D a s L i b e r a l e T a g e b u c h |
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Sammlung
Originaldokumente aus Das Liberale Tagebuch, (http://www.dr-trier.de) |
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Deutschlandfunk Interview, 26. Januar 2004 um 8:18 Union
will keinen eigenen Entwurf für Steuergesetz vorlegen Aus dem Süden der Republik: Das
krachlederne Interview zur Steuerreform mit dem CSU-Chef Edmund Stoiber Klaus Remme: Wer geglaubt hatte, mit den Gesetzen zum Ende des vergangenen Jahres sei nun erst mal Ruhe an der deutschen Reformfront, der sah sich kurz nach Neujahr gründlich getäuscht. Die Union gab das Tempo vor und drängte auf eine große Steuerreform noch in diesem Jahr. Ein Konzept der CDU liegt schon seit längerem vor und spätestens seitdem der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber vor einigen Wochen in Wildbad Kreuth sein Konzept präsentierte, wurden die Unterschiede deutlich: in der Systematik, in den Steuersätzen, in der angestrebten Gesamtentlas-tung. Gestern Abend nun haben sich die Parteispitzen der
Union zusammengesetzt, um auf einen Nen-ner zu kommen. Am Telefon begrüße ich
den CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsi-denten Edmund Stoiber.
Guten Morgen! Edmund Stoiber:
Guten Morgen! Remme: Herr
Stoiber, können wir seit gestern Abend von einem Steuerreformkonzept der
Uni-on sprechen? Stoiber: Ja, das
kann man sicherlich. Natürlich sind noch eine ganze Reihe von Detailfragen im
Gespräch der Steuerfachleute zu behandeln, aber wir haben uns gestern darauf
geeinigt und ver-ständigt, dass wir noch in diesem Jahr ein völlig neues
Steuerrecht fordern. Wir werden auch ent-sprechende Leitsätze vorlegen. Das
heißt vor allen Dingen eine radikale Vereinfachung und eine durchaus auch
noch respektable Entlastung in der Größenordnung von 10 Milliarden Euro. Aber
wir haben uns nicht nur auf die Einkommenssteuer und die Körperschaftssteuer,
also auf den ra-dikalen Neuanfang verständigt, sondern wir haben uns auch
verständigt, dass wir den Kommunen ein Angebot machen, die Gewerbesteuer
abzuschaffen, aber dafür ein entsprechendes Äquiva-lent, eine ansprechende
Einnahme für die Kommunen zu schaffen, damit wir hier auch die
Kom-pliziertheit der unterschiedlichen Steuerarten abschaffen. Wir haben uns
auf eine Erbschaftssteu-ernovellierung in der Gestalt verständigt, dass für
Betriebsnachfolger eben die Erbschaftssteuer gestundet werden soll, wenn sie
den Betrieb weiterführen, und wenn sie ihn 10 Jahre weiterfüh-ren, dass dann
die Steuer völlig entfallen soll. Das soll Erben die Chance geben, ohne
Belastung durch die Erbschaftssteuer den Betrieb fortzuführen. Remme: Bevor zu
viele Details kommen, Herr Stoiber. Ich will bei einer Größe bleiben, die Sie
gerade genannt haben, diese 10 Milliarden. Da war es ja nun eine etwas
unterschiedliche Angabe in der Größenordnung. Herr Merz wollte eingangs über
20 Milliarden einsparen, hat dann selber Skepsis angedeutet. Diese Zahl ist
vom Tisch? Stoiber: Ja gut,
wir gehen eben von dieser Größenordnung aus. Wissen Sie, man muss sich ja
immer vor Augen halten: was haben denn Bund, Länder und Kommunen an
Steuereinnahmen. Das sind ja etwa so 570 Milliarden, die die öffentliche Hand
hat. Hier 10 Milliarden einzusparen, das ist natürlich eine Summe, die ohne
Weiteres machbar und notwendig ist. Denn wenn man ein radikales Steuerrecht
neu schafft, muss man letzten Endes neben der Vereinfachung auch ein Stück
Entlastung haben. Wir müssen diese Neuordnung der Steuer jetzt machen,
in diesem Jahr machen, denn wenn wir überhaupt eine Chance haben wollen, den
Aufschwung herbeizuführen, eine konjunkturelle Lage zu verändern, dann
brauchen wir insbesondere eben diese vereinfachte Steuer, weil am 1. Mai vor
allen Dingen ja neue Konkurrenten zur Europäischen Union kommen. Das darf
nicht vergessen werden, dass die neuen Länder in Osteuropa alle sehr einfache
neue Steuerrechtssysteme ge-schaffen haben, die natürlich für ausländische
Investoren interessant sind. Unsere Situation ist eben deswegen schwieriger,
weil unser Steuerrecht für ausländische Investoren im besonderen Maße zu
kompliziert ist und deswegen oft der Umweg gegangen wird in andere Länder. Remme: Wenn es um
die Machbarkeit einer Reform geht, um die Finanzierbarkeit, dann ist die
Gegenfinanzierung ja keine Sache von Details, auch wenn sie aus vielen
Einzelpunkten bestehen mag. Friedrich Merz hat mit Blick auf das CSU-Konzept
immer eine gewisse mangelnde Bereit-schaft kritisiert, Subventionen zu
kürzen. Das bayerische Konzept, Ihr Konzept pocht zum Beispiel auf die
Pendlerpauschale, auf die Eigenheimzulage. Wird es bei diesen Bereichen
bleiben? Stoiber: Wissen
Sie, die Eigenheimzulage ist jetzt nicht das Thema. Wenn man eine große
Steuerreform macht, dann muss man selbstverständlich alle Steuersubventionen
oder alle steuer-lichen Erleichterungen auf den Prüfstand stellen. Das ist
keine Frage. Bei der Pendlerpauschale - das ist ein Detailthema - da sind wir
nach wie vor der Meinung, dass das keine Steuersubvention ist, sondern dass
das echte Werbungskosten sind für den Arbeitnehmer, für die Arbeitnehmerin,
denn er braucht eben entsprechende Kosten, um zur Arbeit zu kommen. Das sind aber Fragen, die jetzt nicht im Mittelpunkt
stehen, sondern im Mittelpunkt steht zunächst einmal: wir wollen in diesem Jahr,
wir bieten der Regierung klare Positionen an. Die Regierung muss jetzt
endlich einmal erklären, was sie will. Sie muss selber sagen ja, wir wollen
eine radikale Vereinfachung. Dann ist es an der Regierung, einen
Gesetzesentwurf vorzulegen. Wir werden am 7. März, die Präsidien von CDU und
CSU, eben Leitsätze vorlegen, auf die sich die Fachleute dann noch im Detail
im Laufe des Februar verständigen werden. Remme: Aber auch
da ist es, was die Sache der Vereinfachung angeht, ja nicht nur eine
De-tailfrage. In den beiden Konzepten wurde eine unterschiedliche Systematik
angestrebt und das Bestechende an der Idee von Friedrich Merz, diese 12, 24,
36 Stufen, ist natürlich, dass das jeder nachvollziehen kann, wenn es auch
sehr teuer ist. Hat man sich da auf ein Modell geeinigt? Stoiber: Nein.
Das ist gestern noch nicht Gegenstand gewesen. Natürlich ist aber in der
Ver-einbarung, dass wir einen Neuanfang wollen, völlig klar, dass wir
selbstverständlich bereit sind, alles was dem dient auch dann mitzuschaffen,
wobei wir nicht grundsätzliche Einwendungen ge-gen das Stufenmodell hatten,
sondern nur finanzielle Einwendungen. Wir waren und sind der Mei-nung, dass
das eben wesentlich teurer ist, mehr Steuerausfälle bedeutet. Aber das muss
jetzt im Einzelnen eben berechnet werden mit den klaren Zahlen und dann
werden wir am 7. März eben die Entscheidung treffen. Remme: Herr
Stoiber, aber Vereinfachung und einen niedrigeren Steuersatz den wollen doch
CDU und CSU seit Wochen. Was ist seit gestern Abend neu? Stoiber: Neu ist
halt, dass wir uns jetzt darauf verständigt haben, dass wir eben in diesem
Jahr Leitsätze vorlegen werden, dass wir keinen eigenen Gesetzentwurf
vorlegen, sondern den muss die Bundesregierung vorlegen und sie muss im
Übrigen erst mal erklären, ob sie hier mitmachen will. Die Opposition, die
CDU/CSU, hat sich eben auf die Grundrichtung verständigt, bietet jetzt hier
klar und deutlich an, mit entscheiden zu wollen in der Entwicklung
Deutschlands, was das Steuerrecht anbelangt. Eine so kooperative Opposition
muss ich ganz offen sagen hat es in den letzten Jahrzehnten gerade auch in so
entscheidenden Fragen nicht gegeben. Wir sagen hier sehr deutlich, wir wollen
hier Vorstellungen entwickeln, wir legen sie vor, Regierung, du hast die
große Chance, jetzt mit der Opposition ein großes Steuervereinfachungsgesetz,
eine Steuerstrukturre-form zu schaffen. Jetzt liegt es an der Regierung, hier
klar und deutlich zu sagen, wo sie hin will. Die Details, ob Stufen- oder
linearprogressiver Tarif oder Ähnliches, das ist wie gesagt für uns keine
Glaubensfrage. Das ist eine Frage der Machbarkeit. Wenn das machbar ist, dann
sind wir natürlich gemeinsam willens und in der Lage, auch hier Konzepte zu
entwickeln. Remme:
Abschließend, Herr Stoiber: In der Ankündigung gestern hieß es, Sie wollten
das Wahljahr 2004 gemeinsam vorbereiten. Da ist vermutlich nicht nur über
Steuern gesprochen wor-den. Sind Sie auch einem gemeinsamen Kandidaten für
das Amt des Bundespräsidenten näher gekommen? Stoiber: Nein.
Das war gestern nicht das Thema. Das ist am Rande behandelt worden, aber wir
haben ja nun eine klare Vereinbarung und Abmachung mit der FDP, dass wir
einen gemeinsamen Kandidaten oder eine gemeinsame Kandidatin im März benennen
wollen. CDU und CSU halten sich an diese Absprachen, an diese Vereinbarung.
Wir als CDU/CSU werden uns jedenfalls im März verständigen, allerdings nicht
auf dem Tableau der Öffentlichkeit, sondern wenn wir als CDU/CSU uns
verständigt haben, dann werden wir zunächst mit der FDP sprechen. Remme: Edmund Stoiber war das, der CSU-Vorsitzende. - Herr Stoiber, ich bedanke mich für das Gespräch! |