D a
s L i b e r
a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Höhere Diäten, klarere Regeln Kommentar des Liberalen
Tagebuches, siehe unten. KStA, Stefan Sauer, 04.01.05, 22:11h Mit Leidenschaft bei der Sache, qualifiziert, finanziell
unabhängig und stets dem kategorischen Imperativ Immanuel Kants folgend, das
eigene Verhalten möge als Richtschnur taugen für das aller anderen - so ließe
sich der ideale Politiker zeichnen. Das Bild manch real existierenden
Volksvertreters offenbart andere Nuancen. Man nimmt Geld fürs Nichtstun,
vertritt Lobbyinteressen anstelle des Gemeinwohls und hält Kant für den
Torwart von Bayern München. Zum einen ist das so, weil Politiker auch nur
Menschen sind. Zum anderen verführt das Regelwerk für Parlamentarier zur
Heimlichtuerei. Derzeit erhalten Bundestagsabgeordnete zu versteuernde
7009 Euro im Monat; gemessen an der allgemeinen Lohn- und Gehaltsentwicklung
seit 1977 müssten die Diäten um 950 Euro höher liegen. Dazu kommt eine
steuerfreie Aufwandspauschale von monatlich 3551 Euro, mit der unter anderem
die Zweitwohnung in Berlin und das Wahlkreisbüro vor Ort finanziert werden.
Bundestagsabgeordnete sind gesetzlich oder privat kranken- und
pflegeversichert, nicht aber renten- und arbeitslosenversichert. Nach acht
Jahren Parlament steht ihnen eine Altersentschädigung zu. Wer engagiertes, fachkundiges, unabhängiges Personal in
den Volksvertretungen anzutreffen wünscht, muss es angemessen bezahlen. Das
geschieht aber nicht. Einfache Abgeordnete verdienen nicht halb so viel wie
mittelstädtische Sparkassenvorstände. Der daraus resultierende Vorschlag, die
Diäten zu verdoppeln, ja zu verdreifachen, wäre alles andere als
sittenwidrig. Zugleich müssten die Parlamentarier obligatorisch für das Alter
vorsorgen und in die Arbeitslosenversicherung einzahlen. Ein Stück
Gleichbehandlung, auch hinsichtlich der Wirkung selbst beschlossener Gesetze,
wäre erreicht. Das Fatale ist: Kein Politiker wagt einen solchen Vorstoß,
weil er zu Recht das öffentliche Echo fürchtet. Also verdient man „hinzu“ -
je unbeachteter, desto besser. Zwar ist gegen die Ausübung des früheren
Berufs nichts einzuwenden. Allerdings sollte der Umfang der Nebentätigkeit
die Parlamentsarbeit nicht beeinträchtigen. Und selbstverständlich dürfen
Gehälter nicht ohne Arbeitsleistung fließen. Der Fall Arentz erhellt, zu welch abstrusem Fehlverhalten
die Mixtur aus niedrigen Diäten, latent schlechtem Gewissen und Erwerbstrieb
führen kann: Er habe, sagte Arentz kurz vor seinem Rücktritt als Chef des
CDU-Arbeitnehmerflügels, durch das zusätzliche Jahresgehalt der RWE von 60
000 Euro seine „finanzielle Unabhängigkeit“ bewahren wollen. Wie es in
energiewirtschaftlichen Fragen um seine politische Unabhängigkeit bestellt
gewesen sein mag, lässt sich nur vermuten. Gegen ein Rückkehrrecht auf den früheren Arbeitsplatz in
der freien Wirtschaft oder als Beamter ist nichts zu sagen. Gegen Zahlungen
ohne erkennbare Arbeitsleistung schon, weil der Verdacht politischer
Gefälligkeit nicht auszuräumen ist. Wenn hinzuverdient wird, muss dies so
offen gelegt werden, dass es Plakatierung nahe kommt. Wer weiß schon, dass
die Nebenverdienste beim Bundestagspräsidium erfragt werden können? Das Liberale Tagebuch: „Hinzuverdienst veröffentlichen“, ein respektabler
Standpunkt. Gläserne Menschen? Daher besser: So zahlen, dass jeglicher Hinzuverdienst
uninteressant wird. Außerdem
arbeiten Führungskräfte der Klasse 300 -600 K€/Jahre grundsätzlich full-time für ihren Arbeitgeber. Hoher Lohn, hohe
Leistung. Nehmen wir den Fall von Ulrike Flach (FDP, also entfällt der
Verdacht billiger Polemik). 60 K€/Jahr für Übersetzungen. À 0,4 €/Zeile sind
120.000 Zeilen gleich 5000 Seiten (6 Ordner) à 30 Zeilen. Das erfordert eine
Menge Zeit: 20 Sek/Zeile macht 660 Stunden/Jahr,
also rund 25% „normaler“ Politiker-Jahresarbeitszeit auf der Basis einer 60
Stunden-Woche. Auf die viele Zeit für den Politik-Betrieb verzichten? Nein. Das Land braucht gut bezahlte Gewählte, die in der
Sozialversicherung ihren Wählern gleichgestellt sind. Und die ihre
Zusatzeinkünfte regelmäßig veröffentlichen. stefan.sauer@mds.de |