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Anmerkung: Passagen, die das Thema Privatisierung behandeln, sind rot gekennzeichnet
CDU / CSU
Leistung
und Sicherheit Zeit für Taten
Regierungsprogramm
2002/2006
Unsere Projekte für Deutschland
0. Präambel
1. Arbeit und Wohlstand für alle
● Motor für Wachstum und
Arbeitsplätze: Programm „3 mal 40“
● Steuerpolitik: gerecht und
leistungsfördernd
● Arbeitsmarkt: Chancen
fördern, Hemmnisse abbauen
● Zur Selbständigkeit
ermutigen, Mittelstand stärken
● Forschung auf Spitzenniveau
- Innovationsoffensive für Deutschland
● Bildung: Fundament für die
Zukunft unserer Gesellschaft
● Vertrauenswürdige,
investitionsfreundliche Haushaltspolitik
2. Im Osten was Neues
3. Ein menschliches Deutschland
gestalten
● Vorrang für Familien
● Gleichberechtigung
verwirklichen
● Partnerschaft der
Generationen
● Gesundheit ist ein hohes Gut
4. Sicherheit für alle - überall in
Deutschland
● Kriminalität und Gewalt
entschlossen bekämpfen
● Freiheit und Recht gegen den
Terror verteidigen
5. Lebenswerte Umwelt und gesunde
Ernährung - für uns und unsere Kinder
● Verlässlicher
Verbraucherschutz
● Landwirtschaft und ländliche
Räume stärken
● Sichere, umweltfreundliche
Energie zu bezahlbaren Preisen
● Gemeinsam die Schöpfung bewahren
und gestalten
6. Identität Deutschlands bewahren
● Kunst und Kultur pflegen
● Zuwanderung steuern und
begrenzen
● Integration fördern und
fordern
7. Vertrauen für Deutschland in Europa
und in der Welt
● Europa muss man richtig
machen
● Transatlantische Partnerschaft stärken -
Gesamteuropäische Einigung fördern
● Zukunft für die Bundeswehr
● Entwicklungspolitik und
humanitäre Hilfe aktiv gestalten
8. Wahlaufruf
Präambel
Es ist Zeit für Taten. Es ist Zeit
für die Union.
Die Menschen in Deutschland
arbeiten hart für ihre Zukunft. Sie haben eine Regierung verdient, die hart
für die Bürger arbeitet und das Land effizient führt. Leistung und Sicherheit
für unser Land – das ist die Chance des 22. September.
Gemeinsam werden wir dem Land den
Optimismus wiedergeben, die Ärmel hochkrempeln und die Zukunft anpacken. Nach
vier verlorenen Jahren können wir den Kurs für unser Land gemeinsam neu
setzen. Der Wechsel tut not.
Diese Bundestagswahl ist auch eine
Abstimmung über die letzten vier Jahre. Schröder ist der Kanzler des
Versprochen – Gebrochen. Seine Bilanz ist desolat: mehr als vier Millionen
Arbeitslose, ein Gesundheitswesen am Abgrund, gestiegene Steuern und Abgaben.
Zu Recht sind die Menschen enttäuscht.
Die Mehrheit der Deutschen wird
diesen Weg nicht fortsetzen. Das rot-grüne Experiment ist gescheitert, es
darf kein rot-rotes daraus werden. Lassen wir nicht zu, dass Deutschland auf
die schiefe Ebene gerät! Nur eine starke Union ist ein Garant dafür, dass der
Negativtrend gestoppt und umgekehrt wird.
Es gilt heute die richtigen
Entscheidungen zu treffen, damit die Jahre und Jahrzehnte vor uns eine gute
und erfolgreiche Zeit werden. Mit uns nimmt Deutschland die Zukunft in
Angriff – aus der Mitte des politischen Spektrums und aus der Mitte der
Gesellschaft heraus.
Machen wir die Bundestagswahl zum
Wendepunkt! Wir wollen gemeinsam etwas leisten für unser Land. Wir wollen es
befreien aus dem Griff der „ruhigen
Hand“ dieser Bundesregierung, die Stillstand über das Land gebracht hat, die
unsere Chancen vergibt anstatt unsere Zukunft zu sichern. Deutschland braucht
jetzt eine Regierung mit Kompetenz, eine Regierung der Chancen für den
einzelnen und für das Land, eine Regierung mit einer klaren Strategie für
einen neuen Aufschwung und neue Sicherheit. Und Deutschland braucht jetzt
eine Regierung, die Werte verkörpert und zu Prinzipien ihrer Politik macht:
dazu zählt die Orientierung am christlichen Menschenbild und dazu zählt auch
die Liebe zu unserem Land.
Wir bekennen uns zur Vielfalt
unseres Landes und zu Deutschland als Vaterland. Heimat gibt Halt. Heimat –
das sind menschliche Bindungen und kulturelle Traditionen, die wir schützen
und bewahren. Sie sind Quelle von Zusammengehörigkeitsgefühl und
Selbstbewusstsein.
Unser Einsatz für Deutschland
gründet auf einem aufgeklärten Patriotismus. Er verleiht uns die Kraft, die
Zukunft mit all ihren Herausforderungen zu meistern. Zusammen werden wir
Deutschland wieder zu einer starken und leistungsfähigen Nation machen, die
fest in Europa verwurzelt ist und zugleich ihre nationalen Interessen zu
vertreten weiß.
Leistung ist der erste Schlüssel
für die Zukunft.
Die Deutschen sind bereit, etwas zu
leisten – für sich und für andere. Wir sorgen dafür, dass sich die
Leistungsbereitschaft der schweigenden Mehrheit – von der Krankenschwester
bis zum Unternehmer, von der Existenzgründerin bis zum Streifenpolizisten –
wieder entfalten kann und gerecht honoriert wird: dadurch, dass
Geringverdiener besser dastehen als Leistungsempfänger; dadurch, dass
Normalverdiener netto mehr von ihrem Lohn und Gehalt übrig behalten; dadurch,
dass der Mittelstand im Zentrum der Wirtschaftspolitik steht; und dadurch,
dass Eltern, die Kinder erziehen und damit viel leisten, fair behandelt
werden.
Eine starke Wirtschaft ist die
Voraussetzung für einen Staat, der viel für seine Bürger leisten kann. Wir
führen unser Land, dieses starke Land, wieder dahin, wo es hingehört: in die
europäische Spitzengruppe. Wir dürfen nicht länger zurückfallen im europäischen
Vergleich in puncto Arbeitslosigkeit, bei den Wachstumszahlen und den
Staatsfinanzen. Mit uns gibt es nachhaltiges Wirtschaftswachstum.
Sicherheit ist der zweite Schlüssel
für die Zukunft.
Wir schaffen neue Sicherheit da, wo
sich alte Sicherheiten auflösen: In der Alterssicherung ebenso wie im
Gesundheitswesen geben wir die Richtung in die Zukunft vor – damit die Bürger
in Deutschland wieder Vertrauen fassen in die Sicherheit, die ihnen die
Solidargemeinschaft bietet. Neue Sicherheit schaffen wir auch für Familien
und für junge Menschen, die einen Anspruch auf eine optimale Ausbildung
haben.
Deutschland braucht neue
Sicherheit. Die Union steht an der Seite derer, die unsere Sicherheit
garantieren. Wir bekämpfen entschieden Kriminalität. Und wir machen
Deutschland wieder zum verlässlichen Partner in einer Welt vielfältiger,
veränderter Bedrohungsszenarien.
Wir Christliche Demokraten und
Christsozialen legen gemeinsam unser Regierungsprogramm vor – als eine Union
für Deutschland. Es ist ein ehrgeiziges Programm und es ist ein ehrliches
Programm. Jeder kann sich darauf verlassen, dass wir den Worten Taten folgen
lassen. Wir haben Resultate zu bieten. Die Bilanz unionsregierter Länder
beweist: Man kann auch gut regieren.
Das ist unser Angebot für Deutschland:
Ein Regierungsprogramm mit einem klaren Projekt: Leistung und Sicherheit. Und
mit Edmund Stoiber ein Kanzlerkandidat, der handelt, weil er weiß: Es ist
Zeit für Taten.
Arbeit und Wohlstand für alle
Deutschland darf nicht länger
Schlusslicht beim Wachstum und bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sein.
Die Rote Laterne des europäischen Wirtschaftszuges ist kein unabänderliches
Schicksal. Die Menschen in unserem Land leisten gute Arbeit. Deutschland hat
das Potenzial, wieder zum wirtschaftlichen Motor Europas zu werden. Aber eine
falsche Regierungspolitik verschenkt die wichtigsten Chancen. Wir wollen den
Menschen in Deutschland diese Chancen wieder eröffnen. Größere
wirtschaftliche Freiheit und verlässlichere finanzielle Sicherheit sind
möglich. Unsere wichtigsten politischen Ziele sind Arbeit und Wohlstand für
alle.
Die Herausforderungen des 21.
Jahrhunderts verlangen neue Antworten. In unübersichtlichem Gelände findet
nur einen Weg, wer sich zu orientieren weiß. Unsere Politik folgt einem bewährten
Kompass. Die Soziale Marktwirtschaft als ordnungspolitische Leitidee weist
auch im 21. Jahrhundert den humansten, effizientesten und besten Weg.
Die Union hat die vergangenen Jahre
genutzt, diese Leitidee zu erneuern und zu revitalisieren. So bietet sie die
beste Grundlage, auf Globalisierung, technische Revolutionen, Wandel der
Arbeitswelt, demografische Umbrüche und ökologische Herausforderungen
gleichermaßen zukunftsfähige wie konsensfähige Antworten zu geben. Die
erneuerte Soziale Marktwirtschaft ermutigt zur Freiheit und setzt Anreize für
Eigenverantwortung. Mit ihrer Hilfe stärken wir die Leistungskraft
Deutschlands. Denn wenn wir bei Wohlstand und Einkommen in der Spitze bleiben
wollen, müssen wir auch bei der Leistung Spitze sein.
Dazu haben wir das Programm „3 mal
40 Prozent“ entwickelt. Es steht für niedrige Steuern, stabile
Sozialversicherungen und einen sparsamen Staat.
Motor für Wachstum
und Arbeitsplätze:
Programm „3 x 40“
Wir wollen die brachliegenden
Kräfte für mehr Wachstum in Deutschland nutzen. Die lähmenden Wirkungen
übermäßiger Bürokratie, Steuer- und Abgabenlast müssen beseitigt werden.
Freiheit und Eigentum, Eigenverantwortung und Privatinitiative
sollen wieder die dominierenden Triebfedern der wirtschaftlichen Entwicklung
werden. Wir werden deshalb die Staatsquote, den Anteil der
Ausgaben der öffentlichen Hand an der gesamtwirtschaftlichen Leistung, von
derzeit knapp 50% schrittweise und dauerhaft auf unter 40% senken. Damit
bewahren wir den Staat, die öffentlichen Haushalte und die sozialen
Sicherungssysteme besser vor Überforderung und Überschuldung.
Wir wollen den Spitzensteuersatz
auf unter 40% senken. Mit jedem Schritt in diese Richtung geben wir dem
Bürger ein Stück seiner eigenen Leistung und seiner wirtschaftlichen
Entfaltungsfreiheit zurück.
Um die wirtschaftlichen
Antriebskräfte nachhaltig zu stärken, werden wir den Zuwachs der
Staatsausgaben deutlich begrenzen. Die Wachstumsrate des Bundeshaushalts muss
konsequent niedriger gehalten werden als das Wirtschaftswachstum.
Privatisierung und
Marktöffnung werden der unternehmerischen Initiative mehr Raum verschaffen.
Dies gilt insbesondere für den Post- und Telekommunikations-, den Verkehrs-
und den Ver- und Entsorgungsbereich. Zukunftsträchtige Branchen brauchen
freie Betätigungsfelder, nicht enge Nischen. Dann entwickeln sie ungeahnte
Beschäftigungsmöglichkeiten, neue Berufe und technologische Hochleistungen.
Die Höhe der
Sozialversicherungsbeiträge ist nach wie vor ein Bremsklotz gegen mehr wirtschaftliche
Dynamik. Wir werden alle Spielräume nutzen, die Beitragssätze zu senken und
die Sozialversicherungsbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern
schrittweise auf unter 40% zu begrenzen. Mit dieser Entlastung geben wir den
Bürgern mehr Möglichkeiten zur Eigenvorsorge. Die Unternehmen erhalten
größere und vor allem verlässliche Spielräume für die Einstellung von neuen
Arbeitskräften.
Wir lehnen es ab, die einzelnen
Zweige der Sozialversicherungen als Verschiebebahnhöfe zur Finanzierung des
Bundeshaushaltes zu missbrauchen. Umweg-Finanzierungen, wie etwa mit Hilfe
der Ökosteuer, verschleppen nur die Probleme. Sie können am Ende die
notwendigen Reformen doch nicht ersetzen. In den sozialen Sicherungssystemen
muss vielmehr durch eine neue Balance von Eigenverantwortung, privater
Risikovorsorge und Solidarität die Ausgabendynamik gedrosselt werden. Dies
ist auch eine wichtige Voraussetzung, um im internationalen Wettbewerb um
Investitionen und kluge Köpfe bestehen zu können.
Steuerpolitik: gerecht und
leistungsfördernd
Deutschland braucht eine
Steuerpolitik, die Anreize für Leistung setzt. Wir wollen die Menschen
motivieren, ihre Leistungskraft zu entfalten. Die Bürger sollen wieder das
Gefühl haben können, dass es gerecht bei der Steuer zugeht. Deutschland
braucht deswegen eine Steuerpolitik, die auf Einfachheit und Transparenz
setzt.
CDU und CSU werden deshalb eine
große Steuerreform auf den Weg bringen, die von den Vorgaben „einfacher,
niedriger und gerechter“ geprägt ist. Wir werden ein einfacheres und
transparenteres Steuerrecht schaffen, das fair und international
wettbewerbsfähig ist, wieder zu Investitionen und Leistungsbereitschaft
motiviert und bei allen Einkunftsarten mehr Steuergerechtigkeit bringt. Die
derzeit bestehende Vielzahl von Sonderregelungen verkompliziert das
Steuerrecht. Die Unübersichtlichkeit der Regelungen eröffnet Möglichkeiten,
durch Steuergestaltung die Steuerschuld so zu beeinflussen, dass diese kaum
mehr der tatsächlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspricht. Ein zu
kompliziertes Steuerrecht öffnet der Steuerhinterziehung Tür und Tor und
setzt selbst ehrliche Steuerzahler der Gefahr der Kriminalisierung aus. Da
Ausnahmetatbestände dem Konzept einer einfachen und transparenten Besteuerung
widersprechen, wollen wir sie auf den Prüfstand stellen. Unser Ziel ist es,
dass im Ergebnis alle entlastet werden und weniger Steuern zahlen. Wir werden
das Steuerrecht so vereinfachen, dass alle Bürger ihre Steuererklärung wieder
selbst erstellen können. Ein einfaches Steuersystem ist grundsätzlich auch
ein gerechteres Steuersystem.
Wir werden die Steuerbelastung
senken. Wir werden mittelfristig und schrittweise den
Einkommensteuerspitzensatz auf unter 40% und den Eingangssteuersatz auf unter
15% senken. Ein niedrigerer Einkommensteuer-Spitzensatz, ein geringerer
Eingangsteuersatz und ein flacherer linear-progessiver Tarifverlauf lassen
alle Steuerzahler von der geringeren Steuerprogression profitieren. Alle
Steuerzahlergruppen werden entlastet. Durchschnittsverdiener sollen nicht
mehr in die Nähe des Höchststeuersatzes kommen; Wir wollen die „kalte
Progression“ vermeiden. Das steuerfreie Existenzminimum ist entsprechend der
wirtschaftlichen Entwicklung fortzuschreiben.
Am Ehegatten-Splitting halten wir
fest. Das Ehegattensplitting ist keine beliebig gestaltbare
Sondervergünstigung, sondern notwendiger steuerrechtlicher Ausdruck der
Lebens- und Fürsorgegemeinschaft der Ehepartner. Allen rot-grünen Versuchen,
über das Steuerrecht die grundlegenden, gewachsenen Strukturen unserer Gesellschaft
aufzuweichen oder umzuformen, erteilen wir - im Einklang mit dem Grundgesetz
- eine klare Absage.
Die Steuer-Reform von Rot-Grün war
falsch. Zudem verursacht sie ein Ungleichgewicht bei der Steuerentlastung von
Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften. Wir werden diese
Benachteiligung von Mittelstand, Selbständigen und Existenzgründern durch
Verbesserungen bei der Einkommensteuer beseitigen. Wir wollen die
Rechtsformneutralität der Unternehmensbesteuerung wieder herstellen. Die
Steuerfreiheit für Beteiligungsveräußerungen wird wegen ihrer Auswirkungen
auf das Steueraufkommen und im Hinblick auf die Gleichbehandlung von
Personenunternehmen einer Überprüfung unterzogen.
Die Vermögensteuer werden wir aus
Gründen der Rechtssicherheit streichen und die teilweise geforderte
Wiedereinführung verhindern. Eine Erhöhung der Erbschaft- und Schenkungsteuer
lehnen wir ab. Gerade für den Mittelstand wäre eine Erhöhung „durch die
Hintertür“ der Bewertung von Betrieben und Immobilien schädlich.
Die von Rot-Grün im nationalen
Alleingang durchgesetzte Ökosteuer hat sich als wirtschaftlich verfehlt,
ökologisch kontraproduktiv und sozial ungerecht erwiesen. CDU und CSU werden
die für 2003 vorgesehene weitere Erhöhung dieser Steuer rückgängig machen. Unser
Ziel ist es, die Ökosteuer in der bestehenden Form mittelfristig abzuschaffen
und sie durch eine aufkommens- und wettbewerbsneutrale, europaweit
abgestimmte, harmonisierte und schadstoffbezogene Abgabe zu ersetzen.
Unsere Politik zielt darauf, die Wachstumskräfte
zu stärken, um Spielräume für Steuersenkungen zu eröffnen. Die ersten
Maßnahmen werden wir bereits 2003 umsetzen: die Ökosteuer wird nicht erhöht.
Für die steuerliche Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten zwischen
1000 € und 5.000 € pro Kind jährlich wird gesorgt. Die
Gewerbesteuerumlage wird auf das Niveau vor der Schröder-„Steuerreform“
zurückgeführt. Kleine Beschäftigungsverhältnisse werden gefördert. Zum 1.
Januar 2004 setzen wir eine große Steuerreform in Kraft. Mit einem kräftigen
Einstieg schaffen wir die Voraussetzung, bis zum Ende der nächsten
Legislaturperiode unsere Ziele zu erreichen, den Eingangsteuersatz unter 15%
und den Spitzensteuersatz unter 40% zu senken.
Arbeitsmarkt:
Chancen fördern, Hemmnisse abbauen
Kanzler Schröder hat rund
6 Millionen Arbeitslose zu verantworten: 4 Millionen offiziell
gezählte und rund 1,8 Millionen statistisch nicht erfasste Arbeitslose.
Zudem suchen rund 1 Million Menschen eine Beschäftigung, ohne als
arbeitslos registriert zu sein. Mindestens weitere 800.000 Menschen kommen
trotz Arbeitsfähigkeit nicht aus der Sozialhilfe heraus.
Diese Bilanz ist katastrophal.
Dabei scheiden jährlich rund 200.000 ältere Menschen mehr aus dem
Arbeitsmarkt aus, als jüngere nachrücken. Die verfehlte Politik der
Schröder-Regierung hat also die hohe Arbeitslosigkeit nicht bekämpft, sondern
gefördert. Nur aus demografischen Gründen ist dies nicht deutlicher sichtbar
geworden.
Trotz kräftiger Wachstumsimpulse
aus dem Ausland wurden zu wenig Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen. Im
Jahr 2001 lag Deutschland erstmals bei der Arbeitslosigkeit über dem
Durchschnitt der Europäischen Union. Der angepriesene Anstieg der
Beschäftigtenzahl in den Jahren seit 1999 hatte überwiegend statistische
Gründe. Durch die Einbeziehung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse
etwa wurde die Zahl der Beschäftigten zwar auf dem Papier erhöht, kein
einziger Arbeitsloser hat durch die Rechtsänderung aber einen neuen
Arbeitsplatz gefunden. Deutschland darf in Europa beim Kampf gegen die
Arbeitslosigkeit nicht länger Nachzügler sein.
Unsere Leitsätze für mehr
Beschäftigung lauten: Arbeitslose fördern und fordern - Arbeitsmarkt
entriegeln - Arbeitnehmer und Unternehmen entlasten. Wir handeln in der
Überzeugung, dass die Praxis der verwalteten Arbeitslosigkeit dringend
beendet werden muss - zugunsten einer Politik des geförderten Wiedereinstiegs
in den Arbeitsmarkt.
Chancen fördern
Das Gesetz gegen die sogenannte
„Scheinselbständigkeit“ werden wir aufheben, um die rot-grünen Überreglementierungen
und bürokratischen Hemmnisse wieder zu beseitigen. Wir begrüßen jede
Initiative der Bürger, die zu mehr Selbständigkeit führt. Deswegen muss
dieser Weg erleichtert und nicht durch bürokratisches Misstrauen erschwert
werden.
Wir wollen grundsätzlich mehr
Beschäftigungsmöglichkeiten im gesamten Niedriglohnsektor schaffen, um den
Menschen den oftmals nicht einfachen Weg aus Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe
zu erleichtern.
Schröders 630-DM-Bürokratiemonster
hat zahlreiche Arbeitnehmer hart getroffen, geringfügige
Beschäftigungsverhältnisse und insbesondere Nebenjobs in vielen Branchen
vernichtet, mittelständische Wirtschaft und ehrenamtliches Engagement in den
Vereinen und den Kirchen belastet und vor allem die Schwarzarbeit gefördert.
Die geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer brauchen eine Perspektive für
weniger Bürokratie und höheren Nettoverdienst. Die rot-grüne 325-€-Regelung
wird bei uns keinen Bestand haben. Wir werden stattdessen die 325-€-Grenze
auf 400 € anheben, die Belastung mit Sozialversicherungsbeiträgen
streichen und die geringfügige Beschäftigung einer pauschalen Steuerpflicht
von 20% unterwerfen, die der Arbeitgeber einheitlich abzuführen hat. Die
Beitragsausfälle der Sozialversicherungsträger werden durch Bundeszuschüsse
ausgeglichen.
Wir werden nach unserem
„Drei-Säulen-Modell“ mit abgesenkten Sozialversicherungsbeiträgen für
Geringverdiener und „Kombilöhnen“ abgestufte Anreize für eine Arbeitsaufnahme
im Niedriglohnsektor setzen. Für Arbeitnehmer, die in einem Vollzeit- oder
einem Teilzeitarbeitsverhältnis von mehr als 20 Wochenstunden zwischen
401 € und 800 € verdienen, werden deshalb die
Sozialversicherungsbeiträge gesenkt. Dieses Angebot gilt nicht nur für
Langzeitarbeitslose und Sozialhilfeempfänger, sondern für alle Bezieher von
niedrigen Einkommen. So wird eine tragfähigere Brücke in die Beschäftigung
gebaut als mit vielen der bisherigen Instrumente aktiver Arbeitsmarktpolitik.
Arbeitslose, die eine Arbeit annehmen, deren Nettolohn bisher bezogene
soziale Leistungen nicht erreicht, sollen als Anreiz zur Arbeitsaufnahme
einen Aufstockungsbetrag erhalten.
Hinzutreten muss die Aktivierung
der privaten
Haushalte als potentielle Arbeitgeber im Dienstleistungssektor. Viele
Haushalte würden gerne Dienstleistungen rund um das tägliche Leben in
Anspruch nehmen, werden aber von zu hohen Kosten und zu großem bürokratischen
Aufwand abgeschreckt. Die bürokratischen Auflagen müssen für Privathaushalte
durchgreifend vereinfacht werden.
Eine große Bedeutung kommt der
stärkeren Beteiligung der Arbeitnehmer an den Erträgen und dem Vermögen der
Wirtschaft zu. Die Bildung von Produktivvermögen in Arbeitnehmerhand ist
Ausdruck der Sozialpartnerschaft, ermöglicht eine gerechtere
Einkommensverteilung, schafft Motivation und stärkt die Bindung an das
Unternehmen. Investive Lohnvereinbarungen erschließen den Betrieben neue
Kapitalquellen und verbessern die Voraussetzungen für mehr Flexibilität bei
der Gestaltung der Arbeitsbeziehungen.
Hemmnisse abbauen
Strukturreformen im Arbeitsrecht
sind notwendig, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Wir lassen uns dabei von
dem Gedanken leiten, den Arbeitnehmern und ihren Familien Sicherheit und den
Betrieben mehr Flexibilität zu geben, um Krisenzeiten überstehen zu können.
Deshalb werden wir für ein modernes
Arbeitsrecht sorgen, das zu möglichst vielen Einstellungen führen und so neue
Beschäftigungschancen eröffnen wird. Wir brauchen eine neue Balance zwischen
Flexibilität und Sicherheit. Dazu gehört, dass wir eine flexiblere
Personalpolitik durch verbesserte Rahmenbedingungen für Zeitarbeit und die
vertragliche Befristung von Arbeitsverhältnissen ermöglichen. Den generellen
Rechtsanspruch auf Teilzeit werden wir abschaffen und ihn auf Zeiten der
Kindererziehung und Pflege begrenzen. Wir wollen älteren Arbeitslosen die
Möglichkeit eröffnen, sich bei Abschluss eines neuen Arbeitsvertrages eine
Abfindung zusichern zu lassen, wenn sie für den Fall einer künftigen
Kündigung auf eine Kündigungsschutzklage verzichten. Wir werden prüfen, ob
durch eine Übertragung des Optionsmodells auf Langzeitarbeitslose auch für
diese zusätzliche Chancen am Arbeitsmarkt entstehen. Wir treten dafür ein,
das Kündigungsschutzrecht für Arbeitnehmer und Arbeitgeber transparenter zu
machen; dazu gehört, dass eine mit dem Betriebsrat vereinbarte Sozialauswahl
transparent ist.
Wir werden die Chancen der
Mitbestimmung durch ein besseres und moderneres Betriebsverfassungsgesetz
nutzen, von der Schröder-Regierung geschaffene Einstellungshindernisse
beseitigen und die Vielfalt der Arbeitnehmer-Interessen wahren. Wir brauchen
eine tarifrechtliche Flankierung zur Erweiterung des Spielraums für
betriebliche Bündnisse für Arbeit. Neben Lohn und Arbeitszeit müssen auch die
Beschäftigungsaussichten in den Günstigkeitsvergleich einbezogen werden. Den
Tarifparteien muss zur Sicherung der Tarifautonomie jedoch ein begründetes
Einspruchsrecht bleiben. Wir werden die gerade für mittelständische Betriebe
kostentreibenden Teile der Schröder-Reform des Betriebsverfassungsgesetzes
zurücknehmen. Dabei werden wir auch die Größe der Betriebsräte und die
herabgesetzten Schwellenwerte für freigestellte Betriebsräte für künftige
Wahlperioden überprüfen. Im Betrieb der Zukunft sind Eigenständigkeit,
selbständige Entscheidungskompetenz, Kreativität der Mitarbeiter und
differenzierte Arbeitsmöglichkeiten gefordert. Beteiligung des Betriebsrates,
kürzere und prozessbegleitende Mitbestimmungsverfahren sowie schnellere
Rechtssicherheit gehören dazu. Entscheidend für die Erfolge der Betriebe und
die beruflichen Perspektiven der Mitarbeiter sind auch deren berufliche
Qualifikationen. Bei beruflichen Bildungsmaßnahmen und der Vereinbarkeit von
Familie und Beruf wollen wir deshalb die Partnerschaft unter Einbeziehung der
Betriebsräte stärken.
Aus Arbeitslosen wieder
Arbeitnehmer machen
Wir wollen in der
Arbeitsmarktpolitik wieder zwei Grundsätzen Geltung verschaffen: Wer
arbeitet, soll mehr in der Tasche haben als wenn er nicht arbeitet. Staat und
Gesellschaft sollen die Empfänger von Sozialtransfers fördern und fordern -
denn Rechte und Pflichten gehören zusammen. Deswegen werden wir einen
Schwerpunkt darauf legen, arbeitsfähige Menschen wieder in den ersten
Arbeitsmarkt zu bringen. Nur dann verdient die „aktive Arbeitsmarktpolitik“
wirklich ihren Namen. Nur in Ausnahmefällen kann es darum gehen, Tätigkeiten
auf dem zweiten Arbeitsmarkt, der in Wahrheit kein Arbeits-„Markt“ ist, zu
organisieren und subventionieren.
Dazu planen wir den Ausbau der
individuellen Förderung in neuen Job-Centern. Mit Hilfe von
Eingliederungsvereinbarungen werden die Arbeitssuchenden zum Wiedereinstieg
in den Arbeitsmarkt begleitet. Gezielte Weiterbildungsangebote während der
Zeit der Arbeitslosigkeit werden eine wichtige Rolle spielen. Fortbildungs-
und Umschulungsangebote werden wir stärken und bedarfsorientiert neu ordnen.
Weil wir die Arbeitssuchenden und
Arbeitsfähigen intensiv fördern, darf die Allgemeinheit auch etwas von ihnen
fordern. Wir halten es für zumutbar, dass der arbeitsfähige Empfänger von
Sozialtransfers zuerst nachprüfbar zeigt, dass er sich wirklich ernsthaft um
Arbeit bemüht hat. Für erwerbsfähige Arbeitslosen- und Sozialhilfebezieher
werden wir die finanzielle Unterstützung an die Pflicht binden, an
Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen, sich auf andere Weise für eine Rückkehr
in den Arbeitsmarkt zu qualifizieren oder gemeinnützige Arbeit zu leisten.
Für Ausländer können Deutsch-Lehrgänge hinzutreten. Wir werden dafür Sorge
tragen, dass Qualifizierungsmaßnahmen auch in ausreichendem Maße angeboten
werden.
Ein wesentlicher konzeptioneller
Schritt zu einer solchen neuen Kultur des Förderns und Forderns besteht in
der Zusammenführung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Die bisherigen
Verschiebeaktionen zwischen den Kommunen als Trägern der Sozialhilfe und den
für die Arbeitslosenhilfe zuständigen Arbeitsämtern müssen vermieden werden.
Deshalb sollen Arbeits- und Sozialämter in den neuen Job-Centern
zusammenarbeiten, um eine flexible Förderung aus einer Hand zu ermöglichen.
So können wir die Kompetenz der Kommunen auf den lokalen Arbeitsmärkten
besser nutzen. Die Vermittlungstätigkeit der Arbeitsämter und der Sozialämter
muss reformiert und an das neue Konzept angepasst werden. Die Bundesanstalt
für Arbeit wird dezentralisiert und gestrafft, in den Arbeitsämtern die
Kernaufgabe Arbeitsvermittlung
gestärkt und auch durch mehr Wettbewerb mit privaten Anbietern die
Vermittlungsleistung verbessert.
Die Förderung von
Infrastrukturmaßnahmen aus Beitragsmitteln der Arbeitslosenversicherung ist
ein Irrweg, den wir rückgängig machen werden. Wir schaffen mit unserer
Politik zugleich Spielräume, um den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung zu
senken, Arbeitskosten zu entlasten und das Entstehen neuer Arbeitsplätze zu
erleichtern.
Zur Selbständigkeit ermutigen, Mittelstand
stärken
Wirtschaftswachstum und
Beschäftigung in Deutschland brauchen einen optimistischen, engagierten und
erfolgreichen Mittelstand. Von 1980 bis 2000 hat der Mittelstand in
Deutschland 2,9 Millionen Stellen geschaffen, während die
Großunternehmen rund 1 Million Stellen abgebaut haben.
Deutschland liegt beim
„Gründerklima“ im Staatenvergleich auf einem blamablen 22. Platz. Hier muss
Deutschland aufholen. Zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für ein
Wachstum, das auch mehr Beschäftigung bringt, werden wir eine Offensive für
Selbständigkeit, Existenzgründung und Mittelstand starten.
Wir verstehen Mittelstandspolitik
nicht als Schutz des Mittelstands vor Wettbewerb – wohl aber als tatkräftige
Förderung seiner Leistungsfähigkeit für den Wettbewerb. Kleine und mittlere
Unternehmen brauchen, damit sie gegen die großen Konzerne eine faire Chance
haben, eine verlässliche marktwirtschaftliche Ordnungspolitik und eine
mittelstandsfreundliche Wirtschafts- und Steuerpolitik.
Wir werden im Steuerrecht die
Benachteiligung der Personenunternehmen gegenüber den Kapitalgesellschaften
beseitigen. Es muss Schluss sein mit dem Irrglauben, die Unternehmen seien
gut, die Unternehmer aber schlecht. Der Zwang zum Rechtsformwechsel
mittelständischer Unternehmen muss wieder beseitigt werden. Denn in einem
„Deutschland mit beschränkter Haftung“ blieben mit der persönlichen
Verantwortung der Betriebsinhaber auch die soziale Verpflichtung und die
Rücksicht auf gesellschaftliche Belange häufig auf der Strecke.
Wir werden den in über 400.000
mittelständischen Familienbetrieben anstehenden Generationenwechsel
erleichtern, statt ihn zu behindern. Dazu gehört die Verbesserung der
steuerlichen Bedingungen für die Umstrukturierung von Personenunternehmen
ebenso wie eine klare Absage an eine Erhöhung der Erbschaftsteuer.
Nicht der neue Name
„Mittelstandsbank“ für fusionierte Kreditinstitute des Bundes hilft dem
Mittelstand, denn die notwendige und effiziente Finanzierung des Mittelstandes
wird auf diesem Weg nicht erreicht. Einer Benachteiligung des Mittelstandes
in den Verhandlungen über die Eigenkapitalrichtlinien für Banken („Basel II“)
werden wir nicht zustimmen. Das bisherige Engagement der Bundesregierung in
dieser Frage war unzureichend. Die Mittelstandsfinanzierung werden wir den
geänderten Rahmenbedingungen anpassen, um günstige Finanzierungsbedingungen
für mittelständische Unternehmen zu sichern. Unser Ziel ist es, den Zugang zu
Fremdfinanzierung ebenso zu erleichtern wie den Betrieben höhere
Eigenkapitalquoten zu ermöglichen.
Existenzgründer müssen aktiv
unterstützt werden. Sie brauchen Rahmenbedingungen, die das Entstehen und
Wachsen neuer Betriebe erleichtern und fördern. Unser Ziel ist, für
Mittelstand und Existenzgründer das Angebot an Investitions- und
Wagniskapital zu verbessern. Zu diesem Zweck werden wir auch die Anreize für
Beteiligungskapitalgeber und „Business Angels“ sowie die Rahmenbedingungen
für eine Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter – etwa durch Aktienoptionen –
verbessern. Die Förderprogramme für Existenzgründer werden wir bündeln und
dabei bürokratische Hemmnisse beseitigen. Wir werden den Technologietransfer
gezielt fördern und dem Mittelstand aktuelle Forschungsergebnisse über
Innovationsdatenbanken und Innovationsberatungsstellen besser zugänglich
machen.
Grundsätzlich wollen wir ein
gesellschaftliches Klima schaffen, das Existenzgründungen und
unternehmerische Verantwortung als erstrebenswerte Ziele auffasst. In den
Schulen und Hochschulen und in der beruflichen Bildung müssen die
Bereitschaft zu Engagement und Verantwortung, zu Risiko und Kreativität als
zentrale Bildungsziele verankert werden.
Wir wollen das Meisterprinzip im
Handwerk erhalten. Der „Große Befähigungsnachweis“ sichert einen hohen
Qualitätsstandard und eine beeindruckende Ausbildungsleistung und sorgt auch
dafür, dass Existenzgründungen im Handwerk weitaus erfolgreicher sind als in
anderen Wirtschaftsbereichen. Wir werden die halbherzige Reform des
Meister-BAföG der Schröder-Regierung korrigieren und für nachhaltige
Verbesserungen durch die Anhebung des Zuschussanteils, den Ausbau der
Familienkomponente und die Erleichterung der Rückzahlungsbedingungen sorgen.
Den Mittelstand werden wir auf
Auslandsmärkten aktiv und individuell unterstützen: mit
Messebeteiligungsprogrammen, Teilnahme an Delegationsreisen, Kontaktbörsen.
Die Politik von CDU und CSU wird in
der Umweltpolitik auf die Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen und das
Interesse der Kommunen Rücksicht nehmen, Gewerbe anzusiedeln und
Arbeitsplätze zu gewinnen.
Bürokratie abbauen
Wirtschaftlich ist Deutschland
Schlusslicht in Europa, aber in der Regelungsdichte steht es mit an der
Spitze. Regulierung und Reglementierung behindern die Eigenverantwortung und
Kreativität der Bürger und lähmen die Wirtschaft. Für den Bürger ist die
Rechtslage nicht mehr überschaubar. Er fühlt sich der Flut an Gesetzen und
Reglementierungen oft hilflos und ohnmächtig ausgeliefert.
Rot-Grün glaubt an die Allmacht des
Staates, neigt zur Bevormundung der Bürger und hat deshalb eine
strangulierende Bürokratie, Regelungswirrwarr und undurchschaubare Regeln
produziert. Es gibt keinerlei wirksame Maßnahmen der Bundesregierung zum
Bürokratieabbau im Interesse der Bürger. Im Gegenteil: Zusätzlicher
unübersichtlicher Regelungswust und bürokratische Auswüchse bei Ökosteuer,
630‑DM-Gesetz, Gesetz zur Bekämpfung der Scheinselbständigkeit und der
Steuer- und Rentenreform.
Wir wollen verlässliche, klare und
verständliche Rechtsvorschriften wo nötig, Deregulierung wo möglich. Weniger
und einfachere Gesetze, damit Initiative und Unternehmergeist nicht in
Bürokratie ersticken. Zur Stärkung von Eigenverantwortung und Eigeninitiative
wollen wir Subsidiarität und Privatisierung, also
einen Rückzug staatlicher Tätigkeit. Wir sehen in einer umfassenden
Deregulierung und einer Eindämmung der Gesetzesflut die vordringlichste
Aufgabe. Notwendig ist eine strenge Gesetzesfolgenabschätzung und ein
„Bürokratie-TÜV“, also die ständige Überprüfung bestehender Regulierungen.
Verwaltungsvorschriften sollen künftig grundsätzlich zeitlich befristet sein,
um ihre regelmäßige Überprüfung sicherzustellen.
Genehmigungsverfahren müssen
vereinfacht und bürokratische Auflagen für die Betriebe auf den Prüfstand
gestellt werden. Unerlässlich sind transparente Verwaltungsverfahren sowie
mehr Service und Dienstleistung bei den Behörden. Verwaltungsabläufe müssen
beschleunigt werden, wozu der Abbau von Instanzen und unnötigen
bürokratischen Beteiligungen dienen können. Die Planungs- und
Genehmigungsverfahren sollen Investitionen nicht verzögern, sondern sicherer
und verlässlicher machen. Wir wollen den Innovationsimpuls aus den neuen
Ländern für ganz Deutschland fruchtbar machen: Einfachere
Verwaltungsverfahren, Abbau überflüssiger Regulierungen und eine Begrenzung
des ausufernden Rechtswegestaates.
Wir werden verstärkt
Auditierungsverfahren und Projektmanagement einsetzen. Damit deutsche
Betriebe möglichst frühzeitig mit wettbewerbsfähigen Produkten am Markt sein
können, erhalten sie mit Öffnungs- und Experimentierklauseln Spielräume für
die Abweichung von Standards und Vorgaben in begründeten Fällen.
Mit moderner Informations- und
Kommunikationstechnik (E-Government) werden wir eine schnelle Kommunikation
und Interaktion zwischen Bürger und Staat sicherstellen. Die Bürger sollen
„Behördengänge“ künftig von zu Hause aus erledigen können. Gemeinden, Städte
und Landkreise werden wir bei E-Government-Dienstleistungen auf breiter Basis
unterstützen.
Forschung auf
Spitzenniveau –
Innovationsoffensive für Deutschland
Deutschland braucht optimale
Rahmenbedingungen für innovative Technologien. In der Sozialen
Marktwirtschaft sind nicht Staat und Politik unmittelbar für die Innovationen
zuständig. Aber Staat und Politik müssen Rahmenbedingungen setzen, Freiräume
schaffen, zu Innovationen ermuntern und neuen Technologien in der
Öffentlichkeit Rückhalt geben. Deutschland ist als hochproduktiver und
lohnintensiver Standort darauf angewiesen, dass die Betriebe sich immer
wieder mit neuen, weltmarktfähigen Produkten und Dienstleistungen im
Wettbewerb durchsetzen. Nur so schaffen und sichern sie dauerhaft
Arbeitsplätze. Deshalb braucht Deutschland eine offensive moderne
Forschungspolitik.
Wir wollen die deutsche
Forschungslandschaft zukunftsfest machen. Die Forscher an den Hochschulen und
den außeruniversitären Forschungseinrichtungen brauchen mehr Freiraum, mehr
Flexibilität, mehr Interdisziplinarität, mehr Internationalität und mehr
Wettbewerb. In Pilotprojekten kann die privatwirtschaftliche
Organisation öffentlicher Forschungseinrichtungen erprobt
werden. Neue Forschungseinrichtungen sollen vorwiegend für zukunftsfähige
Forschungsfelder, mit einem klaren Auftrag und im Verbund zwischen
außeruniversitären Einrichtungen und Hochschulen errichtet werden.
Die Forschungspolitik von CDU und
CSU wird die dirigistische Detailsteuerung der Forschungseinrichtungen durch
Eigenständigkeit und Erfolgskontrolle ersetzen. Wir wollen mehr
Wettbewerbselemente bei der „institutionellen Förderung“ durchsetzen. Wir
werden die Verantwortung für die Programm-Definition und die
Programm–Durchführung soweit wie möglich trennen. Angesichts der
Globalisierung gilt es, ganz Europa zu einem starken und schlagkräftigen
Forschungs- und Innovationsraum zu machen. Die deutsche Forschungspolitik
muss Motor der Entwicklung eines europäischen Forschungs- und
Innovationsnetzes sein. Wir wollen eine stärkere Vernetzung der deutschen und
europäischen Forschungsförderpolitik.
Unsere Forschungs- und Technologiepolitik
stärkt die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft in der angewandten
Forschung, verbessert Patentierung und Technologietransfer und beschleunigt
die Vermarktung neuer Verfahren und Produkte. Eine interdisziplinäre und
vernetzte Forschungsarbeit soll in Zukunftstechnologien - Mechatronik,
Robotik, Opto-Elektronik, Gen- und Biotechnologie, Materialwissenschaft,
Nanotechnologie, Informations- und Kommunikationstechnologien, Luft- und
Raumfahrt, Umweltwissenschaften, Life-Sciences - die Voraussetzung für eine
Spitzenstellung Deutschlands verbessern.
Deutschland ist zur Sicherung
seiner Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten und zur
Positionierung in den neuen Zukunftstechnologien auf Innovationen aus der
Hochschulforschung, auf einen gut ausgebildeten Akademikernachwuchs und auf
ein qualitativ hochwertiges Weiterbildungsangebot angewiesen. Dabei setzen
wir auch auf ein starkes Selbstbewusstsein der Geistes- und
Sozialwissenschaften, die in der High-Tech-Gesellschaft mit eigener Kompetenz
und Autorität viel zu sagen haben: Sie beschreiben und tradieren unsere
gewachsene Identität, erschließen uns fremde Völker und Kulturen und bieten
Orientierungsmöglichkeiten in einer Zeit, in der sich Normen und Werte
aufzulösen scheinen.
Wir setzen uns das Ziel, dass
wieder mehr deutsche Hochschulen in Forschung und Lehre international zu
einer ersten Adresse werden. Wir werden den Wettbewerb zwischen den
Hochschulen fördern, auf kürzere Studienzeiten hinwirken und die
internationale Attraktivität der deutschen Hochschulen stärken. Die
Abschlüsse deutscher Hochschulen müssen im internationalen System kompatibel
sein. Die Fehler des rot-grünen Hochschuldienstrechts, vor allem die
faktische Abschaffung der Habilitation, werden wir korrigieren. Die Vielfalt
der Fächerkulturen muss den Hochschulen auch die Möglichkeit geben,
unterschiedliche Wege der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung zu gehen. Wir
werden durch Öffnungsklauseln im Hochschuldienstrecht abweichende Regelungen
im Rahmen von Pilotprojekten in einzelnen Forschungseinrichtungen
ermöglichen. Wir wollen die Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern im
Hochschulrahmengesetz zugunsten der Länder und des Wettbewerbs weitgehend
entflechten. Das rot-grüne Studiengebührenverbot ist ein Eingriff in die
Kulturhoheit der Länder, aber kein Beitrag zu einem
Studienfinanzierungssystem, das Studierwillige nicht abschreckt oder zur
Aufnahme von Nebentätigkeiten zwingt und die Qualität von Lehre und Studium
verbessert. Eine ernsthafte Debatte über neue Wege der Bildungsfinanzierung
muss BAföG, Bildungssparen, Bildungsdarlehen, Gebühren bei
einkommensabhängiger Darlehensrückzahlung sowie Freiplätze für Begabte und
Bedürftige einbeziehen. Wir wollen den Hochschulen die Bildung eines eigenen
Profils erleichtern. Unser Ziel ist, die zentrale Studienplatzvergabe
abzuschaffen. Die Studierenden sollen sich ihre Hochschule und die
Hochschulen ihre Studierenden selbst auswählen können.
Bildung:
Fundament für die Zukunft unserer Gesellschaft
Bildung ist Schlüssel für
individuelle Lebenschancen und Motor für gesellschaftliche Entwicklungen.
Bildung begründet Wohlstand. Kulturelle Teilhabe, politische Mündigkeit und
eine berufliche Perspektive durch Bildung für alle zu ermöglichen, ist eine
zentrale gesellschaftspolitische Verantwortung. Ein gegliedertes,
begabungsgerechtes Schulwesen bietet allen Kindern die besten Chancen. Die
grundlegenden Kulturtechniken - Lesen, Schreiben, Rechnen, aber auch der
Umgang mit neuen Medien und die Verarbeitung der heute verfügbaren
Informationsmengen - müssen sicher beherrscht werden. In den weiterführenden
Schulen müssen mit Blick auf den raschen Wandel in Technik und Wirtschaft
Mathematik, Naturwissenschaften und wirtschaftliches Grundwissen stärker
berücksichtigt werden. Der Religionsunterricht muss im Fächerkanon der
Schulen seinen festen Platz haben. Es gibt keine Bildung ohne Erziehung und
keine Erziehung ohne Werte.
Bei der Suche junger Menschen nach
Antwort auf ethische und religiöse Fragen muss die Schule Orientierung geben.
Das ist Aufgabe aller Fächer, nicht zuletzt aber die besondere Aufgabe des
Religionsunterrichtes. Der Religionsunterricht ist nicht nur Teil des
Verkündigungsauftrages der Kirchen, sondern er bietet die wertevolle
Möglichkeit, grundsätzliche Lebensfragen zu erörtern. Das Grundgesetz
verankert ihn bewusst als ordentliches, in Übereinstimmung mit den
Grundsätzen der Religionsgemeinschaften zu erteilendes Lehrfach. Denn auch
die Schule muss jungen Menschen helfen, der Frage nach Gott nachzugehen und
Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu geben.
Internationale Studien zeigen
starke Unterschiede zwischen den Ländern. Bildungspolitik scheitert, wo
Leistung vernachlässigt wird. Wir achten die Kulturhoheit der Länder und
wollen die Chancen des Föderalismus nutzen, um im Wettbewerb die
Leistungsfähigkeit der Bildungseinrichtungen zu fördern. Wir brauchen einen
transparenten und ehrlichen Leistungsvergleich zwischen den Schulen in
Deutschland. Wir sagen offen: Für Wertevermittlung und Chancengerechtigkeit
können nur Schulen sorgen, die Leistung fordern und fördern.
CDU und CSU treten für die
Förderung von Hochbegabten ein, gleich aus welchen Schichten sie kommen.
Unser Land braucht sie in allen Bereichen kultureller, wirtschaftlicher und
sozialer Tätigkeiten - den Forscher ebenso wie den qualifizierten
Facharbeiter. Öffentliche Mittel sind bevorzugt dort einzusetzen, wo die
Empfänger nach Leistungsfähigkeit und Leistungswillen einen solchen Einsatz
gerechtfertigt erscheinen lassen. Eine so verstandene Heranbildung von Eliten
muss als eine Aufgabe des gesamten Bildungswesens verstanden werden.
Die in der Erstausbildung
erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten reichen schon heute nicht mehr für ein
ganzes Berufsleben aus. Deshalb müssen wir auf kürzere Erstausbildungszeiten
in Schule, Berufsausbildung und Studium hinwirken und die Weiterbildung
fördern. Wir werden für Qualitätskontrolle und einen fairen Wettbewerb unter
den Weiterbildungsangeboten sorgen. Wesentliches Instrument wird die „Stiftung
Bildungstest“ sein, die wir vorgeschlagen haben. Sie muss, frei von
staatlichen Gängelungsversuchen, ein unabhängiges Votum über Qualität liefern
und Handlungsbedarf aufzeigen können.
Wir werden dem Markenzeichen „duale
Berufsausbildung“ wieder Glanz geben. Die Verbindung von praktischem Lernen
im Betrieb und schulischer Ausbildung ist für viele Menschen die Grundlage
ihres beruflichen Erfolgs und ein Eckpfeiler des wirtschaftlichen Erfolgs
deutscher Betriebe. Die betriebliche Ausbildung verdient eine entschiedene
Stärkung.
Wir wollen ein differenziertes,
allen Begabungen eine Chance bietendes Angebot an Berufsbildern und
Ausbildungsordnungen. Dazu gehören modulare Ausbildungsgänge und
Prüfungsordnungen und die Zulassung theorieentlasteter, kürzerer
Ausbildungsberufe. Die Entwicklung neuer, zukunftsorientierter
Ausbildungsberufe wollen wir beschleunigen.
Vertrauenswürdige,
investitionsfreundliche
Haushaltspolitik
Wir werden einen Kassensturz
vornehmen, die Haushaltsrisiken der rot-grünen Politik offen legen und den
Bundeshaushalt auf Konsolidierungskurs bringen. Die Finanzpolitik der
Schröder-Regierung ist leistungsfeindlich: Die Bürger wurden nicht entlastet,
sondern müssen für Steuermehreinnahmen (rund 20 Milliarden €)
aufkommen. Die Staatsausgaben wurden erhöht (rund 15 Milliarden €),
der Anteil der Investitionen aber ist so niedrig wie nie zuvor. Diese
Fehlentwicklungen müssen korrigiert werden.
Die Einnahme- und vor allem die
Ausgabestrukturen der öffentlichen Haushalte müssen grundlegend saniert
werden. Ohne dies werden wir die große Verwundbarkeit, die die deutsche
Wirtschaft und die öffentlichen Haushalte bei Konjunktureinbrüchen
auszeichnen, nicht beenden können. Neben einer Senkung der Steuer- und
Abgabenlast von Bürgern und Betrieben sind die Stärkung der öffentlichen
Ausgaben mit investivem Charakter und eine Rückführung konsumtiver
Staatsausgaben wichtige Bausteine für mehr Wachstum und Beschäftigung.
Unser Haushaltsziel ist die
Rückführung der Neuverschuldung. Dazu ist dreierlei erforderlich: Eine
konsequente Politik für Wachstum und Beschäftigung, die Rückführung der
Staatsquote und eine disziplinierte Sparsamkeit bei Behörden und
Institutionen. Der selbstgestellte Anspruch lautet: Deutschland soll in
Europa wieder Vorreiter einer stabilitätsorientierten Haushaltspolitik sein.
Die Regierungspolitik in Deutschland darf keinen Anlass mehr für „blaue
Briefe“ bieten. Der „Europäische Stabilitätspakt“ ist ein unverzichtbares
Fundament für die Stabilität der gemeinsamen Währung, das deutsche Politik
nicht schwächen darf.
Dem „Europäischen Stabilitätspakt“
muss ein funktionierender nationaler Stabilitätspakt zur Seite gestellt
werden, um die von der Bundesregierung mit ihrer verfehlten Wirtschafts- und
Finanzpolitik verursachte Schieflage mit einem gesamtstaatlichen Defizit von
2,7% des BIP im Jahr 2001 wirksam zu begegnen. Wir wollen den nationalen
Stabilitätspakt in einem Staatsvertrag verankern. Das gewährleistet die
Haushaltssouveränität des Bundestages und der Länderparlamente und führt zu
verbindlichen Festlegungen von Bund und Ländern. Wir streben für die
Defizitaufteilung zwischen dem Bund und den Sozialversicherungsträgern
einerseits und den Ländern und Kommunen andererseits ein Verhältnis von 45 zu
55 an. Die Defizitaufteilung zwischen den Ländern muss nach sachlichen
Kriterien erfolgen. Die Sanktionen wegen eventueller Defizitüberschreitungen
sind von den Verursachern zu tragen.
Eine umfassende
Gemeindefinanzreform soll die im Grundgesetz verankerte finanzielle
Eigenverantwortung der Kommunen gewährleisten, ihre Finanzkraft dauerhaft auf
eine solide Grundlage stellen und den Gemeinden berechenbare und
wachstumsfähige Steuerquellen erschließen. Dabei muss das Interesse der
Kommunen an der Ansiedlung von Unternehmen sowie der Schaffung und dem Erhalt
von Arbeitsplätzen berücksichtigt werden. Ein wichtiges Element könnte ein
eigenständiges Hebesatzrecht der Kommunen im Ertragssteuerbereich sein.
Wir machen Ernst mit dem
Subsidiaritätsprinzip und helfen, die Leistungen der Kommunen für ihre Bürger
zu sichern. Die Kommunen brauchen wieder verlässliche finanzielle
Rahmenbedingungen. Bei unserer Gemeindefinanzreform legen wir großen Wert auf
eine enge Abstimmung mit den Kommunen und ihren Verbänden.
Unsere Reformen bei Steuern,
Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Sozialversicherungen werden dauerhaften und
verlässlichen Spielraum für mehr Investitionen in die Infrastruktur des
ganzen Landes schaffen. Diesen werden wir für die Zukunftsfähigkeit
Deutschlands nutzen.
Zukunftsfähige Infrastrukturen
Mobilität muss für alle Menschen
bezahlbar sein. Mobilität ist zugleich ein wesentlicher Faktor für
wirtschaftliche Prosperität. Wir werden den Anteil der Investitionen an den
Ausgaben im Bundeshaushalt wieder erhöhen und den Investitionsstau im
Verkehrsbereich beseitigen. Soll die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes
Deutschland keinen nachhaltigen Schaden nehmen, müssen die im Bau
befindlichen Maßnahmen zügig fortgeführt, die baureifen Maßnahmen
schnellstmöglich begonnen und die übrigen Projekte des vordringlichen Bedarfs
zeitgerecht realisiert werden.
Es muss wieder eine systematische
und nachhaltige Zukunftsplanung für Verkehrsinfrastruktur und Mobilität
aufgelegt werden. Wir werden deshalb die überfällige Fortschreibung des
Bundesverkehrswegeplans, der den objektiven Bedarf für Straße, Schiene und
Wasserstraße darzustellen hat, unverzüglich auf den Weg bringen. In die
Planung müssen die Kapazitätssituation bei den Flughäfen und die
erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen eingebunden werden.
CDU und CSU werden Schluss machen
mit den volkswirtschaftlichen Verlusten durch Stau und stockenden Verkehr,
die laut Bundesforschungsministerium jährlich nahezu
100 Milliarden € betragen. Eine vorausblickende Politik, wie wir
sie anstreben, ordnet die Infrastrukturfinanzierung neu und nutzt verstärkt
die Möglichkeiten der Privatfinanzierung im Bundesfernstraßenbau.
Sie trägt dafür Sorge, dass für die Betriebe des Güterkraftverkehrsgewerbes
keine dauerhaften Wettbewerbsnachteile durch Straßenbenutzungsgebühren
entstehen.
Gleichzeitig werden wir für einen
attraktiven Schienenverkehr sorgen und die Bahnreform weiterführen. Wir
werden die Voraussetzungen für einen kundenfreundlichen und fairen Wettbewerb
konkurrierender Unternehmen auf der Schiene schaffen. Wir werden einen
diskriminierungsfreien Zugang unterschiedlicher Unternehmen zum Schienennetz
durchsetzen und für die nötige operative Unabhängigkeit von Netz und Betrieb
sorgen. Die Zusammenarbeit der Verkehrsträger Straße und Schiene werden wir
verstärkt fördern.
Die „Verkehrsprojekte Deutsche
Einheit“ sollen als eine Voraussetzung für wirtschaftlichen Aufschwung in den
neuen Bundesländern ohne weitere Verzögerung fertiggestellt werden. Wir
werden dafür sorgen, dass in Deutschland entwickelte neue
Verkehrstechnologien wie der Transrapid auch zügig in Deutschland zum Einsatz
kommen.
Wohnungseigentum fördern
Breit gestreutes Eigentum ist ein
Beitrag zum sozialen Frieden. Wohneigentum ist ein wichtiger Bestandteil der
Vermögensbildung, trägt entscheidend zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit bei,
entlastet den Markt für Mietwohnungen und ist ein wichtiger Beitrag zur privaten
Vorsorge für das Alter. Unser Ziel ist es, die Förderung des selbstgenutzten
Wohneigentums in Neubau und Bestand zu stärken, die Eigenheimförderung
familienfreundlicher zu gestalten und das Wohneigentum wirksam in die
Förderung der privaten Altersvorsorge einzubinden.
Die Weiterentwicklung des Wohnungs-
und Städtebaus muss der Notwendigkeit der Erhaltung lebenswerter Städte, der
präventiven Verhinderung der Konzentration sozialer Probleme sowie den zu
erwartenden demografischen Veränderungen der Wohnungsnachfrage Rechnung
tragen. Wir werden die Talfahrt in der Wohnungsbaupolitik beenden und die
Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau verbessern.
Der soziale Wohnungsbau muss wieder
angemessen gefördert und dabei Familien besonders unterstützt werden. Bestand
und Neubau werden gleichgewichtig gefördert. Bei der Belegung von
Sozialwohnungen wird auf die Erhaltung sozial stabiler Bewohnerstrukturen
geachtet. In diesem Zusammenhang kommt es uns darauf an, die Zuständigkeiten
der Länder zu stärken. Denn sie können besser als der Bund die Instrumente
der Wohnungspolitik auf den in Angebot und Mieten stark differenzierten
Wohnungsmarkt abstimmen.
Eine von CDU und CSU geführte
Regierung wird die Investitionsbereitschaft im Wohnungsbau wiederherstellen.
Ausreichend Wohnungen zu bezahlbaren Preisen – gerade auch große und bezahlbare
Wohnungen für Familien mit Kindern – stehen nur zur Verfügung, wenn der
Wohnungsbau für Vermieter wirtschaftlich interessant ist. Wir werden die
Beschränkungen der Verlustverrechnung für den Mietwohnungsbau wieder
aufheben, die Abschreibungsbedingungen verbessern und die sogenannte
„Spekulationsfrist“ spürbar verkürzen. Wir werden dafür sorgen, dass ein
größerer Erhaltungsaufwand bei vermieteten Objekten steuerlich wieder auf
mehrere Jahre verteilt werden kann.
Im Osten was Neues
Die Ostdeutschen haben mit ihrer
friedlichen Revolution vom Herbst 1989 den Sozialismus überwunden und die
Voraussetzung für die Wiederherstellung der deutschen Einheit in Freiheit
geschaffen. Die neuen Länder sind seit der staatlichen Einheit feste
Bestandteile der Bundesrepublik Deutschland. Seither hat sich die
wirtschaftliche und soziale Situation der Ostdeutschen entscheidend
verbessert.
Im nächsten Jahrzehnt wird
Ostdeutschland zur Mitte Europas. Der Wandel von der Industrie- zur
Wissensgesellschaft wird zu weitreichenden Veränderungen führen. Beides muss
als Chance begriffen werden. Für den Aufbau Ost kann die bisherige
Orientierung an der schnellstmöglichen Angleichung der Lebens- und
Wirtschaftsverhältnisse der alten Länder nicht mehr der alleinige Maßstab sein.
Nicht der bis in alle Einzelheiten kopierte Nachbau West, sondern die
kreative Neuausrichtung an den Erfordernissen des weltweiten Wettbewerbs ist
das Markenzeichen für den Aufbau Ost.
Nur wenn die Wirtschaft in den
neuen Ländern wieder deutlich stärker wächst, kann Deutschland vom
Schlusslicht in Europa wieder zum Wachstumsmotor werden. Zu allererst kommt
es auf den Osten an! Die gezielte Förderung neuer Unternehmen, neuer Produkte
und neuer Märkte ist die entscheidende Voraussetzung für mehr Wachstum und
Beschäftigung. Am Beispiel von Sachsen und Thüringen ist zu sehen, zu welchen
Fortschritten innovative und zielgerichtete Politik führt.
Die Union ist die Partei der
deutschen Einheit und bleibt der Garant für die innere Einheit Deutschlands.
Sie muss wieder in stärkere Verantwortung kommen. Sowohl in der
wirtschaftlichen Entwicklung als auch auf dem Arbeitsmarkt ist seit dem
Regierungsantritt von Rot-Grün die Schere wieder auseinander gegangen - zu
Ungunsten der neuen Länder. Seit 1990 war der Abstand in der Arbeitslosenrate
zwischen Ost und West noch nie so hoch wie jetzt. Die Abwanderung junger, gut
ausgebildeter und leistungsorientierter Menschen aus den neuen in die alten
Länder ist seit 1998 dramatisch gestiegen. Der Osten Deutschlands braucht neue
Perspektiven!
Mittelstandsoffensive für
Ostdeutschland
Aus Privatisierungserlösen
des Bundes werden wir eine Existenzgründer- und Innovationsoffensive für den
Mittelstand in Ostdeutschland einleiten. Zum Ausbau der
Gründerförderung wird die Beratung von Existenzgründern („Coaching“) und die
Bereitstellung von Risikokapital intensiviert werden.
Im Rahmen der Innovationsförderung
sind die in Ostdeutschland vorhandenen Forschungs- und Entwicklungspotenziale
in kleinen und mittleren Unternehmen zu stärken sowie die Vernetzung dieser
Unternehmen mit der industrienahen Forschung an Hochschulen und
Forschungseinrichtungen auszubauen.
Darüber hinaus muss die
Erschließung überregionaler Absatzmärkte für ostdeutsche Produkte und
Dienstleistungen verbessert werden.
Innovationspotenziale stärken
Durch den Ausbau von
Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Fachhochschulen wollen wir gezielt
Innovationspotenziale stärken und neue, innovative Strukturen weiterführen
bzw. aufbauen, wo dies noch nicht geschehen ist.
Wir werden offensiv
technologieorientierte Gründungen an Universitäten und Fachhochschulen
fördern.
Zudem müssen verstärkt ausländische
Investoren für Forschungsinvestitionen in Ostdeutschland gewonnen werden.
Infrastrukturausbau
Schwerpunkte sind die verbesserte
Anbindung der Regionen an die großen Verbindungsachsen, die Ertüchtigung des
Schienennetzes und eine verbesserte Verkehrsverbindung zu den
EU-Beitrittsländern. Bei baureifen Maßnahmen soll die Finanzierung vorrangig
erfolgen. Dabei sollen alternative Finanzierungsmodelle in die Überlegungen
mit einbezogen werden.
Die Verkehrsprojekte Deutsche
Einheit sind konsequent weiter zu finanzieren. Das Umgehungsstraßenprogramm
muss über das Jahr 2003 hinaus fortgeführt werden. Für die Kommunen ist eine
Infrastrukturpauschale einzuführen.
Finanzierung
Das Sonderprogramm soll aus Privatisierungserlösen,
Mittelumschichtungen im Bundeshaushalt und nach Anspringen der Konjunktur
entstehenden Spielräumen finanziert werden, die nach Auslaufen des
Investitionszulagengesetzes Ende 2004 gezielt eingesetzt werden.
Mehr Freiheit für eigene Wege
Zur gezielten Förderung von
Ansiedlungen und Investitionen in Ostdeutschland werden wir zeitlich
befristete Öffnungs- und Experimentierklauseln in Bundesgesetzen schaffen.
Vor allem bei Genehmigungsverfahren oder auch im Hochschulrecht können so
flexible und unbürokratische Antworten auf spezifisch ostdeutsche
Herausforderungen gefunden werden. Neue Regelungen zur Beschleunigung der
Planungsverfahren und für ein vereinfachtes Baurecht müssen in Kraft gesetzt
werden.
Mehr Autonomie bei der
Wirtschaftsförderung – Auf die eigenen Stärken setzen
Die Länder müssen die Möglichkeit
erhalten, ihre Wirtschaftsförderung stärker auf die eigenen regionalen
Stärken und Wachstumspole zu konzentrieren. Ansatzpunkte für solche
Wachstumspole oder „Cluster“ besonders in technologieintensiven
Wirtschaftszweigen finden sich vor allem dort, wo es eine hochwertige
Forschungs- und Bildungsinfrastruktur gibt. Um diese Pole herum bilden sich
Netzwerke von Zulieferern und Dienstleistern. Die „Abstrahleffekte“ solcher
Zentren in das Umland müssen durch die Regionalförderung gezielt unterstützt
werden.
Eine leistungsfähige Infrastruktur,
ein hohes Investitionsniveau und ein breites Angebot innovativer Produkte und
Dienstleistungen sind die tragenden Pfeiler für mehr Wachstum und
Beschäftigung. Die Wirtschaftsförderung für Ostdeutschland muss sich daher
konsequent auf die Kernbereiche Infrastruktur, Investitionen und Forschung
und Entwicklung konzentrieren.
Investitionen müssen bei
Ausrüstungen und Betrieben wieder über dem gesamtdeutschen Maßstab liegen.
Der weitere Aufbau des Kapitalstocks ostdeutscher Unternehmen ist
Grundvoraussetzung für dauerhaft höheres Wachstum. Er muss auf hohem Niveau
weiter unterstützt werden. Das Volumen der Investitionsförderung durch
Zuschüsse, zinsgünstige Darlehen und Bürgschaften muss daher aufrechterhalten
werden.
Wir werden uns bei der Europäischen
Union dafür einsetzen, dass die Wirtschaftsförderung in Ostdeutschland
weiterhin auf hohem Niveau aufrechterhalten werden kann.
Selbständige Existenzen wirksam
sichern
Es müssen einschneidende
Gesetzesänderungen zum Schutz der Leistungserbringer beschlossen werden. Um
vor allem die Bauhandwerker besser gegen unverschuldete Insolvenz zu sichern,
müssen unberechtigte Zahlungsverweigerungen und –verzögerungen erschwert und
berechtigte Forderungen schneller und besser durchgesetzt werden. Der von
Sachsen und Thüringen erarbeitete Gesetzentwurf zur Verbesserung der
Zahlungsmoral bietet dafür wichtige Ansatzpunkte.
Die Liquidität der kleinen und
mittleren Unternehmen ist durch eine Ausweitung der Ist-Besteuerung in der
Umsatzsteuer auf Unternehmen bis zu 2,5 Mio. € Umsatz pro Jahr zu verbessern.
Bei Ertragsteuervorauszahlungen für
Existenzgründer ist auf die besondere Liquiditätssituation Rücksicht zu
nehmen.
Die Baseler Verhandlungen über eine
neue Eigenkapitalrichtlinie für Banken dürfen zu keiner generellen Verschlechterung
der Kreditkonditionen für mittelständische Unternehmen führen. Bei der
vorgesehenen Wirkungsanalyse müssen die Effekte von Basel II auf die
Kreditkonditionen in den alten und neuen Ländern differenziert untersucht
werden, um der unterschiedlichen Wirtschaftslage und Wirtschaftsstruktur
gerecht zu werden.
Zur Stabilisierung der
wirtschaftlichen Basis des Mittelstandes ist der Fokus insbesondere auf die
Förderung von Beteiligungskapital für Existenzgründer und mittelständische
Unternehmen zu richten. Zur Begleitung des Strukturwandels in der Wirtschaft
sollen die eigenkapitalschwachen Unternehmen in Ostdeutschland über eine
stärkere risikomäßige Absicherung in der Gründung und der Verbesserung ihrer
Wettbewerbsfähigkeit unterstützt werden. Vor diesem Hintergrund hat die von
der Union konzipierte Steuerreform, durch die vor allem die Benachteiligung
der mittelständischen Wirtschaft behoben wird, eine besondere Bedeutung.
Förderung der Ost-West-Wanderung
muss auf den Prüfstand
Finanzielle Hilfen zur Förderung
der Mobilität sollen zurückgefahren werden, um die Abwanderung aus dem Osten
zu begrenzen.
Beschäftigungsfähigkeit auf dem
ersten Arbeitsmarkt verbessern
Die Instrumente der aktiven
Arbeitsmarktpolitik, insbesondere die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sowie die
Umschulungs- und Fortbildungsmaßnahmen, müssen so ausgestaltet werden, dass
Arbeitslose möglichst rasch wieder in den ersten Arbeitsmarkt eingegliedert
werden können. Der Schwerpunkt der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sollte sich
auf die Unterstützung älterer Arbeitsloser konzentrieren. Für
Langzeitarbeitslose müssen Aufgabenfelder außerhalb der Erwerbsarbeit
erschlossen werden, soweit andere Möglichkeiten der Arbeitsmarktintegration
ausscheiden.
Überschaubare Perspektiven für eine
Lohnangleichung
Es wäre falsch, die Zukunft der
neuen Länder dauerhaft mit niedrigen Löhnen zu erkaufen. In der Privatwirtschaft
sollten wirtschaftlich sinnvolle Lohndifferenzierungen Vorrang haben.
Erzielte Produktivitätsfortschritte sollen daher an die Beschäftigten
weitergegeben werden.
Bis zum Jahr 2007 muss im
Öffentlichen Dienst des Bundes eine Angleichung der Besoldung und der Tarife
erfolgen. Für die Länder müssen bei Besoldungs- und Zulagenregelungen
Öffnungsklauseln zugelassen werden, damit leistungsorientiert, flexibel und
der wirtschaftlichen Lage entsprechend bezahlt werden kann.
Bei den niedergelassenen
Kassenärzten müssen die Honorare bis zum Jahr 2007 schrittweise angeglichen
werden, um eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung zu
gewährleisten.
Wettbewerbsfähige Strukturen
gehören zur deutschen Agrarordnung
Die historisch gewachsenen
landwirtschaftlichen Unternehmen und Betriebsformen in Ostdeutschland sind
gleichwertige Elemente der deutschen Agrarverfassung. Bei der Förderung
landwirtschaftlicher Betriebe kommt es auf deren Problemlage und nicht
ausschließlich auf ihre Betriebsgröße an. Bei nationalen Entscheidungen, wie
zum Beispiel der Einführung der Modulation sind die soziale Lage der
ostdeutschen landwirtschaftlichen Unternehmen und die Interessen der
flächenintensiven ostdeutschen Landwirtschaft besonders zu würdigen.
Eigenverantwortung und
Selbstverwaltung der Kommunen stärken
Die Kommunen brauchen mehr
Autonomie bei den Gemeindefinanzen. Das Engagement für die Ansiedlung von
Unternehmen, für die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen und für ein
attraktives Wohn- und Lebensumfeld muss stärker belohnt werden.
Der Abriss von Plattenbauten sollte
Vorrang haben gegenüber teuren Rückbaukonzepten.
Länderkompetenzen stärken,
eigenständige Entwicklungen fördern
In der Verfassungspraxis ist die
ursprünglich im Grundgesetz angelegte Verteilung der Gesetzgebungskompetenzen
zu Lasten der Länder verschoben worden. Mitsprache- und Beteiligungsrechte
sind vielfach an die Stelle von Gestaltungsrechten getreten.
Zur Erhaltung von Eigenständigkeit
und Eigenverantwortung der Länder ist eine Kompetenzordnung mit ausgeprägter
Ländergesetzgebungskompetenz erforderlich. Dadurch wird regionale Vielfalt
gestärkt und Bürgernähe wieder hergestellt.
Das derzeitige System der
Gemeinschaftsaufgaben begrenzt die Eigenstaatlichkeit der Länder und ist
schwerfällig und bürokratisch im Vollzug. Durch Auflösen solcher
Mischfinanzierungen muss ein Anreizsystem eingeführt werden, das Erfolg und
Misserfolg der Politik deutlich macht. Dabei muss die finanzielle
Ausgangslage der ostdeutschen Länder berücksichtigt werden.
Ostdeutsche müssen in
Bundesbehörden – insbesondere in
Leitungsfunktionen – angemessen vertreten sein.
Friedliche Revolution der
Ostdeutschen von 1989 als fester Bestandteil unserer Erinnerungskultur
Deutschland muss mit der Errichtung
eines Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin dieses Ereignis würdigen. Der
50. Jahrestag des Arbeiteraufstandes am 17. Juni 2003 muss als nationaler
Gedenktag würdig begangen werden.
Die Opfer der SED-Diktatur müssen
auf der Basis des Antrages der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für eine
Ehrenpension angemessen entschädigt werden. Damit wird deren Einsatz für
Freiheit, Demokratie und Menschenrechte gewürdigt.
Für die ca. 50.000 Ostdeutschen,
die als Heimkehrer oder ehemalige Zivildeportierte im Gegensatz zu den
Westdeutschen keine Entschädigung erhalten hatten, muss Gerechtigkeit
hergestellt werden.
Zur Förderung der inneren Einheit
sollte die Politik alle Aktivitäten und Initiativen unterstützen, damit die
Menschen aus den alten und neuen Ländern sich begegnen und näher kommen.
Nationales Programm zur Förderung
der Grenzregionen
Die Entwicklung der Grenzregionen
ist durch angemessene Übergangsvorschriften zur EU-Osterweiterung und ein
Grenzgürtelförderprogramm zu sichern. Der Ausbau transeuropäischer Netze muss
von Deutschland vorangetrieben werden.
Ein menschliches Deutschland
gestalten
Glück und Zufriedenheit hängen auch
von Dingen ab, die keinen Preis haben und die man nicht kaufen kann. Der
rasche gesellschaftliche Wandel und immer neue Forderungen nach Flexibilität
und Mobilität haben die Lebenswelt der Menschen in vieler Hinsicht
unüberschaubarer gemacht. CDU und CSU sehen es als ihre Verpflichtung an,
auch für die Werte jenseits von Euro und Cent einzutreten. Freiheit,
Solidarität und Gerechtigkeit sind die Grundwerte, die auf der Grundlage
unseres christlichen Bildes vom Menschen unverzichtbar für die Gestaltung unseres
Landes und für unsere Gesellschaft sind. Wir setzen uns ein für Ehrfurcht vor
gewachsenen Traditionen. Wir sind offen für das Neue. Aber alles Neue hat
sich gegenüber dem Bewährten als das Bessere auszuweisen.
Es gibt keine vernünftige
Alternative zu unserer durch den technologischen Fortschritt geprägten
Gesellschaft. Aber es gibt humane Alternativen zu einer ausschließlich
technologisch verstandenen Gesellschaft. Im „globalen Dorf“ findet niemand
Heimat; ökonomische Zweckrationalität alleine schafft kein lebenswertes
Umfeld. Wir brauchen mehr Miteinander in unserer Gesellschaft. Das
ehrenamtliche Engagement und der bürgerschaftliche Einsatz vieler Frauen und
Männer bereichern unsere Gesellschaft. Wir brauchen die Geborgenheit in der
kleineren Einheit: in der Familie, im Verein, in der Gemeinde, in der Heimat.
Ebenso unverzichtbar ist die Identifikation mit der Nation als
geschichtlicher, geistiger und kultureller Gemeinschaft.
Unsere Gesellschaft muss ihr
menschliches Gesicht behalten. Der Einzelne darf in der Massengesellschaft
nicht verloren gehen und vereinsamen. Die vielfältigen Vereinigungen von
Menschen aller Altersgruppen haben eine hohe gesellschaftliche, kulturelle
und soziale Bedeutung. So fördert der Sport nicht nur Gesundheit, sondern auch
Fairness, Integration, Gemeinsinn, Leistungsbereitschaft und
Demokratieverständnis und wird von uns in Breite und Spitze angemessen
unterstützt werden. Nach Kräften wollen wir sportliche, soziale und
kulturelle Einrichtungen und Initiativen fördern. Wir wollen Eigeninitiative
und verantwortliche Selbsthilfe stärken. Nicht der bevormundende
Versorgungsstaat ist unser Leitbild, sondern der Staat, der auf die
Mitverantwortung und Solidarität der Bürger baut, der den Menschen dient und
der Fremden die Chance bietet, sich zu integrieren.
Eine große Bedeutung für das
geistige Klima in unserer Gesellschaft kommt den christlichen Kirchen und
Religionsgemeinschaften zu. Sie weisen über die Endlichkeit unserer Existenz
hinaus und tragen für viele Menschen zur Sinngebung ihres Lebens und zur
Wertorientierung bei. Ohne sie ist die Vermittlung der
christlich-abendländischen Tradition nicht möglich. Zusammen mit den
frei-gemeinnützigen Wohlfahrtsverbänden leisten Kirchen und
Religionsgemeinschaften auf dem Feld der sozialen Dienste am Menschen
hervorragende Arbeit. Wir treten ein für einen umfassenden Schutz des
religiösen Bekenntnisses vor verletzenden Angriffen und Beschimpfungen. An
der Kirchensteuer halten wir fest.
Nach unserem Verständnis schreibt
die Politik in einer freien und offenen Gesellschaft nicht vor, wie die
Menschen zu leben haben. Darum respektieren wir die Entscheidungen von
Menschen, in vielfältigen Formen des Zusammenlebens ihren Lebensentwurf zu
verwirklichen. Dies gilt für nichteheliche Partnerschaften zwischen Frauen
und Männern. Das gilt ebenso für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften.
Wir werben für Toleranz und wenden uns gegen jede Form der Diskriminierung.
Eine rechtliche Gleichstellung solcher Lebensgemeinschaften mit der Ehe
lehnen CDU und CSU ab.
Leben schützen und erhalten
Wir wollen eine menschliche Zukunft
für unsere Kinder und Enkelkinder gestalten. Darum genießen Menschenwürde und
Schutz des Lebens für uns höchste Priorität und sind Richtschnur für unser
politisches Handeln. Wir bekennen uns dazu, dass dem Menschen in allen Stufen
seines Lebens – von der Verschmelzung der Samen- und Einzelle bis zu seinem
Tod – ungeteilte Menschenwürde als Ebenbild Gottes zukommt, die zu achten und
zu schützen Verpflichtung aller staatlichen Gewalt ist. An diesem
Verfassungsgrundsatz werden wir unser politisches Handeln messen.
Wesentlicher Gradmesser der
Humanität einer Gesellschaft ist deren Umgang mit behinderten Menschen. Als
Teil unserer Gesellschaft haben Behinderte und ihre Familien Anspruch auf
Solidarität und Unterstützung. Integration statt Isolation ist der richtige
Weg. Wir wollen erreichen, das Behinderte soweit wie möglich Chancen
erhalten, zusammen mit Nichtbehinderten zu arbeiten. Wir treten ein für ein eng
geknüpftes Netz von Berufsbildungs- und Berufsförderungswerken für
Behinderte. Wir werden die Leistungsansprüche Behinderter aus der Sozialhilfe
herauslösen und in einem eigenen Gesetz zusammen führen. Wir wollen uns dafür
einsetzen, damit es in unserer Gesellschaft von morgen normal sein wird,
verschieden zu sein.
Die neuen und noch zu erwartenden
Möglichkeiten der Gentechnologie und Biomedizin stellen uns vor große
Herausforderungen. Gerade bei diesen Zukunftstechnologien müssen wir Chancen
und Risiken sorgfältig prüfen und abwägen, um die richtigen Weichen für
nachfolgende Generationen zu stellen. Wir dürfen keinesfalls einem
wissenschaftlichen Machbarkeitswahn verfallen. Nützlichkeitserwägungen dürfen
nicht über den Schutz allen menschlichen Lebens gestellt werden. Deshalb
halten wir an den strengen Grundsätzen des deutschen Embryonenschutzgesetzes
fest und lehnen eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe ab. Wir
unterstützen nachdrücklich den Einsatz für ein Sterben in Würde wie etwa in
der Hospizbewegung. Wir intensivieren die Schwangerenberatung, damit sich
künftig mehr Familien in schweren Konfliktsituationen für ihr Kind und damit
für werdendes Leben entscheiden können.
Bei diesen und künftigen ethischen
Fragen ist eine wertorientierte Politik gefordert, wie sie die Union auf der
Basis des christlichen Menschenbildes vertritt. Das christliche Menschenbild
ist für uns der Kompass für verantwortungsvolle, nachhaltige Gestaltung einer
humanen Zukunft.
Bürgersinn ermutigen,
Verantwortlichkeiten verdeutlichen
Wir wollen ein Gemeinwesen, in dem
sich die Bürger zuhause fühlen: ohne das heutige Übermaß an Bürokratie,
durchschaubar und lebendig. Deshalb streben wir danach, die
Entscheidungsspielräume von Ländern und Kommunen zu vergrößern und
überflüssige, nicht mehr zeitgemäße Regelungen abzuschaffen. Im Gegenzug
bauen wir auf die Bereitschaft der Menschen, mit persönlichem Einsatz und
Bürgersinn zu einer lebenswerten und menschlichen Gesellschaft beizutragen.
Der öffentliche Dienst dient dem
Bürger. Wir wollen Effizienz, Flexibilität und motivierte Mitarbeiter für
eine leistungsstarke, bürgernahe Verwaltung. Wir schützen die mit der
besonderen Gemeinwohlverpflichtung verbundenen Grundsätze des Beamtenrechts
und wenden uns gegen ihre von der gegenwärtigen Bundesregierung betriebene
schleichende Aushöhlung.
Wir wollen einen auf allen Ebenen
leistungsfähigen und effizienten Staat. Deshalb werden wir unmittelbar nach
Regierungsübernahme eine „Innovationskommission modernes Deutschland“
einsetzen, um die Aufgaben des Staates und die Zuständigkeitsverteilung auf
Bund, Länder und Kommunen grundsätzlich zu überprüfen und eine zeitgemäße
Neuordnung auf den Weg zu bringen.
Wir wollen die Durchsetzbarkeit von
Reformen bei Bund und Ländern entscheidend verbessern und zugleich politische
Verantwortlichkeiten für den Bürger wieder erkennbar machen. Dazu wollen wir
die Gesetzgebungskompetenzen der Länder stärken und sie von den
Zuständigkeiten des Bundes klar abgrenzen. Dadurch wird die regionale
Vielfalt gestärkt im Sinne eines Wettbewerbs bester Ideen, wird Bürgernähe
wieder hergestellt und Deutschland als ganzes reformfähiger.
Wir wollen eine große
Föderalismusreform mit einer Finanzreform auf bundesstaatlicher Ebene, die
den Ländern und Kommunen wieder mehr Freiraum auf der Einnahmen- und der
Ausgabenseite lässt. Durch einen Abbau der Mischfinanzierungen und der
Gemeinschaftsaufgaben sowie durch Zuständigkeitsverlagerungen werden wir bei
Gewährleistung der Finanzverantwortung durch den Bund den Ländern Gestaltungsspielräume
zurückgeben. Insbesondere bei den Steuern, deren Aufkommen den Ländern
zusteht, sollen diese mehr Kompetenzen erhalten.
Der Abbau der Gemeinschaftsaufgaben
und Mischfinanzierungen gibt den Ländern politischen Gestaltungsspielraum zurück.
Bisher beschneiden sie die Entscheidungsbefugnisse der Länder, verhindern den
Wettbewerb um bessere Lösungen, sind schwerfällig und bürokratisch. Die
Abgrenzung von Kompetenzen und die Klärung von Verantwortlichkeiten werden es
möglich machen, gegenseitige Zustimmungserfordernisse und Vetorechte deutlich
zu verringern und dadurch die Handlungsfähigkeit sowohl des Bundes als auch
der Länder zu verbessern.
Vorrang für Familien
Für uns ist und bleibt die Familie
auch in Zukunft die wichtigste Form des Zusammenlebens. Der Zusammenhalt in
den Familien ist die Grundlage für die Solidarität in unserer Gesellschaft.
Die Familie ist auch im 21. Jahrhundert die attraktivste Lebensform, weil sie
Lebenssinn, Geborgenheit und Glück erlebbar macht und in ihrer Gemeinschaft
gelebt wird. Eine Gesellschaft ohne Kinder hat keine Zukunft. Unser Leitbild
ist die familien- und kinderfreundliche Gesellschaft. Diese wollen wir durch
eine faire Politik für Familien erreichen. Für CDU und CSU ist Familie
überall dort, wo Eltern für Kinder und Kinder für Eltern Verantwortung
tragen. Wir halten daran fest, dass die Ehe als Institution einer auf
Lebenszeit angelegten Beziehung in unserer Verfassungsordnung besonders
geschützt bleibt.
Die Familie ist in unserer Zeit
besonders stark vom Wandel der Lebensstile betroffen: Rückläufig ist die Zahl
der Eheschließungen. Gewachsen ist die Zahl der nichtehelichen
Lebensgemeinschaften. Verglichen mit den geburtenstarken Jahrgängen der 60er
Jahre haben sich die Geburtenzahlen heute halbiert. Fast jedes fünfte Kind
unter 18 Jahren lebt heute mit nur einem allein erziehenden Elternteil
zusammen. Die meisten Paare haben heute den Wunsch, Familie und
Erwerbstätigkeit miteinander zu verbinden. Männer können und wollen immer
seltener die alleinigen Ernährer der Familie sein. Immer mehr Männer wollen
ihrer Rolle als Väter gerechter werden. Viele Frauen lehnen es ab, ihren
Lebensentwurf weitgehend als ausschließlich auf Haushalt und Kindererziehung
ausgerichtet zu verstehen. Nach wie vor gibt es aber auch eine Vielzahl von
Frauen, die sich zumindest eine gewisse Zeit allein den Kindern widmen
möchten. Dies muss auch in Zukunft möglich und gesellschaftlich anerkannt
sein.
Die Aufgabe, Kinder zu erziehen,
ist anspruchsvoller geworden. Wir werden die Erziehungskompetenz besser
fördern und unterstützen. Die Angebote der Familienberatung und
Familienbildung müssen ausgebaut, breiter bekannt und leichter zugänglich
gemacht werden. Wir werden die „heimlichen Miterzieher“ Medien stärker in die
Verantwortung nehmen.
Die Alternative „Familie oder
Beruf“ überwinden
Die Eltern sollen frei entscheiden
können, ob sie ihre Kinder selbst erziehen und betreuen, oder ob sie dafür
die Unterstützung von Kinderbetreuungseinrichtungen in Anspruch nehmen. Heute
sind mehr als die Hälfte aller Mütter mit Kindern und mehr als ein Drittel
aller Mütter mit Kleinkindern erwerbstätig. Immer mehr Eltern wollen die
Familienarbeit mit der Erwerbsarbeit verbinden können. Hier ist die Politik
gefordert, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.
CDU und CSU treten ein für ein
vielfältiges, am Bedarf und am Elternwillen orientiertes
Kinderbetreuungsangebot: Krippenplätze, Spielgruppen, Elterninitiativen,
Tagesmütter, Kindergärten - auch in betrieblicher Trägerschaft - mit an den
örtlichen Bedürfnissen orientierten Öffnungszeiten, Ganztagsschulen, Schulen
mit betreuendem Ganztagsangebot und Horte. Wir wollen die „verlässliche
Schule“, in der alle Grundschüler mindestens halbtägig unter Aufsicht an
ihrer Schule bleiben können – auch bei Unterrichtsausfall. Dazu wollen wir
die zuständigen Länder und Kommunen ermuntern.
Die Beziehungen zwischen
Arbeitswelt und Familien müssen neu ins Gleichgewicht gebracht werden. Wir
wollen familiengerechte Jobs statt jobgerechter Familien. Wir wollen bei den
Tarifpartnern darauf hinwirken, dass im Rahmen von Tarifverhandlungen oder Betriebsvereinbarungen die
Bedürfnisse von Familien mit Kindern stärker berücksichtigt werden. Gerade
Familien kommen Regelungen wie flexible Arbeitszeiten, Job-Sharing, Arbeitszeitkonten
oder Gleitzeit zugute. Insbesondere nach der Rückkehr aus der Familienphase
brauchen Mütter oder Väter verbesserte Möglichkeiten zum beruflichen
Wiedereinstieg und zur Teilzeitarbeit.
Familien gehören nicht in die
Sozialhilfe
CDU und CSU vertreten den
Standpunkt: Keine Familie soll nur deshalb, weil sie die Kosten für ihre
Kinder nicht aufbringen kann, auf Sozialhilfe angewiesen sein.
Familienförderung ist Zukunftsinvestition. Deshalb werden wir das System der
staatlichen Familienförderung grundlegend neu gestalten:
Wir wollen das bisherige Kindergeld
und das bisherige Erziehungsgeld stufenweise durch ein neues „Familiengeld“
ersetzen. Damit wollen wir die Familien materiell stärken. Wir bieten damit
eine einheitliche Leistung an Stelle des inzwischen unübersichtlichen Systems
der Familienförderung. Kinder sollen nicht mehr zu Sozialhilfebedürftigkeit
führen. Das Familiengeld wird grundsätzlich nur für Kinder bezahlt werden,
die in Deutschland leben. Die Auszahlung sollen die Familienkassen übernehmen.
Die finanziellen Voraussetzungen
für die stufenweise Einführung des Familiengeldes ab 2004 werden wir mit
einer konsequenten Politik für Wachstum und Beschäftigung schaffen. Das
Familiengeld soll steuer- und abgabenfrei sein. Es wird unabhängig vom Umfang
der Erwerbsarbeit und von der Höhe des Familieneinkommens gezahlt und mit der
Steuerfreistellung des Existenzminimums verbunden. Das Familiengeld soll für
Kinder, die in Deutschland leben, folgende Größenordnungen erreichen:
Ø 600 € für jedes Kind unter drei Jahren.
In dieser Lebensphase ist der Betreuungsaufwand besonders hoch.
Ø 300 € für jedes Kind im Alter von drei
bis unter 18 Jahren.
Ø 150 € für Kinder ab 18 Jahren
(170 € ab dem vierten Kind), die sich noch in der Ausbildung befinden.
Wir werden für die steuerliche
Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten zwischen 1000 € und
5.000 € pro Kind jährlich bereits ab 2003 sorgen.
Gleichberechtigung verwirklichen
CDU und CSU wollen die
Gleichberechtigung von Frau und Mann in einer partnerschaftlichen
Gesellschaft verwirklichen. Wir wollen immer noch bestehende
Benachteiligungen von Frauen in Arbeitswelt, Politik und Gesellschaft
beseitigen. Frauen und Männer sollen sich in Freiheit und Verantwortung so
entfalten können, wie es ihren Neigungen, Begabungen und Wünschen entspricht.
Deshalb
treten wir ein
Ø für bessere Rahmenbedingungen zur
Vereinbarung von Familien- und Erwerbsarbeit;
Ø für mehr Qualifizierungsmaßnahmen für
Frauen während der Familienzeit und für mehr Hilfestellungen beim
Wiedereinstieg in das Erwerbsleben nach der Familienphase;
Ø für Chancen- und Lohngleichheit sowie
den Abbau von Benachteiligungen im Erwerbsleben;
Ø für die umfassende Teilhabe von Frauen
an Führungsaufgaben in Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Wissenschaft und
Gesellschaft.
Gleichberechtigung wird nur
verwirklicht werden können, wenn das herkömmliche Rollenverständnis von
Männern und Frauen überwunden wird und sich mehr Männer als bisher an der
Familienarbeit beteiligen, die Kindererziehung als gemeinsame Aufgabe
betrachten und ihren Kindern ein partnerschaftliches Miteinander vorleben.
Jährlich werden in Deutschland mehr
Stunden Haus- und Familienarbeit als Erwerbsarbeit geleistet. Diese Leistung
wird überwiegend von Frauen erbracht. Wir setzen uns dafür ein, dass diese
Leistung stärker gesellschaftlich anerkannt wird. Die in Haus- und
Familienarbeit erworbenen Kompetenzen müssen als Qualifikation bewertet und
auf dem Arbeitsmarkt anerkannt werden. Dem öffentlichen Dienst kommt hier eine
Vorbildfunktion zu.
Partnerschaft der Generationen
Wir leben in einer Zeit, in der
sich die Gewichte der Altersgruppen deutlich verschieben: immer mehr ältere
Menschen und zunehmend weniger junge Leute prägen das Bild unserer
Gesellschaft. CDU und CSU treten dafür ein, dass Alt und Jung in unserem Land
partnerschaftlich miteinander leben. Deshalb werden wir strikt darauf achten,
dass bei den notwendigen Reformen der sozialen Sicherungssysteme die
Belastungen von Älteren und Jüngeren gerecht getragen sein. Jüngere und
ältere Menschen können gleichermaßen voneinander lernen; jede junge
Generation baut auf dem Lebenswerk der Älteren auf. Gerade ältere Menschen
verfügen über Erfahrungen und Kompetenzen, auf die auch in der modernen Welt
von heute nicht verzichtet werden kann.
Unsere Demokratie lebt auch von den
Anfragen und Ideen, der Beharrlichkeit und Ungeduld, der Begeisterung und dem
persönlichen Einsatz sowie der Kritik der Jüngeren. CDU und CSU wissen: der
weitaus größte Teil der jungen Generation ist engagiert, leistungsfähig und
bereit, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Wir treten dafür ein,
jungen Leuten schon frühzeitig echte Beteiligungsmöglichkeiten zu geben,
durch die sie an Entscheidungen mitwirken können, von denen sie heute und
morgen betroffen sind. Wir unterstützen deshalb kommunale Modelle wie Kinder-
und Jugendparlamente und sind bereit, sie zeitgemäß weiterzuentwickeln.
Besondere Bedeutung hat auch künftig das Engagement junger Menschen in den Kirchen,
den Parteien, den Gewerkschaften sowie in Vereinen und Jugendverbänden. Es
trägt in der Gemeinschaft Gleichaltriger zur Entfaltung einer kreativen,
emotional sicheren und sozial kompetenten Persönlichkeit entscheidend bei.
Die plurale Jugendarbeit in verbandlicher oder offener Form ist
unverzichtbar. Der internationale Jugendaustausch leistet nicht nur einen
wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung, sondern er bietet jungen Menschen
auch ein einmaliges Lernfeld für die globalisierte Welt.
CDU und CSU betrachten es als eine
wesentliche Aufgabe ihrer Politik, alle notwendigen Rahmenbedingungen zu
schaffen, damit ältere Menschen ihre dritte Lebensphase so lange wie möglich
eigenverantwortlich und frei von drückenden wirtschaftlichen Sorgen gestalten
können. Wir treten ein für mehr Lebensqualität im Alter. Dazu gehört
vorrangig, dass altersbezogene Diskriminierungen und Beschränkungen
verhindert und abgebaut werden. Wir werden Wohnstrukturen fördern, die es den
alten Menschen ermöglichen, vielfältige soziale Kontakte zu pflegen. Wer alt
ist, darf nicht einsam sein.
Sicherheit im Alter
Die Wahrung der
Generationengerechtigkeit ist die größte sozialpolitische Aufgabe der vor uns
liegenden Jahre. Alle Generationen müssen die Gewissheit haben, dass ihre
Altersversorgung langfristig gesichert ist – auch unter veränderten
wirtschaftlichen und demografischen Gegebenheiten. Alterssicherung braucht
Verlässlichkeit. Sicherheit im Alter hat für CDU und CSU höchste Priorität.
Auch den Jüngeren wollen wir die Chance zu einem angemessenen Lebensstandard
im Alter eröffnen.
Seit etwa 30 Jahren werden in
Deutschland weniger Kinder geboren, als zur langfristigen Erhaltung der
Bevölkerungszahl notwendig wäre. Gleichzeitig nimmt die Lebenserwartung zu.
Die Bevölkerung altert. Nach Prognosen werden im Jahr 2035 auf 100
Erwerbstätige von 20 bis 60 Jahren 80 bis 97 Rentner kommen. Es wird mit
einem massiven Anstieg der Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung und
einem Anstieg des Beitragssatzes auf rund 25 % in 2030 gerechnet, wenn die
Rentenversicherung nicht zukunftsfähig reformiert wird. Wir müssen angesichts
der Verschiebungen zwischen den Generationen darüber nachdenken, wie die
Alterssicherung auf ein breites solides Fundament gestellt werden kann, damit
verlässliche Vorsorge möglich ist, und dazu die private Vorsorge
unterstützen.
Die rot-grüne Rentenreform wird
keinen Bestand haben, denn sie ist auf dem trügerischen Fundament unehrlicher
Zahlen gegründet. Ein Beitragssatz von höchstens 22 % ist mit dieser
Reform nicht zu halten. Die voraussichtliche Entwicklung der Beschäftigung
wurde schöngeredet; Schröder kann sein Versprechen, die Arbeitslosigkeit
deutlich zu senken, nicht einhalten. Mit statistischen Tricks wurde ein
Rentenniveau von 68 % in Aussicht gestellt; tatsächlich wird es bei
lediglich 64 % liegen. Entgegen allen Wahlversprechen hat die rot-grüne
Regierung das Rentenniveau abgesenkt. Nur mit einem Griff in die Reservekasse
der Rentenversicherung hat sich die rot-grüne Regierung 2002 an einer
Beitragserhöhung vorbeigemogelt. Die verfehlte Rentenpolitik führt in einen
Generationenkonflikt, denn die junge Generation muss steigende
Beitragsleistungen tragen, ohne noch auf eine leistungsgerechte Rente hoffen
zu können. Wir werden diese unzureichende Rentenreform erneut auf den
Prüfstand stellen und notwendige Korrekturen durchführen.
Wir wollen eine für jeden Bürger
und Beitragszahler langfristig planbare Altersvorsorge absichern. Wir werden
für eine ehrliche Rentenreform mit einer verlässlichen Rentenformel und realistischen
Annahmen der künftigen Entwicklung sorgen. Die Folgen der veränderten
Altersstruktur der Bevölkerung müssen von den Beitragszahlern, den Rentnern
und vom Staat gemeinsam getragen werden. Willkürlichen Eingriffen des Staates
in die Rentenkasse werden wir einen Riegel vorschieben. Die Rente muss
Alterslohn für Lebensleistung sein und bleiben. Das Grundsicherungsgesetz
darf nicht in Kraft treten.
Wir werden die drei Säulen der
Alterssicherung (gesetzliche Rentenversicherung, betriebliche Alterssicherung
und private Vorsorge) in eine
neue Balance bringen. Die kapitalgedeckten Elemente der betrieblichen und
privaten Vorsorge werden künftig einen höheren Stellenwert
erhalten. Die gesetzliche Rentenversicherung bleibt tragende Säule der
Alterssicherung.
Wir werden die willkürlichen
Elemente der jetzigen Rentenformel bereinigen. Rot-Grün hat gegen den Rat der
Experten den „demografischen Faktor“ im Rentenrecht durch die
„Riester-Formel“ ersetzt. In der Rentenversicherung müssen die Verschiebungen
im Bevölkerungsaufbau aber angemessen und in nachvollziehbarer, transparenter
Form berücksichtigt werden, um einen massiven Anstieg der Beiträge zu
vermeiden und Vertrauen zu sichern.
Ein Rentensystem kann nicht
funktionieren, wenn die Zeit immer kürzer wird, in der Beiträge gezahlt
werden. Deshalb ist eine Bekämpfung der viel zu hohen Arbeitslosigkeit auch
unter dem Gesichtspunkt der Alterssicherung vordringlich. Wir müssen darüber
hinaus erreichen, dass die tatsächliche Lebensarbeitszeit wieder länger wird.
Durch eine Verkürzung der Ausbildungszeiten können junge Leute früher in das
Berufsleben eintreten. Auch muss sich das tatsächliche Renteneintrittsalter
wieder stärker dem gesetzlichen Renteneintrittsalter annähern. Daneben werden
wir die Anreize zur Frühverrentung beseitigen.
Wir werden schrittweise die
Regelaltersgrenze flexibler gestalten und den Versicherten Wahlmöglichkeiten
eröffnen. Mehr Versicherte sollen die Chance nutzen können, entsprechend den
Abschlägen, die hinnehmen muss, wer früher in Rente geht, Zuschläge zu
erhalten, weil freiwillig länger gearbeitet wird und Beiträge gezahlt werden.
Die rot-grüne Regierung hat Politik
gegen Frauen und Familien gemacht. Die Kindererziehung muss bei der Rente
endlich angemessen berücksichtigt werden. Wir wollen einen Kinderbonus für
jedes Kind einführen, um die Eltern bei den Sozialbeiträgen zu entlasten.
Wir wollen die frauenfeindliche
Reform der Hinterbliebenenrente korrigieren. Die Wahl zwischen
„Rentensplitting“ und „Hinterbliebenenrente“ lehnen wir ab. Es ist den
Eheleuten nicht zuzumuten, im Voraus schätzen zu müssen, wer als erster
stirbt.
Wir wollen auch für die junge
Generation die Chance auf eine auskömmliche Alterssicherung eröffnen und
deshalb die zusätzliche private
und betriebliche Vorsorge auf breiter Basis stärken. Wir werden die
Rahmenbedingungen dafür wesentlich verbessern durch eine nachgelagerte
Besteuerung dieser Vorsorgeaufwendungen und eine weitgehende Flexibilisierung
des Betriebsrentengesetzes. Die staatliche Förderung des privaten
Aufbaus einer Alterssicherung werden wir grundsätzlich entbürokratisieren und
verbessern. Diese Förderung werden wir vor allem auf Familien mit Kindern und
Bezieher niedriger Einkommen konzentrieren.
Wir wollen bürgernahe Verwaltungsstrukturen
in der Rentenversicherung. Deshalb werden wir die Funktion der
Landesversicherungsanstalten stärken.
Gesundheit ist ein hohes Gut
Wir wollen ein Gesundheitswesen,
das dem medizinischen Fortschritt verpflichtet bleibt und das allen Versicherten
unabhängig von deren Einkommen, Alter, Art der Krankheit oder Familienstand
zugute kommt. Das grundsätzliche Problem der Gesundheitspolitik in
Deutschland - eine finanzierbare und leistungsstarke medizinische Versorgung
der Bevölkerung zu sichern - kann nur durch eine Gesamtkonzeption für eine
Strukturreform des Gesundheitswesens gelöst werden, bei der die Patientinnen
und Patienten im Mittelpunkt stehen und gesetzliche und private
Krankenversicherungen auch weiterhin bestehen bleiben. Für CDU und CSU ist
klar: was medizinisch notwendig ist, muss auch tatsächlich geleistet werden.
Durch die zurückgehenden
Geburtenraten, die erfreuliche Steigerung der Lebenserwartung und den
wachsenden medizinischen Fortschritt ist unser Gesundheitssystem in eine
schwierige Lage geraten: Gerade im fortgeschrittenen Alter nimmt der Bedarf
an Gesundheitsleistungen stark zu. Die Ausgabenexpansion wird sich noch
erheblich beschleunigen. Wenn nichts geschieht, werden die Beitragssätze in
absehbarer Zeit auf über 20 % steigen. Rot-Grün hat dieses Problem nicht in
den Griff bekommen. Die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung
verschlechtert sich. Den Patienten werden zunehmend Leistungen und
Arzneimittel verweigert und bestimmte Behandlungen nur nach längeren Wartezeiten
angeboten. Dieser rot-grüne Irrweg in die Zwei‑Klassen‑Medizin
muss beendet werden.
Mit über 4 Millionen
Arbeitsplätzen gehört das Gesundheitswesen zu den größten Arbeitgebern in
Deutschland. Die Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland wäre
nicht möglich ohne das Engagement der Ärzte, Apotheker und der in allen
Gesundheitsberufen Tätigen für das Wohl der Patienten. Die Union hat Rot-Grün
ein geordnetes Gesundheitswesen hinterlassen. Die gesetzliche
Krankenversicherung hatte Überschüsse und solide Finanzreserven. Die
Beitragssätze waren stabil, die Lohnnebenkosten vernünftig kalkulierbar.
Diesen soliden Kurs hat Rot-Grün durch unsinnige Experimente, Budgetierung
und Dirigismus verlassen. Wir treten für ein freiheitliches Gesundheitssystem
ein. Das heißt: menschliche Zuwendung statt Bürokratismus, freie Arztwahl
statt Staatsmedizin, Therapiefreiheit statt Listenmedizin, Wettbewerb statt
Einheitsversorgung. Wir treten ein für mehr Effizienz in der
Krankenversicherung, um sie dauerhaft finanzierbar zu halten. Dabei muss der
solidarische Ausgleich zwischen jungen und alten, gesunden und kranken
Menschen, Beziehern niedriger und höherer Einkommen sowie zwischen
Alleinerziehenden und Familien als tragendes Element der sozialen
Krankenversicherung erhalten bleiben.
Wir werden mehr Vorsorge anbieten
und Anreize setzen, solche Angebote auch anzunehmen. Die Verbesserung und der
Ausbau der Prävention und Gesundheitsförderung ist eine unerlässliche
Voraussetzung, um die Zunahme der großen Volkskrankheiten zu stoppen, die
Lebensqualität und Gesundheit der Bevölkerung zu steigern und damit letztlich
auch die Ausgaben im Gesundheitsbereich zu senken.
Eine Gesundheitsreform kann nur
gelingen, wenn die Versicherten sich darauf verlassen können, dass auch künftig
alle medizinisch notwendigen Leistungen in der Gesetzlichen
Krankenversicherung gewährt werden. Die Versicherten sollen künftig eine
größere Wahlfreiheit über den Umfang ihres Versicherungsschutzes erhalten.
Sie sollen künftig selbst entscheiden können, ob sie den bisherigen
Versorgungsumfang beibehalten, zusätzliche Leistungen erhalten oder bei
gleichzeitiger Beitragsermäßigung Leistungen abwählen oder einen Selbstbehalt
übernehmen wollen. Nur wenn verschiedene Versorgungsangebote miteinander
konkurrieren, haben die Patienten eine Auswahl und können sich für die aus
ihrer Sicht beste Versorgungsform entscheiden. Die freie Arzt- und
Krankenhauswahl als eines der wenigen bereits bestehenden Elemente der
Entscheidungsfreiheit für die Versicherten bleibt unangetastet.
Mehr Wettbewerb und Flexibilität im
zu starren Vertragssystem zwischen Kassen und Leistungserbringern werden
helfen, die strukturellen Defizite des Gesundheitswesens zu beseitigen, die
Qualität der medizinischen Versorgung zu verbessern und die
Wirtschaftlichkeit der ärztlichen Dienste zu erhöhen. Die Krankenkassen
sollen mehr Verantwortung für die Ausgestaltung ihres Angebotes erhalten, etwa für unterschiedliche
Selbstbehalte und Mehrleistungen. Nur mit mehr Gestaltungsfreiheit kann ein
funktionierender Wettbewerb unter den gesetzlichen Krankenkassen entstehen.
Dieser Wettbewerb führt letztlich zu höherer Qualität und einer besseren
Effizienz unseres Gesundheitssystems. Die dazu erforderlichen Voraussetzungen
werden wir im Organisations-, Vertrags- und Leistungsrecht der Gesetzlichen
Krankenversicherung schaffen. Alle Budgetierungen bei den Leistungserbringern
werden abgeschafft. Um den tatsächlichen Aufwand für medizinische Leistungen
deutlich zu machen und erbrachte Leistungen besser zu kontrollieren, soll
eine Wahlmöglichkeit zwischen Sachleistungs- und Kostenerstattungsprinzip -
ohne Vorleistung bei größeren Beträgen - geschaffen werden.
Wir wollen die Versicherten und die
Patienten stärken und deshalb die Transparenz im Gesundheitswesen in allen
Bereichen entscheidend erhöhen. Die Patienten müssen über die Qualität der
medizinischen Versorgung verständlich und umfassend unterrichtet werden. Über
die Leistungen und deren Abrechnung soll den Versicherten eine
Patientenquittung ausgestellt werden. Mit einer „intelligenten
Versichertenkarte“ auf freiwilliger Basis werden wir unter Berücksichtigung
des Datenschutzes unnötige Doppelleistungen vermeiden.
Der bundesweite
Risikostrukturausgleich zwischen den gesetzlichen Krankenkassen muss auch
künftig unterschiedliche Risikofaktoren und damit unterschiedliche Einnahmen
der Kassen ausgleichen. Der Risikostrukturausgleich muss gerechter, einfacher
und transparenter ausgestaltet werden und einen fairen Wettbewerb zwischen
den Kassen fördern. Bei dieser Reform wird sichergestellt, dass
unterschiedliche Risiko- und Einkommensstrukturen in Deutschland nicht zu
höheren Beiträgen im Osten als im Westen führen werden. Sparsames
Wirtschaften der einzelnen Kassen muss sich künftig stärker lohnen als
bisher.
Wir werden die Pflegeversicherung
konsolidieren. Rot-Grün hat die Pflegeversicherung geplündert und ihre Kassen
zum Stopfen von Haushaltslöchern verwendet. Wir werden die Rücklagen schonen,
die die Auswirkungen der demografischen Entwicklung abmildern und die
Stabilität der Beiträge absichern. Wir werden die häusliche Pflege, den Kern
der sozialen Pflegeversicherung, weiter stärken. Darüberhinaus kann die
stärkere private Altersvorsorge auch die Belastung der
Pflegeversicherung mindern.
Sicherheit für alle – überall in
Deutschland
Sicherheit und Freiheit gehören
untrennbar zusammen. Sicherheit ist ein soziales Grundrecht und unabdingbare
Voraussetzung für Freiheit. Alle Menschen in Deutschland sollen sich vor
Kriminalität und Terror sicher fühlen können. Nur wer ohne Angst um sich,
seine Familie und sein Eigentum leben kann, hat Vertrauen in unseren
demokratischen Staat. Der Schutz von Leib, Leben und Eigentum der Bürger ist
eine ureigene Aufgabe des Staates. Wir sagen der Polizei und der Justiz
unsere volle Unterstützung zu. Rot-Grün dagegen hat den tönenden
Ankündigungen zur Inneren Sicherheit und zur Terrorismusbekämpfung nur
halbherzige Taten folgen lassen und dringend notwendige Maßnahmen verhindert.
Kriminalität und Gewalt
entschlossen bekämpfen
Wir wollen, dass sich alle Bürger
auf Straßen und Plätzen, in Bussen, Bahnen und auf Bahnhöfen zu jeder Tages-
und Nachtzeit sicher fühlen können. Polizei muss sichtbar präsent sein,
öffentliche Kriminalitätsschwerpunkte sind mit Videokameras technisch zu überwachen.
Es muss Schluss sein mit der geduldeten Verwahrlosung von öffentlichen
Verkehrsmitteln oder Plätzen durch Drogenszenen und Alkoholismus-Milieus,
durch Unrat und Vandalismus.
Für uns steht nicht die Sorge um
die Täter im Mittelpunkt, sondern der Schutz der Bürger und die Not der
Opfer, die wir lindern wollen. Wir wollen den Opfern von Straftaten wirksamer
helfen und ihre Stellung in den Strafverfahren weiter verbessern.
Wer Recht bricht und sich damit
gegen die Werteordnung der Gesellschaft stellt, muss mit konsequenter
Verfolgung und gerechter Bestrafung rechnen. Unsere Grundsätze sind: „Wehret
den Anfängen“ und „Null Toleranz gegenüber dem Verbrechen“. Wir wollen, dass
wirksamere Verbrechensbekämpfung und -aufklärung den Rechten von Straftätern
vorgehen. Datenschutz darf nicht zum Täterschutz werden. Wir lehnen die
Verharmlosung von Rechtsbruch und Gewalt durch „Entkriminalisierung“ ab, denn
sie schafft den Nährboden für Kriminalität, senkt Hemmschwellen, ermutigt
Rechtsbrecher und entmutigt die gesetzestreuen Bürger. Wir werden die
strafrechtlichen Sanktionen sinnvoll erweitern. Das Fahrverbot beispielsweise
ist auch bei nicht verkehrsbezogenen Straftaten in vielen Fällen eine
angemessene und spürbare Sanktion. Wir werden klarstellen, dass „Graffiti“-Schmierereien
als Sachbeschädigung zu bestrafen sind. Wir werden die Justiz entlasten und
Verfahren beschleunigen. Strafe soll der Tat möglichst unmittelbar auf dem
Fuße folgen.
Wir werden eine bundesweite
Initiative „Bündnis für Kinder - gegen Gewalt“ ins Leben rufen. Wir werden
den Schutz der Kinder vor Sexualverbrechen verbessern. Wir werden durch
Bundesgesetz dafür sorgen, dass in der Haft als gefährlich erkannte Täter
nicht wider besseres Wissen entlassen werden müssen („nachträgliche Sicherungsverwahrung“).
Wir werden bei allen Delikten mit sexuellem Hintergrund eine DNA-Analyse
vorschreiben, damit die DNA-Datei zur Überführung und Abschreckung der Täter
noch wirksamer wird. Bei Tatortspuren soll die DNA-Analyse ohne richterliche
Genehmigung vorgenommen werden können. Kindesmissbrauch schädigt junge
Menschen für ihr ganzes Leben und soll künftig stets als Verbrechen bestraft
werden. Gegen Straftaten des Missbrauchs von Kindern muss auch das Mittel der
Überwachung der Telekommunikation eingesetzt werden können.
Das Massaker in Erfurt muss Anlass
für eine deutliche Verschärfung des Waffenrechts sein. Die Grundlinie lautet:
keine Waffe zuviel, Waffen nur in den richtigen Händen. Dies bedeutet unter
anderem, die Altersgrenze zumindest für den Erwerb großkalibriger Feuerwaffen
auf 21 Jahre zu erhöhen, den Munitionserwerb zu beschränken und die
Zuverlässigkeit bei allen Waffenbesitzern strikt zu prüfen.
Wir werden die Vorsorge gegen
Kinder- und Jugendkriminalität wirksamer gestalten. Das Jugendstrafrecht muss
differenziertere Sanktionen vorsehen, um noch besser auf den einzelnen Täter
einwirken zu können: „Warnschussarrest“ aus erzieherischen Gründen,
Meldepflichten und Fahrverbote werden wir ermöglichen. Um die Verantwortung
für das eigene Handeln bewusst zu machen, sind Jugendliche stärker zur
Wiedergutmachung zu verpflichten. Wir werden die Höchststrafe für
Heranwachsende im Jugendstrafrecht von 10 auf 15 Jahre anheben. Bei Tätern,
die älter als 18 Jahre sind, soll die Anwendung des Erwachsenenstrafrechts
die Regel und nicht die Ausnahme sein.
Wir wollen, dass Eltern ihre Kinder
ohne Angst vor Drogen in die Schule oder in die Disco gehen lassen können.
Die steigende Zahl der Drogentoten und der Erstkonsumenten harter Drogen
mahnen, zu einer verantwortungsbewussten Drogenpolitik zurückzufinden, die
Prävention, Hilfe zum Ausstieg für Süchtige und eine Bekämpfung der
Drogenkriminalität mit allen rechtsstaatlichen Mitteln verbindet. Die
Legalisierung von „Fixerstuben“ und die staatliche Abgabe harter Drogen sind
verhängnisvolle Signale der Verharmlosung der Drogengefahr. Wir werden keine
rechtsfreien Räume in der Rauschgiftbekämpfung dulden. Die Strafen für
Drogendealer wollen wir drastisch verschärfen, auf frischer Tat ertappte
Drogendealer müssen sofort in Haft genommen werden können. Die
Gewinnabschöpfung muss noch konsequenter erfolgen.
Wir wollen für mehr
„Waffengleichheit“ zwischen der Polizei und der sich ständig modernisierenden
Organisierten Kriminalität sorgen. Wir wollen die rechtlichen Möglichkeiten
zur optischen Überwachung von Verbrechertreffs auch in Wohnungen schaffen.
Wir werden gegen Korruptionsdelikte das Mittel der Telefonüberwachung
einsetzen. Wir werden die Abschiebung straffällig gewordener Ausländer
erleichtern und beschleunigen und die rechtlichen Voraussetzungen für eine
Haftverbüßung im Herkunftsland verbessern.
Wir werden eindeutig klarstellen:
Regelfall des Strafvollzugs ist der geschlossene Vollzug. Haftverkürzung
selbst für Schwerverbrecher, wie von der Schröder-Regierung geplant, lehnen
wir ab. In den offenen Strafvollzug dürfen nur Gefangene, von denen keine
Gefahr und Gewalt darstellen.
Wir werden Extremismus, Gewalt und
Fremdenfeindlichkeit konsequent entgegentreten. Wir werden auch im Internet
keine rechtsfreien Räume dulden. Die Verbreitung schwer jugendgefährdender
Videofilme sowie entsprechender Video- und Computerspiele muss absolut und
altersunabhängig verboten werden. Video- und Computerspiele müssen mit einer
verbindlichen Alterskennzeichnung versehen werden.
Die Demokratie
braucht freie und unabhängige Medien, die verantwortungsbewusst mit ihrem in
der Verfassung garantierten Grundrecht der Meinungs- und Pressefreiheit
umgehen. Jedoch ist angesichts der verharmlosenden und immer hemmungsloseren
Darstellung von Gewalt in Massenmedien, vor allem im Fernsehen und im
Internet, ein strengerer Jugendschutz notwendig. Dazu gehört eine
einheitliche, schlagkräftige Aufsicht mit eindeutigen Regelungen und
spürbaren Sanktionen. Die Anbieter müssen auch ihrer Eigenverantwortung
verstärkt nachkommen. Erziehungsrecht und Erziehungspflicht der Eltern
schließen mit ein, dass sie sich um den Medienkonsum ihrer Kinder kümmern.
Wir fordern gegen jede Gewalttat
die ganze Härte des Gesetzes – unabhängig von den Parolen, die Gewalttäter
grölen. Wir werden den Schutz des demokratischen Staates vor politisch
motivierter Gewalt und religiös verbrämtem Fanatismus verbessern. Weltweit
verbreitete Bilder von Aufmärschen extremistischer Gruppen beispielsweise am
Brandenburger Tor schaden dem Ansehen unseres Landes. Wir wollen die
ungestörte Arbeit des Parlaments sicherstellen und den Missbrauch weithin
bekannter Orte mit hoher Symbolkraft durch radikale Minderheiten unterbinden.
Die Innere Sicherheit muss auch bei
offenen EU-Binnengrenzen und wachsenden Mobilitätserfordernissen gewahrt
bleiben. Wir wollen deshalb eine intensive Zusammenarbeit mit ausländischen
Polizeibehörden fördern.
Ebenso wichtig wie die Aufklärung
von Straftaten und die Überführung und Aburteilung von Straftätern ist die
Verhinderung von Straftaten durch eine erfolgreiche Präventionsarbeit. Wir
setzen auf Vorbeugung durch wertevermittelnde Erziehung in Familie und
Schule, auf Freizeitangebote und soziale Betreuung Jugendlicher.
Schutz vor Gewalt und Kriminalität
ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir setzen daher auf das
Zusammenwirken der Bürger. Bürgerschaftliche Selbstverantwortung für
Sicherheit muss nach unserer Überzeugung intensiviert werden.
Freiheit und Recht gegen den Terror
verteidigen
Die Bürger haben Anspruch auf einen
starken Staat, der den Schutz gegen Terror nicht vernachlässigt. Sicherheit
ist unverzichtbare Voraussetzung für Freiheit und Wohlstand. Es muss Schluss
sein mit einer als Liberalität getarnten Gleichgültigkeit gegenüber den
Sicherheitsbedürfnissen der Mehrheit der Bürger. Ein liberaler Staat muss
auch ein wehrhafter Staat sein, sonst hat die freiheitliche Demokratie keinen
Bestand. Wir wollen Polizei und Justiz modern ausstatten und ihre Befugnisse
den gewachsenen Bedrohungen anpassen.
Der Bundesgrenzschutz muss
ausgebaut werden. Einsatzstarke und einsatzerfahrene geschlossene
Polizei-Einheiten müssen in Deutschland in ausreichender Zahl zur Verfügung
stehen.
Extremistische Organisationen haben
in Deutschland rund 150.000 Mitglieder, von denen nicht wenige gewaltbereit
sind. Diese Organisationen müssen wirksamer überwacht und gegebenenfalls
verboten werden. Das Vereinsgesetz muss geändert werden, um Ausländervereine
auch unterhalb der Schwelle der aggressiv-kämpferischen Betätigung
nötigenfalls verbieten zu können. Die Verfassungsschutzbehörden müssen auch
zur Bekämpfung von Organisierter Kriminalität eingesetzt werden.
Wir wollen Schluss machen mit
ideologischen Vorbehalten gegen wirksame Befugnisse von Polizei und Justiz
zur Bekämpfung von Terror und internationaler Kriminalität. Wir wollen klare
gesetzliche Grundlagen für die Arbeit verdeckter Ermittler. Wir wollen eine
sachgerechte Kronzeugenregelung, mit der die Strukturen der Organisierten
Kriminalität und des Terrors wirksam aufgebrochen werden können. Wir wollen,
dass an Treffpunkten terroristischer und krimineller Gruppen mit modernster
akustischer und optischer Technik aufgeklärt werden kann. Bei der Bekämpfung
von Organisierter Kriminalität kommt der Abschöpfung von Verbrechensgewinnen
eine besondere Bedeutung zu, weshalb wir die Vorschriften gegen Geldwäsche
sachgerecht verschärfen werden.
Öffentliche Aufforderung zu Gewalt
und Propaganda für religiös motivierten Fanatismus sind Volksverhetzung und
müssen auch so bestraft werden. Wer das Gastrecht in Deutschland gegen unsere
freiheitlich-demokratische Gesellschaftsordnung missbraucht, soll hier keinen
Platz haben. Wir werden auf die schnelle Ausweisung von Ausländern hinwirken,
bei denen tatsächliche Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sie einer
gewaltbereiten extremistischen Organisation angehören.
Ausländische Extremisten müssen
konsequent von Deutschland ferngehalten werden. Wir werden die
Voraussetzungen für einen umfassenden Datenaustausch zwischen Ausländer- und
Asylbehörden einerseits und Sicherheits- und Verfassungsschutzbehörden
andererseits schaffen. Das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer
Flüchtlinge muss verpflichtet werden, auch den Verfassungsschutzbehörden der
Länder unmittelbar Auskünfte zu erteilen. Die Identität Einreisewilliger aus
bestimmten Problemstaaten muss vor Erteilung eines Einreisevisums durch
Speicherung biometrischer Daten zweifelsfrei festgehalten werden können. Um
den Zuzug gewaltbereiter Ausländer zu unterbinden, werden wir die
Regelanfrage bei Verfassungsschutz und Nachrichtendienst vor jeder
Einbürgerung oder Erteilung eines dauerhaften Aufenthaltsrechts vorschreiben.
Wir werden für eine eindeutige
Identitätsfeststellung mit modernen technischen Möglichkeiten sorgen.
Biometrische Merkmale wie den Fingerabdruck werden wir in Ausweisdokumenten
umgehend einführen.
Der Bund steht beim Zivil- und
Katastrophenschutz nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 und den
sich daraus ergebenden neuen Bedrohungsszenarien vor neuen Herausforderungen
und stärker als früher in der Verantwortung. Wir werden das Bundesamt für
Zivilschutz wieder errichten. Die Mittel für den Bevölkerungsschutz müssen
der Aufgabe entsprechen, mit der Einsatz- und Leistungsfähigkeit des
Technischen Hilfswerks bei großen Schadensfällen die Kräfte der Länder
wirksam zu ergänzen. Wir werden gemeinsam mit den Ländern ein umfassendes
Aufklärungs-, Präventions- und Schutzkonzept gegen Angriffe mit chemischen und
biologischen Waffen vorlegen.
Lebenswerte Umwelt und gesunde
Ernährung - für uns und unsere Kinder
Wir Menschen sind Teil der
Schöpfung. Wenn wir mit der Schöpfung nicht nachhaltig umgehen, geben wir
unsere eigenen Lebensgrundlagen und die unserer Kinder auf. An uns ist es,
sie zu schützen und sorgsam mit ihren Ressourcen umzugehen. Mehr
Lebensqualität liegt im gemeinsamen Interesse der Verbraucher, der Landwirte
und der Wirtschaft. Unverzichtbar sind strenge Regeln für gesunde
Nahrungsmittel und Produkte, die die Umwelt so wenig wie möglich belasten.
Doch vor allem liegt es in der Verantwortung der Verbraucher, dass sich
Qualität und Umweltverträglichkeit auf dem Markt durchsetzen.
Der Schutz der natürlichen
Lebensgrundlagen, die Erhaltung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und
die Wahrnehmung der sozialen Verantwortung stellen für uns eine Einheit dar.
Wir treten für eine nachhaltige Entwicklung ein, die den wirtschaftlichen und
sozialen Wohlstand mit der Erhaltung von Umwelt und Natur in Einklang bringt.
Verlässlicher Verbraucherschutz
Zu den elementaren Voraussetzungen
für Gesundheit und Lebensqualität der Menschen gehören eine intakte Umwelt,
biologische Vielfalt, Schutz vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch
Schadstoffe, Sicherheit von Produkten, Dienstleistungen und Nahrungsmitteln,
wirksamer Arbeitsschutz, die Bereitstellung sicherer, umweltgerechter und
preiswerter Energie, sauberes Trinkwasser, gepflegte Kulturlandschaften sowie
ein menschengerechtes Wohnumfeld. Deshalb ist der Verbraucherschutz eine der
zentralen politischen Aufgaben in Deutschland, in Europa und weltweit.
Wir treten für einen umfassenden
und effizienten Verbraucherschutz ein. Dessen Eckpfeiler heißen: Transparenz,
Vorsorge, Kontrolle und Eigenverantwortung. Der Verbraucher braucht
Sicherheit auch in wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen. So werden wir uns
neben der Lebensmittelsicherheit ebenso um den Verbraucherschutz in der privaten
Altersvorsorge, bei Versicherungen, bei Finanzdienstleistungen, beim
E-Commerce, beim Bauen und beim Tourismus kümmern. Zu einem umfassenden
Verbraucherschutz gehört Informationstransparenz: so müssen zum Beispiel die
Eigentumsverhältnisse bei Zeitungen und Rundfunksendern offen kenntlich
gemacht werden, der Verbraucher muss wissen, wer hinter einer Zeitung und der
darin vertretenen Meinung steht.
Wir wollen sichere Lebensmittel für
alle Verbraucher. Lebensmittelsicherheit darf keine Frage des Geldbeutels
sein. Dafür braucht die gesamte deutsche Landwirtschaft Chancen. Wir werden
eine Politik für alle landwirtschaftlichen Betriebe, unabhängig von ihrer
Bewirtschaftungsform, und für alle Verbraucher machen. Wir werden die Bauern
als Opfer der BSE-Krise nicht allein lassen. Die BSE-Bekämpfung werden wir
konsequent fortsetzen und verbessern. Da noch immer Ursachen und
Übertragungswege zu wenig bekannt sind, werden wir die Forschung weiter
vorantreiben.
Verbraucherschutz kann nur bei
EU-weiter Durchsetzung und mit weltweiten Standards wirkungsvoll sein.
Deshalb wollen wir einheitliche Verbraucherschutzstandards im Europa der
offenen Märkte und in einer globalisierten Welt. Wir werden uns in der EU und
im Rahmen des WTO-Prozesses entschlossen für die Durchsetzung von
Verbraucherrechten einsetzen.
Wir werden alles daran setzen, die
Eigenverantwortung der Produzenten zu stärken. Die bestehenden
Kontrollsysteme zum Schutz des Verbrauchers im Bund, in den Ländern und in
der Europäischen Union werden wir auf Schwachstellen prüfen, wo notwendig
besser aufeinander abstimmen und ihre Effizienz erhöhen. Dies gilt in
gleicher Weise für die Einfuhr von Waren aus Drittländern.
Wir werden die Möglichkeiten der
Verbraucher verbessern, die Qualität eines Produkts erkennen und beurteilen
zu können. Dazu gehören starke Verbrauchervertretungen, mehr
Verbraucheraufklärung sowie praktikable und für den Laien verständliche
Kennzeichnungsregelungen. Gentechnisch veränderte Lebensmittelmittel sind als
solche kenntlich zu machen, denn ein verantwortungsvoller Gebrauch der Bio-
und Gentechnologie in der Landwirtschaft erfordert objektive
Verbraucherinformationen und eine optimale Verbrauchersicherheit.
Landwirtschaft und ländliche Räume
stärken
Wer Lebensqualität und
Nachhaltigkeit fördern will, der muss Landwirtschaft und ländliche Räume
stärken und darf sie nicht als Stiefkinder der Politik behandeln. Wir stehen
für eine Politik fairer Chancen für Stadt und Land. Die ländlichen Räume
sollen ihren Charakter als eigenständige und wertvolle Lebensräume erhalten
und gute Zukunftschancen haben. Bei uns werden die deutschen Bäuerinnen und
Bauern, Winzer, Gärtner, Forstwirte, Fischer, Handwerker und die gesamte
mittelständische Wirtschaft im ländlichen Raum wieder den Respekt und die
Wertschätzung erfahren, die sie verdienen.
CDU und CSU wollen die Land- und
Forstwirtschaft in Deutschland flächendeckend erhalten und auch in
benachteiligten Gebieten sichern. Die Eckpunkte unserer Politik für
Landwirtschaft und ländliche Räume heißen: Schutz des Eigentums,
Wettbewerbsfähigkeit, unternehmerische Freiheit, Nachhaltigkeit. Wir wollen
eine nachhaltige, wettbewerbsfähige, bäuerliche Land- und Forstwirtschaft,
die qualitativ hochwertige und gesunde Nahrungsmittel in regionaltypischer
Vielfalt erzeugt, die Tiere artgerecht hält und als Mitgeschöpfe achtet und
schützt, die Pflanzen umweltschonend anbaut, Natur und Kulturlandschaft
schützt und pflegt und die eine prägende Größe im ländlichen Raum und ein
wichtiger Faktor für dessen soziale und wirtschaftliche Stabilität ist und
bleibt. Dem bäuerlichen Familienbetrieb kommt dabei eine tragende Rolle zu.
Voraussetzung dafür ist, dass in Land- und Forstwirtschaft angemessene und
existenzsichernde Einkommen erzielt werden können.
Es geht uns um die Zukunft für die
gesamte deutsche Landwirtschaft. Wir wollen einen Rahmen schaffen, in dem
sich alle Betriebe, unabhängig von Größe und Bewirtschaftungsform, gleich ob
sie konventionell umweltfreundlich oder ökologisch wirtschaften, gut
entwickeln können. Wir werden deshalb das aus dem Jahr 1955 stammende
Landwirtschaftsgesetz erneuern.
Wir wollen faire
Wettbewerbsbedingungen für unsere Bauern, damit sie ihre Chancen auf den
heimischen Märkten und im Export nutzen können. Wir werden deshalb die
Investitionsförderung für alle Betriebsformen wieder zu einem Schwerpunkt der
Agrarpolitik machen und die steuerpolitische Benachteiligung von
Landwirtschaft und Mittelstand beenden. Wir wollen eine zukunftsorientierte
Weiterentwicklung des agrarsozialen Sicherungssystems, insbesondere eine Reform
der landwirtschaftlichen Unfallversicherung. Bürokratische Hemmnisse werden
wir abbauen. Das gilt auch für die Veredelung, die in Deutschland
Entwicklungsmöglichkeiten behalten muss. Den bürokratischen und teueren
Agrardiesel für landwirtschaftliche Maschinen und Fahrzeuge wollen wir durch
eine europaeinheitliche Regelung ersetzen, um die Benachteiligung der
deutschen Landwirte zu beenden. Sofern dies nicht möglich ist, werden wir die
Besteuerung an die anderen europäischen Länder anpassen.
Die Produktion nachwachsender
Rohstoffe ist integraler Bestandteil jeder nachhaltig orientierten
Landwirtschaft und bietet neue Einkommens- und Marktchancen. Deshalb werden
wir die Rahmenbedingungen für Produktion und Einsatz nachwachsender Rohstoffe
weiter verbessern.
CDU und CSU werden eine Tier- und
Umweltschutzpolitik in der Landwirtschaft betreiben, die sich an
wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen orientiert und
praxisbezogen ist. Dazu werden wir auch den technischen und baulichen
Fortschritt nutzen und fördern. Tier- und Umweltschutz in der Landwirtschaft
müssen zudem EU-einheitlich organisiert werden, um Wettbewerbsverzerrungen zu
vermeiden. Die Dauer der Schlachtviehtransporte wollen wir weiter eingrenzen.
Wirksamer Naturschutz funktioniert
nur mit den Bauern, nicht gegen sie. Wir brauchen das Engagement der
Landwirte für die Pflege und Erhaltung der Kulturlandschaft. Deshalb werden
wir für einen angemessenen finanziellen Ausgleich sorgen und den
Vertragsnaturschutz voranbringen.
Die Landwirtschaft braucht
Planungssicherheit. Eine erneute Reform der EU-Agrarpolitik innerhalb der
Laufzeit der Agenda 2000 lehnen wir ab. Bei der notwendigen Weiterentwicklung
der EU-Agrarpolitik gilt es, die Option auf alle Instrumente der
EU-Agrarpolitik offen zu halten und neue zu prüfen. Eine Mengensteuerung bei
der Milch ist europaweit auch über 2008 hinaus erforderlich. Die
EU-Osterweiterung darf nicht zu einer Schlechterstellung der Bauern in der
bisherigen EU führen. Um dies zu verhindern und gleichzeitig die EU
finanziell nicht zu überfordern, soll bei den Direktzahlungen das Prinzip der
nationalen Kofinanzierung eingeführt werden.
Wir werden bei den
WTO-Verhandlungen für eine Absicherung der multifunktionalen Landwirtschaft
in Deutschland und Europa und für weltweit geltende hohe Gesundheits-,
Sozial-, Umwelt- und Tierschutzstandards in der landwirtschaftlichen
Produktion eintreten. Auf dem Weg zu solchen international verbindlichen
Standards braucht die deutsche Landwirtschaft weiterhin einen ausreichenden Außenschutz
sowie die Absicherung der Zulässigkeit der Ausgleichszahlungen für die
erbrachten Umwelt- und Gemeinwohlleistungen.
Wir werden die Entwicklungschancen
der ländlichen Räume durch eine gute und verlässliche Agrarpolitik sowie
durch eine integrierte Strukturpolitik weiter verbessern. Oberstes Ziel ist
die Schaffung zukunftsträchtiger Arbeitsplätze und die Stärkung der
Wirtschaftskraft. Dafür wollen wir die Möglichkeiten der modernen
Kommunikations- und Informationstechnologie nutzen. Mittelstand, Handwerk und
Einzelhandel im ländlichen Raum verdienen unser besonderes Augenmerk. Die
Entfaltung der Entwicklungspotenziale der ländlichen Räume setzt eine
ausreichende öffentliche Infrastruktur, insbesondere eine gute
Verkehrsanbindung, das Vorhandensein von Bildungseinrichtungen, von Angeboten
für Familien mit Kindern, Jugendlichen und Senioren sowie Kultur- und
Freizeiteinrichtungen voraus. Eine gute Verkehrsanbindung und die wohnortnahe
Versorgung der Bevölkerung bleiben wichtige Ziele unserer Politik.
Sichere, umweltfreundliche Energie
zu bezahlbaren Preisen
Sicherheit, Kosteneffizienz und
Umweltverträglichkeit sind Grundanforderungen einer zukunftsfähigen
Energiepolitik. Die von CDU und CSU durchgesetzte Liberalisierung des
deutschen Strom- und Gasmarktes hat für Verbraucher und Unternehmen eine
Kostenentlastung von rund 7,5 Milliarden Euro bewirkt - die von der
Energieverteuerungspolitik der gegenwärtigen Bundesregierung allerdings zum
größten Teil wieder aufgezehrt wurde. Markt und Wettbewerb sind die zentralen
Mechanismen einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Energieversorgung. Wir
treten deshalb für eine vollständige Öffnung der Energiemärkte in der
Europäischen Union bis zum Jahr 2004 ein. Energiepolitik kann im Europa der
Zukunft nicht mehr rein national gesehen werden. Wir setzen uns deshalb für
eine europäische Gesamtstrategie zur Energieversorgung und
Energiedienstleistung ein.
Als
wesentliche Eckpfeiler unserer Energiepolitik sehen wir
Ø die marktwirtschaftliche Erschließung
bestehender wie künftiger Einsparungspotenziale in den Bereichen Wärmemarkt,
Elektrizität und Verkehr;
Ø die wettbewerbsorientierte Förderung
der ökologisch wie ökonomisch effizientesten Technologien;
Ø eine kontinuierliche, breit angelegte
und offene Energieforschung;
Ø die fossilen Kraftwerke, die unter
Einsatz modernster Technologie CO2-arm bis sogar CO2-frei
werden können;
Ø die Nutzung der Kernenergie;
Ø die wärmegeführte, effiziente
Kraft-Wärme-Kopplung, die Entwicklung der Wasserstofftechnologie und eine
zunehmende Nutzung der Brennstoffzelle;
Ø die erneuerbaren Energien, deren Anteil
wir verdoppeln wollen, unter anderem durch verstärkte Nutzung der Biomasse.
Die Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien muss wettbewerbsorientiert
weiterhin gefördert werden.
Wir setzen auf Energiesparen,
rationelle Energieverwendung und die Nutzung erneuerbarer Energien, um den
klimaschädlichen CO2-Austoss zu verringern und den
Klimaschutz im Sinne des Kioto-Protokolls voranzubringen. Diese Ziele wollen
wir vor allem durch den Einsatz marktwirtschaftlicher Instrumente erreichen.
Wir wollen die bislang ungenutzten Potenziale der Energieeinsparung bei
Gebäuden erschließen.
Öffentliche Förderung muss sich auf
Techniken konzentrieren, die der Wirtschaftlichkeit bereits sehr nahe sind.
Wir wollen die Solarthermie, den ressourcen-, umwelt- und klimaschonenden
Biomasseeinsatz und die Photovoltaik vorantreiben und fördern. Dies
beabsichtigen wir auch bei der Wärmepumpentechnologie, deren Förderung die
jetzige Bundesregierung aus ideologischen Gründen eingestellt hat sowie bei
der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und in Kraft-Wärme-Kopplung. Bei
der Fortwicklung der Regelungen zur Stromeinspeisung setzen wir auf
verstärkte Anreize zu Innovation und Kostensenkung.
Wir wollen eine langfristig
angelegte Forschung und Entwicklung für eine nachhaltige Energiepolitik. Die
rückläufige Entwicklung der staatlichen Energieforschungsförderung werden wir
nach oben korrigieren. Die Forschungsförderung in Deutschland darf nicht
länger hinter dem zurückbleiben, was andere Länder für Energieforschung
aufwenden.
Besondere Schwerpunkte werden wir
bei den erneuerbaren Energien, der Kernfusion und vor allem bei der
Weiterentwicklung fossiler Kraftwerkstechnologien, der Entwicklung
innovativer Systeme zur Verbesserung der kerntechnischen Sicherheit und der
Wasserstoff/Brennstoffzellentechnologien setzen.
Die Entwicklung von Technologien
zur Verringerung oder sogar Vermeidung von CO2-Emissionen von
Kohlekraftwerken ist für die globale Klimaschutzpolitik von höchster
Bedeutung, weil der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung weltweit noch
lange sehr hoch bleiben und in vielen Ländern sogar weiter steigen wird.
Wir wollen den für den Verkehr
nötigen Energiebedarf und die dabei entstehenden Umweltbelastungen
reduzieren. Wir sehen die Brennstoffzelle auf der Basis von Wasserstoff oder
Methanol/Erdgas und Wasserstoffmotoren als zukunftsträchtige Optionen an, die
den Verbrennungsmotor als Antriebstechnik schrittweise ablösen könnten.
Wir setzen auf heimische
Energieträger. Die deutsche Braunkohle muss auch künftig ihren Beitrag für
eine sichere und preiswürdige Stromversorgung leisten, weil sie zu
wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung steht. Vor allem in den ostdeutschen
Revieren ist sie ein wichtiger Arbeitsplatzfaktor und Brennstoffbasis eines
hochmodernisierten Kraftwerksparks. Die deutsche Steinkohleförderung ist bis
zum Jahr 2005 vereinbart und danach auf einen leistungs- und lebensfähigen
Bergbau zurückzuführen. Das sichert die Entwicklung moderner
Abbautechnologien und von Maschinen made in Germany, die exportiert werden
können.
Obwohl es derzeit keine Planungen
für neue Kernkraftwerke in Deutschland gibt, wollen wir das Ausstiegsgesetz
ändern: Ein Ausstieg aus der Kernenergie löst nicht die Klimaproblematik,
sondern verschärft sie und schafft eine Abhängigkeit Deutschlands vom
Ausland. Deutschland kann damit künftig seine Verpflichtung zur CO2-Reduktion
nicht mehr einhalten oder nur mit ungeheurem Kostenaufwand erfüllen. Das
Ausstiegsgesetz löst die Entsorgungsfrage nicht, sondern kündigt den
Entsorgungskonsens auf. Das Ausstiegsgesetz koppelt Deutschland von der
Forschungs- und Technologieentwicklung ab und schwächt den
Wirtschaftsstandort. Wir werden auch in Zukunft die Option auf die Nutzung
der Kernenergie offen halten. Höchstmögliche Sicherheit muss bei der
Kernenergienutzung absoluten Vorrang haben. Deswegen müssen die Forschungs-
und Entwicklungsarbeiten für fortgeschrittene Reaktorsysteme fortgeführt
werden. Die deutsche Sicherheitstechnik, die international Maßstäbe gesetzt
hat, muss erhalten und ausgebaut werden.
Die geordnete Beseitigung
radioaktiver Abfälle aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie muss
geregelt werden. Die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle darf nicht –
wie von Rot-Grün – verzögert und damit den kommenden Generationen aufgebürdet
werden. Über Endlagereinrichtungen für schwach- und mittelradioaktive sowie
hochradioaktive Abfälle und deren Konditionierung muss zeitgerecht zum
Entsorgungsbedarf Klarheit geschaffen werden. Wir sind für die Erkundung des
Salzstocks Gorleben, über dessen Eignung eine wissenschaftlich abgesicherte
Entscheidung zu treffen ist. Die rot-grüne Bundesregierung hat die
Einrichtung von Zwischenlagern für abgebrannte Brennelemente an den
Kernkraftwerksstandorten erzwungen. Aus diesen Zwischenlagern dürfen keine
Endlager werden.
Die von Rot-Grün im nationalen
Alleingang durchgesetzte Ökosteuer hat sich als wirtschaftlich verfehlt,
ökologisch kontraproduktiv und sozial ungerecht erwiesen. CDU und CSU werden
die für 2003 vorgesehene weitere Erhöhung dieser Steuer rückgängig machen.
Unser Ziel ist es, die Ökosteuer in der bestehenden Form mittelfristig
abzuschaffen und sie durch eine aufkommens- und wettbewerbsneutrale,
europaweit abgestimmte, harmonisierte und schadstoffbezogene Abgabe zu
ersetzen.
Gemeinsam die Schöpfung bewahren
und gestalten
Der Schutz der natürlichen
Lebensgrundlagen und die Bewahrung der Schöpfung sind Kernanliegen der Politik
von CDU und CSU. Unser Leitbild ist eine nachhaltige Entwicklung, die den
wirtschaftlichen und sozialen Wohlstand mit der Erhaltung von Natur und
Umwelt in Einklang bringt. Wir setzen auch beim Schutz der Umwelt verstärkt
auf Markt und Wettbewerb, auf Eigeninitiative und Selbstverantwortung.
Umweltschutz ist eine Bewahrungs- und Gestaltungs-, aber keine
Verhinderungsaufgabe. Umweltvorsorge hat Vorrang gegenüber Nachsorge und
Reparatur.
Wir werden das zersplitterte
deutsche Umweltrecht in einem „Umweltgesetzbuch“ zusammenfassen. Unser Ziel
ist, das Umweltrecht überschaubarer, schneller vollziehbar und damit
wirksamer und vor allem für Mittelstand und Landwirtschaft praktikabler zu
machen. Wir werden dazu die Genehmigungsverfahren zu einer einheitlichen
Vorhabengenehmigung zusammenführen.
Der Schutz der Natur ist eine der
zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Wir treten dafür ein, dass
Naturschutz nicht gegen, sondern mit dem Bürger verwirklicht wird. In der
Naturschutzpolitik setzen wir auf Kooperation statt Konfrontation. Wirksamer
Naturschutz ist nur mit den betroffenen Landwirten, Kommunen und Bürgern
durchsetzbar. Dies bedeutet auch die Prüfung des in sich nicht stimmigen
Schutzgebietssystems in Deutschland. Unser Ziel ist ein Naturschutz, der das
Überleben der heimischen Tier- und Pflanzenwelt durch genügend große
Schutzgebiete, ein Biotop-Verbundsystem und den Ausbau des
Vertragsnaturschutzes sichert.
Der Schutz der Tiere ist uns
gemeinsam mit vielen Bürgern ein wichtiges Anliegen. Wir setzen uns für eine
konsequente Umsetzung des in der Verfassung als Staatsziel verankerten
Schutzes der natürlichen Lebensgrundlagen und der Tiere ein.
CDU und CSU wollen die
Kreislaufwirtschaft weiterentwickeln. Wir werden die Verpackungsverordnung
mit dem Ziel fortschreiben, sie an die veränderten Rahmenbedingungen und den
technischen Fortschritt bei der Materialentwicklung sowie bei den
Verwertungstechnologien anzupassen und die Ressourcenschonung voranzutreiben.
Dabei muss sowohl ökonomischen als auch ökologischen Belangen Rechnung
getragen werden.
Die hohe Qualität des Trinkwassers
ist ein kostbares Gut. Unser Ziel ist es, dass die Kommunen wichtige Aufgaben
der Daseinsvorsorge auch in Zukunft wahrnehmen können. Deshalb treten wir
dafür ein, dass die Wasserversorgung Aufgabe der Kommunen bleibt. Eine
Liberalisierung der Wasserversorgung lehnen wir ab, weil echter Wettbewerb
nur begrenzt möglich ist.
Wir wollen eine nachhaltige
Regionalentwicklung fördern. Regionalisierung verstehen wir als notwendigen
Ausgleich zur Globalisierung. Wir stärken deshalb den Aufbau regionaler
Wirtschaftskreisläufe und kommunaler Allianzen.
Wir werden den kooperativen
Umweltschutz ausbauen. Wir werden auf den Abschluss von freiwilligen
Umweltpartnerschaften zwischen Staat und Wirtschaft, Landwirtschaft und
Kommunen hinwirken.
Wir werden den Beitrag Deutschlands
zur internationalen Zusammenarbeit bei den globalen Herausforderungen Schutz
der Erdatmosphäre, Schutz der Artenvielfalt und Bekämpfung des
Wüstenwachstums, der Wasserverknappung und der Waldzerstörung intensivieren.
Wir werden die Entwicklungszusammenarbeit in den Bereichen Energie-, Umwelt
und Ressourcenschutz verstärken.
Identität Deutschlands bewahren
Das demokratische
Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten weltweites Ansehen
erarbeitet und Vertrauen gefunden. Zusammengehörigkeitsgefühl und ein
aufgeklärter Patriotismus, also ein positives Verhältnis zur Nation, sind
eine Grundlage, auf die für die gemeinsame Gestaltung einer guten Zukunft
nicht verzichtet werden kann.
Kunst und Kultur
pflegen
Kunst und Kultur als
Ausdruck schöpferischer Freiheit haben in der modernen, von Technik und
Wirtschaft geprägten Welt Bedeutung wie nie zuvor. Kunst und Kultur sind
Inbegriff menschlicher Lebensäußerung. Kunst und Kultur dürfen nicht nur als
Standortfaktoren von wachsender Bedeutung, sie müssen vor allem als Wert an
sich gesehen werden, als anregende und reflektierende Kraft, die auch für
Staat und Gesellschaft unverzichtbar ist. Um die freie Entfaltung
künstlerischer Begabung auf allen Gebieten zu fördern, wollen wir für
künstlerisches Schaffen größtmögliche Vielfalt sichern. Öffentliche Hand und privates
Engagement müssen bei der Förderung von Kunst und Kultur zusammenwirken.
Der kulturelle Reichtum
Deutschlands speist sich aus der Vielfalt seiner Regionen und der Offenheit
für Anregungen aus aller Welt. Die Kulturhoheit der Länder ist ein
Grundpfeiler der bundesstaatlichen Ordnung Deutschlands, an dem wir nicht
rütteln lassen. Wir verstehen die Förderung von Kunst und Kultur als Auftrag
von Bund, Ländern und Kommunen, die je eigene und unverzichtbare Aufgaben
wahrnehmen.
Der Bund muss die
kulturellen Aufgaben, für die er zuständig ist, konsequent wahrnehmen: für
seine international herausragenden Einrichtungen, beim deutschen
Auslandsrundfunk, bei der auswärtigen Kulturpolitik und der Förderung
deutscher Sprache und Kultur im Ausland, bei den Auslandsschulen und bei der
gesetzlichen Verpflichtung zur Wahrung des Geschichts- und Kulturerbes der
Heimatvertriebenen. In diesen Bereichen darf es keine weitere Reduzierung der
Bundesförderung zugunsten von Prestigeprojekten geben, für die gar keine
Zuständigkeit des Bundes besteht. Die Kulturförderung des Bundes darf nicht
auf Hauptstadtförderung zulasten kultureller Glanzlichter gesamtstaatlicher
Bedeutung in den Ländern reduziert werden. In diesem Sinn muss endlich auch
das Amt des Kulturbeauftragten der Bundesregierung wahrgenommen werden.
Auch in der modernen
Wissensgesellschaft mit ihren weltwirtschaftlichen Verflechtungen ist
nationales Zusammengehörigkeitsgefühl unverzichtbar. Die große Mehrheit der
Deutschen versteht sich als Solidaritäts- und Schicksalsgemeinschaft,
verbunden durch die gemeinsame Geschichte und den gemeinsamen Staat ebenso
wie durch eine gemeinsame Sprache und Kultur. Wir Deutschen können stolz sein
auf unser kulturelles Erbe, auf herausragende Werke des Glaubens, der
Philosophie und Literatur, auf beeindruckende Schöpfungen der Musik, des
Theaters und der bildenden Kunst, auf Spitzenleistungen in Wissenschaft und
Technik.
Zuwanderung steuern und begrenzen
Deutschland ist ein weltoffenes und
gastfreundliches Land. Mit einem Anteil der Ausländer an der Bevölkerung von
9 % nimmt Deutschland unter den großen westlichen Industrienationen den
Spitzenplatz ein. Die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer hat seit
1972 von 3,5 Millionen auf 7,3 Millionen zugenommen, die der
sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ausländer ist dagegen von
2,3 Millionen auf 2,0 Millionen zurückgegangen. Die
Ausländerarbeitslosigkeit hat sich in dieser Zeit massiv erhöht und liegt
heute mit rund 20% doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Die
Zuwanderung erfolgte also überwiegend nicht in Arbeitsplätze, sondern in die
sozialen Sicherungssysteme. Drei Viertel der Menschen aus anderen Ländern,
die in Deutschland leben, kommen aus Staaten außerhalb der Europäischen
Union. Deutschland kann aufgrund seiner historischen, geographischen und
gesellschaftlichen Situation aber kein klassisches Einwanderungsland wie etwa
Australien oder Kanada werden.
Deutschland muss Zuwanderung
stärker steuern und begrenzen als bisher. Zuwanderung kann kein Ausweg aus
den demografischen Veränderungen in Deutschland sein. Wir erteilen einer
Ausweitung der Zuwanderung aus Drittstaaten eine klare Absage, denn sie würde
die Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaft überfordern. Verstärkte
Zuwanderung würde den inneren Frieden gefährden und radikalen Kräften
Vorschub leisten.
Rot-Grün will keine wirksame
Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung. Rot-grün schafft mit der
ungeregelten Aufgabe des Anwerbestopps Einfallstore für erweiterte
Zuwanderung und mit der angeblichen „Härtefallregelung“ und der Ausweitung
der Aufenthaltsrechte über die Genfer Flüchtlingskonvention hinaus massive
Anreize für Armutsflüchtlinge aus aller Welt. Dies würde in kurzer Zeit zu
einer erheblich höheren Zuwanderung nach Deutschland führen, die nicht im
Interesse unseres Landes ist. Wir werden unverzüglich nach der Wahl die
falschen Weichenstellungen der rot-grünen Bundesregierung korrigieren.
Bei einer Arbeitslosigkeit von
insgesamt fast 6 Millionen Menschen gibt es für Arbeitsmigration nach
Deutschland nur in Ausnahmefällen eine Rechtfertigung. Angesichts staatlicher
Programme zur Eingliederung Jugendlicher in den Arbeitsmarkt und einer
wachsenden Arbeitslosigkeit bei Arbeitnehmern, die älter als 55 Jahre sind,
ist mehr Zuwanderung nicht verantwortbar. Die Qualifizierung einheimischer
Arbeitskräfte hat Vorrang vor Zuwanderung. Wir müssen in Zukunft nicht nur in
Sport und Kultur, sondern auch zur Sicherung wissenschaftlicher
Spitzenleistungen, hoher Innovationskraft und wirtschaftlicher Dynamik für
ausländische Spitzenkräfte verstärkt offen sein.
Wir wollen Zuwanderungsanreize für
nicht anerkennungsfähige Asylbewerber weiter einschränken. Nur staatliche
Verfolgung darf einen Anspruch auf Asyl und Aufenthalt auslösen. Wir werden
die verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen in Asylverfahren beschleunigen
und dazu die gerichtlichen Zuständigkeiten zur Überprüfung von
Asylentscheidungen konzentrieren, um den Missbrauch des Asylrechts zu
bekämpfen.
Wir wollen Schleuserorganisationen
das Handwerk legen. Dazu setzen wir auf eine europaweite Strategie. Die
Außengrenzen der Europäischen Union müssen gegen illegale Zuwanderung und
organisierte Einschleusung gesichert werden. Wir werden auf eine effizientere
Zusammenarbeit von Grenzschutz, Polizei und Justiz der beteiligten Länder
hinwirken.
Wir werden in das Asylbewerberleistungsgesetz
mit den gegenüber der Sozialhilfe niedrigeren Leistungen alle ausländischen
Flüchtlinge für die Dauer ihres nur vorübergehenden Aufenthalts einbeziehen.
Die Leistungen sollen so ausgestaltet werden, dass von ihnen kein Anreiz
ausgeht, nach Deutschland statt in ein anderes europäisches Land zu kommen.
Wir wollen eine faire Lastenteilung
bei der Flüchtlingspolitik in Europa durchsetzen. In der gesamten EU müssen
vergleichbare Regeln für Aufnahme, Aufenthalt und Aufenthaltsbeendigung
gelten, um im Interesse des inneren Friedens und des Schutzes politisch
Verfolgter die immer noch zu hohe Zahl unberechtigter Asylbewerber in Europa
zu verringern. Dazu ist vor allem ein weitgehend angeglichenes, schnelles,
rechtsstaatlichen Ansprüchen genügendes Asylverfahren zu schaffen.
Ungleichgewichte bei der Aufnahme von Asylbewerbern und Flüchtlingen in den
Mitgliedsländern der EU müssen durch eine Verteilung nach Quoten entsprechend
der Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft ausgeglichen werden.
Integration fordern und fördern
Ohne Solidarität und das Gefühl der
Zusammengehörigkeit kann auch ein moderner Staat nicht bestehen. Deutschland
soll seine Identität bewahren. Die von Rot-Grün betriebene Umgestaltung in
eine multikulturelle Einwanderergesellschaft lehnen wir ab.
Die Integration der Zuwanderer ist
nicht zum Nulltarif zu haben. Die Integration der rechtmäßigen und auf Dauer
in Deutschland lebenden Menschen aus anderen Ländern ist eine Aufgabe aller
gesellschaftlichen Kräfte. Wir wollen Ausländer integrieren. Wir erwarten
zugleich von ausländischen Mitbürgern, dass sie sich integrieren wollen. Ziel
der Integration sind verbindende Überzeugungen. Integration setzt nicht nur
Gesetzestreue und das Respektieren der Grundlagen des Zusammenlebens voraus,
sondern auch das Akzeptieren der Traditionen und Wertvorstellungen in unserer
Gesellschaft. Sie erfordert die Bereitschaft, deutsch zu sprechen und sich in
die Gesellschaft in Deutschland einzubringen - beinhaltet aber auch die
Möglichkeit, die eigenen kulturellen Prägungen und religiösen Überzeugungen
im Rahmen der geltenden Rechts- und Verfassungsordnung zu bewahren.
Wir werden Schluss machen mit einer
Politik, die einerseits Zuwanderung gezielt ausweitet und andererseits die
erforderliche Integration vernachlässigt, vorhandene Integrationsangebote
streicht und Länder und Kommunen mit den Kosten der Integration und den
Folgen mangelnder Integrationserfolge allein lässt.
Deutschland hat keinen Mangel an
Zuwanderung, sondern an Integration. In den Großstädten bilden sich bereits
Parallelgesellschaften. Der hohe Ausländeranteil vor allem in Großstädten wie
Frankfurt a. M. mit rund 28 % oder München mit rund 22 % führt bereits zu
partiellen Minderheitssituationen für Deutsche. Mangelhafte Sprachkenntnisse
zahlreicher vor allem junger Ausländer, deren häufige Perspektivlosigkeit am
Arbeitsmarkt und das starke Bildungsgefälle zwischen deutschen und
ausländischen Jugendlichen sind nur einige erkennbare Vorboten eines
bedrohlichen sozialen Sprengstoffs in Deutschland.
Wir werden das Erlernen der
deutschen Sprache stärker einfordern und fördern. In allen Ländern sind
vermehrte Anstrengungen für die Schulen erforderlich, damit auch die Schüler
die gleichen Chancen wie alle haben, in deren Klassen überdurchschnittlich viele
Kinder unterrichtet werden, die Deutsch nicht als Muttersprache sprechen.
Ausreichende deutsche Sprachkenntnisse sollen möglichst schon vor der
Einschulung vermittelt werden. Lern- und Leistungsdefizite ausländischer
Schülerinnen und Schüler müssen angepackt und behoben werden. Daneben muss
die Erwachsenenbildung bessere Angebote machen für Menschen aus anderen
Kulturkreisen, die sich in unsere Gesellschaft einleben wollen.
Wir werden entschieden den
Tendenzen einer selbstgewählten Isolierung von Menschen mit gemeinsamem
Herkunftsland entgegentreten. Die Entwicklung von Parallelgesellschaften darf
nicht hingenommen werden. An diesem Ziel werden wir die Wohnungspolitik
ausrichten. Wir wollen ein echtes Miteinander und kein bloßes Nebeneinander
und werden deshalb für Zuwanderer die Teilnahme an Integrationskursen
verpflichtend machen, in denen nicht nur Sprachkenntnisse, sondern auch die
Grundlagen der Rechts- und Gesellschaftsordnung vermittelt werden.
Wir werden der Fehlentwicklung
entgegenwirken, dass nicht wenige türkische Eltern, die in Deutschland leben,
ihre Kinder in der Türkei auf die Schule schicken, womit deren
Integrationschancen dauerhaft beschädigt werden. Wir werden die Altersgrenze
für den Nachzug der Angehörigen zu Ausländern nach Deutschland so festlegen,
dass die nach Deutschland kommenden jungen Menschen optimale
Integrationschancen haben. Das ist in der Regel das sechste, höchstens das
zehnte Lebensjahr.
Wir halten es für erforderlich,
dass für Kinder muslimischen Glaubens in Deutschland ein islamisches
Unterrichtsangebot in deutscher Sprache eingerichtet wird, das nach staatlich
genehmigten Lehrplänen und unter staatlicher Aufsicht von Lehrern
unterrichtet wird, für die gleiche Regeln wie für alle Lehrer gelten.
Wir werden die rechtlichen
Möglichkeiten konsequent nutzen, extremistische, nationalistische,
integrationsfeindliche ausländische Vereinigungen in Deutschland zu
verbieten.
Vertrauen für Deutschland
in Europa und in der Welt
Voraussetzung für Freiheit und
Demokratie ist Sicherheit. Sicherheit und Freiheit für die Menschen in
Deutschland können nur im Bündnis mit unseren Partnern und Freunden in Europa
und in der Welt geschützt werden. Daran haben die schrecklichen
Terroranschläge in New York und Washington am 11. September 2001
nachdrücklich erinnert.
Europa muss man richtig machen
Die Einigung Europas ist das
wertvollste Erbe des 20. Jahrhunderts. Die europäische Einigung ist die
zentrale Gestaltungsaufgabe, um Frieden und Freiheit dauerhaft zu sichern.
Sie muss auf dem Vertrauen der Bürger und auf einer gründlichen öffentlichen
Diskussion der Perspektiven für Europa aufbauen. Die Handlungsfähigkeit
Europas muss gestärkt werden. Selbstbewusste Nationen und Regionen sind die
Bausteine Europas. Ihre geschichtlich gewachsene Vielfalt ist Europas Stärke.
Nur mit Föderalismus, Subsidiarität und klar abgegrenzten, kraftvoll
wahrgenommenen Kompetenzen der Ebenen Kommune, Region, Nation und Europa kann
eine gute Zukunft gestaltet werden.
Deutschland hat an Gewicht in
Europa verloren. Die Regierung Schröder zeigt kein echtes Engagement für die
europäische Einigung. Sie hat die kleinen Partnerstaaten, darunter vor allem
Deutschlands Nachbarn Österreich, wiederholt vor den Kopf gestoßen. Der
deutsch-französische Motor der Europäischen Integration stottert, die
Beziehungen zu Frankreich wurden vernachlässigt.
CDU und CSU haben in Europa die
Fundamente für den Euro als stabile Gemeinschaftswährung gelegt und den
Stabilitätspakt in den Europäischen Verträgen durchgesetzt. Die Grundlagen
eines stabilen Euro dürfen nicht aufgeweicht werden. Die Unabhängigkeit der
Europäischen Zentralbank muss gewahrt und gegen Versuche politischer
Einflussnahme verteidigt werden.
Wir werden uns dafür einsetzen, die
europäischen Aufgaben gerechter zu finanzieren. Wir wollen die traditionellen
europäischen Strukturpolitiken beenden und sie durch einen europäischen
Solidaritätsfonds ersetzen, der für Finanztransfers nach objektiven Maßstäben
für investive Maßnahmen sorgt. Als Ausgleich zur Konzentration dieser
EU-Strukturförderung auf die bedürftigsten Regionen muss allen
Mitgliedstaaten und Regionen ein gewisser Entscheidungsspielraum eröffnet
werden, der eine gezielte eigenständige Regionalförderung ermöglicht, einen
Subventionswettlauf aber ausschließt. Eine Reform der EU-Finanzen muss für
einen gerechten Beitrag aller Mitgliedstaaten zum EU-Haushalt sorgen, der
ihrem wirtschaftlichen Wohlstand (Bruttoinlandsprodukt in Kaufkraftstandards)
entspricht.
Wir werden die EU-Osterweiterung
erfolgreich zu Ende führen. Deutschland als Land in der Mitte Europas muss
mit allen Nachbarn gleichermaßen partnerschaftlich verbunden sein. Es ist
allerdings Aufgabe der amtierenden Bundesregierung, zu einem sachgerechten
Abschluss der Beitrittsverhandlungen bis Ende 2002 den Beitrag Deutschlands
zu leisten.
Die Osterweiterung der Europäischen
Union eröffnet die historische Chance, Frieden, Freiheit und Sicherheit in
ganz Europa nachhaltig zu sichern. Die Erweiterung der Europäischen Union
wird diesseits und jenseits ihrer bisherigen Grenzen Märkte entwickeln,
Arbeitsplätze sichern und den Menschen mehr Wohlstand bringen. Je solider die
jetzt laufenden Beitrittsverhandlungen geführt werden, um so eher wird diese
Chance genutzt. Die Erweiterung der EU darf weder die Leistungsfähigkeit der
Beitrittskandidaten noch die Integrationskraft der Europäischen Union und
ihrer Mitgliedsländer überfordern. Flexible, zeitlich nach Branchen und
Regionen differenzierte und ausreichend lange Übergangsfristen sind
notwendig, bis Arbeitnehmerfreizügigkeit, Niederlassungs- und
Dienstleistungsfreiheit in vollem Umfang gewährt werden können. Wir wollen
mit einem Aktionsplan für die Grenzregionen Chancen nutzen und Risiken
mindern: abgestimmter und beschleunigter Ausbau der Infrastrukturen, gezielte
Förderinstrumente für die notwendigen Anpassungsprozesse und eine wirksame
Strukturpolitik.
Die deutschen Heimatvertriebenen
und die deutschen Volksgruppen in Mittel- und Osteuropa haben heute eine
wichtige Brückenfunktion bei der Zusammenarbeit mit Deutschlands östlichen
Nachbarstaaten. Auch deshalb verdienen die deutschen Minderheiten im Osten
unsere Unterstützung. Die Union wird im Hinblick auf die Osterweiterung der
Europäischen Union die berechtigten Anliegen der Heimatvertriebenen zur
Sprache bringen. Die in der Europäischen Union geltende Freizügigkeit und
Niederlassungsfreiheit ist ein Schritt hin zur Verwirklichung des Rechts auf
die Heimat auch der deutschen Vertriebenen – in einem Europa, das sich als
Rechts- und Wertegemeinschaft versteht und in dem die Völker und Volksgruppen
einträchtig und ohne rechtliche Diskriminierung auch aus der Vergangenheit
zusammenleben können. Das Recht auf die Heimat gilt.
Die Vertreibungsdekrete und
-gesetze sind Unrecht. Sie stehen im Gegensatz zu Geist und Werten der
Europäischen Union und des Völkerrechts. Vertreibung und ethnische Säuberung
dürfen nirgendwo Teil der bestehenden Rechtsordnung sein. Im Gegensatz zu SPD
und Grünen, die deutsche Aussiedler willkürlich weitgehend von der Aufnahme
ausschließen wollen, bekennen wir uns zur Geschichte aller Deutschen. Mit
einem „Zentrum gegen Vertreibung“ in Berlin wollen wir ein Zeichen setzen, um
an das Unrecht der Vertreibung zu erinnern und es für immer zu ächten.
Wir werden die in Ansätzen stecken
gebliebene Reform der Europäischen Institutionen vorantreiben. Wir wollen die
demokratische Legitimation der europäischen Institutionen stärken. Das Ziel,
eine Union mit 25 oder mehr Mitgliedstaaten handlungsfähig zu halten, ist
nicht erreicht. Europa braucht eine Kommission in arbeitsfähiger Größe. Für
Gesetzgebung und Budget sollen Parlament und Rat gemeinsam zuständig sein.
Dabei sollten die Sitze im Europäischen Parlament den Mitgliedstaaten – mit
Ausnahme einer Mindestanzahl für die Kleinsten – grundsätzlich nach der
Bevölkerungszahl zugeordnet werden. Der Rat soll seine Entscheidungen
grundsätzlich mit gewichteter Mehrheit treffen. Voraussetzung für den
Übergang zu weiteren Mehrheitsentscheidungen ist aber eine klare
Kompetenzabgrenzung. Vertragsänderungen, die Aufnahme neuer Mitglieder, die
Inanspruchnahme der Generalklauseln, die Steuerpolitik und die Einnahmen der
Europäischen Union müssen dagegen in der Einstimmigkeit verbleiben.
Wir setzen uns für eine dem Rang
der deutschen Sprache - der in der Europäischen Union von den meisten
Menschen als Muttersprache gesprochenen Sprache – entsprechende
Berücksichtigung in den Institutionen der Europäischen Union ein. Gerade im
Interesse der Bürger, die sich an die Europäischen Institutionen wenden, und
der mittelständischen Wirtschaft ist es nicht hinzunehmen, wenn Deutsch nur
nachrangig benutzt wird. Bei der Verfügbarkeit muttersprachlicher Unterlagen
darf Deutsch keiner anderen Sprache nachstehen.
Wir wollen für eine klare Kompetenzabgrenzung
zwischen der europäischen und der nationalen Ebene sorgen. Klare Antworten
auf die Frage, was Europa entscheiden soll und was die Verantwortung der
Mitgliedstaaten und Regionen ist und bleiben muss, festigen das Vertrauen der
Bürger, ohne das wir das gemeinsame Haus Europa nicht bauen können. Die
Zuständigkeiten der Europäischen Union müssen erkennbar, vorhersehbar und
begrenzt sein.
In einem erheblich vergrößerten
Europa muss sich die EU auf die Aufgaben beschränken, die nur gemeinsam bewältigt
werden können, wozu die Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik gehören
und der einheitliche Binnenmarkt mit einem funktionierenden wirtschaftlichen
Wettbewerb, einheitlicher Außenvertretung und gemeinsamer Währung.
Die nationale oder regionale Ebene
behält auf Dauer die Zuständigkeit für alle Politikbereiche, die mit den
gewachsenen Traditionen in Zivilisation, Kultur und „Zivilgesellschaft“
besonders eng verbunden sind. Dazu gehören insbesondere der innere
Staatsaufbau und die kommunale Selbstverwaltung, die soziale Sicherheit und
die Familienstrukturen.
Alle notwendigen grundsätzlichen
Regelungen, insbesondere zur Verteilung der Zuständigkeiten zwischen der
Europäischen Union und den Mitgliedstaaten, zur Finanzverfassung sowie zu den
Institutionen der Europäischen Union und ihren Verfahrensweisen sollen mit
der EU-Grundrechte-Charta in einem Verfassungsvertrag zusammengefasst werden.
Transatlantische
Partnerschaft stärken
Gesamteuropäische Einigung fördern
Im 21. Jahrhundert wird die deutsche
Außenpolitik immer mehr von den Aufgaben und Chancen bestimmt, die sich aus
der Globalisierung ergeben. Die Fortschritte in der Kommunikationstechnik
sowie die große Mobilität von Wissen und Kapital bringen den Menschen mehr
Freiheit. Offenheit und wachsende Vernetzung machen jedoch die einzelnen
Staaten und die bestehenden Ordnungsstrukturen auch verwundbarer: Die
hochtechnisierte freie Welt ist Angriffsziel weltweit operierender
Terroristen. Im „globalen Dorf“, in dem die verschiedensten Nationen, Religionen
und Traditionen immer stärker zusammenrücken, treten die kulturellen
Unterschiede deutlicher zutage.
Deutschland als weltoffene und vom
Weltmarkt abhängige Exportnation hat ein Interesse daran, die neuen Chancen
optimal zu nutzen und gleichzeitig die sicherheitspolitischen Gefahren
entschlossen und erfolgreich abzuwenden. Wir richten die deutsche Politik
wieder klar an den sicherheitspolitischen Interessen Deutschlands aus:
Frieden und Freiheit im Bündnis des Westens sichern. Auch unter den veränderten
Bedingungen müssen wir für eine glaubwürdige und starke Landes- und
Bündnisverteidigung sorgen. Deutschlands Partner und Verbündete müssen
wissen, wo Deutschland steht und dass auf Deutschland in Krisen Verlass ist.
Gleichzeitig müssen wir Sicherheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe ernst
nehmen.
Wir werden Europa stärken, jedoch
nicht in Konkurrenz zu Amerika, sondern mit dem Ziel, aus Europa einen
verantwortungsfähigeren Partner bei der Wahrnehmung internationaler
Sicherheitsaufgaben zu machen. Nur gemeinsam mit Amerika können wir den neuen
Sicherheitsbedrohungen wirksam begegnen. Dafür muss der europäische Pfeiler
der NATO gestärkt werden. Wir halten es für unerlässlich, der gemeinsamen
Außen- und Sicherheitspolitik der EU auch gemeinsame Instrumentarien zur
Verfügung zu stellen. Dies erfordert eine abgestimmte Struktur, Ausrüstung
sowie militärische und politische Einsatzfähigkeit für die europäischen
Streitkräfte. Nur dadurch können schrittweise die europäischen Fähigkeiten
wieder mit den amerikanischen kompatibel werden. Die europäischen
Krisenreaktionskräfte müssen endlich einsatzfähig werden. Wir brauchen eine,
europäische industrielle Basis. Die europäischen Krisenreaktionsverbände sind
ein erster Schritt auf dem Weg zur weiteren Integration von europäischen
Streitkräften. Wir streben deshalb im Rahmen der Europäischen Sicherheits-
und Verteidigungspolitik (ESVP) eine gemeinsame Streitkräfteplanung, eine
gemeinsame Rüstungspolitik sowie ein gemeinsames militärisches
Beschaffungswesen an. Dies schafft zudem in Zeiten knapper Haushalte wichtige
Synergien.
Wir werden die verlässliche
Freundschaft zu Amerika pflegen, die transatlantische Partnerschaft stärken
und deshalb ein ernst zu nehmender Partner sein. Die enge Verbindung zwischen
Europa und den USA ist weltweit einzigartig: Auf der Basis gemeinsamer Werte
können wir gemeinsame Antworten auf die weltpolitischen Herausforderungen
finden. Wir werden uns für eine neue „Atlantische Charta“ und mehr
Zusammenarbeit in den Bereichen Strafverfolgung, Energie und Umwelt
einsetzen. Eine vertiefte Zusammenarbeit der Nachrichtendienste wird zu einer
gemeinsamen Einschätzung weltweiter Bedrohungen beitragen. Die Schaffung
einer transatlantischen Freihandelszone sehen wir als Perspektive zur
Vermeidung von Handelsstreitigkeiten und zu einer noch engeren Verflechtung
unserer Wirtschaftsräume.
Aufgrund der zahlreichen Konflikte
im Krisenbogen Balkan, Kaukasus, Nah-/Mittelost und nördliches Afrika werden
wir gemeinsam mit unseren Partnern den strategischen Fokus der Atlantischen
Allianz nach Südosten ausrichten. Auch deshalb müssen beim NATO-Gipfeltreffen
im Herbst, soweit die jeweilige innenpolitische Lage es erlaubt, nicht nur
Slowenien, die Slowakei, Estlands, Litauen und Lettland, sondern auch
Bulgarien und Rumänien zum Beitritt eingeladen werden.
Gemeinsam mit unseren Partnern im
Bündnis werden wir entschlossen gegen die weltweite Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen vorgehen. Wir werden die Pläne von Präsident Bush
zur Schaffung einer „Alliierten Raketenabwehr“ aktiv aufgreifen und uns mit
eigenen Initiativen für eine europäische Schutzkomponente einbringen.
Wir werden den
deutsch-französischen Motor, der von Rot-Grün sträflich vernachlässigt wurde,
wieder in Gang bringen. Mit Blick auf den 40. Jahrestag des Elysée-Vertrags
ist die Zeit für einen neuen Gründungspakt gekommen, der den Beziehungen zu
unserem wichtigsten Partner in Europa eine neue Qualität gibt. Deutschland
und Frankreich müssen künftig für gemeinsame, sicherheitspolitisch gebotene
Beschaffungsprojekte über gemeinsam bereitgestellte Mittel verfügen können.
Wir wollen dem Friedensprozess im
früheren Jugoslawien neue Impulse geben. Die Soldaten der Bundeswehr leisten
Großartiges - in Bosnien-Herzegowina, im Kosovo und in Mazedonien. Doch
Soldaten allein können die Probleme dort nicht lösen. Für eine dauerhafte
Stabilisierung muss deutsche und europäische Außenpolitik die politische und
wirtschaftliche Zusammenarbeit in diesem Teil Europas entschlossen
voranbringen.
Wir werden die im Bündnis gegen den
Terror seit dem 11. September 2001 bewährte strategische Partnerschaft mit
Russland aktiv gestalten. Dazu gehört tatkräftige Unterstützung für den
Prozess der Reformen und ein offenes Wort, wo immer er stockt. Das partnerschaftliche
Verhältnis zu Russland muss der Größe, dem Potential und der Bedeutung des
Landes Rechnung tragen. Wir wollen die demokratische und wirtschaftliche
Entwicklung Russlands unterstützen und im Sinne einer „gesellschaftlichen
Außenpolitik“ vielfältige grenzüberschreitende Kontakte fördern. Besonders
fördern wollen wir die Zusammenarbeit der Region Kaliningrad/Königsberg mit
den künftigen EU-Staaten Litauen und Polen, damit diese Anschluss an die
wirtschaftliche Dynamik des Ostseeraums findet.
Die Türkei ist ein verlässlicher
Bündnispartner. Ihre strategische Rolle ist unter den veränderten
Sicherheitsbedingungen nochmals gewachsen. Wir wollen eine europäische
Orientierung der Türkei fördern. Wir wollen die Türkei wirtschaftlich,
politisch und institutionell außerhalb einer Mitgliedschaft eng mit der
Europäischen Union verbinden.
Zukunft für
die Bundeswehr
Art und Herkunft der Bedrohungen
für unsere Sicherheit haben sich seit dem Ende des Kalten Krieges wesentlich
gewandelt, die Trennlinien zwischen äußerer und innerer Sicherheit verwischen
zusehends. Zu den herkömmlichen Anforderungen an unsere Streitkräfte sind
neue Aufgaben hinzugekommen. Doch gerade im Kampf gegen den internationalen
Terrorismus wird auch die wachsende militärisch-technologische Lücke zwischen
Europäern und Amerikanern offensichtlich. Was sich im Kosovo-Krieg 1999
bereits abzeichnete, hat sich inzwischen zu einer Gefährdung des
militärischen Zusammenhalts innerhalb der Atlantischen Allianz ausgeweitet.
Die Bundeswehr muss wieder voll
einsatz- und bündnisfähig werden. Dafür werden wir die notwendigen
Korrekturen vornehmen und eine glaubwürdige Finanzierung sicherstellen. Denn
die Bundeswehr macht heute eine ideelle, personelle und materielle Auszehrung
durch, die zu kaum wiedergutzumachenden Langzeitschäden führt. Aufgaben,
Struktur und Finanzen passen nicht mehr zusammen, die Bundeswehr leidet unter
einer drastischen Unterfinanzierung. Die Lücke zwischen den internationalen
Zusagen und den tatsächlichen Fähigkeiten klafft immer weiter auseinander.
Die Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik darf nicht wegen
unzureichender Beiträge Deutschlands scheitern. Der deutsche Beitrag zu den
in Helsinki vereinbarten europäischen Einsatzkräften muss endlich glaubhaft
geleistet werden.
Wir werden wieder für ein volles
Vertrauensverhältnis der Angehörigen der Bundeswehr in ihre politische
Führung sorgen. Den Soldaten und zivilen Mitarbeitern muss wieder eine
attraktive Perspektive sowie die bestmögliche Ausbildung und Ausrüstung
gegeben werden. Die Bundeswehr als Institution muss wieder öffentliche
Anerkennung finden. Im Unterschied zu Rot-Grün werden wir die Streitkräfte
nicht länger als notwendiges Übel ansehen, sondern sie als unverzichtbaren
Bestandteil eines souveränen Staates achten.
Deutschland steht nach Bevölkerung
und Wirtschaftskraft im Bündnis der NATO an zweiter Stelle. Unser Beitrag zur
gemeinsamen Sicherheit muss der Bedeutung unseres Landes angemessen sein. Das
Konzept der Bundeswehrreform muss ergänzt und die Bundeswehr in Wehrstruktur,
Umfang und Ausrüstung so erneuert werden, dass sie ihren Auftrag erfüllen
kann: Landes- und Bündnisverteidigung; die neuen Aufgaben der Prävention, der
Krisenreaktion und des Stabilitätstransfers; den Beitrag ihrer spezifischen
Fähigkeiten zur zivil-militärischen Zusammenarbeit im Innern. Eine zeitgemäße
Bundeswehrreform baut auf einer Neuorientierung und Anpassung der Zielsetzung
der deutschen Streitkräfte auf. Für die Zukunft wichtige Fähigkeiten sind:
Rasche Einsatzfähigkeit schnell verlegbarer Verbände, personelle und
materielle Durchhaltefähigkeit, höchste technische Standards bei der
Bewaffnung, bei den Führungs- und Kommunikationsmitteln und bei der
Aufklärung. Zur Abwehr der Bedrohung durch den internationalen Terrorismus
sind mehr Antiterroreinheiten, Gebirgs- und Fallschirmjäger notwendig und
auch eine Verstärkung der Kräfte zum Objektschutz, des Pionierwesens, des
ABC-Schutzes und des Sanitätswesens.
Vor dem Hintergrund der Gesamtheit
der Aufgaben muss die Bundeswehr einen Umfang von mindestens 300.000 Mann -
davon 100.000 Wehrpflichtige - haben. Die allgemeine Wehrpflicht mit einer
Dauer von neun Monaten werden wir unter Aufrechterhaltung der
Wehrgerechtigkeit beibehalten und weiterentwickeln. Die Wehrpflicht ist
sicherheitspolitisch geboten, um die notwendige Aufwuchsfähigkeit der
Bundeswehr zu gewährleisten und einen qualitativ und quantitativ
ausreichenden Nachwuchs zu erhalten. Die Wehrpflicht gewährleistet die
Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft und trägt dem Prinzip des
„Staatsbürgers in Uniform“ am besten Rechnung. Wir werden sicher stellen,
dass Wehrpflicht einen sinnvollen Dienst in den Streitkräften bedeutet; der
Grundwehrdienstleistende muss die Erfahrung machen können, dass er gebraucht
wird und seine Kenntnisse und seine Lebenserfahrungen einbringen kann. Wir
wollen Wehrgerechtigkeit und Dienstgerechtigkeit dauerhaft sicherstellen.
Die drastische Unterfinanzierung
der Bundeswehr muss korrigiert werden. Struktur und Aufgaben der Streitkräfte
und ihre Finanzierung müssen wieder in Übereinstimmung gebracht werden. Der
Verteidigungshaushalt wird aufgabengerecht spürbar angehoben. Das wird Mittel
für Sofortmaßnahmen zur Überwindung der größten Missstände bei Ausrüstung und
Ausstattung einschließen. Aber die Unterfinanzierung kann nicht nur durch
eine Anhebung des Verteidigungshaushalts beseitigt werden, notwendig ist
auch, dass laufende und geplante Rüstungsbeschaffungen genau überprüft
werden.
Innere und äußere Sicherheit lassen
sich immer weniger voneinander trennen. Wir brauchen Strukturen, in der sich
die Kräfte für äußere und innere ebenso wie in anderen demokratischen Staaten
Sicherheit wirksam ergänzen. Wir werden klare Rechtsgrundlagen und
Zuständigkeiten schaffen, um in besonderen Gefährdungslagen den Einsatz der
Bundeswehr im Rahmen ihrer spezifischen Fähigkeiten ergänzend zu Polizei und
Bundesgrenzschutz zu ermöglichen.
Wir streben bei der Vorbereitung
und Durchführung von Beteiligungen der Bundeswehr an multilateralen
Friedenseinsätzen mehr Flexibilität an und werden dafür die entsprechenden
rechtlichen Grundlagen schaffen.
Entwicklungspolitik und humanitäre
Hilfe aktiv gestalten
Die Bekämpfung von Armut, Hunger,
Unterentwicklung und Umweltzerstörung im Rahmen einer modernen Politik der
wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung für die Menschen in den
Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländern sehen wir als ethische
Verpflichtung und Bestandteil einer vorsorgenden Politik für unsere eigene
Sicherheit. Solange ein großer Teil der Menschheit für sich und seine
Nachkommen keine Perspektive sieht, sind auch Friede und Wohlstand in den
wohlhabenden Ländern brüchig. Deutschland muss internationale Zusagen
einhalten und verstärkt Einfluss nehmen auf die internationalen
Rahmenbedingungen von Entwicklungspolitik.
Wir treten dafür ein, sobald wie
möglich die Höhe des Entwicklungshaushaltes an die international vereinbarte
Zielgröße von 0,7% des Bruttoinlandsproduktes anzunähern. Dieses Ziel ist
unter der rot-grünen Bundesregierung in weite Ferne gerückt. Gerade die
Kürzungen des Entwicklungshaushalts zeigen: Die Schröder-Regierung hat keine
Antwort auf die globalen Herausforderungen. Deutsche Entwicklungspolitik muss
einen wirkungsvollen Beitrag zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung
der Welt leisten. Wir werden die deutsche Entwicklungspolitik stärker auf die
Terrorismusprävention ausrichten: Die Entwicklungspolitik muss „Zonen der
Ordnungslosigkeit“ entgegenwirken, die von terroristischen Netzwerken als
Rückzugsräume missbraucht werden könnten.
Wir werden Deutschlands
Verantwortung für Frieden und Entwicklung im 21. Jahrhundert engagiert
wahrnehmen. Den Menschen in den Entwicklungsländern bietet Deutschland Hilfe
zur Selbsthilfe an. Voraussetzung ist, dass die Rahmenbedingungen für eine
erfolgreiche Hilfe gegeben sind: Beachtung der Menschenrechte,
Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit sowie eine sozial ausgerichtete
Marktwirtschaft. Schwerpunkte unserer Maßnahmen werden Bildung und
Ausbildung, die Stärkung der Staatsfunktionen und die Demokratieberatung, der
Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und die Stärkung der wirtschaftlichen
Wettbewerbsfähigkeit als elementarstes Mittel zur Armutsbekämpfung sein.
Wir setzen für eine erfolgreiche
Entwicklungszusammenarbeit auf die Kompetenz der und die Kooperation mit den
Nichtregierungs-Organisationen. Wir werden auf eine effizientere Koordination
und Aufgabenteilung in den internationalen Institutionen der
Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe hinwirken. Innerhalb
Europas soll die Europäische Union die Entwicklungszusammenarbeit mit
denjenigen Ländern betreuen, die mit einer Vielzahl von Gebern
organisatorisch überfordert sind.
Wahlaufruf
Sie, die Bürgerinnen und Bürger,
haben es jetzt in der Hand, die Weichen auf Zukunft zu stellen: Leistung und
Sicherheit für unser Land – das ist die Chance des 22. September.
Vier Jahre Rot-Grün waren verlorene
Jahre für uns alle in Deutschland – die rot-grüne Politik hat Deutschland zum
Schlusslicht in Europa gemacht. Dafür trägt Gerhard Schröder die
Verantwortung. Die Deutschen haben besseres verdient als noch einmal vier
Jahre verspielter Chancen, vier Jahre des Abstiegs, noch einmal vier Jahre
lang Versprochen – Gebrochen.
Mit der Mehrheit der Menschen
verbinden uns eine Einsicht und ein Wille: Es ist Zeit für Taten. Es ist
Zeit, dass unser Land wieder effizient und tatkräftig regiert wird. Genau das
ist das Angebot, das wir Ihnen machen.
Kompetenz entscheidet: Mit Edmund
Stoiber an der Spitze bieten wir den Menschen eine neue Perspektive – für
mehr Arbeitsplätze, für eine leistungsfähige Wirtschaft, für eine Politik,
die neue Sicherheit schafft, für eine Politik des Optimismus, für eine
stabile und verlässliche Politik der Mitte.
Wir rufen alle Bürgerinnen und
Bürger auf: Gehen Sie wählen. Nutzen Sie Ihre Stimme am 22. September. Lassen
Sie uns gemeinsam mehr aus Deutschland machen!
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