das geltende Steuerrecht ist kaum noch verständlich, die
Steuerbelastung unerträglich hoch. Dazu hat die rot-grüne Koalition in den
letzten Jahren kräftig beigetragen. Bürger und Unternehmer akzeptieren
Steuern nur in maßvoller und berechenbarer Höhe. Die Besteuerungsgrundlagen
müssen zudem verständlich und verlässlich sein. Beides ist heute nicht der
Fall. Um den Teufelskreis zu hoher Steuersätze, umfangreicher
Ausnahmeregelungen, komplizierter Gesetze und wachsender Steuerwiderstände
der Bürger und Unternehmen zu durchbrechen, muss Schluss sein mit laufend
neuen, unsystematischen Reformversuchen. Deutschland braucht ein neues
Steuerrecht, das einfach, niedrig und gerecht ist. Über vier Millionen Arbeitslose und ein immer härterer
internationaler Standortwettbewerb zwingen zu einem radikalen Neuanfang.
Andere Länder machen es vor: Runter mit der Steuerbürokratie, den
Steuersätzen und der Steuerbelastung hat dort zu wirtschaftlicher Dynamik und
damit zu mehr Arbeitsplätzen und geordneten Staatsfinanzen geführt. Die FDP will das Steuerrecht radikal
vereinfachen Wenn man das ‚Steuern mit Steuern‘ nicht aufgibt, wird das
Steuerrecht immer undurchsichtiger und ungerechter. Es nützt dann nur noch
den Cleveren und jenen, die sich die beste steuerliche Beratung leisten
können. Die FDP setzt sich daher mit Priorität für eine radikale
Vereinfachung des Steuerrechts in dieser Legislaturperiode ein. Sie wird
hierzu auf der Grundlage der nachfolgenden Eckpunkte einen von Dr. Hermann
Otto Solms erarbeiteten eigenen Gesetzentwurf in den Deutschen Bundestag einbringen: ·
Die FDP will die Steuererklärung
auf einem Blatt Papier für jedermann ermöglichen. ·
Kernstück eines modernen
Einkommensteuerrechts ist die weitgehende Gleichbehandlung sämtlicher
Einkünfte. Die Besteuerung wird damit rechtsformneutral. ·
Die FDP will den für die
Steuerzahler nur schwer ermittelbaren, international unbekannten linear-progressiven
Steuertarif durch einen Stufentarif ersetzen. ·
Für die Alterseinkünfte wird die
nachgelagerte Besteuerung eingeführt. Soweit Beiträge zur gesetzlichen und
privaten Altersvorsorge steuerlich abzugsfähig sind, müssen daraus
resultierende Alterseinkünfte beim Zufluss versteuert werden. ·
Das Einkommensteuerrecht wird im
Übrigen durch Pauschalierung und den Wegfall von Sondertatbeständen,
Steuerbefreiungen und Steuervergünstigungen radikal vereinfacht. ·
Staatliche Förderung bestimmter
Zwecke erfolgt künftig durch direkte, zeitlich jeweils von vornherein
befristete bzw. degressiv ausgestaltete Zahlungen. Das schafft mehr
Transparenz und zwingt Leistungsempfänger und den Staat laufend zur
Rechtfertigung der Fördermaßnahme. ·
Voraussetzung und Folge der
Gleichbehandlung aller Einkunftsarten ist der Wegfall der bürokratisch
aufwendigen und für die Kommunen aufgrund ihrer konjunkturellen Abhängigkeit
unsicheren Gewerbesteuer. Die FDP schlägt als Ersatz hierfür ein
Zwei-Säulen-Konzept aus einem erhöhten Anteil der Kommunen an der
Umsatzsteuer und einem Zuschlagsrecht auf die Lohn-, Einkommen- und Körperschaftsteuer
vor. Als Übergangslösung zur Behebung der akuten Finanznöte der Städte und
Gemeinden spricht sich die FDP für eine befristete Umsetzung des vom
Bundesrat vorgelegten Sofortprogramms aus. Die FDP will die Steuersätze und die
Steuerlast senken ·
Die FDP hält an der Besteuerung
nach der Leistungsfähigkeit fest und will einen Einkommensteuertarif mit den
drei Stufen 15 %, 25 % und 35 % durchsetzen. Dieser Tarif führt zu einer
gerechten und damit akzeptablen Belastung. Sprünge in der Belastungswirkung
gibt es nicht, weil der nächst höhere Steuersatz nur auf die jeweiligen die
Grenzen von 15.000 € bzw. 40.000 € übersteigenden Beträge des zu
versteuernden Einkommens berechnet wird. Der Stufentarif gilt auch für Kapitalgesellschaften
und sonstige Körperschaften. ·
Zur Freistellung des
Existenzminimums soll künftig für jeden Bürger, also auch für jedes Kind, ein
einheitlicher Grundfreibetrag von 7.500 € gelten. Der besonderen Belastung
von Familien wird durch diese Verdoppelung des Freibetrags für Kinder Rechnung
getragen. Das Kindergeld wird entsprechend erhöht. ·
Mit Blick auf eine europaweit
einheitliche Besteuerung werden Zinsen durch eine an der Quelle einheitlich
erhobene Abgeltungsteuer von 25 % besteuert. Beim Einkunftsbezieher erfolgt
die Anrechnung. ·
Die FDP strebt mit dem
niedrigeren Steuertarif eine möglichst hohe Netto- Entlastung der
Steuerzahler an, ohne die längst überfällige Konsolidierung der öffentlichen Haushalte
zu gefährden. Hierzu muss sich der Staat durch nachhaltigen Subventionsabbau,
konsequente Deregulierung und umfassende Privatisierung aus vielen Bereichen
zurückziehen, in denen er heute kostenträchtig tätig ist. In diesem
Zusammenhang halten wir die Vorschläge der Ministerpräsidenten Koch und
Steinbrück für nicht ausreichend und nicht mutig genug. ·
Steuerentlastung durch weniger
Staat und nicht auf Pump will die FDP auch beim Vorziehen der dritten Stufe
der Steuerreform um ein Jahr erreichen. Sie fordert die Bundesregierung auf,
ihre bislang völlig unzureichenden Finanzierungsvorschläge zu überarbeiten.
Die FDP hält es für notwendig, dass mindestens zwei Drittel der
Einnahmeausfälle durch einmalige Privatisierungserlöse und nachhaltig wirkenden
Abbau von Finanzhilfen und Zuwendungen erwirtschaftet werden. Sie hat hierzu
bereits entsprechende Anträge in die laufenden Beratungen des Deutschen Bundestages
eingebracht. Die FDP schafft mit dem neuen Steuerrecht mehr
Transparenz, macht es für jedermann verständlich, beseitigt
Steuerschlupflöcher und erhöht damit die Steuerakzeptanz. Die Bürger werden
steuerlich erheblich entlastet und erhalten somit Gestaltungsmöglichkeiten zurück.
Die FDP stärkt mit dem neuen Steuerrecht die Freiheit des Einzelnen, gibt ihm
wieder mehr Möglichkeiten zur Eigenverantwortung und sorgt für nachhaltigen
Bürokratieabbau. |