D a s L i b e r a l e T a g e b u c h |
|
Sammlung
Originaldokumente aus Das Liberale Tagebuch, (http://www.dr-trier.de) |
|
16. Juli 2003 Wachstumsimpuls
auf der Basis nachhaltiger Modernisierung Zur Vorstellung der Eckpunkte der Finanzierung des
Vorziehens der Steuerreform erklärt das Bundesministerium der Finanzen: Deutschland braucht einen umfassenden Reformansatz,
um die aktuelle Wachstumsschwäche mit einer nicht akzeptablen
Beschäftigungskrise nachhaltig zu überwinden. Die Wirtschaftsentwicklung hat
die Schwachstellen Deutschlands schonungslos offengelegt. Dies findet auch in
allen öffentlichen Haushalten seinen deutlichen Niederschlag. Entsprechend müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass
Bürger und Unternehmen wieder Mut zum Investieren und zum Konsumieren fassen.
Wir brauchen auf der Basis nachhaltiger Modernisierung einen Impuls, um den
Wachstumsmotor wieder anspringen zu lassen. Dieser Impuls ist die Steuerreform. Mehr Wachstum
ist auch der Königsweg zu soliden Finanzen. Deshalb ist es auch
volkswirtschaftlich unabdingbar, eine einmalig höhere Neuverschuldung
zuzulassen, wenn gleichzeitig die Mehrbelastungen strukturell durch Einsparungen
mehr als ausgeglichen werden. Einbettung der Steuerreform in eine
Modernisierungsagenda Die Bundesregierung hat auf ihrer Klausurtagung in
Neuhardenberg, aufbauend auf der Agenda 2010, eine konkrete Umsetzung dieses
sehr ambitionierten Modernisierungsprogramms beschlossen. Dies findet
Niederschlag in den Eckwerten des Bundeshaushalts 2004 und in dem Vorziehen
der Steuerreformstufe 2005 auf das Jahr 2004. Die zentralen Elemente der Finanz- und
Wirtschaftspolitik sind: ·
Strukturreformen für mehr Wachstum und
Beschäftigung werden insbesondere im Bereich der sozialen Sicherungssysteme
und der Arbeitsmärkte schnell und umfassend umgesetzt. Dies ist der Kern der
Agenda 2010. ·
Die Konsolidierung des Bundeshaushalts
basiert auf einer nachhaltigen Begrenzung der konsumtiven Ausgaben.
Insbesondere müssen wir bei den Subventionen konsequent auf unserem Abbaupfad
bleiben. So schaffen wir Raum für Zukunftsaufgaben. Dies spiegelt sich im
Bundeshaushalt 2004 und dem Finanzplan wider. ·
*Erst auf dieser Basis wird das
Vorziehen der dritten Steuerreformstufe von 2005 auf das Jahr 2004 seine
volle Wirkung entfalten. Dieser Dreiklang fügt sich harmonisch in eine
Strategie der Erneuerung Deutschlands ein. Die Konjunktur wird gestützt und
zugleich werden die notwendigen Strukturreformen angeschoben, die Deutschland
fit für das 21. Jahrhundert machen. So kommt Deutschland voran! Stärkung der Nachfrage auf der
Basis struktureller Reformen Das Vorziehen der Steuerreform gibt den Bürgern und
Unternehmen 2004 mehr Geld in die Hand, damit sie ihre Konsumwünsche und
Investitionen schneller realisieren können. Das schafft Raum für ein
Anspringen des Wachstumsmotors. Wirtschaftsindikatoren zeigen
aufwärts Dass dieser Wachstumsschub kein leere Ankündigung
ist, zeigen schon die Frühindikatoren. Wie das Zentrum für Europäische
Wirtschaftsforschung gestern mitteilte, ist der von dem Institut erhobene
Stimmungsindex um 20,6 Zähler auf 41,9 Punkte gestiegen. Dies ist der höchste
Stand seit August vergangenen Jahres. Gleichzeitig lag das
Konjunkturbarometer damit wieder über seinem langfristigen Mittelwert von 33
Punkten. Auch die bisherigen Steuereinnahmen im laufenden
Jahr zeigen Perspektive: Im ersten Halbjahr sind es allein 0,5 % höhere
Einnahmen als im Vorjahresvergleich. Einbindung in den Bundeshaushalt
2004 Basis für das Vorziehen der Steuerreform ist das
Einsparkonzept des Bundeshaushalts. Das Konzept zur Haushaltsstabilisierung
2004 des Bundes ist darauf ausgerichtet, das Wachstum konsumtiver Ausgaben zu
bremsen, Subventionen abzubauen und die Bekämpfung von Schwarzarbeit und
Steuerhinterziehung entschlossen voran zu treiben. Das Konsolidierungsvolumen im Bundeshaushalt beträgt
14 Mrd. EUR in 2004 und bis zu 15 Mrd. EUR in den Folgejahren. Das sind mehr
als 5 % des Volumens des Bundeshaushalts. Das hohe gegenwärtige
Finanzierungsdefizit des Bundes kann
hierdurch bis 2007 bis auf 10 Mrd. EUR zurückgeführt werden. Das Konsolidierungskonzept bietet auch Ländern und
Gemeinden eine spürbare Entlastung. Es sichert den Ländern und Kommunen auf
Einnahme- und Ausgabeseite bereits Entlastungen von zusammen 8,9 Mrd. EUR in
2004. Dies steigt bis 2007 auf über 11. Mrd. EUR an. Das heißt, wenn die
Länder im Bundesrat den Weg für Einsparungen im eigenen Interesse frei
machen, gewinnen sie bereits einen finanziellen Freiraum, der die
Größenordnung der einmaligen Belastungen durch die Steuerreform übersteigt. Darum ist jetzt die Opposition gefragt. Wir haben
mit dem Bundeshaushalt 2004 Vorschläge für zum Teil auch sehr unpopuläre
Konsolidierungsmaßnahmen gemacht. Wer für Steuersenkungen ist, aber die
Vorschläge der Bundesregierung nicht mittragen will, ist selber in der
Bringschuld. Die Bundesregierung ist für Vorschläge offen. Wenn wir uns jetzt
gemeinsam über alle Parteigrenzen hinweg auf das Notwendige -
Steuersenkungen, Strukturreformen und Subventionsabbau - konzentrieren,
können alle Menschen in Deutschland gewinnen. Das ist unsere Verantwortung. Erhöhung der Nettokreditaufnahme Die Einsparungen schaffen den Raum für das Vorziehen der Steuerreform. Dies stärkt
zusammen mit glaubwürdigen Reformen der sozialen Sicherungssysteme die
Wachstumskräfte nachhaltig. Wenn wir jetzt die Wachstumskräfte stärken wollen,
müssen wir den Bürgern aber auch mehr Geld in der Tasche lassen. Bürger und
Mittelstand müssen netto mehr behalten. Deshalb wird der Bund die einmalige
Zusatzbelastung in der Höhe von 5 Mrd. EUR für den Bundeshaushalt durch
zusätzliche Kredite finanzieren. Aber wir werden - und das ist unsere Verpflichtung
gegenüber der nachfolgenden Generation - schon jetzt Maßnahmen ergreifen, um
die zukünftigen Mehrbelastungen voll
auszugleichen. Hierzu gehört eine schrittweise Tilgung der
zusätzlichen Last durch Privatisierungserlöse bereits ab 2004 von mindestens
2 Mrd. EUR sowie ein zusätzlicher Abbau von Steuervergünstigungen in der
Größenordnung der maximalen Zinslast aus einer höheren Verschuldung, rund 720
Mio. EUR für Bund, Länder und Gemeinden. Privatisierungserlöse Für das kommende Jahr unterstellen wir ein
zusätzliches Privatisierungsvolumen von 2 Mrd. EUR. Damit wäre beim Bund
bereits über ein Viertel der einmalig höheren Verschuldung getilgt. Wenn der
Markt mehr hergibt, werden wir auch mehr privatisieren. Die Bundesregierung
bleibt auf einem verlässlichen Privatisierungskurs. Zusätzlicher Subventionsabbau Um die zusätzlichen Zinsausgaben einer erhöhten
Neuverschuldung nachhaltig zu finanzieren, werden ganz konkret Subventionstatbestände in der Umsatzsteuer
abgebaut. Wir verbreitern die Bemessungsgrundlage, wie dies allgemein
gefordert wird. Dies bringt bereits 2004 über 600 Mio. EUR für Bund,
Länder und Gemeinden, davon rund 300 Mio. EUR für den Bund. Die zusätzlichen
Einnahmen steigen mittelfristig auf 720 Mio. EUR, davon rd. 370 Mio. EUR für
den Bund und knapp 350 Mio. EUR bei Ländern und Kommunen. Damit ist sichergestellt: Die höhere Zinslast wird
den finanziellen Spielraum in Zukunft grundsätzlich nicht einschränken. Dies
ist die wichtige Botschaft einer nachhaltigen Finanzpolitik an unsere Kinder
und Enkel. Vorgeschlagen werden folgende 3 Maßnahmen zum
Subventionsabbau: ·
Wegfall der
Durchschnittssatzbesteuerung für buchführende Landwirte. Dies bringt
langfristig rund 200 Mio. EUR. ·
Absenkung der Vorsteuerpauschale von 9
% auf einen realitätsnäheren Wert von
7 % bei Land- und Forstwirten. Dies dürfte rund 120 Mio. EUR bringen. ·
Einführung der sogenannten
Reverse-Charge-Regelung im Baugewerbe. Hierdurch wird Betrügerein beim
Vorsteuerabzug der Riegel vorgeschoben. Der Leistungsempfänger, der die
Vorsteuer weiterhin abziehen darf, wird zum Steuerschuldner für die
Umsatzsteuer der Vorstufe. Diese Vorschläge bedeuten einen Abbau von
Steuervergünstigungen. Sie haben eindeutig Subventionscharakter. Wir sind für
Vorschläge für andere Maßnahmen zum Subventionsabbau offen. Fazit Die zentralen Botschaften des Vorziehen des
Steuerreform sind zusammengefasst: ·
Wir werden die Bürger deutlich
entlasten, allein im kommenden Jahr in der Höhe von 15,6 Mrd. EUR. ·
Es wird einen spürbaren
Selbstfinanzierungseffekt geben, der auch für die Sozialversicherungen
Entlastungen bringt. ·
Allein die Einsparmaßnahmen des
Bundeshaushalts 2004 haben für Länder und Kommunen ein größeres Volumen als
die Steuerausfälle 2004 durch das Vorziehen der Steuerreform, nämlich rd. 9
Mrd. EUR. ·
Der Bund wird seine Neuverschuldung
einmalig um 5 Mrd. EUR erhöhen. ·
Durch Privatisierungserlöse werden die
zusätzlichen Schulden im Einklang mit der Marktentwicklung Schritt für
Schritt getilgt. Hierzu werden bereits ca. 2 Mrd. EUR in den Haushalt 2004
eingestellt. ·
Wir bieten zusätzliche Maßnahmen zum
Subventionsabbau an, die der maximalen Zinsbelastung für Bund Länder und
Gemeinden in Höhe von 720 Mio. EUR aus dem Vorziehen der Steuerreform
entsprechen. Schwerpunkt ist die Verbreiterung der Bemessungsgrundlage in der
Umsatzsteuer. Das Konzept des Bundes steht. Wir werden die dafür
notwendigen Beschlüsse im Kabinett am 13. August treffen. Auf dieser Basis
können wir dann im parlamentarischen Verfahren schnell zu Lösungen kommen.
Deutschland braucht einen Modernisierungs- und Wachstumsimpuls. Die
Bundesregierung bietet allen politischen Kräften an, gemeinsam für
Deutschland an dieser Aufgabe mitzuarbeiten! Übersicht zur Finanzierung der
vorgezogenen Steuerreformstufe Die einmalige Zusatzbelastung im Jahr 2004 von 15,6 Mrd. € für alle Ebenen wird durch
zusätzliche Kredite von Bund, Ländern und Gemeinden finanziert. Die Tilgung erfolgt in eigener Verantwortung der
jeweiligen Gebietskörperschaft. Der Bund wird hierzu schon im Jahre 2004
mindestens 2 Mrd. € aus
Privatisierungserlösen einsetzen. Die sich aus der Zinsbelastung für zusätzliche
Kredite ergebenden Mittel in der Größenordnung von durchschnittlich 600 Mio € für Bund, Länder und Gemeinden,
werden dauerhaft durch steuerlichen Subventionsabbau
mit folgenden Maßnahmen finanziert: |