D a s L i b e r a l e T a g e b u c h |
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Sammlung Originaldokumente
aus Das Liberale Tagebuch, (http://www.dr-trier.de) |
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BRÜDERLE: 20 Prozent aller Subventionen
kürzen Berlin.
Der stellvertretende FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende RAINER BRÜDERLE hat
die jüngste Übereinkunft der Ministerpräsidenten KOCH und STEINBRÜCK zum
Subventionsabbau aufgegriffen und dazu weiter gehende Vorschläge geäußert. In
Berlin erklärte er: "Die
Chance, an die Subventionen ran zu gehen, war noch nie größer als heute.
Angesichts leerer öffentlicher Kassen und einer lang andauernden Wirtschafts-
und Beschäftigungskrise in Deutschland nimmt der Konsolidierungsdruck
tagtäglich zu. Dabei ist allen halbwegs ökonomisch gebildeten
Entscheidungsträgern klar: Steuererhöhungen sind in Zeiten einer
dahinsiechenden Wirtschaftsentwicklung tabu. Welch verheerende Auswirkungen
allein die Debatten darüber haben - siehe Steuervergünstigungsabbaugesetz,
siehe Mehrwertsteuererhöhung -, zeigt sich in der aktuellen Vertrauenskrise
der Nachfrager, die das konjunkturelle Tief zusätzlich verfestigt. Vielmehr
müsste die Politik auf massive Steuersenkungen setzen. Das traut sie sich
aber nicht, weil Steuerausfälle möglicherweise kurzfristig weitere Löcher in
die öffentlichen Kassen reißen. Dabei sind die mit Steuer- und
Abgabensenkungen mittelfristig erzielbaren Wachstums- und
Beschäftigungseffekte unbestritten die entscheidende Determinante für eine
erfolgreiche Konsolidierung der Staatsfinanzen. Diese
Mutlosigkeit der deutschen Finanzpolitik wird meist auch mit der möglichen
Verletzung der europäischen Stabilitätskriterien begründet. Aber auch hier
zeigt sich, dass das Unterlassen von Steuersenkungen den Abbau des
Staatsdefizits nicht erleichtert, sondern erschwert. Wegen des Verzichts auf
niedrigere Steuern brechen derzeit Steuereinnahmen weg, und Staatsausgaben
zur Verwaltung der unerträglich hohen Arbeitslosigkeit steigen. Die Vorgaben
des Maastrichter Vertrag werden so zusehends ausgehöhlt. Mit
der Willensbekundung der Ministerpräsidenten KOCH und STEINBRÜCK,
Subventionen in drei Jahren um 10 Prozent zu kürzen, ist nun endlich der
politische Weg vorgegeben, um das vermeintliche Dilemma der kurzfristigen
Steuerausfälle durch eine notwendige Steuersenkungspolitik zu beheben.
Wegfallende Subventionen können zur Gegenfinanzierung für niedrigere Steuern
herangezogen werden. Subventionsabbau
ist in einem marktwirtschaftlichen System eine ordnungspolitische
Daueraufgabe. Denn Subventionen verzerren den Wettbewerb, behindern den
Strukturwandel und erhöhen Anpassungslasten in der Zukunft. Das sind
ökonomische Binsenweisheiten, die alle Wirtschaftsexperten regelmäßig vortragen
und die alle Wirtschaftspolitiker kennen. Dennoch tut sich die Politik mit
dem Abbau von Subventionen ausgesprochen schwer. Das ist allerdings mit der
Theorie der politischen Ökonomie sehr gut erklärbar. Subventionsempfänger
sind natürlich auch Wähler und für Politiker sind Zahlungen zugunsten von
Unternehmen und bestimmten Personengruppen Mittel zur positiven
"Wählerbeeinflussung". Entsprechend führt eine Kürzung der
Zahlungen zum Stimmenverlust. Da Politiker ökonomisch als Stimmenmaximierer beschrieben
werden können, sind sie immer dann, wenn es um den vermeintlichen Verlust von
Wählerstimmen geht, vorsichtig. Vorschläge zur Subventionskürzung nach der
Rasenmähermethode sind ökonomisch betrachtet zwar lediglich "second
best", aber es sind die Vorschläge, mit denen sich alle politischen
Entscheidungsträger engagieren könnten. Die
FDP sagt aus diesem Grunde, wir wollen schnellst möglich 20 Prozent aller
Subventionen zurückführen. Nach der
allgemein anerkannten Abgrenzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft
würde auf diese Weise eine Summe von mindestens 14 Milliarden Euro
zusammenkommen. Diese Summe umfasst nur die Finanzhilfen und
Steuervergünstigungen, die der Bund gewährt. Bezieht man Länder und Gemeinden
sowie die Bundesanstalt für Arbeit in die Kürzung mit ein, wäre noch einmal
ein Volumen von 14 Milliarden Euro erzielbar. Allerdings
ist klar, dass die Kürzungen keine Bereiche ausnehmen dürfen. Die Diskussion
darüber, wo gekürzt wird und welche Bereiche verschont bleiben, wäre das
Vertun der großen Chance zum umfassenden Subventionsabbau, die sich gerade
jetzt auftut. Natürlich muss die Eigenheimzulage ebenso in die Abbaupläne
einbezogen werden, wie die steuerfreien Nacht- und Schichtzuschläge. Und
natürlich wird die Werftenindustrie genauso ihren Beitrag leisten müssen wie
der Steinkohlebergbau. Auch der Verweis, dass hier feste Verträge bestehen,
ist nicht legitim. Verträge kann man ändern, und Subventionszusagen sind in
allen Bereichen immer auch Verträge zwischen Subventionsgeber und -empfänger.
Warum diese in einem Bereich kündbar sind, in anderen Bereichen nicht, das
leuchtet keinem ein. Die Rasenmähermethode setzt darauf, dass alle den
prozentual gleichen Beitrag leisten. Denn damit kann das Gegenargument einer
ungerechten Subventionskürzung schnell entkräftet werden. Wir haben jetzt endlich die Möglichkeit, den jahrzehntelang gesuchten Einstieg in den Subventionsabbau zu finden. Das müssen wir im Interesse der Wirtschaftskraft Deutschlands und im Interesse einer Wachstums- und Beschäftigungspolitik mit niedrigeren Steuern und Abgaben nutzen. Allen, die jetzt anfangen darüber zu diskutieren, wo man nicht kürzen darf, sei ins Stammbuch geschrieben: Sie verspielen eine historische Chance. |