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s L i b e r a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Deutschland braucht den Wechsel Gemeinsame
Erklärung der Vorsitzenden von CDU, CSU und FDP vom 1.
September 2005 Rot-Grün hinterlässt nach sieben Jahren
Regierungsverantwortung eine dramatische Schlussbilanz: Knapp 5 Millionen
Menschen sind offiziell arbeitslos. Hinzu kommen über 1,3 Millionen Menschen,
die sich in Betreuungsprogrammen der Arbeitsverwaltung befinden sowie weitere
Hunderttausende, die sich enttäuscht zurückgezogen haben. Fast 7 Millionen
Menschen ohne Arbeit: das ist die höchste Zahl seit Bestehen der
Bundesrepublik. Zum fatalen Erbe von 7 Jahren rot-grüner Regierungspolitik
gehört auch: Deutschland ist zum wirtschaftlichen Schlusslicht in Europa
geworden. In diesem Jahr wird das Wachstum voraussichtlich erneut unter 1
Prozent bleiben. Es droht also die Rückkehr zum faktischen Stillstand der
letzten Jahre. Alle 15 Minuten geht in Deutschland eine Firma Pleite. Unser
Land zehrt von der Substanz. Seit 2002 sind die öffentlichen Finanzen völlig aus dem
Ruder gelaufen. Trotz niedriger Zinsen wird die Zinslast in den kommenden
vier Jahren etwa doppelt so schnell steigen wie die Steuereinnahmen. In jeder
Stunde eines Tages kommen zu dem bestehenden Schuldenberg 6 Millionen Euro
neue Schulden hinzu. Rot-Grün hat das Tafelsilber der Bundesrepublik
verschleudert und alle finanziellen Spielräume blockiert. Diese Hypothek
lastet schwer auf Deutschlands Zukunft. Durch Rot-Grün ist ein verheerender Vertrauensverlust für
die Politik entstanden. Rot-Grün steht für gebrochene Versprechen, für
unklaren Zick-Zack-Kurs und für unprofessionelles ständiges Nachbessern.
Viele Menschen haben dadurch das Vertrauen in die Politik verloren. Wahlenthaltung oder die Unterstützung von Protestparteien
am Rande des politischen Spektrums lösen keine Probleme, sondern werfen unser
Land weiter zurück. Die Protestparteien versprechen das Blaue vom Himmel ohne
jede Gegenfinanzierung. Eine rot-rot-grüne Koalition würde einen Wechsel hin
zu einer realistischen Politik für mehr Arbeitsplätze, für mehr Wachstum und
für solide Staatsfinanzen und damit für eine fundierte, verlässliche soziale
Sicherheit endgültig verbauen. Nur ein klarer Kurswechsel kann Deutschland
vor dem Abstieg bewahren und zu neuer Stärke führen. Bei der Bundestagswahl steht deshalb viel auf dem Spiel.
Ein „Weiter so“ kann sich unser Land nicht leisten, einen Linksruck schon gar
nicht. Deutschland braucht den Wechsel. CDU, CSU und FDP treten an, um eine Koalition des
Aufbruchs zu bilden und unser Land aus seiner tiefen Krise zu führen.
Gemeinsam wollen wir die Chancen Deutschlands nutzen, damit mehr Wachstum und
mehr Arbeit entstehen können. Unser Kurs wird berechenbar und verlässlich
sein. Wir treten an, damit die Menschen in Deutschland wieder erfolgreich
ihre Chancen wahrnehmen können. Es geht um die Jungen, die ihren Weg in das
Berufsleben suchen. Es geht um die Mütter und Väter, die wirtschaftliche
Sicherheit für ihre Familien brauchen. Es geht um die älteren Arbeitnehmer,
auf deren Erfahrung unsere Gesellschaft nicht verzichten kann. Und es geht um
die alten Menschen, die sich ein langes Arbeitsleben hindurch ein Recht auf
einen gesicherten Lebensabend erworben haben. Um sofort handlungsfähig zu sein, werden wir nach
gewonnener Bundestagswahl Koalitionsverhandlungen rasch zum Abschluss
bringen. CDU, CSU und FDP setzen für das Regierungshandeln in den
vor uns liegenden Jahren klare Prioritäten. Vorrangig werden wir folgende
zentralen Aufgaben angehen: 1. Arbeit hat Vorfahrt Unser erstes und wichtigstes Ziel ist die Belebung des
Arbeitsmarktes in Deutschland. Die dringend notwendigen Impulse auf dem
Arbeitsmarkt müssen wir von zwei Seiten anpacken: Wegräumen von Blockaden auf
dem Arbeitsmarkt und Weichenstellungen für mehr Wachstum. Denn Arbeit schafft Wachstum und Wachstum schafft Arbeit –
deswegen packen wir beides an: Wir sagen den Menschen ehrlich, dass Probleme noch nie
gelöst wurden, indem weniger gearbeitet wurde. Die demografische
Herausforderung bewältigen, Wohlstand und soziale Sicherheit im globalen
Wettbewerb verteidigen, fordert mehr, nicht weniger Arbeit. Wir wollen
gemeinsam Arbeit sichern: Wir bauen Bürokratie ab, die Wachstum lähmt. Wir
beseitigen Einstellungshürden durch einen flexiblen Kündigungsschutz. Wir
treten für faire Wettbewerbsbedingungen in der erweiterten EU ein. So entstehen
neue Chancen für Arbeit. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen vor Ort in
betrieblichen Bündnissen selbst entscheiden, was für sie am besten ist. CDU,
CSU und FDP sind im Ziel einig, die Lohnzusatzkosten zu senken. Je länger Menschen arbeitslos sind, desto schwieriger ist
es für sie, wieder den Einstieg zu schaffen. Die Dauer der Arbeitslosigkeit
ist in Deutschland länger als in unseren Nachbarländern, viele Menschen
werden allzu schnell als „nicht vermittelbar“ aufgegeben oder in ebenso
unwirksame wie kostspielige Programme gedrängt. Die Bundesagentur muss
grundlegend reformiert und so die Arbeitsvermittlung verbessert werden. Wir
werden die bisherigen weitestgehend erfolglosen Weiterbildungs- und
Fördermaßnahmen – wie z.B. die Ich-AGs – beenden und eine Brücke hin zum
ersten Arbeitsmarkt schaffen. Dies bewirkt, dass dem Grundsatz „wer arbeitet
muss mehr haben, als wenn er nicht arbeitet“ endlich wieder zur Geltung
verholfen wird. Wachstumsblockaden weg zu räumen heißt zuallererst,
Bürokratie rigoros abzubauen. Die Bürger in Deutschland erleben die
Bürokratie zunehmend als Blockierer – ob es um eine gute Idee, eine neue
Existenz, eine wichtige Investition oder das alltägliche Leben geht. Das
trifft nicht zuletzt den Mittelstand, für den der bürokratische Aufwand zu
einem echten Kostenfaktor geworden ist. Wir werden konsequent die Bürokratie
in Deutschland entrümpeln. Die Genehmigung einer Unternehmensgründung soll
durchschnittlich in einer Woche möglich sein. Zudem werden wir den
Bundesländern weit reichende Experimentier- und Öffnungsklauseln einräumen.
Auf europäischer Ebene unterstützen wir das Ziel der Lissabon Strategie,
künftige EU-Vorhaben konsequent auf die Ziele Wachstum und Beschäftigung auszurichten
und einer gründlichen Gesetzesfolgenabschätzung zu unterziehen. Auch das
geltende Gemeinschaftsrecht muss mit dem Ziel der Vereinfachung und des
Abbaus belastender Vorgaben überarbeitet werden. 2. Neue Steuergesetzgebung Deutschland braucht einen steuerpolitischen Neuanfang.
CDU, CSU und FDP verfolgen gemeinsam das Ziel, das deutsche Steuerrecht
grundlegend neu zu formulieren. Wir wollen ein Steuerrecht, das wesentlich
einfacher ist, das mit niedrigeren Sätzen auskommt, das auch im
internationalen Wettbewerb bestehen kann und das vom Steuerzahler als gerecht
empfunden wird. Bereits im kommenden Jahr werden CDU, CSU und FDP ein
neues Einkommens- und Körperschaftssteuerrecht verabschieden, um es 2007 in
Kraft treten zu lassen. Wir werden die zahllosen Ausnahmen im Steuerrecht
weitestgehend beseitigen und Steuerschlupflöcher schließen. Wir sorgen dafür,
dass die Steuersätze nicht nur auf dem Papier stehen, sondern dass
tatsächlich alle ihre Steuern bezahlen. Um den Generationenwechsel im
Mittelstand zu erleichtern, wird bereits zum 1.1.2006 die Erbschaftssteuer
gestundet und im Fall der Unternehmensfortführung über 10 Jahre hinweg ganz
gestrichen. Für die Menschen muss die Einkommenssteuererklärung
radikal vereinfacht werden. Es darf nicht mehr einigen wenigen Steuerexperten
vorbehalten sein, unser Steuersystem zu durchschauen. Jeder muss in die Lage
versetzt werden, seine Steuererklärung selber leisten zu können. 3. Solide Haushaltspolitik Eine aus CDU, CSU und FDP gebildete Koalition des
Aufbruchs wird endlich die Verschuldungsfrage zu einer Generationenfrage
machen. Das heißt konkret in der Finanz- und Haushaltspolitik, dass wir den
Generationenvertrag in beide Richtungen auslegen: So wie wir die
Lebensleistungen der älteren Generation zu achten und gegen Angriffe zu
verteidigen haben, müssen wir ebenso die Chancen der Jungen und Ungeborenen
bewahren. Wechsel zu Lasten kommender Generationen wird es deshalb nicht mehr
geben. Deutschland braucht einen Konsolidierungskurs. Wir werden
deshalb sparen und umschichten. Unser Ziel ist es, innerhalb der neuen
Legislaturperiode den Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt einzuhalten
und die Neuverschuldung bis spätestens zum Jahr 2013 auf Null zu fahren. Das heißt drittens, dass wir die von Rot-Grün zum
Scheitern gebrachte Föderalismusreform dazu nutzen werden, endlich klare
Zuständigkeiten zwischen dem Bund und den Ländern zu schaffen; Mischfinanzierungen
werden wir umfassend zurückführen. So wie die Bundesländer ein existentielles
Interesse an finanzstarken Kommunen haben, hat der Bund ein Interesse an
verfassungskonformen Haushalten in den Ländern. Die bestehende
Verschuldungsspirale muss auf allen Ebenen durchbrochen und durch eine
gemeinsame Konsolidierungsanstrengung ersetzt werden. 4. Priorität für Familien Wir machen die Familienpolitik zu einer echten
Querschnittsaufgabe deutscher Politik. Wir bekennen uns zu dem Ziel, die
Voraussetzungen für ein Leben mit Kindern zu verbessern. CDU, CSU und FDP werden schnell gemeinsam neue Akzente in
der Politik für Familien mit Kindern setzen. Wir wollen erreichen, dass das,
was Familien für den Lebensunterhalt und für die Erziehung von Kindern
aufwenden müssen, von jeder Besteuerung freigestellt bleibt. Dazu werden wir
einen einheitlichen Grundfreibetrag pro Familienmitglied einführen. Die Haushaltssanierung machen wir zu einer
Generationenfrage. Es muss Schluss sein damit, dass Lasten von heute auf noch
ungeborene Generationen verlagert werden. 5. Innovationskraft Deutschlands stärken Wir wissen: neue Ideen schaffen neue Produkte und neue
Produkte bringen neue Arbeitsplätze. Deshalb werden wir auf breiter Front
Innovationen fördern. Eine von der Union und der FDP gestellte Bundesregierung
wird den Haushalt umschichten, um die jährlichen Investitionen in Forschung
und Entwicklung endlich wieder zu steigern. Unser gemeinsames Ziel ist es, ab
2010 einen Anteil von 3 Prozent des Bruttoinlandproduktes jährlich in
Forschung und Entwicklung zu investieren. Wir werden den Wettbewerb um die besten Köpfe annehmen und
nicht länger akzeptieren, dass unsere jungen Talente dauerhaft vom Ausland
abgeworben werden. Deutschland muss wieder zu einem Magneten für Erfinder und
Wissenschaftler werden. Das erfordert exzellente Forschungsbedingungen. Innovationen und Erfindungen müssen nicht nur in unseren
Laboren und Hochschulen geboren, sondern auch in Deutschland zur Marktreife
gebracht werden. Das bedingt eine Vernetzung der Hochschulen und
wissenschaftlichen Einrichtungen mit Firmen und Kapitalgebern. Wir werden
eine Kultur der Selbstständigkeit auch in diesem Bereich unterstützen. Die bevorstehende Bundestagswahl ist keine Wahl wie
andere. Deutschland steht bei dieser Wahl an einem Scheideweg. Die Wähler
haben zu entscheiden, ob es mit unserem Land unter einer rot-rot-grünen
Bundesregierung immer weiter abwärts geht – oder ob CDU, CSU und FDP die
Chance erhalten, unser Land wieder nach vorne zu bringen. Andere,
vergleichbare Länder in Europa sind diesen Weg erfolgreich gegangen. Wir sind
fest davon überzeugt: Auch Deutschland kann mit einem Politik-wechsel den Weg
aus der Krise finden. In diesen Wahlkampfwochen werben wir um das Vertrauen
der Bürgerinnen und Bürger in den von uns aufgezeigten Weg. |