D a s   L i b e r a l e   T a g e b u c h

Sammlung Originaldokumente aus „Das Liberale Tagebuch“, http://www.dr-trier.de

 

 

 

Hat der BND mit zwei Agenten
die USA im Irak-krieg unterstützt?

 

Das Liberale Tagebuch: Deutsche Öffentlichkeit und die Medien bzw. umgekehrt in empörter Wallung. Erinnerung an KWII und Gerhard Schröder: Hach, sind wir die Größten …

 

 

 

14. Januar 2006

 

 

Dresdner Neueste Nachrichten: Wenn man nicht mehr weiter weiß, gründet man 'nen Arbeitskreis. So salopp wird in der Politik gern ein Problem vertagt. Wenn man aber unwissend sein will, so wie jetzt die Grünen in der BND-Affäre, dann fordert man eben einen Untersuchungsausschuss. So nachvollziehbar das Ansinnen ist: Dass jetzt die Grünen und allen voran Joschka Fischer die Ahnungslosen spielen, ist nur noch scheinheilig. Wo war denn der Außenminister in acht Jahren Rot-Grün? Nur im Ausland? Die Hoffnung, dass ein Untersuchungsausschuss dem Gedächtnis der Verantwortlichen auf die Sprünge hilft, mag berechtigt sein. Die Geschichte der meisten dieser Gremien lehrt jedoch: Sie ist trügerisch.

 

 

Nürnberger Zeitung: In den von ihr genannten Top-Gesprächsthemen Terrorbekämpfung, Iran-Problem, UN- und Nato-Reform steckt viel Zündstoff. Bei aller guten Absicht und besten Vorsätzen, die Beziehung mit der Supermacht zu verbessern, Wird Angela Merkel hier auf Fußangeln achten müssen. Einen Vorgeschmack darauf geben bereits auffällige Indiskretionen im Zusammenhang mit dem Besuch der amerikanischen Außenministerin Rice in Berlin und der Verwicklung des BND in den Irak-Krieg.

 

 

Landeszeitung (Lüneburg): in ominöser Ex-Pentagon-Mann erhebt in Medien schwere Vorwürfe gegen den deutschen Geheimdienst und das -- welch ein Zufall -- punktgenau zum Antrittsbesuch der neuen Bundeskanzlerin bei der US- Regierung in Washington. Bliebe der gesunde Menschenverstand eingeschaltet, würde man nicht nur über die Merkwürdigkeit des Zeitpunkts stolpern. Da würde man sich auch fragen, was für Super- 007er der Bundesnachrichtendienst in seinen Reihen haben muss, dass sich Amerikaner und Briten trotz ihrer eigenen Schlapphut-Kohorten vor Ort des kümmerlichen BND-Duos bedienen, um Saddams vermeintlichen Aufenthaltsort und andere Bombenziele zu identifizieren. Und warum zwei Geheimdienstler ausgerechnet aus dem, «oppositionellen» Deutschland, das Bushs Feldzug strikt ablehnte?

 

 

Nürnberger Nachrichten: Auch wenn die Chancen nicht groß sind, die Wahrheit herauszufinden, muss die Opposition handeln. Der Ausschuss darf nicht nur nach den Aktivitäten deutscher Dienste fragen. Er muss auch versuchen herauszufinden, was US-Dienste auf deutschem Boden treiben oder getrieben haben. Rechtsfreie Räume wie in Guantanamo wären in Ramstein oder Grafenwöhr absolut inakzeptabel. Der Zweck darf nicht die Mittel heiligen - auch nicht im Kampf gegen den Terrorismus.

 

 

 

13. Januar 2006

 

Fankfurter Allgemeine: Das wäre schon eine besondere Pointe rot-grüner Friedenspolitik, wenn es sich als wahr herausstellte, daß deutsche Geheimdienstmitarbeiter mit offizieller Erlaubnis den Amerikanern die Koordinaten für die Zielerfassung ihrer Bombenangriffe auf Bagdad geliefert hätten, während der Kanzler sein Nein zu jeder Beteiligung an diesem Krieg beschwor. Vorerst sollte man solche Berichte aber mit spitzen Fingern anfassen. Was Geheimdienste tun, wissen einige wenige Leute. Was darüber in die Öffentlichkeit gelangt, hat in der Regel doppelten und dreifachen Boden".

 

 

Ost-Thüringer Zeitung (Gera): Wenn die rot-grüne Bundesregierung den Irak-Krieg der USA verurteilt hat, jedoch mit Zielkoordinaten für die US-Bomber zu Diensten war, hätte sie sich diskreditiert. Wenn der BND in Bagdad die Lage sondiert hat, hat der Dienst bloß seine Pflicht getan. Wenn er die rote Linie überschritten hat - im Auftrag der Regierung oder von ihr gebilligt -, wäre es der größte Wahlbetrug in der Geschichte der Republik. Eine lückenlose Aufklärung ist jetzt gefordert.

 

 

Süddeutsche Zeitung: "entweder Steinmeier und Schröder haben, wie Ersterer behauptet, von der kriegerischen Zusammenarbeit mit den USA wirklich nichts gewusst; das wäre dann ein Fall eklatanten Unvermögens der politischen Führung sowie der Insubordination und Konspiration des Geheimdienstes. Wenn sie aber diese militärische Kooperation gebilligt oder gar betrieben haben - dann steht man vor einem Abgrund von Lügen, dann bröckelt die Friedlichkeit des Friedenskanzlers.

 

 

Wiesbadener Kurier: "Misstrauisch macht vor allem die Art und Weise, wie die Betroffenen mit der Enthüllung umgehen … Außenminister Steinmeier als damals verantwortlicher Kanzleramtschef hat die BND-Präsenz erst nach anfänglichem Leugnen eingestanden. Sein Vorgänger Fischer will von gar nichts gewusst haben. Sollten die parlamentarischen Nachfragen oder neue Medienrecherchen eine tiefere Verstrickung des Geheimdienstes und seiner politischen Aufseher zu Tage bringen, wäre der erste Personalwechsel im Kabinett der großen Koalition fällig.

 

 

Der Tagesspiegel (Berlin): Der heutige Außenminister wird den Vorgang, der in seine Jahre im Kanzleramt hineinragt, restlos aufklären müssen, er wird sich erklären müssen, weit mehr als bisher. Und sei es in einem Untersuchungsausschuss des Bundestags. Denn hier geht es um so viel. Es geht um Schröders verbleibende Reputation als Kanzler. Es geht um Steinmeiers Reputation als Kanzleramtschef, als Manager der Macht. Es geht um die Reputation des Staates, dem nicht Agenten in seine Politik hineinfunken dürfen. Schröder ist nicht mehr im Amt, wohl aber Steinmeier. Er sollte darum kämpfen.

 

 

Generalanzeiger (Bonn): Muss jetzt die Geschichte des Krieges gegen Saddam Hussein neu geschrieben werden? … Muss sie nicht. Der deutsche Geheimdienst war also mit zwei Mann im Irak, und die Öffentlichkeit ist darüber nicht informiert worden. Das ist ja ein Ding. Was wäre das für ein Geheimdienst, der mit Presserklärungen arbeitete! Dann hat dieser Geheimdienst die 'befreundeten Dienste' in den USA über mögliche Ziele informiert, die man von Bombardements, bitte, ausnehmen möge. Das war eine Selbstverständlichkeit. Schließlich habe der BND Hinweise auf den Aufenthalt von Saddam überprüft und bestätigt, was der Dienst dementiert. Und wenn es so gewesen wäre? Wäre es verwerflich, so dazu beizutragen, einem Diktator das Handwerk zu legen? Man sollte die Kirche im Dorf lassen“

 

DIE WELT: Die Bestätigung, daß BND-Mitarbeiter im Irak ausharrten, das Gegenteil eines Skandals. Ein Ärgernis wäre es vielmehr, wenn diese Agenten beim ersten Pulverdampf heimbeordert worden wären. Und auch BND-Tips zur Verhinderung der Bombardierung bestimmter Ziele sind lobenswert. Dennoch mag das Bild einer unschuldigen rot-grünen `Friedenspolitik´ für manche einen Grauschleier bekommen. Es gab eben nicht nur Überflugrechte und die Erlaubnis für die USA, Militärstützpunkte in Deutschland für den Irak-Krieg zu nutzen, sondern auch die Kooperation der Agenten. Dazu aber gibt es keine Alternative in einer Realpolitik, die keinen Platz läßt für pseudomoralischen Perfektionismus.

 

Handelsblatt: Aufgeklärt hätte man allerdings auch gerne, warum in Washington plötzlich so eifrig Informationen gestreut werden, die das alte Regierungsbündnis kompromittieren, aber auch die neue Exekutive in Bedrängnis bringen. Erst kam der Hinweis, der damalige Innenminister Otto Schily sei über die Entführung des Deutschen el Masri informiert gewesen, nun steckte man `Panorama´ den Hinweis, der BND habe sich in Bagdad als vorgeschobener Beobachter betätigt. Das kann, um im Militärjargon zu bleiben, 'friendly fire' sein, ein Missgeschick. Kann, muss aber nicht.

 

 

Norbayerischer Kurier: Diese politische Bombe platzte, bevor die neue Kanzlerin Merkel, die sich erdreistet hatte, die Rechtlosigkeit im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba zu rügen, zu Besuch bei US-Präsident Bush eintraf. So wird die CDU-Regierungschefin in unangreifbarer Form zurechtgewiesen und ihr Außenminister Steinmeier bloßgestellt, der zu Zeiten des Irak-Krieges als Kanzleramtschef für die Kontrolle des Bundesnachrichtendienstes verantwortlich war. Präsident Bush und Pentagon-Chef Rumsfeld dürften Genugtuung darüber empfinden, wie sich ihre deutschen Kritiker in Verlegenheit winden